08 Februar 2014

Anno Haak | 8. Februar, 2013    @kemperboyd





Der Bulls-Mann hier bei NBACHEF hatte in einem sehr glaskugeligen Artikel Wochen vor dem Trade die Basketballvorhölle am Erie-See als Destination des damaligen Noch-Bull Luol Deng prognostiziert. Den vorgeschlagenen Trade bezeichnete er als „Cleveland.“ Nicht das Ziel des Trades. Den Trade selbst. Die Adjektivierung eines Eigennamens und die Dschungelcampereien von Holzkopf J.R. Smith ließen in mir die Idee wachsen, die All-OG-Teams der letzten Dekade zu listen. Und sie nach dem Mann zu benennen, den seine Eltern Earl Joseph III. tauften: „J.R. Smith.“

Warum? Gut, dass Ihr fragt. Wie „J.R. Smith“ ist „J.R. Smith“, ein Typ, der sich in einem chinesischen Hotel Essen für ca. 3.000 Dollar kommen lässt, nur um zu sehen, ob der Zimmerservice die ganze Nacht liefert? Ein Typ, der mit einer Knie-OP einen ganzen Sommer zuwartet, um seinen großen Zahltag nicht aufs Spiel zu setzen (mit freundlicher Genehmigung des Arbeitgebers, aber hey, es sind die Knicks)? Der zwei sechsstellige Wochensaläre sausen lässt, weil zum dritten Mal (!) sein Gras grüner als die Dollars war? Der mehrfach mit den Händen an gegnerischen Schnürsenkeln hängen bleibt und damit einen stummen Schrei nach kindergärtnerischer Hilfe ausstößt? Wer wäre in der heutigen NBA besser dafür geeignet, als Adjektivierung von Teams zu dienen, in denen die Mehrzahl der Akteure die graue Masse nur braucht, damit der Kopf gerade auf dem Hals bleibt? Niemand. Eben. Also dann. Diese drei Teams waren am meisten „J.R. Smith.“

3) Golden State Warriors, 2007
Ist schon Gangsta, als Nummer 8 der Setzliste die Abrissbirne an Dirk Nowitzkis MVP-Saison zu legen. Die passenden Teile hatten die Warriors zusammen. Lange bevor sich Matt Barnes in Prügeleien warf, die außer ihm keiner erkannte, lümmelte er Downtown-Bomben in den Mavs-Meisterplan. Unter Don „Wer nicht wirft, trifft auch nicht“ Nelson feierte Barnes seine Breakout-Party. Die erste Suspendierung beging er ein Jahr später wegen seiner Beteiligung an einer Prügelei, an der tatsächlich auch andere teilnahmen. 2012 verpasste er sein erstes Clippers-Spiel, weil er einen Beamten beleidigte, sich dem Arrest widersetzt haben soll und auf „no contest“ plädierte.

„I don’t listen to no people with no rings!“, sagte einst Stephen Jackson, der 2003 als Rollenspieler eine NBA-Championship in San Antonio abstauben durfte, als Kritik an Charles Barkley, der zwar eine Dekade lang Franchise-Player war, aber nie eine Meisterschaft gewann. Nuff' said! Nein? Wie wär‘s mit tätowierten, betenden Händen, die eine Knarre halten, auf seinem mittlerweile aufgeblähten Sixpack? Immer noch nicht? Die Palastrevolte von Detroit geht auch auf sein Konto (s. unten). Jetzt aber…G-G-G-G-G-G-G-G-G-G-G-G-G-Unit. Was, G steht für Guerilla? Das passt ja dann auch.

Ein Sommer im Tattoo-Parlour und eine OP im September - klingt stark nach J.R. Smith, geht aber noch einen Schritt krasser. Monta Ellis ließ sich 2008 als Free Agent erst von den Warriors knapp 70 Mio. $ garantieren, dann beide Arme vollpinseln, nur um dann mit einem Motorrad in stabile Seitenlage zu gehen und sich bei einem Unfall die Hand zu brechen. Ohne abklappendes Gelenk spielt es sich schlecht, vor allem für einen gewissenlosen Shooter wie Ellis. Das Easy-Rider-Feeling kostete ihn eine halbe Saison, aber nicht den Vertrag. Die Warriors ließen rund 15 Millionen pro Jahr gerade sein, erreichten aber bis 2013 nicht mehr die Playoffs.

