05 Februar 2014

Daniel Schlechtriem, Roman Schmidt, Florian Schaum, Johannes Hübner | 5. Februar, 2014   






1. Welcher Spieler stellt die schockierendste All-Star Nichtnominierung dar?


Roman Schmidt, No Bull: Wisst ihr, wie fragwürdig die Joe Johnson Nominierung ist? So fragwürdig, dass Kobe anfängt zu überlegen, ob sein neuer 2-Jahresvertrag vielleicht doch keine so gute Entscheidung war. So fragwürdig, dass sich Raymond Felton vor seinem 4. Triple Cheeseburger fragt, ob es eine gute Entscheidung war, die ersten drei zu essen. Sie ist so fragwürdig, dass ich mich komplett über die eigentliche Frage hinwegsetze. Eine Nominierung hätte eine nette Bestätigung für Kyle Lowry, Arron Afflalo oder Lance Stephenson dargestellt - und das sind nur die Guards.

Florian Schaum, Back the Buzz: Al Jefferson, Baby! Dessen Nichtnominierung durch die Coaches stinkt noch intensiver als die Socken seines Namensvetters Al Bundy. 23,9 Punkte, 11,3 Boards, 2,6 Assists sowie 0,9 Steals und einen Mutombo pro Spiel haut Big Al im neuen Kalenderjahr raus. Charlotte liegt nicht zuletzt dank seines Big Man immer noch vor weitaus höher gehandelten Teams wie den Knicks und Pistons auf dem letzten Playoff-Rang im Osten. Wenn das nicht verdammt nochmal All-Star würdig ist, was dann? Unabhängig von seinen Leistungen, würde Jeffersons breitgefächertes Offensiv-Repertoire dem All-Star-Game sicherlich gut zu Gesicht stehen. Leider besitzen Teams wie Charlotte oder auch Phoenix (Dragic) keinerlei Lobby in der NBA. Ich bin mir sicher, dass Jefferson am Start wäre, wenn er bei einem renommierteren Team angestellt wäre.

Johannes Hübner, Yay Area: Goran Dragic. Siege müssen belohnt werden und die Suns haben alle überrascht. In nahezu jeder Saisonvorschau ging es für die Franchise aus Arizona nur um Lottery-Bälle für den Draft. Jetzt haben die Suns nur eine Niederlage Rückstand auf die Los Angeles Clippers und damit den Division-Sieg am Pazifik. Selbst der Ausfall von Eric Bledsoe brachte nicht den prophezeiten Einbruch - ein Verdienst vor allem von Goran Dragic.

Daniel Schlechtriem, With the 14th Pick: Im Westen ist die Leistungsdichte zu hoch und keine der Nominierungen unverdient, daher muss dieser Preis klar an den Osten gehen. Was Joe Johnson da verloren hat, können sich wahrscheinlich einige der wahlberechtigten Coaches selbst nicht erklären. Lance Stephenson spielt eine großartige Saison und hätte es viel eher verdient gehabt, ebenso Kyle Lowry.

Sebastian Dumitru: Ist Chef-Pelikan Anthony Davis 1. bei den Blocks, 6. beim Player Efficiency Rating, 8. bei den Win Shares per48, 12. bei den Rebounds, 15. im Scoring und 26. bei den Steals, obwohl in seinem Team links und rechts die Schlüsselspieler weg brechen? Findet das ASG in New Orleans statt? Schicken die Houston Rockets mehr All-Stars dorthin als das Team mit den meisten Siegen in der NBA (Oklahoma City)? Und: hat einer der besagten Rockets (ein Big Man) durch die Bank weg schlechtere Stats als Davis? Keine weiteren Fragen, eure Ehren!


2. Die Bynum-Verpflichtung der Indiana Pacers: "guter Move", "schlechter Move" oder "Meh"? 


Roman Schmidt:  „Meh“. Was sind wir, Friseurladen- oder Bowlingbahnbetreiber? Hätte man uns noch vor 2 Jahren erzählt, dass Lance Stephenson und Drew Bynum mal im selben Team spielen werden, hätten wir alle die Hände über die Köpfe geschlagen. Bynum ist nicht mehr in der körperlichen Verfassung, regelmäßig gute Leistungen abzurufen. Aber kann er in einer 7 Spiele Serie wenigstens ein gutes Spiel abliefern, das am Ende die Nadel zum Ausschlag bringt? Sicher. Auch gegen die Heat? Bestimmt... vielleicht ist das Ganze gar nicht so meh, wie viele jetzt noch denken.

