19 Februar 2014

Big Ben | 19. Februar, 2014   





Die Trade-Deadline ist weniger als eine Woche entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Noch im Sommer wurde Joe Dumars als möglicher Executive of the Year gehandelt, hatte er doch mit Josh Smith, Brandon Jennings, Chauncey Billups, Rasheed Wallace und Maurice Cheeks gleich fünf namhafte Spieler, Spielertrainer und Trainer an Bord geholt. Abgeben musste er so gut wie nichts dafür. Außerdem wurden mit Kentavious Caldwell-Pope, Peyton Siva, Josh Harrelson und Gigi Datome vier Rookies ins Team geholt, die alle vielversprechend waren und denen zumindest eine solide NBA-Karriere vorausgesagt wurde.

Zum All-Star Break im Februar 2014, keine sieben Monate später, sieht das Ganze schon anders aus. Die Pistons stehen bei 22 Siegen aus 52 Spielen auf einem enttäuschenden 9. Platz in der Eastern Conference. Zu schlecht um in den Playoffs mitzuspielen, zu gut, um wirklich Chancen auf einen guten Pick im hoch gepriesenen 2014er-Draft zu bekommen. Um es kurz zu machen, die Saison scheint verkorkst. Coach Cheeks wurde entlassen und durch seinen Assistenten John Loyer ersetzt. Aber Cheeks war nicht der einzige Störfaktor im Kader.

Von vielen Experten wurde es im Vorfeld der Saison schon kritisiert, die meisten Fans und Sympathisanten (mich eingeschlossen) wollten es nicht wahr haben, aber es kam doch alles so, wie es kommen musste: Josh Smith, Greg Monroe und Andre Drummond funktionieren nicht zusammen. Im Post stehen sie sich gegenseitig auf den Füßen, weshalb Smith oft nach draußen geht und den ach so beliebten Dreier nimmt. Dass er diesen so gut wie gar nicht trifft (23%), überrascht niemanden außer ihn. Auch sonst spielt Smith nicht gerade effizient (42% Quote aus dem Feld, 56% von der Freiwurflinie). Seine 7,0 Rebounds, 3,5 Assists, 1,4 Blocks und 1,7 Steals lesen sich sicherlich nicht schlecht, aber wenn es ums Scoring geht, sind 16 PPG einfach nicht akzeptabel. Besonders nicht für einen Spieler, der in den nächsten 4 Jahren 56 Mio $ kassieren wird.

Greg Monroe hat versucht, die Franchise in Detroit in den letzten Jahren über Wasser zu halten. Eigentlich als einziger namhafter Spieler im Kader, hat er sich seit seiner Rookie-Saison, in der er noch von Altmeister Ben Wallace lernen durfte, in die Herzen der Fans gespielt. „Moose“ galt lange als Aushängeschild und künftiger Franchiseplayer, bis ihm ein gewisser Andre Drummond diese beiden Posten jetzt streitig gemacht hat. Monroe spielt eigentlich eine für ihn recht solide Saison. Natürlich sind seine Stats durch den dritten Großen auf dem Feld in dieser Saison etwas nach unten gerutscht, Seine 14,3 Punkte, 8,7 Rebounds, 2,1 Assists und 1,0 Steals (nur 0,4 Blocks, aber mehr geht vermutlich auch nicht in einem Frontcourt, den man sich mit Drummond und Smith teilen muss) lesen sich recht passabel. Außerdem trifft Monroe starke 51,9% aus dem Feld (hat noch keinen Dreier genommen) und sicherlich ausbaufähige 64% von der Freiwurflinie.

Da Andre Drummond als Franchiseplayer aufgebaut wird und vom Management schon mehrfach als untradebar bezeichnet wurde, dürfte er das Prädikat „untouchable“ sicher haben. Was aber ist mit den anderen beiden? „Smith oder Monroe?!“ Diese Frage stellt sich jeder Pistons-Fans seit Wochen. Wer soll - oder besser - wer muss weg? Statistisch gesehen nehmen sich beide nicht viel, vertraglich sieht das ganze schon anders aus.

Smith kam im Sommer als Free Agent aus Atlanta und kassiert jetzt 56 Mio. $ bis zum Ende der Saison 2016/17. Keine Steigerungen (jedes Jahr glatte 14 Mio. $), keine Player Optionen. Das ist eine Menge Geld für einen Spieler, der zwar für ordentlich Highlights sorgen kann, bisher aber noch keinen großartigen Erfolg feiern konnte und enttäuschte.

Der fünf Jahre jüngere Monroe, der immer noch unter seinem Rookie-Vertrag von 2010 operiert, kassiert in dieser Saison 4,1 Mio. $ und hat für nächstes Jahr ein Qualifying Offer über 5,5 Mio. $ vorliegen. Danach, also nach der Saison 14/15, bräuchte er entweder einen neuen Vertrag - oder er würde zum Unrestricted Free Agent. Da Monroe als talentierter, vielseitiger und junger Big Man gilt, würde man für ihn und seinen auslaufenden Vertrag sicherlich mehr Angebote bekommen können, als für den viel längeren und happigeren Vertrag von Smith. Dumars hat die sicherlich auch schon auf seinem Schreibtisch liegen. Doch macht solch ein Deal wirklich Sinn für Detroit?