2) Indiana Pacers, 2004
„Whenever you go into the stands, nothing good will happen!“ Klingt simpel. Ist es auch. Aber nicht simpel genug für Ron-Ron Artest und den bereits erwähnten Stephen Jackson. Der 19.11.2004 ist ein schwarzer Tag in der NBA-Historie. Der Mann mit dem Weltfrieden im Führerschein und der Mann mit dem Barkley-Rhetorik-Skalp im Keller ließen sich von einem vollen Bierbecher zur thuggigsten Aktion ihrer Karriere verleiten.

Die Pacers führten an jenem Abend den amtierenden NBA-Champion, bestückt mit auch nicht pflegeleichten Charakteren wie Rasheed Wallace (s. unten), vor und lagen in der 48. Minute ungefährdet mit 15 Punkten in Front. Metta World Peace spielte trotzdem wie Ron Artest und foulte Ben Wallace beim Korbleger hart, als ginge es um die Verhinderung zweier einfacher Punkte in Spiel 7 der ECF. Einen beidhändigen Shove von Big Ben später war Jahrmarkt auf dem Platz. Aber noch nicht auf der Tribüne.

Artest legte sich auf den Anschreibetisch wie Chris Kaman auf die Bank in Cleveland und wurde von einem vollen Bierbecher aus den Zuschauerrängen getroffen. Ein beherzter Sprung über die ausgedünnte Security Line und es war „Malice at the palace“ angesagt. Jackson und Fred Jones wollten im Kampf um den Earl Joseph III. des Jahres nicht nachstehen und eilten Artest zu Hilfe, was die Sache wenig überraschend nur schlimmer machte.

Gott sei Dank war der in Portland im Umgang mit Troublemakern (s. unten) geschulte Jermaine O’Neal noch da und regelte die Sachlage zumindest auf dem Parkett, auf das während des Chaos mehrere Pistons-Fans gestürmt waren, indem er trotz wenig schulmäßiger Fußstellung einen der Rowdys mit einer gekonnten rechten Geraden niederstreckte. Ach ja, und der damalige Indiana-Assistant-Coach Mike Brown entfernte Artest aus den Klauen der Palast-Besetzer. Von wegen, der kann nur Defense.

In weniger als 15 Minuten beerdigten Ron, Fred, Jermaine und Stephen de facto eines der hoffnungsvollsten Teams der Nuller Jahre, entlarvten sich selbst als Thugs und prügelten sich Millionen von Dollar aus der eigenen Portokasse. „There’s still work to do, J.R!“

1) Portland Trailblazers, 1996–2004
But the winner is: Tha PDX Jailblazers, G-Bro. Für Paul Allen war „Teamchemie” immer nur die andere Nerd-High-School-AG, deren Mitglieder selbst die IT-Traumtänzer dissen durften. Der Mann, der nie wegen Beihilfe zur Erfindung des Internet Explorers verhaftet wurde, hatte Rip Citys Finest 1988 erworben und wollte Titel. Rund um den Abgang des letzten Drexler-Helfers Cliff Robinson 1997 sammelte GM Bob Whitsitt unter Allens Regie eine in der NBA-Historie einzigartige Kollektion von Charakter-Amöben ein, die zwar Talent für zwei durchschnittliche All-Star-Teams, aber auch das Vorstrafenregister eines überdurchschnittlich kriminellen Hells-Angels-Chapters mit in den neu erbauten Rose Garden brachten.

Gebt das Hanf frei!
Alles begann mit der Aquisition des Isaiah Rider, der im hiesigen Zusammenhang als Gegenstand für Spitznamen-Trivia der einfachsten Schwierigkeitsstufe gelten darf. In den Arrestzellen rund um die Twin Cities wurde er laut Gerüchten mit Präsentkörben empfangen. Bei der örtlichen Polizei war er nur als NBA-Luniz bekannt. Konsequenterweise ließ er sich zwei Tage vor dem ersten Blazers-Spiel 1996 mit THC im Körper aufgreifen.