Florian Schaum: „Guter Move“. Mannschaftsklima und Teamgeist der Pacers scheinen völlig intakt und so gefestigt, dass Indiana sogar Gilbert Arenas und Shawn Kemp im Kader aushalten würde. Ich glaube auch nicht, dass Bynum in Indiana aufmucken wird. Bynums Arrangement in Indianapolis ist eine perfekte Gelegenheit, sein ramponiertes Image aufzupolieren. Über Bynums sportlichen Wert (wenn er fit ist) sollte sowieso nicht diskutiert werden.

Johannes Hübner: „Meh“. Bynum wird nicht entscheiden, ob die Pacers dieses Jahr den Titel holen oder nicht. Indiana hat nichts zu verlieren und bekommt Bynum für einen günstigen Preis. Sollte es schief gehen und Bynum und „born ready“ Stephenson gehen nur noch gemeinsam bowlen, kann Bird die Reißleine ziehen. Mit Ian Mahinmi haben die Pacers einen defensivstarken Ersatz für Hibbert, jetzt sind sie auf der Position noch tiefer und variabler – mehr nicht. Daher „Meh“.

Daniel Schlechtriem: Aus moralischer Sicht mehr als fragwürdig. Hat Bynum letzten Sommer ernsthaft gedacht, er spielt mit Kyrie um den Titel mit? Oder haben ihn nur die garantierten sechs Millionen grüne Scheinchen interessiert? Dann aber nicht mal mit halber Kraft über den Platz zu schleichen und später bei diesem angeblichen Sauhaufen rauszufliegen respektive dies zu provozieren, um bei einem Contender zu unterschreiben, zeugt von ganz, ganz schlechtem Stil. Sportlich/Wirtschaftlich sicherlich ein guter Zug für die Pacers, andererseits ist es besorgniserregend, dass so ein Verhalten auch noch belohnt wird und eine eigentlich integere Franchise wie Indiana ein Stück Selbstachtung dafür aufgibt.

Sebastian Dumitru: „Guter Move“. Die Gründe für das aufrichtige Pacers-Interesse aufgrund der aktuellen Kadersituation (Backup-Center) sowie der potentielle sportliche Mehrwert, den ein motivierter, interessierter und involvierter (allesamt unabdingbare Faktoren für seine Produktivität auf NBA-Parkett) Andrew Bynum bringen kann, hatte ich hier bereits in Überlänge skizziert. Wenn er nichts mehr bringt, bleibt er einfach auf der Ersatzbank sitzen oder wird nach Hause geschickt. Das Risiko für Indiana liegt genau bei Null.


3. Spätestens nach der Pleite gestern gegen Milwaukee ist klar: die Knicks verpassen die Playoffs! Korrekt?


Roman Schmidt: Mein Gott, Melo, flieh solange du noch die Möglichkeit hast. Die Knicks müssen in die Playoffs, um den Fans zu suggerieren, dass man 13/14 halbwegs erfolgreich war- immerhin war man in den Playoffs. Charlotte hat nach wie vor Schwierigkeiten sich abzusetzen und die Nets sind steinalt. Das, was den Osten so komödiantisch wertvoll macht, ist, dass schon eine 3-Spiele Siegesserie zum Erreichen der POs reicht. Das Erreichen des 8. oder 7. Platzes im Osten ist allerdings so ehrenvoll, wie das Erreichen des 1. Platzes bei einem ADAC-Test.

Florian Schaum: In den nächsten fünf bis zehn Spielen wird sich für die Bockers eine klare Tendenz abzeichnen wohin der Weg führt. Die bittere Niederlage gegen die Bucks wird eine Reaktion im Team hervorrufen. Ob diese positiv oder negativ ausfallen wird? Ehrlich gesagt, zu diesem Zeitpunkt, in so einer Saison: kein Plan!

Johannes Hübner: Falsch. New York schafft es noch in die Playoffs. Die Qualität, vor allem in Person von Carmelo Anthony, ist einfach zu gut, um in diesem Osten nicht in die Postseason einzuziehen. Mike Woodson muss es nur schaffen, dass die Knicks einen Tick weniger verlieren als die Bobcats und Pistons. Klingt selbst mit katastrophaler Defense machbar, oder?

