24 Januar 2014

Sebastian Dumitru | 24. Januar, 2014    @nbachefkoch





Erinnert sich noch jemand - die Jüngeren scheiden automatisch aus - an die alten Versionen des Team USA? Jene um die Jahrtausendwende herum, als sich das Mutterland des Basketballs von 1998 bis 2006 bei vier von fünf internationalen Turnieren blamierte (einzige Ausnahme: Gold bei Olympia 2000) und höchstens Platz drei/die Bronzemedaille erreichte?

Wenn nicht, dann würden die USA es auch gerne dabei belassen, da oben in euren Köpfen, würden dieses dunkle Kapitel nur allzu gerne aus den Geschichtsbüchern radieren wie Staedler, Doppel-Läufer oder Pelikan. Seit der Rekalibrierung des Programms durch Jerry Colangelo und Head Coach Mike Krzyzewski sind die Amerikaner nämlich mittlerweile wieder dort, wo sie hingehören auf dem internationalen Totempfahl: ganz oben. Platz eins bei Olympia 2008 in Peking, Platz eins bei der WM in der Türkei, Platz eins bei Olympia 2012 in London... die NBA-Cracks als Maß aller Dinge, wie man es kennt und wie es, bei allem Respekt, auch nicht anders sein dürfte.

Schlechte Nachrichten erreichten heute folgerichtig den Rest der Basketballwelt, denn der US-amerikanische Basketballverband gab seinen erweiterten 28er Kader für die nächsten drei Jahre bekannt. Aus diesem schier unerschöpflichen Spielerpool wird Coach K zusammen mit seinen Assistenten Jim Boeheim (Syracuse), Tom Thibodeau und Monty Williams die jeweiligen 12er Lineups für die Weltmeisterschaft in diesem Jahr und später dann für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zusammen basteln:

Point Guards
Chris Paul (Los Angeles Clippers)
Stephen Curry (Golden State Warriors)
Russell Westbrook, Oklahoma City Thunder
Damian Lillard, Portland Trail Blazers)*
Derrick Rose (Chicago Bulls)
Deron Williams (Brooklyn Nets)
Kyrie Irving (Cleveland Cavaliers)*

Wings
Kevin Durant (Oklahoma City Thunder)
LeBron James (Miami Heat)
Paul George (Indiana Pacers)*
James Harden (Houston Rockets)
Carmelo Anthony (New York Knicks)
Klay Thompson (Golden State Warriors)*
Kawhi Leonard (San Antonio Spurs)*
Andre Iguodala (Golden State Warriors)
Bradley Beal (Washington Wizards)*
Kyle Korver (Atlanta Hawks)*
Gordon Hayward (Utah Jazz)*

Bigs
Anthony Davis (New Orleans Pelicans)
Kevin Love (Minnesota Timberwolves)
Blake Griffin (Los Angeles Clippers)* (nominiert für 2012, dann aber verletzt)
LaMarcus Aldridge (Portland Trail Blazers)*
Dwight Howard (Houston Rockets)
Tyson Chandler (New York Knicks)
DeMarcus Cousins (Sacramento Kings)*
Andre Drummond (Detroit Pistons)*
Kenneth Faried (Denver Nuggets)*
David Lee (Golden State Warriors)*

Farbig unterlegte Spieler haben noch nie ein Länderspiel für das Team USA bestritten oder wurden gar zum allerersten Mal überhaupt in den erweiterten Kader nominiert. Einige dieser jungen Akteure werden bei der WM in diesem Jahr aber definitiv ihre Chance erhalten. Da Alteingesessene wie LeBron James, Chris Paul und Carmelo Anthony in Spanien nicht dabei sein werden und langzeitverletzte Veteranen wie Derrick Rose, Russell Westbrook, Deron Williams und Tyson Chandler ebenfalls geschont werden könnten, öffnen sich neben Fixpunkten wie Kevin Durant und Kevin Love unzählige Plätze im Kader. Coach K wird im Sommer auf einen gesunden Mix aus alten Hasen und jungen Beinen setzen. Weltmeisterschaften sind traditionell die weniger prestigeträchtigen Turniere, sie ermöglichen dem "Nachwuchs" erste Gehversuche im Nationaldress. Bei den olympischen Spielen hingegen könnten und werden die Amis dann in voller Montur und gespickt mit drei All-NBA Teams antreten. Die jeweiligen Namen in die Goldmedaillen können die Veranstalter in Brasilien also schon heute ritzen.

Wer sich wundert, weshalb Kobe Bryant fehlt: der wird 2016 bereits 38 Jahre alt sein und hat kein Interesse mehr an Olympia. Er hatte schon vor geraumer Zeit seine Absage erteilt. Nicht nominiert sind John Wall, Greg Monroe, Jrue Holiday, Ty Lawson, Mike Conley, Chandler Parsons, Taj Gibson, Ryan Anderson, Derrick Favors, Kemba Walker, DeMar DeRozan, Larry Sanders, Harrison Barnes, Dion Waiters, Tyler Zeller und DeAndre Jordan, die allesamt im USA Basketball Mini-Camp letztes Jahr vor Ort waren. Coach K räumt einigen dieser Spieler aber nach wie vor gute Chancen ein, irgendwann nachzurücken. Völlig außer Acht gelassen werden in Zukunft Dwyane Wade, Chris Bosh, Rajon Rondo, Rudy Gay und, so leid es mir tut, auch Kendrick Perkins.

Wie sieht euer perfektes Team USA für Olympia 2016 aus?