24 Januar 2014

Wolfgang Stöckl | 24. Januar, 2014    @WStckl






An Jeff Green scheiden sich in den Fankreisen der Celtics die Geister. Von „muss sofort getradet werden“ oder „schlechtester Deal von Ainge“ bis hin zu „erster Fixpunkt auf dem Weg zum Contender“ ist alles dabei. Jeff Green ist schwer zu fassen und auch nicht leicht einzuordnen. Ich werde es trotzdem versuchen. Wer ist Jeff Green als Basketballspieler, wie war seine Vergangenheit, wie könnte seine Zukunft aussehen?

Karriere
Jeff Green kam von der angesehenen Georgetown University. Der Mannschaft in der er spielte, wurde beigebracht, dass uneigennütziger Basketball wahren Erfolg bringt, das „Wir“ steht immer über dem „Ich“. Eine Schule, die Jeff Green prägen sollte. Gedraftet wurde Green 2007 von den Boston Celtics. Im Zuge des Draft-Day Trades für Ray Allen verschlug es ihn nach Seattle. Man könnte sagen, Jeff Green hat damit den Celtics schon ihren Meisterschaftsring besorgt. Job erledigt, was wollt ihr noch?

Nach einer ordentlichen Rookie-Saison in Seattle (10,5 PPG, 4,7 RPG, 43% FG, 28% Dreier) zog die Sonics-Franchise nach Oklahoma City um. In seinem zweiten Jahr konnte Green sich enorm steigern und verbesserte seine Stats deutlich (16,5 PPG, 6,7 RPG, 2 APG, 45% FG, 39% Dreier). Seine Sophomore-Werte bei den Rebounds, den Assists!! und der Dreier-Quote sind Career-Highs - bis heute. Im dritten Jahr passierte nichts spannendes, bis auf die Dreier-Quote, die ziemlich sank, sonst hielt er in etwa seine Werte.

Im vierten Jahr dann, während Green bei ähnlichen Werten wie im Vorjahr herum dümpelte, stellte sich für OKC die Frage, was in Zukunft mit Jeff Green machen wollten. Kevin Durant war bereits ein Star in der Liga, mit Russell Westbrook zusammen bildete er schon damals eines der besten Duos. Der junge Power Forward Serge Ibaka zeigte immer bessere Leistungen und war bald aus der Starting Five nicht mehr wegzudenken. Und dann gab es noch den jungen James Harden, der auch immenses Talent demonstrierte. Greens Rookie-Vertrag lief aus. Das Team war eine Wucht in der Offensive, nur defensiv haperte es noch, und das Management fand, dass das Team allgemein noch zu jung und nett war, um ganz nach oben zu kommen. Ein Trade folgte: Green wurde nach Boston geschickt, im Tausch kam Kendrick Perkins nach Oklahoma City.

Ich würde den Trade auch mit heutigem Wissen immer noch als guten Deal für OKC bezeichnen. Damals war in keinster Weise absehbar, dass Perk so abbauen würde, wie er das in OKC seither getan hat. Der Perk aus Boston hätte den Thunder sicherlich sehr helfen können. Die Jungs aus OKC fragen sich wohl immer noch, wen die Celtics damals eigentlich ins Flugzeug gesetzt haben. Jeff Green dagegen kam in Boston zunächst überhaupt nicht in die Spur. Er fand seinen Platz in der Offensive der Celtics nicht so richtig und legte ein sehr stilles restliches Jahr hin, auch in den Playoffs war nicht viel von ihm zu sehen. In Boston schob man das eher auf die mangelnde Eingewöhnungszeit, man war gewillt, ihm eine weitere Chance zu geben. Schließlich sollte er die alternden Stars der Celtics in der Offensive entlasten.

Leider wurde daraus erstmal nichts, denn bei Green wurde vor der Saison ein schwerer Herzfehler diagnostiziert. Er verpasste die komplette Saison '11/12 und kehrte erst wieder zu Beginn der Spielzeit '12/13 zurück. Am Anfang merkte man ihm die lange Pause deutlich an, seine Leistungen waren sehr wechselhaft. Ab dem All-Star-Break aber legte er eine richtig gute zweite Saisonhälfte hin, erzielte 20 PPG im Schnitt und konnte diese Leistung auch in den Playoffs bestätigen.

