14 Dezember 2013

Daniel Schlechtriem | 14. Dezember, 2013  







Morgen, also der 15. Dezember 2013, markiert einen signifikanten Wegpunkt in Richtung Trade Deadline. Ab diesem Tag können Spieler, die im Sommer einen neuen Vertrag unterschrieben haben, getradet werden. Dies betrifft über 100 Athleten in der NBA. Entsprechend viele neue Möglichkeiten eröffnen sich ab Sonntag. Der nächste Meilenstein wird am 19. Dezember überschritten, denn nach dem NBA-Regelbuch müssen getradete Spieler mindestens zwei Monate bei ihrem neuen Team verweilen. Die Trade Deadline ist am 20. Februar, ergo können Spieler, die am 19. Dezember getradet werden, kurz vor der Deadline erneut weitergereicht werden. Einer der Namen, der daher in diesem kurzen Zeitraum zwischen kommendem Sonntag und Donnerstag mit allergrößter Wahrscheinlichkeit sein neues Team findet, ist Houstons Ömer Asik. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich kein Geheimnis mehr. 

With the 14th Pick überlegte schon vor einem Monat, was die Rockets mit ihrem unzufriedenen Center anstellen könnten. Damals war zu einem gewissen Teil noch der Wunsch der Vater des Gedankens, inzwischen ist festzustellen: LaMarcus Aldridge wird nicht zur Verfügung stehen, denn die Blazers haben derzeit wenig Grund, auch nur irgendetwas zu verändern. Auch die Heat werden ihr berühmt-berüchtigtes Trio kaum sprengen, wenngleich das kürzlich stattgefundene Aufeinandertreffen mit dem designierten Conference Finals Widersacher Indiana Pacers schmerzlich offenbarte, wie dringend South Beach Hilfe gegen Roy Hibbert bräuchte. Die Pelicans scheinen trotz oder gerade wegen des Ausfalls von Anthony Davis nicht gewillt, Ryan Anderson abzugeben und bauen zukünftig auf ihn. Rajon Rondo hingegen wird am ehesten verfügbar sein. Da er aber noch Wochen von seinem Comeback entfernt ist und die Celtics vermutlich den Marktwert ihres Aufbauspielers noch etwas in die Höhe treiben möchten, ist ein Deal zur Trade Deadline sehr viel wahrscheinlicher.

In Houston hat sich seit diesen Überlegungen auch ein bisschen was getan: Der Bedarf an einem Strech Power Forward, wie ihn der letzte Artikel vornehmlich fokussierte, ist aufgrund des rasanten Aufstiegs von Terrence Jones nicht mehr so dringlich. Seit Head Coach Kevin McHale seinen Sophomore infolge des gescheiterten Twin Tower Experiments – Howard zusammen mit Asik in der Mitte – in die Starting Five beförderte, legt jener Zahlen auf, die ihn zwangsläufig ins Rennen um den Most Improved Player Award schicken: Als Starter legt Jones starke 12,2 Punkte, 8,1 Rebounds und 1,6 Blocks auf – Tendenz steigend. Er trifft einigermaßen zuverlässig von der Dreierlinie (36,1%) und verteidigt mehr als solide. Houston hat hier also keinen unmittelbaren Handlungsdruck mehr. Das mutmaßliche Interesse an Milwaukees Ersan Ilyasova dürfte sich damit ebenfalls erledigt haben. Jones ist jünger und weniger verletzungsanfällig, hat noch eine Menge Upside und einen sehr Franchise-freundlichen Vertrag, er verdient nur knapp über neun Millionen Dollar in den nächsten vier Jahren; Ilyasovas Lohnscheck ist im gleichen Zeitraum mehr als drei Mal so hoch.

