19 Februar 2014

Wolfgang Stöckl | 18. Februar, 2014    @WStckl






Die Trade-Deadline ist weniger als eine Woche entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Brandon Bass
Wenn es um Tradegerüchte bei den Celtics geht, taucht immer wieder der Name von Brandon Bass auf. Dass er so aggressiv angeboten wird, liegt allerdings weder an seiner Einstellung noch an seinen Leistungen. Brandon Bass ist ein grundsolider Spieler, ein absoluter Musterprofi im allerbesten Alter. Die Celtics sind allerdings gerade dabei ein neues Team aufzubauen und da ist Bass einfach ein wenig im Weg. Die Celtics wollen in dieser Saison, auch wenn es offiziell keiner zugeben wird, möglichst viele Spiele verlieren. Das ist ohne einen gestandenen Profi, der Abend für Abend abliefert, um einiges leichter ohne, als mit ihm.

Außerdem nimmt Bass dem talentierten Rookie Kelly Olynyk wertvolle Spielzeit weg. Gerade dies wäre aber in dieser Saison für die Entwicklung Olynyks sehr wichtig. Man erinnere sich nur mal wie schwer sich Dirk Nowitzki in seiner ersten Saison tat, bis er zum Ende der Saison endlich mehr Spielzeit erhielt. Ab diesem Zeitpunkt ging es für ihn steil nach oben. Auch wenn Olynyk kein Nowitzki ist und höchstwahrscheinlich nie werden wird, sind sein Talent und seine Fähigkeiten unbestritten. Er benötigt nun genug Spielzeit, um Sicherheit in seinen Aktionen zu erlangen und austesten zu können, was für ihn in der NBA funktioniert und was nicht. Bass hingegen ist ein fertiger Spieler, der sich relativ problemlos in fast jeden Rotation einfügen lassen sollte.

Fähigkeiten und Stärken: Sicheres Midrange-Game, gute Freiwurfquoten, solides 1-1 und Postspiel, Kraft und Athletik, viel Playofferfahrung, sehr variabler Verteidiger, kann fast jedes Pick & Roll switchen

Schwächen: Ballhandling, Passpiel, Übersicht, Rebounding, Help-Defense

Vertragssituation: Bass' Vertrag läuft noch 2 Jahre, läuft also Ende der nächsten Saison aus. Insgesamt sehr gute Rahmenbedingungen für mögliche Interessenten.

Mögliche Interessenten: Von Playoffteams bis zu Meisterschaftsanwärtern kann alles dabei sein.

Woj-Bomb-Meter: Heiß. Es wird sicher einige Angebote geben. Ob ein Deal zustande kommt, wird davon abhängen, was geboten wird. Mehr als ein auslaufender Vertrag und/oder eins bis zwei 2nd Rounder werden es wohl nicht sein. Es wurden schon für viel bessere Spieler als Bass keine 1st Round Picks geboten. Eventuell kann Danny Ainge auch einen jungen Spieler für Bass abgreifen, der bisher die Erwartungen noch nicht erfüllt hat oder bei einem guten Team nicht zum Zug kommt.

Kris Humphries
Als bekannt wurde, dass ausgerechnet Hump nach Beantown kommt, war dort keiner begeistert. Die Fans verbanden ihn nur mit einer lächerlichen TV-Show und dem kleinen Scharmützel gegen Rajon Rondo aus der letzten Saison. Ausgerechnet der soll Grün tragen?

Mittlerweile hat sich einiges geändert. In Boston sieht man einen Hump, wie ihn wohl nur wenige kennen. Humphries ist ein echtes Arbeitstier, ein Spieler von der Sorte, die morgens als erste kommen und abends als letzte gehen. Er schiebt unzählige Sonderschichten, arbeitet ständig an seinem Spiel, gibt auf dem Platz immer alles und ist ein echter Teamspieler. Er hat sich zu Beginn der Saison nie beklagt, als er in der Rotation hinter den Rookies Faverani und Olynyk stand und meistens keine Spielzeit bekam, obwohl beide wahrlich keine Bäume ausrissen. Wenn er Einsatzzeit bekam, lieferte er ab. Bei ihm ist die Situation eigentlich ähnlich wie bei Bass.

Fähigkeiten und Stärken: Auch Humphries hat ein sehr solides Midrange-Game. Er gehört sicher zu den besseren Spielern in der Liga (siehe auch Shotchart). Er stellt gute Screens, ist ein hervorragender Rebounder, ist eine gute physische Präsenz in der Zone. Seine D ist solide und er hängt sich in jedem Spiel voll rein.

Schwächen: Er ist nicht der schnellste, alles wirkt bei ihm etwas steif. Ähnlich wie bei Bass sind auch seine Spielübersicht und Passfähigkeiten beschränkt, daher ist er kein Spieler für den High Post. Unterm Korb fehlt ihm die Beinarbeit und Feinmotorik, um dort mehr als Layups oder Dunks sicher abzuschließen.

Vertragssituation: Die gute Nachricht: Humps Vertrag läuft aus. Die schlechte Nachricht: er ist mit 12 Mio. dotiert. Da muss man erstmal Teams finden, die das überhaupt matchen können, ohne dabei ihre Kronjuwelen abgeben zu müssen.

Mögliche Interessenten: Alle Teams die überbezahlte und nicht ausreichend produktive Spieler loswerden wollen und im Sommer Capspace brauchen. Evtl. auch Teams die in die Playoffs wollen (z.B. Charlotte). Für die ganz starken Teams dürften die 12 Mio. schon eine relativ hohe Hürde darstellen.

Woj-Bomb-Meter: Warm. Im Gegensatz zu Bass ist das Gehalt nicht ganz so leicht in einen Deal unterzubringen. Das schränkt den Kandidatenkreis etwas ein. Außerdem ist der Vetrag auslaufend, Boston hat muss Hump also nicht unbedingt loswerden und wer weiß, er hat bisher sehr gut gespielt. Vielleicht kriegt er ja im Sommer einen Vertrag in Grün, der wird allerdings wesentlich geringer dotiert sein. Wenn allerdings ein halbwegs brauchbares Angebot kommt, wird Ainge nicht wirklich zögern