Nach der Saison stand der Umbruch in Boston an. Von den altgedienten Stars war nur noch Rajon Rondo übrig und Jeff Green sollte in einer jungen Mannschaft der Anführer sein, die erste Option im Angriff. Das einzige Problem: Jeff Green legt bisher wieder eine typische Jeff Green-Saison hin mit 15,7 PPG, 5,0 RPG, 1,5 APG bei 43% FG und 36% Dreiern. Fällt jemandem etwas auf? Die gleichen Stats wie immer, Miss Sophie? Die gleichen Stats wie immer, Mr. Green…immer so zwischen All-Star Kandidat und unscheinbarem Durchschnittsspieler.



Physis
Jeff Green ist 2,06m groß hat einen starken, superathletischen Körper, der mit einer famosen Sprungkraft ausgestattet ist. Er ist sicherlich einer der physisch beeindruckendsten Spieler in der NBA. Ein Körper, eigentlich wie gemacht für eine Hall-of-Fame Karriere.

Skill-Set/Stärken
Jeff Green verfügt über einen butterweiches Handgelenk mit ausreichend Range. Wenn er frei werfen kann, trifft er hochprozentig. Auch in der Crunchtime zeigt er keine Nerven. Er kann im Post einen Fadeaway werfen (den er aber viel zu selten einsetzt) und er verfügt über einen ganz passablen Hook-Shot. Seine größte Waffe ist aber sein Drive zum Korb, bevorzugt auf der rechten Seite. Im Open Court ist er wie ein D-Zug und meistens nur durch ein Foul zu stoppen. Defensiv ist er ein guter 1-on-1 Verteidiger, der es mit den besten Small Forwards der Welt aufnehmen kann. Im Locker-Room ist er äußerst beliebt, ein sehr fröhlicher und netter Zeitgenosse. Auch die Coaches können sich darauf verlassen, dass er selbst bei Entscheidungen, die schlecht für ihn sind, keinen Ärger macht. Seine Ruhe auf dem Court ist gerade in hektischen Spielen durchaus hilfreich. Green wirkt eigentlich nie so, als würde ihn das, was auf dem Platz passiert, zu sehr beeindrucken. Das ist angesichts seiner Lebensgeschichte vielleicht nicht sonderlich überraschend.

Schwächen
Sein Jumper aus dem Dribbling fällt meistens nicht. Er zieht nur sehr ungerne über seine linke Seite zum Korb, da er nur einhändig ist. Mit der linken Hand geht praktisch nichts, und wenn er dann doch mal über links zieht, versucht er trotzdem mit rechts abzuschließen... klappt nur leider nicht. Seine Übersicht ist überschaubar, das spiegelt sich auch in äußerst niedrigen Assistzahlen wieder. Auch im P&R geht wenig, sowohl als Ballhandler, als auch als Screener. In der Defense rotiert er gerne falsch oder zu langsam. Er kämpft sich ungern durch Screens und Positionskämpfe unter dem Korb sind auch nicht sein Ding, weshalb er größere Spieler meist mehr schlecht als recht verteidigt und auch beim Rebound lieber nicht ausblockt. Schon deshalb kann er nie ein richtig effektiver Stretch-Vierer werden. Es ist zwar hart so etwas über jemanden zu schreiben, der eine schwere Herz-OP und fast ein Jahr Reha hinter sich hat, aber Jeff Green ist ein ziemlich softer Spieler.

