19 Februar 2014

Anno Haak | 18. Februar, 2014    @kemperboyd





Die Trade-Deadline ist weniger als eine Woche entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Ich gebe zu: ich hatte unser Subjekt für die Poison Pill des Dwight-Howard-Deals gehalten. Kriegt man für seinen Superstar schon keinen gleichwertigen Ersatz im Tausch, sollten es wenigstens Draft Picks und auslaufende oder günstige Deals (Stichwort: Rookie-Verträge) sein und nicht mehr oder weniger überbezahlte Borderline-Durchschnittsprofis. Anderthalb Jahre später, pickte der Autor Afflalo für das Ost-All-Star-Team. Das mag man für übertrieben halten, aber Fakt ist: während sie in Denver und Tinseltown die Scherben zusammenkehren und in Philadelphia die Panzer rollen, ist der Ex-Klumpen das wertvollste Trade-Asset der Magic zur kommenden Deadline. Eine nahezu zauberhafte Entwicklung.

Die erste Saison als Quasi-Franchise-Player in einem Neuaufbau-Team schien den Skeptikern noch Recht zu geben. Die Umstellung von einem der vielen Zylinder in der George-Karl-Offense in Denver zu „The Man“ in Orlando fiel sichtbar schwer. Die gemessen am Karriereschnitt verdoppelte Wurfanzahl führte unter anderem zur niedrigsten Dreierquote seit der Rookie-Saison (30 %). Ballbesitze endeten regelmäßig mit Pässen in die dritte Zuschauerreihe (2,2 TO/G). Dazu verpasste der Swingman fast 20 Spiele, so viele wie nie in bis dato sechs NBA-Jahren.

Danke Milwaukee
Auch wenn es die Splits der vergangenen Saison (noch) nicht hergaben: der Irrsinns-Deadline-Deal der Bucks 2013, die J. J. Redick für drei Monate mieteten, um im Gegenzug Doron Lamb und Tobias Harris nach Disney World zu verschiffen, half. Afflalo konnte endlich auf die präferierte Zwei zurückkehren, was sich mit Verzögerung auszahlt. Der Lebenslauf des 27. Picks von 2007 weist die laufende Saison als Karrierejahr aus. Die fast 20 PPG ergeben sich aus effizienten 46% FG (ligaweit Nummer 4 unter den Guards mit vergleichbaren Spielanteilen) und einer auf fast 43 Prozent zurück auf das career high Niveau von 2010 geschnellten Dreierquote.

Das ebenfalls solide True Shooting von 58% speist sich auch aus den vermehrten Penetrationen bzw. Postups (fast jeder vierte Wurf in Ringnähe bei 55% Quote), die nebenbei zu über 1,5 Freiwurfversuchen mehr pro Spiel bei nahezu gleichbleibender Treffsicherheit von über 80% von der Linie geführt haben. Zur Abrundung gibt es 4 Rebounds und fast 4 Assists pro Abend. Macht unter dem Strich eine offensive Zahlenkolonne, die sich unter den Guards in der NBA außer Afflalo nur noch Paul, Harden, Lillard, Dragic und Curry an die Locker-Rückwand tackern können. Natürlich sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. „Der beste Spieler in Orlando“ ist das „Tabellenführer der Atlantic Division“ unter den inoffiziellen Spieler-Awards 2014. Aber 20/4/4 weckt zu Recht Begehrlichkeiten.

3 and…Fehlanzeige
Die Performance am eigenen Ring ist unter der Last, sein Team offensiv tragen zu müssen, rückläufig. So lautet jedenfalls das landläufige Scouting-Report-Bemerken. In Wahrheit war Afflalo statistisch nie ein Elite-Verteidiger. Steal- und Block-Karriere-Werte im Fehlertoleranzbereich mögen noch als oberflächlich abgetan werden. Das individuelle Karriere-Defensiv-Rating von 111 kann man kaum schön reden, aber als statistische Missgeburt abkanzeln. Kaum argumentieren lässt sich aber gegen das 108,7 vs. 112,0 off/on-Defensivrating des Teams. Oder klarer: sitzt Afflalo auf der Bank, verteidigen die Magic (auf dürftigem Niveau) besser als mit ihm. Großer Defensiv-Impact sieht jedenfalls anders aus.

