09 Februar 2014

Sebastian Dumitru | 9. Februar, 2014   





Die Trade-Deadline ist weniger als zwei Wochen entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Die Kacke dampft in Denver und stinkt zum Himmel. Über meine geplatzte Nuggets-Blase nach den katastrophalen Fehlentscheidungen im Sommer habe ich mehrfach berichtet. Die Art und Weise, wie man in der Mile High City arbeitet, seit Brian Shaw und Tim Connelly die Geschäfte an der Seitenlinie respektive im Front Office übernommen haben, hat die Nuggets weit zurück geworfen. Das Kapitel 'Dre Day' ist der ultimative Beweis für die Inkompetenz der jungen Verantwortlichen in ihrem ersten Jahr an den Strippen.

Rookie-Coach Shaw schmiss die Philosophie seines Vorgängers George Karl komplett über den Haufen, als er in Denver anfing, musste aber nach katastrophalem Dezember und einer langen Niederlagenserie kleinlaut zurückrudern und widerwillig einen Großteil von Karls alter taktischer Ausrichtung re-installieren. Shaw ließ das Tempo wieder anziehen, und mit der schnelleren Pace (102.38 im neuen Jahr nach 97.97 in den ersten beiden Monaten) kam wenigstens ein bisschen Stabilität zurück in einen völlig verunsicherten Kader, der überhaupt nicht mehr weiss, wer oder was er eigentlich ist.

Zur allgemeinen Verwirrung beigetragen hat auch eine der hässlichsten Episoden der Saison: Veteran Andre Miller erhielt am Neujahrstag von Rookie-Coach Shaw das erste DNP-CD seiner Karriere, als er bei der peinlichen 102-114 Heimniederlage gegen Philadelphia überhaupt nicht eingesetzt wurde. Er konfrontierte seinen Cheftrainer und wurde prompt suspendiert. Die Zwei-Spiele-Sperre hob der Klub zwar umgehend wieder auf, aber Shaw weigert sich seither vehement, Miller wieder zurück zum Team zu lassen.

Besonders pikant ist die Tatsache, dass Miller der härteste Eisenmann der Liga ist und in seiner 15-jährigen Karriere nur sechs Spiele überhaupt verpasst hatte (1156 von 1162 möglichen Partien absolviert), ehe ihn Shaw ohne triftigen Grund auf der Bank schmoren ließ. So etwas gehört nicht nur zu den absoluten No-Go's in NBA-Kreisen, sondern gibt einem Veteranen mit derart professionellem Ruf auch das absolute Recht, mindestens pikiert zu sein. Selbst ein Hall of Fame Coach wie Gregg Popovich würde sich so etwas nicht erlauben wollen. Ein Frischling an der Seitenlinie geht damit eindeutig zu weit.

Shaw sieht sich trotzdem im Recht: "Es wird von unserer Seite aus keinen Annäherungsversuch geben. Ich denke, wir haben alles getan. Wenn also jemand auf jemanden zukommen müsste, dann muss das von seiner Seite aus geschehen. Wir evaluieren nach wie vor die Situation. Ich halte mich da aber komplett raus und lasse das alles von unserem Front Office, seinem Agenten und ihm regeln."

Drei interessante Aspekte verdeutlichen den Ausmaß von Shaws Borniertheit und die folgenschweren Implikationen für die sportliche und wirtschaftliche Situation bei den Klumpen. Miller war der älteste und erfahrenste Spieler in einem Kader voller unfertiger, sich immer noch entwickelnder Youngster ohne irgend eine NBA-Errungenschaft. Das gilt auch für den Coach, der keine zehn Jahre älter ist als Miller. Dessen Statistiken in dieser Saison (5.9 PPG, 3.3. APG) sprangen zwar nicht ins Auge, aber das war ja schon immer so. Miller brachte dafür als Backup auf der Eins stets ein beruhigendes Element ins Spiel, verlangsamte das Tempo und setzte seine Nebenleute geschickt in Szene.

Das Team war - auch in dieser Saison - mit ihm besser dran als ohne ihn. Das belegt diese Statistik eindrucksvoll: Denver gewann 69% seiner Partien (11-5), wenn Miller mindestens 19 Minuten auf dem Parkett stand. Bei 18 Minuten oder weniger waren es nur mickrige 23 Prozent (3-10). Seit seiner Suspendierung haben die Nuggets im Westen keinen Zentimeter Boden auf Rang acht gut gemacht. Der Rückstand heute beträgt nach wie vor 5 Siege, die Punktedifferenz ist weiterhin negativ.

Viele dachten, dass Shaw spätestens nach der saisonbeendenden Knieverletzung von Nate Robinson wieder auf seinen Veteranen zurück greifen würde, zumal auch Ty Lawson immer wieder mit Blessuren zu kämpfen hat und sich im Spiel gegen Detroit sogar die Rippe brach. Der Coach agiert auf der verzweifelten Jagd nach dem utopischen Playoff-Platz aber lieber ohne gesunden Spielmacher und versucht sich mit Leuten wie Randy Foye, Evan Fournier oder Jordan Hamilton auf der Eins durchzumogeln, statt Miller die Hand zu reichen. Ergebnis: die höchste Turnover-Rate der Liga seit Mitte Januar mit astronomischen 17.3%, resultierend aus dem Mangel an adäquaten Ballhandlern und überhaupt jemandem (minus Lawson) mit einem positiven Basketball-IQ.

Die Hängepartie zwischen Spieler und Coach hat auch dem Manager die Hände gebunden: obwohl das Interesse an Miller ligaweit hoch ist, hat Shaw den Tradewert des 37-Jährigen ins Bodenlose gedrückt. Kein GM wird noch irgend etwas von Wert auf den Tisch legen für jemanden, der bei seiner eigenen Franchise zum Pariah erklärt worden ist. Ein Draft-Pick oder gar ein potentieller First Rounder, wie ihn Connelly gerne abgesahnt hätte, steht nun völlig ausser Frage. Connelly spielt zwar noch auf Zeit, aber es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Miller bald abgestoßen wird. Der Point Guard hat sein Haus in Colorado bereits zum Verkauf frei gegeben.

Warum das alles so lange dauert? Teams wie Golden State oder New York, die dringend einen Backup-Einser gebraucht hätten, haben sich mittlerweile anderweitig orientiert oder wurden abgeblockt. Junge Teams auf der Suche nach einem Veteranen, der die Youngster im Kader anleitet, wie Utah oder Sacramento, bieten nicht mehr als den eigenen Kader-Abfall, den sich Denver aber nicht aufbürden möchte. Weitere Interessenten wie Washington, Minnesota oder Oklahoma City sind sowohl von Millers Erfahrung und Abgeklärtheit, als auch von seinem moderaten, nur partiell garantierten Restvertrag angetan (5 Mio. $ in 2013/14, nur 2 Mio. $ garantiert für 2014/15) - pokern aber zurecht.

An Bewerbern für die Dienste des 37-Jährigen wird es definitiv nicht mangeln. Ob Connelly/Shaw aber das Richtige tun und endlich handeln werden oder Miller vor den Playoffs einfach nur duckmäuserisch aus seinem Vertrag heraus kaufen - möglicherweise sogar so verspätet, dass der Point Guard bei keinem Playoff-Team mehr anheuern kann - das ist die Frage, die man sich derzeit ligaweit stellt. Zumindest eines ist sicher: das Coach & Executive of the Year Double wird man in Denver heuer nicht zelebrieren, wenn die Nuggets die Postseason vom Sofa aus mitverfolgen.