Seine bei den Stärken beschriebene ruhige Art hat auch ihre Nachteile. Greens Phlegma ist fast schon legendär: er kann in einem Spiel 40 Punkte erzielen, im nächsten taucht er dann komplett ab und nimmt nur fünf Würfe. So etwas kommt bei Jeff Green ständig vor. Sein Problem ist oft nicht, dass er schlecht wirft, sondern dass er oft gar keine Würfe nimmt. Wenn er nicht in Szene und richtig eingesetzt wird, findet Jeff Green nicht statt. Selbst das Heft in die Hand nehmen, den Ball fordern, ist nicht sein Ding. Auch aus diesem Grund ist er kein Spieler, auf den man in der Crunchtime zählen kann. Auch in der Kabine ist er nicht der Typ, der in schweren Zeiten ein Machtwort spricht oder die Truppe anführt.

Zukunft
Wer es noch nicht mitbekommen hat, die Celtics sind im Rebuild. Vor der Saison war eine der interessantesten Fragen, ob Jeff Green die Nummer eins Option im Angriff sein und eine All-Star-Saison hinlegen kann. Die Frage ist eigentlich jetzt schon beantwortet. Um Green kann man keine erfolgreiche Mannschaft bauen, dafür ist er nicht gut genug und auch nicht der Typ dafür. Er hat noch 3 Jahre Vertrag, dieser ist mit ca. 9 Mio. $/ Jahr dotiert (Gesamt: 27 Mio. $ bis 2016). Das ist sicherlich nicht der schlechteste Vertrag der Liga, aber auch kein Discount. Aus Sicht der Celtics besteht zwar kein Zwang, Green aktiv zu shoppen, aber Angebote wird sich Danny Ainge immer anhören und wenn da etwas dabei ist, das ihm für die Zukunft halbwegs sinnvoll erscheint, dann sind Greens Tage in Beantown gezählt.

Zumal er hat auch keine Fähigkeiten besitzt, die ihn für dieses Team unverzichtbar machen. Viel Steigerungspotential ist auch nicht mehr vorhanden, dafür spielt er mit bald 28 Jahren einfach schon zu lange denselben Stiefel herunter. Während andere Spieler regelmäßig mit neuen Moves und Fähigkeiten aus der Offseason herauskommen, hat Green sich in seiner Karriere nur marginell weiterentwickelt, und aus diesem Grund ist er für die Celtics auch entbehrlich. Als drittbester Spieler in einer guten Mannschaft ist er wohl ideal aufgehoben. Hier hat er nicht den Zwang, jeden Abend Topwerte abliefern zu müssen, bekommt aber immer noch genug Spielanteile, um immer wieder große Spiele abzuliefern. Auch die Räume, die ihm zwei bessere Spieler verschaffen können, kommen seinem Spiel zu Gute. Dass er so eine Rolle äußerst effektiv ausfüllen kann, hat er letztes Jahr bei den Celtics bewiesen, als er von den Freiheiten und der Aufmerksamkeit, die Paul Pierce und Kevin Garnett auf sich zogen, profitieren konnte. Wenn er defensiv noch etwas zulegt, könnte er für einen Contender ein interessantes Puzzlestück sein.

Prognose 
Jeff Green wird wahrscheinlich keine längere Zukunft mehr in Boston haben. Es ist gut vorstellbar, dass er entweder zur Deadline oder in der Offseason getradet wird. Sein Vertrag ist nicht billig für eine Mannschaft im Rebuild, vor allem da Green auch nicht unbedingt ein Eckpfeiler für die Zukunft ist. Eine neue Mannschaft baut man um den besten Spieler auf und nicht um den drittbesten. Green ist nicht mal jetzt zweifelsfrei der beste Spieler der Celtics, und er will es auch nicht sein. Sein ganzes Naturell ist nicht dafür ausgelegt, eine Mannschaft anzuführen. Er ist ein ruhiger, mannschaftsdienlicher Spieler, der seinem Job gewissenhaft nachgeht, aber er braucht 1-2 Stars an seiner Seite, die Verantwortung für das Team tragen. Interessenten für Green sollte es schon geben und falls ein Team einen auslaufenden Vertrag, oder ein jüngeres Talent und/oder noch einen Draft-Pick drauflegt, ist der Deal im Handumdrehen eingetütet. Machs gut, Jeff! Es war schön, aber es ist Zeit weiterzuziehen...