Dennoch: Afflalos hochgelobte Arbeitsethik, skandalfreies Benehmen trotz andauernder Trade-Gerüchte sowie George Karl’sche Mannschaftsdienlichkeit in Reinkultur für vergleichsweise günstige 7,5 Mio. Dollar pro Jahr und einem nur noch 15 Monate lang garantierten Vertrag (für 2015/2016 besitzt Afflalo eine Spieleroption) machen die Höschen manches GMs feucht.

Tafelsilber
Bleibt nur die Frage: warum soll Rob Hennigan Afflalo eigentlich abgeben, wo doch Afflalo durchaus in das Neuaufbau-Konzept seiner aktuellen Franchise passt? Der moderate Vertrag, ein positiver Locker-Room-Impact auf die vielen jungen Talente (Harkless, Harris, Vucevic, Oladipo) und die Leadership auf und neben dem Feld sind Argumente gegen einen übereilten Deal. Genau deshalb ist der Magic-Chef wohl eher im „listening mode“. Will heißen: Afflalo wird keineswegs wie Sauerbier angeboten, aber Hennigan wird auch nicht zum Oropax greifen, wenn sich ein Kollege meldet. Der Feind des Guten war schon immer das Bessere.

Besser als Afflalo wären ein Zweier mit einer höheren Geburtsjahrgangsziffer im Führerschein sowie Draft Picks, am besten First-Rounder, als Zugabe obendrauf. Orlando besitzt zwar bereits jetzt zwei Top-15-Picks im tiefen 2014er Jahrgang (den eigenen und den schlechteren der Nuggets/Knicks aus dem Carmelo Anthony Trade), aber das Bessere… Außerdem wandert das eigene Zweitrundenwahlrecht im kommenden Juni nach Cleveland. Im Pick-Tresor der Magic wäre also noch Platz.

Vor allem aber: Afflalo könnte der Lolli sein, der andere Teams den Spinat essen lässt. Den Spinat namens Jameer Nelson und/oder Glen Davis. Der Kadaver von „Big Baby“ hat Stand heute noch Anspruch auf 8 Millionen garantierte Dollar bis Sommer 2015. Dieselbe Summe zahlt man Nelson sogar jährlich bis Sommer 2015 für die Oladipo-Entwicklungs-Blockade, wenn auch in der kommenden Saison nur teilweise garantiert. Afflalo, Nelson und Davis würden zudem Minuten abgreifen, die einer der Superstar-Prospects besser gebrauchen könnte, die im Juni im Green Room auf das Anziehen der Magic-Kappe warten (Julius Randle, Marcus Smart, Dante Exum). Nicht zuletzt würde der Abschied von Davis oder Nelson Cap-Entlastung bedeuten, den man bei schneller Aufwärtsentwicklung des Welpen-Rosters in brauchbare(re) Veteranen-Komplementäre investieren könnte.

Butter bei die Fische
Konkrete Gerüchte sind Mangelware. Klar ist nur: viele Kandidaten, die den Magic den gewünschten First-Round-Pick anbieten und entweder Davis oder Nelson im Paket mit Afflalo abnehmen könnten, gibt es nicht. So hat sich Orlando bei den bisherigen, losen Anfragen eher zögerlich gegeben. Was folgt, ist deshalb Spekulatius in der Nachweihnachtszeit unter Berücksichtigung der Vorstellungen der Magic.

Hennigans Wünschelrute
Was jeder will und keiner kriegt: 1st-Rounder (lechz). Wer hat mehr einkommende Wahlrechte für Runde eins als Phoenix? Niemand, also warum nicht gleich Phoenix:



Okafor bringt Cap Relief im Sommer, Markief Morris Gravitas und Upside auf die Vier. Als Sweetener für die Magic müssten die Erstrunden-Picks von Minnesota (1 bis 12 geschützt) und/oder Washington (Top-Ten geschützt) (beide 2014) nach Florida wandern. Sehr wahrscheinlich ist das zugegebenermaßen nicht. Afflalo ist wohl nicht die Magnitude von Star, für die Phoenix seine Krabbelgruppe sprengen würde. Für die Drei ist er zudem zu klein und im BC braucht man ihn neben Dragic, Bledsoe und MIP-Highroller Green auch nicht wirklich. Zudem wiegt Glen Davis schwer. In jeder Beziehung.

