16 Januar 2014

Daniel Schlechtriem, Niklas Dahl, Onur Alagöz, Johannes Hübner | 16. Januar, 2014   







1. Die Lakers-Saison '13/14 scheint bereits hoffnungslos verloren zu sein. Wie sollte der Klub, wie Kobe Bryant auf die Misere reagieren?


Daniel Schlechtriem, With the 14th Pick: Hard Tanking! Im Gegensatz zum nächsten Jahr haben die Lakers am Ende der laufenden Saison einen Pick – und das bei diesem sehr vielversprechenden Jahrgang. Der Westen lässt ihnen ohnehin keine Chance, mit oder ohne Kobe. Dieser sollte übrigens schwer überlegen, ob er nicht doch in den Ruhestand treten sollte, denn aktuell droht sein Vermächtnis schwer in Gefahr zu geraten. Teamkollege Nash zeigt ihm nur zu deutlich auf, was passiert, wenn man den richtigen Zeitpunkt zum Absprung verpasst. Mit Kobes übertrieben voreiliger Vertragsverlängerung haben sich beide Seiten keinen Gefallen getan.


Niklas Dahl, Rose Garden Report: Marktwerte sämtlicher Spieler einholen und versuchen, möglichst jedwede Anlagegüter in Draftpicks umzumünzen (es sei noch einmal daran erinnert: Es gibt wenige Jahre, wo es lohnenswert ist, katastrophal schlecht zu sein. 2014 ist eines davon). Sich qualitativ unter die Bucks befördern, um idealerweise in der Draftnacht an Position 1 bis 4 zu picken. Kobe Bryant abstoßen. Wieder anfangen, Business Entscheidungen zu treffen, und sich nicht lila-güldener Opiumträume hingeben.

Onur Alagöz, Showtime Redux: Irgendwann sollte man sich eingestehen, dass selbst mit der Rückkehr Kobe Bryants dieses Team im brutalen Westen keine Chance auf irgendwas hat. Die Lakers landen
 unvermeidbar in der Lottery und müssen sich über die Personalien des Sommers Gedanken machen. Verlängern würde ich mit Xavier Henry und Nick Young, wenn beide bereit sind, ihre Gehaltsvorstellungen flexibel zu gestalten. Ansonsten: Abrissbirne. Gasols auslaufenden Vertrag abstoßen, Nash waiven und kurze Verträge abschließen, damit man nächste Saison keinen Negativrekord aufstellt.

Johannes Hübner, Yay Area: Die Lakers sollten einfach so weiter machen und schauen welche Spieler längerfristig ins Konzept passen (sollte nicht das Konzept von Mike D'Antoni sein). Die Playoffs sind im starken Westen nicht mehr zu erreichen und ein Platz in der Lottery ist dieses Jahr sicherlich nicht das Schlechteste. Für Kobe: Ich weiß es nicht. Seine Karriere ist kurz vor dem Ende und jedes Lottery-Jahr ist ein verlorenes Jahr.

Sebastian Dumitru: Die Lakers haben 12 ihrer letzten 13 Partien verloren und dabei ein hässliches Net Rating von -12.2 erspielt. Damit sind sie ganz offiziell das wackste Team der Liga. Solange sie also einfach so weiter machen, Kobe erst im Herbst wieder zurück lassen und für Pau im Februar vielleicht sogar noch etwas Brauchbares abstauben können, läuft alles ganz nach Plan. Der Plan? Ein Top-3 Pick im vollgepackten '14er Draft natürlich. 


2. Was bedeutet der Ausfall von Chris Paul für die Los Angeles Clippers? 


Daniel Schlechtriem: Sollte es bei der prognostizierten Ausfallzeit bleiben, also etwa bis zum All Star Game, wirft sie das nicht wahnsinnig zurück. Sie werden vielleicht etwas an Boden verlieren, denn Paul ist das Herz und die Seele dieser Mannschaft. Dennoch ist der Kader tief genug, um wenigstens die Position zu halten. Für den Sprung nach ganz oben reicht es wohl auch mit CP3 nicht. Sollte er allerdings länger ausfallen, ist der Heimvorteil in der Postseason kaum realisierbar.

Niklas Dahl: ...

Onur Alagöz: Nach Rose und Westbrook verabschiedete sich der dritte – und beste – Eliteaufbau der Liga für einige Wochen vom Parkett und hinterließ bei den Clippers eine klaffende Lücke. CP3 macht seine Mannschaft in allen Belangen besser: Mit ihm im Spiel erzielt seine Mannschaft 7.3 Punkte mehr als der Gegner. Abgesehen davon ist er Dreh- und Angelpunkt in Rivers System und im Prinzip der Co-Headcoach. Collison musste bereits in Naw'lins die Führungsrolle übernehmen, als Paul dort ausfiel und kann selbstverständlich nicht ansatzweise den Dirigenten mimen, der Paul ist. Devise ist, sich auf den Beinen halten bis er zurückkehrt. Das wird schwer, zumal Griffin, Jordan und Co. so enorm von ihm profitieren.