Daniel Schlechtriem: Niederlage gegen das schlechteste Team der Liga, zehn Spiele unter .500. Die Zahlen sprechen eigentlich für sich. Eigentlich. Aber in diesem miesen Osten fällt das gar nicht ins Gewicht, denn die Knicks sind nur 1,5 Spiele hinter dem achten Platz. So traurig es auch ist, aber ich fürchte, dieses wandelnde Debakel wird sich irgendwie noch durchmogeln. Und warum auch nicht? Fürs Prestige ist es wichtig, im Garden Playoff Basketball anzubieten (auch wenn das in einem Desaster nach Broncos-Manier enden wird) und einen Draft Pick haben sie gefühlt bis 2030 sowieso nicht.

Sebastian Dumitru: Oui. Die Knicks werden die Playoffs verpassen. Ich weiss, dass NY nur zwei Siege von Platz acht entfernt ist, aber das läuft schon seit über drei Monaten so. Wem traut ihr die Playoffs eher zu: Den grundlegend soliden, perfekt gecoachten Hawks? Den aufblühenden Wizards mit dem besten Point Guard im Osten? Den Nets, deren Smallball sie in 2014 wiederbelebt hat? Den unermüdlichen, kämpferischen Bulls von Tom Thibodeau? Den defensivstarken Bobcats (7. im Defensiv-Rating), die zahlreiche Trade-Optionen haben? Den 20-10 post-Rudy-Gay-Trade All-Star Raptors? Oder dem funktionsgestörten, ausgelasteten Haufen eines Bald-Max-FAs mit verwirrtem Head Coach und sieben Spielen Rückstand in der miesesten Division aller Zeiten? 


4Sollte Masai Ujiri in Toronto über die Personalie Kyle Lowry hart nachdenken? Wie wird er sich entscheiden?


Roman Schmidt: Er sollte sich die Frage stellen, wo er in der Liga oder im diesjährigen Draft einen besseren Point Guard bekommen kann. Allerdings kann selbst Ujiri nicht den eigentlichen und aktuellen Wert von Lowry nicht nach Toronto tauschen, dass K-Lows Vertrag diesen Sommer ausläuft und wir gelernt haben, dass 1-Jahresverträge wenig bis gar nichts wert sind. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass irgendwann ein Team anbeißt, welches verzweifelt ist und einen 1st round pick anbietet. Und ich bin ratlos, weshalb ich das denke- aber ich glaube die Knicks werden dieses Team sein.

Florian Schaum: Toughe Entscheidung. Ich würde ihn eher nicht weggeben, da ich glaube, dass Toronto durchaus gute Karten besitzt um mit Lowry zu verlängern. Und seien wir doch mal ehrlich: Die Raptors werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nie um den Titel mitspielen, dafür ist Kanada als Standort zu unattraktiv für amerikanische Spieler. Dieses Jahr hat Toronto eine realistische Chance, die zweite Playoff-Runde zu erreichen. Wer weiß, wann sie das nächste Mal die Gelegenheit dazu haben werden. Ich würde an Ujiris Stelle das Risiko eingehen.

Johannes Hübner: Masai sollte hart darüber nachdenken und ich bin mir sicher, dass er es tut. Wie er sich entscheiden wird weiß ich nicht, aber vermutlich richtig. Lowry wird Free Agent und wird im Sommer viel Geld fordern und irgendein Team wird ihm zu viel Geld hinterher werfen. Zu spät ist es mittlerweile für einen Trade um zu tanken, dafür haben die Raptors bisher zu viel gewonnen. Toronto sollte jetzt die Chance nutzen eine Identität des Gewinnens zu etablieren und Lowry erst einmal halten und dann im Sommer weiterschauen.

Daniel Schlechtriem: Er wird Lowry wegschicken, solange der Marktwert noch hoch ist. Auch wenn es auf der Tabelle nicht so aussieht, stecken die Dinos im Umbruch und werden außer Valanciunas alles verscherbeln, was sie loskriegen können – selbst wenn es inzwischen nahezu unmöglich erscheint, doch noch Andrew Wiggins in die Finger zu kriegen. Die Raptors laufen Gefahr, in die Mediocrity Treadmill zu geraten, das wird Ujiri nicht zulassen. Zumindest die Pacers (ob die Heat nach dem nächsten Sommer noch relevant sind, muss ja erst noch abgewartet werden) können sie mittelfristig ohnehin nicht schlagen, deshalb werden sie falls notwendig spätestens im Sommer radikale Maßnahmen ergreifen.

