15 Januar 2014

Roman Schmidt, Florian Schaum, Philipp S, Wolfgang Stöckl, Seb Dumitru  | 13. Januar, 2014   






1. Die Krisen im Big Apple scheinen vorbei zu sein. Erreichen sowohl die Nets als auch die Knicks doch noch die Playoffs? Vielleicht sogar Heimvorteil?


Roman Schmidt, No Bull: Heimvorteil im Sinne von auf der Couch sitzen und die Playoffs zu Hause im Fernseher verfolgen? Solange JR Smith Statistiken wie 20 Tequilla Shots/h oder 60% entknotete Schnürsenkel am linken Ellbow aufweist, werden die Knicks viel von diesem Heimrecht mitbekommen. Die Nets und Knicks sind normalerweise im katastrophalen Osten absolut unter den besten 8 Teams und werden die Playoffs meiner Meinung nach knapp erreichen. Aber was ist in NY schon "normal".

Florian Schaum, Back the Buzz: Beide Teams erreichen in dem wohl schlechtesten Osten aller Zeiten die Playoffs, zu viele Teams werden sich in der zweiten Saisonhälfte endgültig in den Tank Modus verabschieden. Den Heimvorteil wird sich allerdings nur eines der New Yorker Teams krallen können, da neben Miami und Indiana die Toronto Drakors seit dem Rudy-Gay-Trade tollen Teambasketball spielen und sicher unter den ersten vier Plätzen im Osten landen werden. Um den Fans endlich eine Aussicht auf langfristigen Erfolg geben zu können, planen die Teams vom Big Apple bereits für die neue Saison Veränderungen in der Führungsetage: James Dolan könnte bei den Knicks in der Außendarstellung durch Dennis Rodman entlastet werden, während Brooklyns Prokhorov zukünftig von Franjo Pooth in der Buchhaltung unterstützt werden soll.

Philipp S, Hoosier Talk: Wenn dieser Haufen aus inkompetenten Ost-Teams (Hallo Cleveland) weiterhin alles Mögliche gibt, unter seinen Möglichkeiten zu spielen, sind die New Yorker in den Playoffs. Um an den brandheißen Raptors und den Spurs 2.0 aka Hawks vorbeizuziehen, müssen beide Klubs schon früher aufstehen. Ich erwarte jedoch noch einen Trade bei den Knicks.

Wolfgang Stöckl, The Gahden: Sofern beide Mannschaften keine weiteren Verletzungsprobleme bekommen, klares JA! So schade es ist, dass die Liga jetzt ihrer beiden größten Lachnummern beraubt wird, sie werden es beide schaffen und eine der beiden Mannschaften wird auch noch auf Platz 3 oder 4 kommen. Beide Mannschaften haben einfach zu viel Talent und konnten nicht ewig am unteren Ende Ihrer Möglichkeiten spielen. Bei den Knicks freut mich vor allem, dass Amar'e wieder ziemlich stark spielt. Bei den Nets scheint Kidd jetzt endlich das Rezept für eine solide Defense gefunden zu haben. Seit kurzem wird bei fast jedem Screen geswitcht, das funktioniert bisher ziemlich gut. Wenn sie diese Leistung in der Defensive beibehalten können, werden sie sich weiter nach oben arbeiten.

Sebastian Dumitru: Hatte wirklich jemand geglaubt, dass die Knicks und Nets im Tabellenkeller versinken und dann absteigen? Ihre unzähligen Probleme, Verletzungssorgen und Dysbalancen haben wir oft mikroskopiert, aber beide Teams haben zu viel Qualität und zu viel Erfahrung im Kader, um in diesem desolaten Osten nicht die Playoffs zu erreichen. Und: beide sind verzweifelt genug, um im Februar noch mal aktiv zu werden. Heimvorteil für beide wäre zuviel des Guten - aber #4 vs. #5 Seed und das Battle of the Boroughs in Runde eins? Vorreserviert. Sagen zumindest meine "sources."


2. Chicago ist seit dem Luol Deng Trade noch ungeschlagen. Sind die Bulls letztendlich der große Gewinner des Deals? 


Roman Schmidt: 4 der 5 Teams, die Chicago geschlagen hat, kamen aus dem Osten. Das spricht für sich. Es ist fast unmöglich aus einem Trade als Sieger herauszugehen, in dem du einen deiner besten Spieler abgeben musst, weil er in den nächsten Jahren zu teuer wird. Es sei denn, dein Spieler heißt Rudy Gay. Nur, wenn der Pick aus Sacramento jemals als 1st Rounder in Chicago ankommen sollte, war der Trade erfolgreich.

