14 Februar 2014

Sebastian Dumitru | 13. Februar, 2014    @nbachefkoch






Für die Allermeisten ist es heute selbstverständlich, dass Menschen schwarzer Hautfarbe das Bild in der National Basketball Association prägen und die Action dominieren. Die größten Stars, die größten Legenden - fast alle sind sie afro-amerikanischer Abstammung. Wer aber denkt, dass sei schon immer so gewesen, der ist schief gewickelt. Es gab mal eine Zeit, in der es Farbigen gänzlich untersagt war, an Meisterschaften teilzunehmen - egal wie gut sie auf dem Hartholz waren.

"All diese Jungs heutzutage, die zig Millionen Dollar verdienen und denken, sie hätten es mehr drauf als alle die vor ihnen kamen: sie hatten einfach nur Glück, zur richtigen Zeit geboren worden zu sein", skizzierte Charles Barkley einst in aller Deutlichkeit die Diskrepanz zwischen Athleten heutzutage und vor mehr als 50 Jahren. Angesichts der gesellschaftlichen Barrieren, die schwarzen Athleten in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die Ausübung ihrer Lieblingssportart beschwerlich bis unmöglich machten, erscheint die Pioniersarbeit der Harlem Rens noch bahnbrechender als sie es ohnehin schon war.

Robert 'Bob' Douglas, ein Visionär und Manager aus Harlem, gründete am 13. Februar 1923 das erste professionelle, komplett schwarze Team der Sportgeschichte, installierte feste Spielerverträge und brachte zeitgleich den ersten 'naming rights' Deal der Historie unter Dach und Fach. Fast 100 Jahre vor "Staples Center", "FedEx Forum" oder "AmericanAirlines Arena" handelte Douglas mit dem Betreiber des "Renaissance" Casinos in Harlem eine damals einmalige Vereinbarung aus: im Gegenzug für die Umbenennung seines Teams in "New York Renaissance" und damit kostenlose PR für das Lokal würde Harlems exquisitester Tanzraum kostenlose Logie für die Rens zur Verfügung stellen. Die 'Big Five' erhielten dank dieses genialen Schachzugs die perfekte Bühne inmitten des kulturellen Schmelztiegels Harlem, damals so etwas wie die Hauptstadt des schwarzen Mannes in den von Rassentrennung und Diskrimierung geprägten USA.

Die Rens waren aber nicht nur eine lokale Attraktion und Quell eines neuen, sich langsam mausernden schwarzen Selbstbewusstseins, sondern 'all business' wenn es um's Basketball ging. Die Mannschaft war ihrer Zeit weit voraus, spielte einen revolutionären, schnellen Teambasketball, bei dem die Pille unentwegt durch die eigenen Reihen wanderte und der Gegner schwindelig gerannt wurde. Spieler wie Clarence 'Fats' Jenkins, 'Wee Willie' Smith oder 'Tarzan' Cooper prägten einen erfrischenden Basketball-Stil, der die Rens zum ersten Superteam der Geschichte machte. Bis zu ihrer Auflösung 1949 tourten die 'Big Five', die nicht am Ligabetrieb teilnehmen durften, durch die USA, wo sie oft gegen weiße Teams in feindseligen Bundesstaaten antraten, mit Schrotflinten aus der Stadt gejagt wurden oder während des Spiels beleidigt, ansgepuckt oder tätlich angegriffen wurden - und trotzdem fast immer als Sieger vom Platz gingen.

Das Team gewann insgesamt 2588 von 3127 Partien. Einmal waren es 120 von 128 in einer Saison und 88 in Folge (in 86 Tagen) - darunter auch Duelle mit dem damals angeblich "besten Team der Welt", den Original Celtics um Center Joe Lapchick. Gerade diese "Schwarz gegen Weiss" Duelle polarisierten natürlich und zogen unfassbare Zuschauermengen in die Hallen. Je öfters die Celtics über die Jahre gegen die Rens antraten, desto mehr beeinflussten sich beide Mannschaften gegenseitig, und desto besser freundeten sich die Spieler miteinander an. Vor allem Lapchick, der als Celtics-Besitzer immer wieder versuchte, die Rens permanent in einer der weißen Ligen unterzubringen und immer am Rassismus scheiterte, lernte über sein Verhältnis zu Douglas und dessen Rens so viel über die sozialen Ungerechtigkeiten in den USA, dass sich ihm die Augen öffneten und er aktiv wurde: Als Lapchick später die New York Knicks übernahm, offerierte er dem ersten Afro-Amerikaner überhaupt, Nat "Sweetwater" Clifton, einen Profivertrag.

Ihren Platz in der Geschichte als bestes Team aller Zeiten vor der Gründung der (zu Beginn ebenfalls farblich getrennten) NBA zementierten die Rens aber mit ihrem Sieg beim ersten gemischtfarbigen Basketball-Turnier der Geschichte, dem World Professional Basketball Tournament 1939 in Chicago, bei dem sie die besten Mannschaften des Landes schlugen und sich "Basketball-Weltmeister" nennen durften.

Was gut läuft, wird bekanntlich gerne kopiert, und so verwundert es auch nicht wirklich, dass u.a. die Harlem Globetrotters ihre Inspiration von den Harlem Rens bezogen und diese erst lange nach ihrer Zerschlagung in Punkto Skills und Popularität übertrafen. Während die Globetrotters, die eigentlich aus Chicago stammten, sich der weißen Bevölkerung anzubiedern versuchten, blieben die Rens stets dem richtigen, teamdienlichen Basketballspiel verbunden und das einzig echte "Team des schwarzen Mannes." Der Semifinal-Erfolg 1939 gegen die Globetrotters und die strikte Weigerung deren Besitzer Ape Saperstein, während der regulären Saison Duelle gegen die Rens anzunehmen, unterstrich den Angstfaktor, den dieses bahnbrechende, talentierte Superteam damals verbreitete und zementierte die Rolle der 'New York Renaissance' als wichtigste Vor- und Wegbereiter des schwarzen Athleten im Basketball.