Es ist also Umdenken angesagt hinsichtlich des erwünschten Gegenwerts. Houston hätte für den anstehenden Draft, den mutmaßlich besten Jahrgang seit 2003 (LeBron James, Carmelo Anthony, Chris Bosh, Dwyane Wade), nur zu gerne einen weiteren Pick neben dem eigenen. Gerüchten zufolge forderte Rockets GM Daryl Morey für seinen türkischen Center gar zwei Picks respektive die Rechte, die Reihenfolge zu tauschen. Diese Picks sind aus erwähntem Grund allerdings begehrter und damit schwieriger zu ergattern denn je. Deshalb muss man auch hier Flexibilität zeigen, so wie es die Rockets im letzten Februar taten, als sie den fünften Pick des damaligen Draftjahrgangs, Thomas Robinson, für mehr oder weniger Nichts nach Houston holten. Wenn also kein Draft Pick verfügbar ist, wirft man eben die Angel nach einem bereits gedrafteten Spieler aus. In Houstons Fall könnte das den Rookie der Milwaukee Bucks, Giannis Antetokounmpo (powered by copy + paste) betreffen.

Es ist kein Geheimnis, dass Morey den griechischen Flügelspieler mit nigerianischen Wurzeln vor dem Draft genau beobachten ließ respektive selbst beobachtete und ihn sehr gerne nach Houston geholt hätte. Der bald 19-jährige, derzeit jüngster aktiver Spieler der NBA, erfüllt all das, was Zahlenfreak Morey so liebt: günstiger Vertrag, jede Menge formbares Talent und Elan sowie die hochdisziplinierte europäische Ausbildung. Die Bucks haben zahlreiche Probleme, eines davon betrifft die Zone. Ihrem Shotblocker Larry Sanders werden nahezu unüberbrückbare Differenzen mit dem neuen Head Coach Larry Drew nachgesagt. Sollte Milwaukee also Bereitschaft zeigen, ihren an 15. Stelle gedrafteten Rookie für einen gestandenen Center wie Asik abzugeben, um in diesem Sachverhalt Alternativen zu schaffen, würde Morey zügig den Buzzer drücken. Das könnte so aussehen: Antetokounmpo und Ekpe Udoh nach Houston, Asik und Ronnie Brewer zu den Bucks. 

Udoh ist für die finanzielle Balance des Trades notwendig. Mit seinem auslaufenden Vertrag wäre er für Houston ein passender Ausgleich, den sie gegebenenfalls zur Deadline weiterverschiffen oder alternativ im Sommer Platz auf der Gehaltsliste schaffen. Die Bucks könnten mit Asik an Bord ihre Zukunft ausloten und falls nötig den Markt für ihr Problemkind Larry Sanders testen. Unter dem Korb wären sie mit der türkischen Kombi Asik-Ilyasova zumindest für die nahe Zukunft gerüstet und bieten ihrem – davon ist auszugehen – im kommenden Juni neu gedrafteten Franchise Player ein stabiles Fundament und damit einen bekömmlichen Karrierestart. Sollten sich die Hirsche doch auf Sanders festlegen, wäre auch ein Three Team Deal denkbar, beispielsweise mit Philadelphia, denen großes Interesse an Asik nachgesagt wird und die dafür Evan Turner nach Wisconsin schicken. 

Neue Gerüchte bringen Asik auch mit den Cleveland Cavaliers in Verbindung. TNTs David Aldridge bezeichnet Anderson Varejao als „perfect fit“ neben Dwight Howard, was nicht nur die vorliegende Kolumne tendenziell bezweifelt. Sollten sich die Rockets auf den Brasilianer mit den weichen Knien einlassen, dann nur, um kurzfristig als Back-up für Howard die Rebound-Hoheit aufrecht zu erhalten und ihn dann im Februar zur Deadline, wenn sich neue Möglichkeiten auftun, weiter zu traden. Varejaos neun Millionen Dollar schwerer Vertrag ist für die kommende Saison nur teilweise garantiert, das macht ihn möglicherweise zum wertvollen Trade Chip – oder aber die Rockets trennen sich dann einfach von ihm, um Cap Space frei zu schaffen, den sie benötigen werden um Chandler Parsons im Sommer den hochverdienten lukrativen neuen Vertrag anzubieten und ihn langfristig in Südosttexas zu halten. 