Florian Schaum: Eigentlich empfand ich bis vor Kurzem den Trade als sinnvoll für beide Seiten.
Doch so blöd das jetzt klingen mag: Sollten die Bulls weiter gewinnen, stehen sie schon eher als Verlierer da. Der Deal macht für mich von Chicagos Seite aus nur Sinn, wenn man sich nicht für die Playoffs qualifiziert und in der Lottery landet. Denn den Lottery-Pick der Bobcats hätten die Bulls nur sicher, wenn Charlotte zum Saisonende nicht zu den zehn miesesten Teams der Liga zählt. Falls es ganz schlecht läuft, könnten die Bullenköppe am Ende mit fast leeren Händen da stehen.

Philipp S: Für Luol hätte man sicherlich auch mehr heraus holen können als die paar Nicht-Top-Picks und Geld. "Gewinnen" würden die Bulls den Trade, wenn sie endlich mal verlieren würden, um sich im Draft endlich noch die letzte Waffe für den Titel zu holen. Im Moment sieht das ganze eher nach einem Börsen-Deal aus.

Wolfgang Stöckl: Ich glaube der Plan der Bulls war ein anderer. Ich denke sie wollten dadurch richtig abstürzen, um sich im nächsten Draft einen guten Spieler sichern zu können, und dann hätte man noch den Pick der Cavs dazu. Damit und mit der Rückkehr von Derrick Rose und Spielern wie Noah, Butler und Gibson könnte man ab der nächsten Saison wieder eine junge und richtig starke Truppe auf die Beine stellen. In der Theorie also ein durchaus sinnvoller Plan. Es gibt nur zwei Probleme dabei. Erstens weiß keiner ob und wie Rose zurückkommen wird, und zweitens wird es sehr schwer bis unmöglich, mit einem Thibodeau eines der fünf schlechtesten Teams der Liga zu stellen. Grundsätzlich war der Trade aber durchaus sinnvoll, Deng hätte wohl seinen Vertrag im Sommer nicht verlängert und so hat man zumindest noch etwas für ihn bekommen. Die Fehler im Umgang mit Deng und diversen anderen Mitarbeitern (Thibs, Co-Trainer,…) wurden vorher gemacht. Die Jungs im Front-Office der Bulls sollten sich hier schon einmal hinterfragen, warum fast jeder Mitarbeiter der die Bulls verlässt, auf das Management schimpft.  

Sebastian Dumitru: Non. Ich hatte bereits in aller Ausführlichkeit skizziert, weshalb der Trade schon in seiner Urkonstellation pro-Cleveland war. Dass die Bulls jetzt plötzlich spielen, als hätten sie ein rotes Tuch gesehen, und einen Sieg nach dem anderen einfahren, schwächt ihre Langzeitposition nur zusätzlich - und nur darum ging es Paxson/Forman ja bei diesem Deal: heuer Geld einsparen und langfristig Flexibilität schaffen. Um die Saison herzuschenken und sich in die Lotterie hinab fallen zu lassen, hätten sie einen Anderen traden müssen: Tom Thibodeau.


3. Die Charlotte Hornets haben plötzlich einen großen Durchhänger. Kriegen die Bees noch die Kurve, oder verpassen sie wieder die Playoffs?


Roman Schmidt: Die Offense der Horncats um Big Al sah praktisch nie souverän aus. Solange sie gegen Teams wie Atlanta und die Wizards nicht regelmäßig gewinnen können, werden sie dieses Jahr die Playoffs verpassen. Doch wennschon, sie haben bei der Coach-Wahl einen Treffer gelandet, ihre Defense ist bereits jetzt aller Ehren wert und ihr Pick geht nach Chicago, wenn sie höher als 10 ziehen- alle können getrost zufrieden sein!

Florian Schaum: Obwohl Charlotte unter Steve Clifford einen großen Sprung gemacht hat und die Hornets so gerade in der Defensive zu den besten Teams der Liga zählen, wird es für die Playoffs nicht reichen. Michael Jordan hat zwar diese Saison schon oft betont, dass Charlotte nicht in den Tank-Modus schalten wird  und er dem Team schon in diesem Jahr eine Siegermentalität einhauchen will. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Landen die Horncats unter den miesesten zehn Teams der Liga, sind drei Erstrundenpicks so gut wie sicher. Die Voraussetzungen wären also perfekt, um in der nächsten Saison ein letztes Mal auf den Reset-Knopf zu drücken, damit 2014/15 die Charlotte Hornets wieder voll anzugreifen können.