Sebastian Dumitru: Er sollte nicht nur, er muss. Das verlangt das Selbstverständnis und die Arbeitsbeschreibung eines NBA GMs, erst recht, wenn er so tüchtig ist wie Ujiri. Lowrys Deal läuft im Sommer aus, und Toronto braucht bald Geld für die Verlängerungen mit Ross und Valanciunas. Ujiri weiss, dass Lowry ein trügerisches contract year spielt und es für die Raptors keinen Sinn macht, im Sommer 45 Mille für 5 Jahre hinzublättern. Er weiss aber auch, dass Lowry trotz läppischem 6 Mio. $ Deal jetzt keinen First Round Pick abwerfen wird, um den Klub langfristig besser zu machen. Also wird er halten und versuchen, den guten Run dieses Teams bis in die Playoffs zu konservieren. Es wären die ersten in Toronto seit 2008.


5.  Wo muss Pau Gasol zur diesjährigen Trading Deadline landen?


Roman Schmidt: Irgendwo, weit weg von D'Antoni. Ein Deal mit den Suns würde wohl nur für die Lakers Sinn machen, da sie vermutlich eine Variation von Okafor + Pick(s) + X erhalten würden. Die Suns hingegen müssten von ihren young guns verlangen, sich hinter einem alten Veteranen anzustellen. Hinzu kommt, dass der Frontcourt mit Frye, Doppel-Morris, Len und Plumlee bereits ausgelastet ist, was Minuten anbetrifft. Teams, für die er sonst noch Sinn macht, wären die Pelikane (Center neben A-Davis) und da es seit gefühlt zehn Jahren mit den Bulls in Verbindung gebracht wird, setze ich uns spaßeshalber auch auf die Liste. Achja, und die Nets. Die sind an jedem 8-stelligen Vertrag interessiert.

Florian Schaum: Die spannendste Frage in diesem Jahr lautet: Wem laufen 2014 die meisten Leute davon? Dem ADAC oder den L.A. Lakers? Den Neuanfang der gelben Engel aus Tinseltown wird Pau Gasol sicherlich nicht mehr erleben. Ich würde den Spanier am liebsten in Sacramento sehen. Gasol würde gut in dieses talentierte, aber unerfahrene Team passen. Ob der Spanier sich einen Verbleib über die kommende Saison hinaus vorstellen könnte, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier geschrieben.

Johannes Hübner: Nicht bei den Phoenix Suns. Phoenix lebt wie kaum eine andere Mannschaft vom Spacing und ihren „Stretch 4s“. Die Morris-Brüder und Channing Frye geben Dragic den nötigen Raum. Pau trifft zu schlecht von außen, ist zu alt und seine Verletzung macht den Trade noch fragwürdiger. Die Lakers müssen Pau noch loswerden um Geld zu sparen und bestenfalls noch einen Erstrundepick abzugreifen.

Daniel Schlechtriem: Es wird ja über Phoenix spekuliert und das erscheint tatsächlich als sehr sinnvoller Neuanfang für den zweifachen Champion. Mit seiner Unterstützung am Brett machen sich die Suns zum nachdrücklichen Playoff-Kandidaten. Zusammen mit Dragic kann der alte Mann jede Menge Pick & Rolls laufen und zudem Plumlee und Len protegieren. Eine Rückkehr nach Memphis sollte man auch nicht außer Acht lassen, zusammen mit seinem Bruder Marc sowie Zach Randolph wären die Bären in der Zone kaum zu schlagen. Ein Zusammenspiel mit Ricky Rubio in Minnesota würde ebenso für beide Spieler höllisch viel Sinn ergeben, aber gerade deshalb werden es die Wolves wahrscheinlich nicht möglich machen.

Sebastian Dumitru: Bei einem Playoff-Team. Gasol ist nicht mehr der Jüngste, und auch nicht mehr der Beste unter den NBA Big Men. Aber er produziert (wieder) auf einem sehr hohen Level. Seine per36-Werte sind so gut wie seit 2007 nicht mehr, und vor seiner Leistenverletzung war er ein de facto 20/10 Big. Davon gibt es nur sechs andere in der ganzen Liga. Eine Menge Teams könnten seine Dienste in den Playoffs gut gebrauchen. Brooklyn, Phoenix, Chicago und New Orleans sind die aussichtsreichsten Kandidaten. Wenn ich allerdings frei bestimmen dürfte, hier mein Sleeper-Team für Pau: die Charlotte Bobcats.