Neben dem schon standardisierten Dope-Konsum fand sein Bruder im Geiste, Darius Miles, es später eine gute Idee, seinen Coach Mo Cheeks mit dem N-Wort zu belegen, um sich anschließend zu wundern, dass dieser sich beleidigt fühlte.

Der für den auch nicht gerade als Musterprofi verschrienen Kenny Anderson ertradete Damon Stoudamire versuchte das allgegenwärtige Gras in einem Stück Alufolie durch den Detektor am Flughafen zu schmuggeln und wurde zu seiner Überraschung erwischt!

Der Kadaver von Shawn Kemp fand die „Pottraucherei Cleveland“ und legte das Gnadenbrot der NBA gleich in innerem Nasenpuder an, während er nebenberuflich als Ein-Mann-Samenspenderdatei fungierte und sich intravenös Cheeseburger zuführen ließ.

Ab 1998 trieb auch der junge Rasheed Wallace sein Unwesen in Oregon. Obwohl damals in der NBA noch Emotionen auf dem Feld erlaubt waren, schaffte es Sheed, in einem Monat mehr technische Fouls zu sammeln als Kevin Durant heutzutage 30-Punkte-Spiele. Wenn er off the court nicht gerade damit beschäftigt war, sein sauer verdientes NBA-Salär in Papierchen zu stopfen und in die Luft zu blasen, schmiss er Arvydas Sabonis Handtücher ins verdutzte Gesicht oder drohte Schiedsrichtern und Journalisten Prügel an.

Cribs, Crips und Sex
Zach Randolph schritt lieber gleich zur Tat und brach Teamkollegen mit Artest-Vintage-Schwingern die Augenhöhle. Um sich anschließend im Haus von Teamkollege Dale Davis zu verstecken, weil er Blutrache seines Opfers fürchtete. Letzteres mag man für übertrieben halten. Allerdings hörte sein Opfer auf den Namen Ruben Patterson.

Die bekannt emotionalen Fans der Blazers hätten problemlos zu Pattersons Villa fahren und ihm die Meinung geigen können. Da der junge Vater sich einige Zeit vor seiner Verpflichtung gegen deren Willen an der Nanny seiner Kinder zu schaffen machte, war er registrierter Sexualstraftäter. Vermutlich um seinem Ruf gerecht zu werden, soll er mehrfach die eigene Ehefrau misshandelt haben. Was also sollte ihn vom Gilbert-Arenas-Gedächtnis-Poker mit Zach abhalten? Wohlmöglich Randolphs Freundschaft mit notorischen Gang-Mitgliedern, die dieser zur Dekoration während der MTV-Cribs-Aufnahmen auf den 20.000-$-Sofas seiner Marihuana-Höhle platzierte.

Bei Pattersons zu Hause wäre auch Omar Cook fündig geworden, wenn er nach seinen von der Franchise gestellten Koffern gesucht hätte. Von denen hatte der selbsternannte Kobe-Stopper nämlich Cooks Namensschilder entfernt und sie vermutlich in der Absicht treuhänderischer Verwahrung aus dem Locker Room entfernt. Cook war aber gerade mit Wetten in Qyntel Woods‘ Haus beschäftigt. Als Michael Vick noch Trömmelchen um Christbäume trug, veranstaltete Woods schon nebenberuflich Hundekämpfe in seinem Hinterhof.

“They don’t matter to us!“
…sagte Bonzi Wells über die Fans in Portland, nachdem er einen Jungen, der um ein Autogramm bat, mit der Androhung körperlicher Züchtigung vertrieben hatte. Das Wunder dieser Franchise ist nicht, dass sie in Spiel 7 der WCF 2000 gegen die Lakers im vierten Viertel einen 15-Punkte-Vorsprung verzockten, sondern dass sie es überhaupt bis in jenes siebte Spiel schafften. Und dass Sabonis, Detlef Schrempf und Scottie Pippen es mehrere Jahre in dieser Truppe von nicht resozialisierbaren J.R. Smith-Vorbildern aushielten.

Verglichen mit solchen Jail Blazers Clevelandereien sind ein paar ungegessene Tierinnereien in einem chinesischen Hotel in der Tat ein harmloser Kinderspaß…