Philipp S: Vermutlich hat Mr. Jordan den Tanking-Knopf bedient, so schlecht spielen die Cats zur Zeit. Nichts ist übrig von der ehemalig guten Defense. Vielleicht will man mit einem weiteren Top-Pick gut gerüstet in die Ära der Charlotte Hornets starten.

Wolfgang Stöckl: Die Hornets werden die Playoffs wieder verpassen, außer sie schafften es, sich via Trade noch zu verstärken. Mit Walker, Jefferson und Henderson hat man ein gutes Grundgerüst und die Mannschaft hängt sich auch rein, was an den guten Defensivzahlen ablesbar ist, aber dem Team fehlt es absolut an Tiefe. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich die Bobcats gegen Brooklyn, New York oder die Cavs mit Deng behaupten werden können. Aber das sollte nicht so schlimm sein. Die Hornets werden erst nächstes Jahr so richtig wiederbelebt und pünktlich dazu wird sich das Team dann auch weiter verstärkt haben und nächstes Jahr die Playoffs schaffen.

Sebastian Dumitru: Durchhänger während einer langen Saison sind nicht aussergewöhnlich. Im Osten sind sie nicht einmal folgenschwer. Charlotte hat dank seines neuen Coaches schon heute etwas, was vielen schlechten Teams fehlt: eine Identität. Die Bald-wieder-Bees verteidigen hart und hängen sich rein. Darauf kann man sich verlassen, darum kann man aufbauen. Außerdem: mit Michael Kidd-Gilchrist war der beste Defender und Starter auf der Drei sehr lange ausser Gefecht. Das Defensivrating in Charlotte ist fast 8 Punkte pro 100 Angriffe besser, wenn er aufläuft. Da er bald zurück kehrt, gehe ich stark davon aus, dass die Cats bis zum Schluss um Platz 8 kämpfen werden - nur um ihn am letzten Spieltag zu verpassen. 


4Rajon Rondo hat sein Comeback für diesen Freitag angekündigt. Was passiert in Boston, wenn er zurück kommt?


Roman Schmidt: Rondo findet die ersten Spiele nicht zur Form. Er beginnt plötzlich, seine Mitspieler besser, vielleicht sogar gut zu machen. Zu gut. Die Telefone laufen heiß. Die Telefone beruhigen sich. Adrian Wojnarowski's Meldung sprengt Twitter. Danny Ainge: "Wir tanken immer noch nicht." Alles in dieser Reihenfolge.

Florian Schaum: Hoffentlich bleibt Rondo den Celtics erhalten. Ein genialer Spieler, der seine Mitspieler perfekt in Szene setzt. Ich bin mir sicher, dass sogar Kwame Brown unter Rondos Regie mehr als zwei Zähler pro Partie gemacht hätte. Trotz anhaltender Trade-Gerüchte würde ich mir wünschen, dass die Kobolde Rondo behalten und ihn als Kopf dieser jungen, talentierten Truppe aufbauen.

Philipp S: Ich lehne mich da mal wie Brad Stevens weit aus dem Fenster und sage, dass Rondo vermutlich Point Guard spielen wird. Spaß beiseite: Die Celtics bleiben ein Lottery-Team - auch mit Rondo. Und zum Thema Trade: ich gebe dem Ganzen in Boston so wie es ist eine gute Chance und glaube, dass Rondo unter Stevens besser wird denn je.

Wolfgang Stöckl: Eigentlich läuft die Saison für die Celtics nahezu perfekt bisher. Die Mannschaft rackert, kämpft, zeigt viel Potential und kann selbst mit starken Gegner zumeist Schritt halten, aber schafft es trotzdem am Ende immer wieder zu verlieren. Da passt Rondos Comeback jetzt gar nicht so gut rein. Aber er wird ziemlich sicher langsam ran geführt werden. Das kann über eine Minutenbeschränkung laufen oder er setzt bei B2B-Spielen aus. Auf jeden Fall werden die Celtics ein paar enge Spiele mehr gewinnen, wenn sie in wichtigen Momenten auf die Erfahrung und Entscheidungen von Rondo zurückgreifen können, anstatt darauf zu hoffen dass der Heroball von Jordan Crawful Erfolg hat. Die Mannschaft wird mit Rondo besser werden und doch nicht, weil zu erwarten ist, dass Danny Ainge schon den nächsten Nackenschlag für jegliche Playoffhoffnungen der Celtics im Köcher hat. Der Trade von Lee war nur der Anfang.