Journey Deng
Ebenfalls ein Team mit viel Draft-Guthaben und dem Willen, es zu verdaddeln: die Cavaliers. Also warum nicht Cleveland:



Deng wird wohl kaum über den Sommer hinaus in Cleveland bleiben. Die Deadline ist somit die letzte Gelegenheit für die Cavs, Gegenwert zu erhalten. Mit Afflalo wäre endlich ein pflegeleichter Shooting Guard mit Talent und Hirn im Roster. Nelsons Vertrag ist wie angesprochen nicht voll garantiert, wäre also zu verkraften. Die Magic würden die Bird Rights für Deng importieren. Will er im Sommer wieder weg, draftet man entsprechend für die Drei (Wiggins). Will Deng in einer Franchise mit mittlerweile wieder ordentlicher Kultur und einem Team mit Upside bleiben, wäre es um so besser. Als Risikoaufschlag für den auslaufenden Vertrag von Deng müsste der 2015er First-Rounder der Grizzlies (bis 2018 Top-5 geschützt) und/oder der 2015 Erstrunden-Pick der Heat (Top-10 geschützt bis 2016) herhalten.

Im Westen Schnappatmung
Ein bisher eher theoretisch gehandelter Partner sind die Oklahoma City Thunder. Der Terminus „One Move away from Contendership“ könnte für Durant und Co. erfunden worden sein. Problem: für den Deal müsste Sam Presti wohl seinen Talentestall leer räumen und niederbrennen. Und es bräuchte ein drittes Team, das den Vertrag von Davis oder Nelson schluckt. Potentieller Kandidat: die Vertragsabsorbierwerkstatt aus Salt Lake City.



Die Magic müssten noch das Mavericks-Erstrundenwahlrecht 2014 (Top-20 geschützt) aus OKC erhalten. Damit wäre der gewünschte First-Round-Pick Teil des Deals. Orlando würde noch jünger und talentierter sowie für künftige Trades flexibler, der Kontrakt von Williams läuft ohnehin nur noch bis zum Sommer. Die Trade-Kröte Thabeet könnte man mit dem Wissen herunterspülen, dass sein Vertrag für '14/15 ungarantiert ist. Die Jazz würden zwar einen schlechten Ein- gegen einen schlechten Zweijahresvertrag tauschen und müssten deshalb mit dem Lakers Second-Rounder 2015 abgefunden werden, der wiederum in Hennigans Regal schlummert. Da aber die Kopfschüttel-Kontrakte von Jefferson und Biedrins auslaufen, ginge de facto kaum Flexibilität verloren. Und die Jazz werden vor 2015 ohnehin kein Free-Agent-Käufer sein, müssen aber rund 50 Mio. Dollar auf der Payroll stehen haben (bisher nur 27 Mio. Dollar garantiert für '14/15). So will es das CBA.

Ergo könnte man sich ab Sommer weiter auf die Entwicklung von Burke und co. sowie dem künftigen All Star, den man in 2014 mutmaßlich draften wird, konzentrieren und müsste sich keine unnützen Verträge an Bord holen. Davis könnte für 500k pro Monat das Handtuch wedeln. Die Thunder hätten endlich einen Spieler auf der Bank, der nachgewiesen hat, dass er seinen eigenen Wurf kreieren kann, und den man bei Ballbesitz in der Crunchtime für Sefolosha und dessen in diesem Jahr übelriechenden Dreier (33,6% Dreier) in die Ecke stellen könnte. Außerdem würde OKC trotz Umschalten in den Win-Now-Modus weiterhin die Luxussteuer vermeiden.

Fazit
Schon die eher kreativen Vorschläge zeigen: einen „offensichtlichen“ Deal gibt es nicht. Die Magic haben keine Eile, ihr All Star-Kaliber im Backcourt abzugeben. First Rounder werden außerhalb New Yorks mittlerweile gehütet wie Augäpfel. Ob es trotzdem zu einem Deal kommt, hängt neben einem passenden Angebot wohl vor allem davon ab, ob die Magic an die Stabilität der Entwicklung bei Afflalo glauben oder zu der Bewertung kommen, dass sein Trade-Wert nie mehr so hoch sein wird wie im Februar 2014.