Johannes Hübner: Er bedeutet, dass die Clippers Gefahr laufen das Heimrecht an die heißen Golden State Warriors zu verlieren. Einziger Hoffnungsschimmer sind die vielen Spiele im Januar gegen Teams aus der Eastern Conference. Acht von zehn Partien gehen gegen den Osten. 

Sebastian Dumitru: Wie so oft liegt Vieles im Auge des Betrachters. Von "die Pacific Division wird umso spannender, weil die Warriors kommen" über "Blake Griffin erzielt seit Pauls Verletzung 24.2 PPG, 9.2 RPG und 5.5 APG bei Quoten von 53% FG und 76% FT, was ihm derzeit MVP-Stimmen einbringt" über "LAC wird den anstehenden 7-Spiele-Ostküsten-Roadtrip ohne CP3 nicht unbeschadet überstehen" sind viele Sichtweisen möglich. Sucht euch eine aus, oder fügt nach Gutdünken hinzu.


3. Zwei All-Star Kaliber im Kader und die drittmeisten Siege der NBA - ist es endgültig an der Zeit, die Portland Trail Blazers ernst zu nehmen?


Daniel Schlechtriem: Wer in diesem Westen oben steht, muss so oder so ernst genommen werden. Aber: Der Weg nach unten ist kein weiter. Portland ist (wie jede andere Mannschaft der oberen Regionen des Westens) nur eine schwerere Verletzung oder eine miese Woche davon entfernt, nach unten durchgereicht zu werden, zumindest aus den Top 4. Die Playoffs müssen sie nach diesem Start packen – auf welcher Position und mit welchen Ambitionen: Das lässt sich so früh in der Saison noch nicht beantworten.

Niklas DahlHängt davon ab, was man mit "ernst nehmen" meint. Playoff-Aspirant? Waren sie schon vor der Saison. Potenzieller Heimrechtkandidat in Runde eins? Bleibt man, im Gegensatz zur Konkurrenz, von Verletzungen verschont, kein Ding der Unmöglichkeit. Contender? Nein, davon ist man noch einen größeren Deal oder 1-2 Jahre Entwicklungszeit entfernt.

Onur Alagöz: Solange sie noch immer im unteren Drittel der Liga sind, was das Defensivrating angeht, wird in den Playoffs nur bedingt was zu holen sein. Die Offense ist der helle Wahnsinn, Aldridge ist der begabteste Big Man der Liga und in Lillards Venen fließt Gletscherwasser, aber beide sind defensiv fragwürdig. Ein Big Man mit Verteidigerqualitäten würde hier Wunder wirken.
 Ich ordne sie hinter OKC, den Spurs und den Warriors ein.

Johannes Hübner: Ein klares Jaein. Sie sind ernst zu nehmen, weil die Blazers in der regulären Saison weiter viel gewinnen werden und mit Damian Lilliard und LaMarcus Aldridge zwei All Star-Kandidaten haben. Doch in den Playoffs wird ihre durchschnittliche Defense, genau wie der Mangel an Playoff-Erfahrung, getestet werden.

Sebastian Dumitru: Warum sollte man eine Mannschaft, die schon seit drei Monaten den besten Angriffsbasketball der Liga zeigt, zwei All-Stars und einen sehr guten Supporting Cast auffährt und sogar noch Mittel und Wege parat hat, personell nachzubessern, nicht Ernst nehmen? Gewinnt Portland den Titel? Nicht in dieser Konstellation. Allein dass man Ende Januar aber immer noch diese Frage stellen muss verdeutlicht, wie legitim die Blazers als Spitzenteam geworden sind.


4Dallas ist nach gutem Start ins Stolpern geraten. Laufen die Mavericks Gefahr, die Playoffs zu verpassen?


Daniel Schlechtriem: Die ersten sechs Ränge sind ziemlich sicher vergeben, falls überhaupt streiten sich Dirk und seine Haudegen höchstens um einen der  beiden letzten Plätze. Hier bleibt abzuwarten, ob Phoenix ohne Bledsoe den Höhenflug aufrecht erhalten kann und ob Minnesota nicht doch wieder die Kurve kriegt. Außerdem erwarte ich von den Grizzlies einen Ansturmversuch mit Marc Gasol zurück. Es wird also eng, denn die Leistungsträger der Mavs sind bekanntlich nicht mehr die jüngsten und 82 Spiele verlangen ihren Tribut. Zudem glaube ich nicht, dass sie bis zur Trade Deadline ihre Schwierigkeiten auf der Fünf beheben können und dies wird sich bemerkbar machen, je weiter die Saison fortschreitet.

