08 Januar 2014

Johannes Hübner | 8. Januar, 2014    @Joe_Crossover






5-7 ohne Andre Iguodala, 19-6 mit ihm: So lautet die Bilanz der Golden State Warriors in dieser Saison. Zwölf Spiele mussten die Warriors auf „Iggy“ wegen einer Oberschenkelverletzung, dem „Hamstring-Klassiker“, verzichten. Während dieser Zeit fielen die „Dubs“ nach vier Niederlagen aus sechs vom vierten Platz im Westen sogar aus den Playoff-Rängen. Die Überschrift, die den Effekt eines Spielers für sein Team indiziert, ist heutzutage sicherlich übermäßig verwendet, doch selten war sie passender als hier. 

Bessere Defense
Der Iguodala-Effekt wirkt sich natürlich auch auf die Offensive, in erster Linie aber auf die Defensive aus. In den ersten 13 Saisonspielen erlaubten die Warriors ihren Gegnern eine Wurfquote aus dem Feld von 42,4% (viertbester Wert in der NBA) und nur 32,8% von jenseits der Dreierlinie (ebenfalls Rang vier). Ohne Iguodala stiegen diese Quoten auf 44,9% (Rang 13) und 39,3% (Rang 26). 

Iguodala und Andrew Bogut bilden in der Starting Five ein exzellentes defensives Duo, welches jeden Abend die Lücken im Spiel der offensiv potenten, defensiv aber inkompetenten Kollegen Stephen Curry und David Lee stopft. Hilfe bekommen Iggy und Bogut von Klay Thompson, der sich in der Verteidigung weiterentwickelt hat und sich oft nur selbst durch unnötige Fouls in Probleme bringt, wenn er zum Beispiel auf Wurftäuschungen reagiert.

Der Close-out ist eine der wichtigsten Fähigkeiten von Iguodala. Beim Herausrennen zu den Schützen nimmt er ihnen den Dreier weg, zwingt Gegner oft zum Mitteldistanzwurf gegen den Mann, ohne dabei einen Abschluss in der Zone abzugeben. Wenn er sie werfen lässt, dann erschwert er ihnen die Sicht oder macht ihnen zumindest den Jumpshot so unangenehm wie möglich. Hier zwei mustergültige Beispiele gegen den besten Scorer der NBA, Kevin Durant.





In Iguodalas ersten sechs Partien nach der Verletzung waren die defensiven Effizienz-Werte der Dubs absolut erdrückend: Das Team von Mark Jackson hielt seine Gegner unter 40 Prozent aus dem Feld, erlaubte nur 91,6 Punkte pro Begegnung und 26,1 Prozent von Downtown. Obwohl sich die Zahlen seither (natürlich) ein bisschen mehr zur Norm hin korrigiert haben, sind 92,8 kassierte Punkte bei 41,4% aus dem Feld und 30,6% von Downtown nach wie vor elitäre Werte für eine Defensive, die sich unter den fünf besten der Liga etabliert hat. Zehn Siege in Folge, unter anderem gegen Teams wie die Division-Rivalen Los Angeles Clippers, die brandheißen Phoenix Suns und den amtierenden Meister Miami, verdeutlichen auf beeindruckende Art, wie viel besser Iguodala diesen Klub macht.

„Er ist ein Spieler, der jedem Mitspieler das Leben einfacher macht“, beschreibt Jackson den Iguodala-Effekt. In der Offensive profitiert Klay Thompson am meisten vom Basketball-IQ des Swingman-Neuzugangs aus Denver. Thompsons Wert bei der effektiven Wurfquote sank von 64,7 mit Iguodala auf 50,2 ohne ihn. Hilfreich ist dabei auch Iggys selbst gewonnene Gefährlichkeit im Abschluss. Früher als schlechter Jump Shooter verschrien, fliegen diese Saison von seinen 3,2 Dreier-Versuchen pro Abend 48,1% durch die Reuse. Das bedeutet Platz 2 in der gesamten NBA. 

Strauchelnde Bank
Durch die Verletzung von Iguodala trat ein Fakt wieder besonders in den Vordergrund. Durch die Abgänge von Jarrett Jack und Carl Landry hat die im letzten Jahr so starke Bank deutlich an Qualität und Führungspersönlichkeiten eingebüßt. Mit dem Ausfall von Iguodala verschob sich die Rotation einen Schritt weiter nach hinten, und Harrison Barnes rutschte in die Startformation. Eine völlig desolate Bank mit einem Ligatiefstwert von 17 Punkten pro Spiel war die Folge. 

Für Landry wurde in erster Linie Marreese Speights verpflichtet, der vor allem aus dem Pick and Pop punktet. Doch Speights fand bisher überhaupt keinen Rhythmus und seine stärkste Waffe, der Mitteldistanzwurf, fällt bisher gar nicht. Mit 38,7% aus dem Feld liegt Speights weit unter seinem Karrierewert von knapp 47 Prozent - seine bisher schwächste Saison in der NBA. 

Ohne Barnes und ohne einen produktiven Speights kam die Bank-„Power“ von Toney Douglas, Kent Bazemore und dem gut spielenden Draymond Green. Das war meist weniger als nichts. Durch die Rückkehr von Iguodala konnte jeder wieder seinen angestammten Platz in der Rotation einnehmen, Green mehr an der Seite von offensiv gefährlichen Akteuren agieren und die zweite Einheit wenigstens ab und zu respektable Leistungen zeigen. 

Die Warriors sind momentan mit zehn Siegen in Serie das heißeste Team der NBA und auf einen Auswärtstrip in der Eastern Conference, der heute in Brooklyn sein Ende findet. Mit dem Sieg in Miami haben sie zwei Jahre in Folge beim Doppelchampion einen Sieg eingefahren – dies gelang während dieser Zeit keinem anderen Team aus dem Westen. Vor dem Road Trip spielten die Dubs nur vier Mal gegen eine Mannschaft aus dem Osten - jetzt ist also die Zeit gekommen, mit Iguodala an Bord die Bilanz weiter zu verbessern. Die volle Kraft des Kaders (eigentlich fehlen verletzungsbedingt ja noch Festus Ezeli und Jermaine O´Neal), brachte in der Bay Area den Hashtag #fullsquad zu Tage. Genau diese #fullsquad ist es, die in der National Basketball Association derzeit für die größte Furore sorgt. Unter anderem wegen Andre Iguodala.