23 Januar 2014

Marc Lange | 22. Januar, 2014   






Kein Offensive-Game, Schlafmützigkeit in der Defense und eine Freiwurfquote, die selbst Howard-esque Leistungen von der Linie souverän erscheinen lassen: Hyland DeAndre Jordan Jr. hatte in seinem Spiel bisher mehr als nur eine Schwäche aufzuweisen. Präzise Arbeit und eine neue Herausforderung verhelfen dem Center der Clippers in dieser Saison allerdings zu einer der positivsten Entwicklungen in der gesamten Liga.

Gut, aber nicht gut genug

Es wurde in der Season Preview bereits angedeutet: Jordan ist der neue Liebling von Doc Rivers. Die Vorfreude beim Coach, mit dem Spaßvogel der Clippers zusammenzuarbeiten, war vor der Saison riesig. Auch Doc sah das Potenzial der Nummer 6, das bisher jedoch kein Trainer wirklich ausschöpfen konnte. Dabei wurden von ihm in der vergangenen Spielzeit Karriere-Bestwerte erzielt. Jordan fabrizierte 8,8 Punkte 7,2 Rebounds und 1,4 Blocks pro Partie - und das in nur 25 Minuten Spielzeit. Obwohl er gruselige 38,6 Prozent von der Freiwurflinie traf, führte er die Liga bei der Field Goal Percentage (64.3%). Trotzdem waren diese Zahlen viel zu unbefriedigend für einen Center im vierten Profijahr, der seit 2011 mehr als 10 Mio. $ pro Saison kassiert und somit eine der festen Säulen des Teams verkörpern soll. Doch dann kam Rivers - und es machte Klick.

Thanks, Doc!

Unter Ex-Coach Vinny Del Negro nahm Jordan vermehrt den Part eines startenden Rollenspielers ein. Sein alter Coach machte ihn keinen Deut besser, vertraute ihm kaum und ließ ihn im Schlussviertel meist nur auf der Bank schmoren. Rivers hatte ganz andere Pläne. Für ihn ist Jordan ein defensiver Leader und der Anker in der Verteidigung. Seine Rolle in der Offensive hingegen ist zwar nach wie vor limitiert, jedoch unter Rivers so effektiv wie noch nie. Jordans Athletik hilft ungemein. „He runs the floor pretty well for a big guy“, wie die amerikanischen Sportjournalisten so gerne sagen, trifft bei ihm zu wie die Faust auf's Auge. Außerdem erarbeitet er sich Punkte durch Offensivrebounds, stellt fleißig Picks und ermöglicht seinen Mitspielern dadurch offene Würfe. Gerade der letzte Aspekt verdeutlicht noch einmal, warum DJ gar kein 20+ PPG Spieler werden muss. Die Clippers haben nämlich bereits genug Offensivpower in Form von Blake Griffin, Chris Paul, Jamal Crawford, JJ Redick etc. Am effektivsten ist Jordan in der gegnerischen Hälfte also genau dann, wenn er die kleinen Dinge tut. Seine Punkte werden auch in Zukunft hauptsächlich auf Alley Oops oder anderen einfachen Körben am Ring basieren - was, wie gesagt, kein Problem ist. Momentan führt der 25-jährige die Liga erneut bei der Field Goal Percentage an (63.8%), während er in allen relevanten Kategorien neue Karrierebestwerte zeigt.

Die eigene Zone ist sein Territorium 

Rivers und Jordan wollten in der Off-Season herausfinden, in welchem Teil des Spiels der Second Rounder des 2008er Drafts den größten Einfluss haben kann. Die Antwort lag auf der Hand: Defense. Ein 2,11 Meter großer und 120 Kilogramm schwerer Hüne, mit der Sprungkraft und Athletik eines Off-Guards, scheint für diesen Job auch nicht gerade unpassend. Rivers war sich bereits bei seinem Amtsantritt im Juni sicher, dass Jordan genug Talent besäße, um Defensive Player Of The Year werden zu können. Obwohl dieser Titel vielleicht eins, zwei Jahre zu früh kommen würde, beweist Jordan zur Hälfte dieser Saison bereits, wie wertvoll er in der eigenen Zone ist. Er ist

1. bei den Rebounds pro Spiel (13,7 RPG) - inklusive drei 20+ Rebound Spiele
 • 2. bei der Rebound Percentage (21.4% aller verfügbaren Rebounds)
3. bei den Blocks pro Spiel (2,5 BPG)
10. bei den Double Doubles (20)

Hinzu kommt, dass die Clippers als Team momentan auf Platz acht im Defensiv-Rating rangieren und nur 101 Punkte bei 100 gegnerischen Angriffen zulassen. Ein weiterer Faktor, der Jordan dieses Jahr wirklich zu De(fensive)Andre 3000 macht, sind seine 'Defensive Win Shares'. Diese Statistik errechnet bzw. schätzt ein, wie viele Siege durch die defensive Leistung eines einzelnen Spielers zustande kamen. Jordan befindet sich in dieser Liste zur Zeit auf Platz drei hinter Roy Hibbert und Paul George von den Indiana Pacers - den Protagonisten des mit Abstand besten Defensiv-Teams der Liga. SportVU führt Jordan derzeit als Big Man mit dem größten defensiven Impact ligaweit.


Fazit

Ohne jetzt eine große Debatte starten zu wollen oder Namen zu nennen: Es gab in den vergangenen Jahren Spieler, die mit ähnlichen oder sogar schlechteren Werten zum engeren Kreis für den DPOY-Award gehörten. Natürlich existieren auch in dieser Spielzeit Akteure, für die dieser Award mindestens genauso sehr in Frage kommt, oder sogar mehr. Allen voran Hibbert, der bereits heute als beinahe unumstößlicher Verteidiger des Jahres 2014 gilt. Allerdings wird es Jordans bisherigen Leistungen und seiner Entwicklung nicht gerecht, ihn aus dieser Konversation komplett auszuschließen. Geht es für ihn unter Rivers so weiter, ist die Trophäe irgendwann fällig. Und das eher früher als später.