Niklas Dahl: Daily reminder: Der Westen ist tief. Es langt bisweilen schon, einen zweiwöchigen Hänger zu haben, um von Platz 5 auf Platz 10 abzurutschen. Umgekehrt findet das ebenso Anwendung. Das Playoffrennen ist Anfang/Mitte Januar noch offen, alles entspannt.

Onur Alagöz: Der Kader ist arm an Backups auf der Eins und hat keinen produktiven Center. DeJuan Blair kann hier kaum die Lösung sein. Eine klare Linie ist noch nicht zu finden. Zwar offensiv durchaus potent, aber am eigenen Ende hat Carlisle mit Scherbenhaufen wie Calderon, Ellis und Nowitzki kein Material für’s All-Defense Team. Da hilft es auch nichts, dass Minnesota und Denver von hinten Jagd auf  den 8th seed machen wollen. So oder so, die erste Runde würde Dallas nicht überstehen.

Johannes Hübner: Auf jeden Fall. Die Teams, die nicht unter den ersten drei im Westen stehen, dürfen sich keine lang anhaltende Schwächephase erlauben. Die Nuggets hatten diese, sitzen den Mavs aber mit sechs Siegen aus sieben Partien jetzt im Nacken. Auch die Timberwolves, sollte sich die Truppe von Rick Adelman finden, stehen sonst bereit und lauern.

Sebastian Dumitru: Werft 'ne Münze! Im Ernst: Dallas' Chancen, in dieser kompetitiven Western Conference die Playoffs zu erreichen, stehen schon seit Saisonbeginn konstant bei 50/50 - genau wie die Diskrepanz zwischen Angriff und Verteidigung im großen D. Daran hat weder der gute 10-6 Start noch der Durchhänger zuletzt etwas geändert. Die Grizzlies kommen mit Riesenschritten von hinten (W4), Phoenix hat wie erwartet Probleme ohne Bledsoe, und Denver/Minnesota lauern schon länger. Diese fünf Teams werden zwei Playoff-Sports unter sich ausmachen. 


5. Alle Jahre wieder: zu viele Verletzungen, zu viele bedeutungslose Spiele, zu wenig Zunder während der regulären Saison. Muss die NBA ihren Spielplan, vielleicht sogar das gesamte Division-/Conference-Format redesignen?


Daniel Schlechtriem: Die Farce um die Atlantic Division (Spötter nennen sie Titanic Division) und die immer deutlicher werdende Leistungskluft zwischen Ost und West (zeitweise hätte Toronto mit einer negativen Bilanz Heimvorteil gehabt) lässt eigentlich keine andere Möglichkeit, als das alles wenigstens zu überdenken. Die vielen Verletzungen unterstreichen diese Notwendigkeit einer Reform. Ich spreche mich schon länger dafür aus, den Spielplan um wenigstens zehn Spiele zu reduzieren und den TV-Anstalten dafür im Gegenzug einen zweiten Wettbewerb, ein klassisches Elimination Bracket Turnier anzubieten, in dem die Teams angehalten sind, ihre jungen Spieler einzusetzen.

Niklas Dahl: Was für die Lakers gilt, gilt auch für die NBA als Gesamtes: Sie ist ein Business, darauf ausgelegt, Geld zu verdienen. Etwaige von Fans, Bloggern und Journalisten diskutierte Spielplankürzungen ohne Backupplan für die verloren gegangenen Geldscheine sind ergo großer Blödsinn. Was die NBA aber angehen könnte und meiner Meinung nach auch sollte, wäre eine Ummodelleriung der Playoffs. Grobe Vorstellung meinerseits: Gesetzte Divisionsgewinner, nachfolgende Setzliste nach Bilanz, Conference-unabhängig.

Onur Alagöz: Die besten acht aus jeder Conference in die Playoffs zu schicken ist in meinen Augen totaler Unfug. Ich bin eher ein Advokat für eine der anderen Methoden, zB. die besten 16 Teams insgesamt, oder die Bill Simmons Idee eines Wildcard-Turniers um die letzten beiden Seeds. Dringender Bedarf besteht an der Entzerrung des Spielplans, die Fans wollen die Stars sehen und von denen fallen einfach zu viele aus. 12 Spiele weniger wären ohne Weiteres machbar und würden dem Entertainmentfaktor gar keinen Abbruch tun. Was im Osten in den Playoffs mitspielen darf ist eine Beleidigung für meine Augen. Adam Silver, do the right thing!

Johannes Hübner: Die Verbindung zu den Verletzungen sehe ich nicht. War nicht schon die verkürzte Lock-out-Saison daran schuld? Derrick Rose war bestimmt noch nicht erschöpft als er sich verletzt hat. Aber der Zunder fehlt und das verschlechtert das Produkt auf dem Feld – also weniger Spiele. Die Alibi-Defense in den ersten drei Vierteln ist oft schwer zu ertragen.

Sebastian Dumitru: Nein. Warum? Siehe hier.