Eins zu Eins funktioniert dieser Deal zwar theoretisch, praktisch wäre das aber kein Daryl-Morey-Trade, Houston bekäme zu wenig raus. Die Cavs müssten entweder einen Pick abgeben, was eher unwahrscheinlich ist, oder aber Dion Waiters in den Topf werfen, den sie bekanntlich lieber gestern als heute loswerden möchten. Für den Shooting Guard, #4 Pick im 2012er Draft, haben die Rockets mit ihrer ohnehin schon offensivstarken Guard Rotation keine Verwendung, daher ist ein Three Team Deal eher denkbar. In so einem Fall würden die Charlotte Bobcats ins Boot geholt, die jeden Spieler, der offensiv nur halbwegs Gefahr ausstrahlt, sehr gut gebrauchen können.

Bei den Bald-Hornets könnte Michael Kidd-Gilchrist entbehrlich werden. Der zweite Pick, ebenfalls Draftjahrgang 2012, wird seit seiner Handverletzung wenig bis gar nicht vermisst, denn Jeff Taylor vertritt ihn exzellent. Kidd-Gilchrist bekäme einen neuen Start, entweder in Houston, wo er vorerst als Back-up für Parsons fungieren und die Perimeter Defense verstärken könnte – oder er wird zur Deadline zum nächsten Team weiter verfrachtet. Um den Cavs diesen Deal schmackhaft zu machen, schicken die Rockets in Donatas Motiejunas noch einen Youngster nach Cleveland. Zusätzlich könnten auch Second Round Picks oder Rechte an internationalen Spielern über den Ladentisch gehen.

Denkbar ist auch ein Szenario, das den Pick der Pistons (#9 – #30) oder Blazers (#13 – #30) involviert. Beide befinden sich derzeit in Besitz des Bobcats, um diese verfügbar zu machen, ist aber, wie eingangs aufgeführt, einiges an Überzeugungsarbeit notwendig. Eine weitere Möglichkeit vermischt diesen Trade mit dem zuvor aufgeführten mit folgendem Rahmen: Die Cavs bekommen Asik, die Bucks Waiters, die Rockets Antetokounmpo.

Und um gegen Ende noch tief in die Kiste des Schwervorstellbaren zu greifen, ein komplexer Vier-Team-Deal hinterher. Ziel der Rockets: Iman Shumpert von den New York Knicks, die bekanntlich mächtig unter Zugzwang stehen. Shumpert wäre eine wertvolle Verstärkung, denn er brächte die bereits erwähnte notwendige Perimeter Defense mit sich. Er trifft zuverlässig von draußen (hohes Einstellungskriterium für einen längerfristigen Verbleib in Houston) und steckt noch in seinem kulanten Rookie Vertrag. In diesem Szenario mischen sich die Rockets in die Gerüchte um ihren Ex-Spieler Kyle Lowry ein, den die Knicks neuerdings unbedingt in den eigenen Reihen begrüßen wollen. Bisher einigte sich NY nicht mit Lowrys Arbeitgeber Toronto – warum also nicht weitere Spieler, die ohnehin auf gepackten Koffern sitzen, beteiligen? 



Die Knicks bekommen ihren Wunschsspieler und müssen dafür nicht auch noch ihren Rookie Tim Hardaway Jr. opfern. Die Sixers tauschen zwei auslaufende Verträgen für einen der besten defensiven Center der Liga. Um die Raptors zu überzeugen, wird womöglich noch ein Draft Pick notwendig sein. Spencer Hawes und Donatas Motiejunas (einem litauischen Raptors-Frontcourt zusammen mit Valanciunas könnte die Zukunft gehören) verstärken zumindest Torontos Zone, ohne das angestrebte Tanking zu torpedieren. Houston holt neben erwähntem Shumpert noch Evan Turner, bei dem sie zwei Monate lang Talent evaluieren und zur Deadline die weiteren Möglichkeiten prüfen können.

Das waren wieder nur ein paar von zahlreichen Optionen. Daryl Morey wird bis kommenden Donnerstag die Gebote einsammeln und sich dann wie bei einer Versteigerung für das beste entscheiden. Nur dies hat sich seit den Gedankenspielen des letzten Monats nicht geändert: Asik wird in den Osten ziehen, einen direkten Western Conference Konkurrent stärken die Rockets „nur“ für Talente und/oder Picks definitiv nicht. Im Gegensatz zu allen anderen Positionen ist der Westen bei den Centern nicht sonderlich qualitativ besetzt – das soll aus Rockets-Sicht gerne so bleiben.