07 Februar 2014

Sebastian Dumitru | 6. Februar, 2014    @nbachefkoch






Michael Jordan gegen Dominique Wilkins - dieses epische Duell stand immer für allerbeste Basketball-Unterhaltung. Die fähigsten Athleten ihrer Zeit waren nicht nur zwei der explosivsten Scorer der NBA-Historie, sondern gleichzeitig auch die spektakulärsten Showmänner ihrer Ära. Am 6. Februar 1988 kam es nach verletzungsbedingten Ausfällen in den Jahren zuvor ('86 Jordan, '87 Wilkins) zum hoch antizipierten Rematch des 1985er Contests, den der ältere Wilkins gegen Rookie Jordan noch für sich entschieden hatte.

Setting: das 'Madhouse on Madison', Chicagos altes, ikonisches Stadium. Das Feld war spektakulär besetzt, mit Typen wie Clyde Drexler, Otis Smith, Spud Webb und Jerome Kersey. Die Bude bebte. Ein späterer Dunk Champion, Dee Brown, bestätigte mir den Stellenwert des Contests in früheren Tagen so: "Der Dunk Wettbewerb war immer das absolute Highlight des All-Star Wochenendes. Definitiv wichtiger und prestigeträchtiger als das Spiel an sich. Jeder wollte im Dunk Contest dabei sein, vor allem die Stars. Und nur die besten Dunker weit und breit wurden überhaupt dafür in Betracht gezogen. Das war mit heute überhaupt nicht zu vergleichen."

Die Dramatik des 1988er Events hätte kein Drehbuchautor der Welt besser schreiben können: die beiden elektrisierendsten Highflyer der Welt mano a mano, sich in bester Wildwest-Manier Dunk für Dunk duellierend. Allein im Finale räumten beide vier Mal die perfekte 50 ab. Wilkins dominierte den Contest - bis zu seinem letzten Versuch. Seinen brachialen Two-Legged-Two-Handed Windmill, der nicht nur von ihm selbst, sondern auch von seinen Kontrahenten als härtester und bester Slam des Abends geadelt wurde, bewerteten die Preisrichtern nur mit einer 45. Eine 45? Selbst Jordan war geschockt: "Ich hätte ihm dafür mindestens eine 49 gegeben!"

Den Heimvorteil und mehr als 18400 Seelen hinter sich wissend, brauchte MJ eine 48 zum Ausgleich und eine 49 zum Sieg. Er stellte sich zunächst an der Mittellinie auf, wechselte nach kurzem Blickkontakt mit Dr. J, der in der Halle war, aber ans entgegenliegende Ende des Parketts. Der Rest ist bekannt: Full-court Anlauf, Freiwurflinie, Double-Clutch und eine 50 zum historischen Sieg. "Wäre ich nicht in Chicago gewesen, wäre es wohl anders ausgegangen," wusste MJ um das notwendige Glück an jenem Abend.

Für den Bull markierte dieser Triumph in eigener Halle die endgültige Ankunft unter den Besten der Besten. Die nächsten zehn Jahre standen voll und ganz im Zeichen von 'His Airness' - ein weiterer Grund, den Dunk Contest 1988 als besten, wichtigsten und einflussreichsten aller Zeiten anzusehen. Wenn sich also das nächste Mal jemand über die mangelnde Spannung, Starpower und Relevanz der heutigen Events beschwert, hat er vermutlich den 6. Februar 1988 vor Augen. Der ist auch heute, 26 Jahre später, immer noch der Standard.