Sebastian Dumitru: Championship, baby! Unrealistisch? Okay. Dann gibt's für Danny Ainge kein Weg am Trade vorbei, denn: Boston fehlt, ausser einem guten, jungen Coach und brauchbarem, jungem Füllmaterial (Bradley, Sullinger) alles, um langfristig wieder einen Winner zu stellen. Und Rondo ist, bei all seinen Qualitäten, kein Franchise-Anker, der Grün in seine nächste Ära ballert. Sell high, Danny!


5. Alle Jahre wieder: zu viele Verletzungen, zu viele bedeutungslose Spiele, zu wenig Zunder während der regulären Saison. Muss die NBA ihren Spielplan, vielleicht sogar das gesamte Division-/Conference-Format redesignen?


Roman Schmidt: Darüber kann man Bücher schreiben. Ich finde ligaweites Seeding ist keine schlechte Idee, allerdings vergessen viele, dass z.B. ein Flug von Portland nach Miami fast 7 Stunden dauert. Die Playoffserie an sich wäre bereits eine Tortur, nun stelle man sich vor, der nächste Gegner von Miami wäre ein Team aus LA. Das ist über Wochen kaum zu ertragen. Aber etwas muss im Seeding-System definitiv geändert werden. Ich meine, schaut euch die Eastern Conference Playoffteilnehmer einfach an. Im Vergleich zum Westen sind die Teams teilweise so schlecht, dass es Grammatik auf meine färbt ab.

Florian Schaum: Nennt mich Oldschool, aber für mich gehören zu einer NBA-Saison 82 Spiele. Auch eine Reduzierung der Spielzeit auf zehn Minuten halte ich für unnötig. Ist es denn wirklich der Fall, dass es quantitativ so viele verletzte Spieler mehr gibt als früher, oder ist diese Diskussion nur ins Rollen gekommen, weil es in dieser Saison ziemlich viele Superstars erwischt hat? Ich halte nichts davon, nach einer (saisonübergreifenden) Seuchensaison gleich alles in Frage zu stellen. Trotzdem sehe ich auch, dass die Spieler mehr entlastet werden müssen. Eventuell sollte die NBA darüber nachdenken, den Spielplan umzustrukturieren und den Spielern längere Verschnaufpausen zwischen den Spielen zu geben.

Philipp S: Divisions sind auf jeden Fall hinfällig. Doch die Conferences sind für mich ein großer Teil des amerikanischen Sports. Es bleibt auch abzuwarten, was mit dem kräfteverhältnis geschieht, wenn die Wiggins, Parkers und Exums dieser Welt im Osten landen. Speziell Teams wie die Celtics oder die Magic sind in ein paar Jahren wieder zurück bei alter Stärke.

Wolfgang Stöckl: Das Divisionsformat sollte auf jeden Fall überdacht werden. Es macht NULL Sinn, dass ein Team eine Division gewinnt und trotz deutlich schlechterer Bilanz besser gesetzt wird, als eines das in seiner Division nicht ganz vorne ist. Die Conferences würde ich beibehalten, das reguliert sich immer wieder von selbst. Ob 82 Spiele wirklich notwendig sind, darüber lässt sich streiten. Fakt ist, dass nach 60 Spielen das Playoffbild meistens zu großen Teilen schon steht und man das Gefühl hat, dass sich die letzten 20 Spiele ewig hinziehen. Aber an den 82 Spielen wird nicht zu rütteln sein, Geld hat schon immer den Stern regiert und selbst ohne ihn sagt die Kohle wo es lang geht.

Sebastian Dumitru: Nein. Schwer zu glauben, aber selbst in einem Jahr wie diesem gibt es keinerlei empirische Beweise für häufigere oder gar schwerere Verletzungen als sonst. Problematisch - und damit heikler - ist nur, dass es in diesem Jahr besonders viele Stars erwischt hat, von denen die meisten auch noch eine Verletzung nach der eigentlichen Verletzung erlitten. Das frustet, keine Frage. Der Spielplan ist ein delikates Thema: das Aussieben vor der Postseason ist lang und zermürbend, gewährt aber auch vollste Qualitätskontrolle. Es geht einzig und allein um Heimvorteil in den Playoffs - aber wie elementar wichtig der ist, können euch sicherlich nicht nur die Miami Heat erläutern. Gegen 66 bis 72 Partien in der regulären Saison hätte ich allerdings auch nichts einzuwenden.