19 Februar 2014

Sebastian Dumitru | 19. Februar, 2014    @nbachefkoch





Die Trade-Deadline ist weniger als zwei Wochen entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Während die NBA-Diaspora fleissig darauf wartet, dass wenigstens ein großer Name zur diesjährigen Trading-Deadline über die Ladentheke geht - Pau Gasol, Rajon Rondo, Kevin Love vielleicht sogar - und sich die Gerüchte vor allem bei den prominenteren Teams in der größeren Märkten zu überschlagen scheinen ("Knicks haben Interesse an Kyle Lowry, Knicks haben kein Interesse mehr an Kyle Lowry, Knicks haben Interesse an Jeff Teague, Knicks haben kein Interesse mehr an Jeff Teague..."), schlummert in Phoenix heimlich, still und leise der vielleicht attraktivste Tradechip von allen vor sich hin: Emeka Okafor.

Emeka Okafor? Emeka Okafor. Suns-GM Ryan McDonough nutzte vor Saisonbeginn die Gunst der Stunde, um den auslaufenden Kontrakt von alt-Sun Marcin Gortat nach Phoenix zu schicken. Im Gegenzug erhielt er mit Okafor einen Spieler, von dem Phoenix sicherlich schon vermutete, dass er aufgrund seiner Genick-/Wirbelsäulenverletzung die gesamte Saison ausfallen würde. Die Zugabe, auf die es McDonough wirklich abgesehen hatte, war freilich der kaum geschützte Erstrundenpick der Wizards im kommenden Draft.

Doch es kam noch besser für die Suns: nicht nur, dass Okafors Vertrag ebenfalls nur noch ein Jahr gültig und mit 14.4 Mio. $ groß genug ist, um in Kombination mit Phoenix' verfügbarem Cap Space (knapp 5 Mio. $) ein gigantisches Tradepaket entgegen zu nehmen, solange es Phoenix' Langzeitstrategie nicht behindert. Wie Adrian Wojnarowski vor Wochen berichtete, wurde ein Großteil von Okafors Vertrag auch noch von einer Versicherungsfirma übernommen, sobald die Hälfte dieser Saison passiert und er nicht wieder einsatzfähig war. Von den eigentlich ausstehenden 14.4 Millionen werden also mehr als 11.5 von der Versicherung übernommen.

Dieses Detail ist gigantisch. Wer auch immer zu diesem Zeitpunkt für Okafor tradet, bekommt bares Geld gut geschrieben (Wojnarowski spricht von fast 6 Millionen Dollar). Und erhält nebenbei auch noch die Rechte an einem guten Verteidiger, der trotz seiner Längennachteile eine Defensive in der Mitte zusammen halten kann. Dass die Washington Wizards in der vergangenen Saison fast 2 Punkte pro 100 Angriffe weniger zuließen als heuer (100.6 versus 102.4) hing stark mit Okafors Präsenz in der Zone und unter den Brettern zusammen. Wenn - und alle Meldungen suggerieren dass dies spätestens zur neuen Saison der Fall sein wird - der 31-Jährige wieder auf's Parkett zurück kehrt, hat man in ihm zumindest einen defensiven Baustein, der nach einem Jahr Pause sicherlich zu einem Bruchteil der aktuellen Konditionen verlängert werden kann. (Okafors aktueller Vertrag stammt übrigens aus dem Jahr 2008. Vor Christus.)

Phoenix ist also in einer sehr komfortablen und beneidenswerten Situation. Bewaffnet mit Cap Space, der Okafor'schen "Du kommst aus dem Gefängnis frei" Karte und bis zu sechs Erstrundenpicks in den nächsten beiden Drafts, davon gleich vier in 2014, können sie den Markt sondieren und jederzeit solo oder als Urheber eines komplexeren Multi-Team Deals in Tauschgeschäfte einsteigen. Bedarf nach personellen Upgrades ist trotz der sensationell guten Leistungen in dieser Saison (Phoenix liegt mit 31-21 weiterhin auf Platz 6 im Osten. Wer das vor der Saison so erwartet hat, dürfte jetzt Cocktails mit kleinen Schirmchen in der südlichen Hemisphäre trinken) vorhanden. Eric Bledsoe laboriert noch immer an den Folgen seiner Knieverletzung vom Dezember, und die Big Men werden immer unproduktiver, je länger die Saison andauert.

Miles Plumlee ist nach starkem Saisonstart eingebrochen und erzielt im Februar nur noch 5.8 Punkte und 8 Rebounds im Schnitt. Ausser Plumlee crasht niemand die defensiven Bretter. PJ Tucker und Channing Frye sind die nächstbesten Rebounder der Suns. Niemand greift sich mehr als 6.4 pro Abend. Was während der regulären Saison noch gut geht, weil man das Tempo hoch halten und die Gegner wechseln kann, führt in den Playoffs unweigerlich ins Verderben. Übersetzung: ein echter Big Man muss her, wenn Phoenix seinen Postseason-Push zementieren und dort nicht nur auflaufen möchte. McDonough hat mehrfach betont, dass er mehr als gewillt ist, einige der angesammelten Anlagegüter genau jetzt entweder für einen Star oder aber für ein kurzes, finanziell nicht lange beeinträchtigendes Leasing von Impact Spielern aufzubrauchen.

Es ist okay, wenn man seinen Fokus in den verbleibenden knapp 24 Stunden auf die größeren Teams und die größeren Namen da draussen richtet. Sie sind in den meisten Fällen die spannenderen, kaputteren oder dringenderen Fälle. Man sollte nur nicht überrascht sein, wenn es letzten Endes McDonoughs Suns sind, die einen Pau Gasol aus Los Angeles oder Spencer Hawes und Thaddeus Young aus Philadelphia an Land ziehen und dieser ach so überraschenden Saison endgültig ihren Stempel aufdrücken.