Drummond trifft zwar bärenstarke 61% aus dem Feld, aber nur 41% von der Linie. Da muss man sich fragen, ob ein Josh Smith mit 56% Freiwurfquote oder ein Greg Monroe mit 64% besser zu ihm passen. Monroe hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass er Drummond bereitwillig den Platz unter dem Korb überlässt. Monroe spielt meist überlegt, intelligent und teamdienlich (Karriere-Schnitt 2,3 APG). Dadurch sorgte er letzte Saison oft für Ruhe im sonst sehr hektischen Pistons-Spiel. Genau diese Eigenschaft rief aber auch immer wieder Kritiker auf den Plan. Er sei zu soft, würde nicht genug Druck auf die Defensive entfachen und nicht gut genug aus der Distanz treffen, um ein Power Forward vom Type eines Chris Bosh zu sein.

Josh Smith verkörpert hier natürlich den genauen Gegenpart. Dr. Jekyll und Mr. Hyde in Reinkultur. Er mag den Fastbreak, die Highlight-Dunks und von Zeit zu Zeit auch die Attacke in Richtung Korb. Seine Athletik und seine aggressive Spielweise machen ihn zu einem agilen Verteidiger, der durch spektakuläre Blocks die gegnerische Offensive demoralisieren kann. Eigentlich alles sehr gute Eigenschaften und Attribute, die man ihn Detroit gerne sieht und die einen guten Big Man auch auszeichnen. Eigentlich, wäre da nicht seine Vorliebe für Dreier und unmotivierte lange Zweier, die er genauso so oft nimmt wie er sie selten trifft. Oder seine schnelle, bisweilen überhastete Art zu spielen, die oft für Unruhe in den eigenen Reihen sorgt. Oder sein schwieriger Charakter, der ihn erst auf die Ersatzbank und dann zum offenen Streit mit ex-Coach Cheeks trieb.

Dumars hat es nicht leicht. Egal, wer letztendlich gehen müsste, die andere Frage in Detroit lautet: „Wen soll man holen?“ Oder anders formuliert: „Was suchen die Pistons überhaupt“? Gebraucht wird ein defensivstarker Small Forward, der den Dreier so sicher trifft, dass er von außen auch eine Gefahr darstellt. Im Prinzip also einen intelligenteren, wurfstärkeren Smith. Ob man jetzt einen jungen Spieler für die Zukunft aufbaut oder einen Veteranen verpflichtet, der den Jungspunden im Kader zeigt, was man für einen Playoff-Run benötigt, spielt aus Pistons-Sicht keine große Rolle.

Mir persönlich würden einige Trade-Szenarien im Kopf herum spuken. Detroit könnte Smith (vielleicht + x) nach Boston schicken und sich im Gegenzug die beiden Defender Avery Bradley und Gerald Wallace sichern. Monroe würde als junger, aber erfahrener Leader sicherlich auch gut zu den Celtics passen, aber ein Team mit Wallace und Smith in Detroit wäre noch katastrophaler als das drei Big Men Experiment bisher. Oder vielleicht wäre Philadelphia dazu geneigt, einen athletischen Big Man wie Smith für Evan Turner und Jason Richardson - zwei traditionelleren Flügelspielern die besser nach Detroit passen - zu absorbieren.

Möglich wäre auch ein Sign-and-Trade-Deal mit den Cavaliers für Luol Deng, die dafür mit Josh Smith einen athletischen Partner für Kyrie Irving bekämen, während Detroit einen mit Monroe und Drummond kompatibleren Small Forward erhielte. Ein absoluter No-Brainer aus Pistons-Sicht wäre sicherlich ein Paket aus Trevor Ariza und Bradley Beal, die genau die Qualitäten brächten, die man in Detroit dringend benötigt (3-and-D). Vielleicht wäre Washington für einen Deal mit Smith (+ X) zu haben.

Vielleicht braucht man aber auch gar keinen großartigen Ersatz auf der Drei, sondern löst das Problem mit ein paar Hausmitteln, da sich in den eigenen Reihen ein Spieler befindet, der durchaus als 3-and-D-Typ bezeichnet werden darf. Die Rede ist von Kyle Singler. Wie wäre es, wenn man Smith nach Memphis schickt und sich dafür Tony Allen und Tayshaun Prince sichert? Prince ist sicherlich nicht mehr für mehr als ein paar Minuten Garbage-Time gut, könnte aber wie Billups und Rasheed Wallace seine Erfahrung an die Jungen im Team weitergeben, während Tony Allen die Löcher in der Perimeter-Defense stopfen könnte. Caldwell-Pope müsste dann wohl wieder ins zweite Glied rücken, aber die erste Fünf wäre mit Jennings-Allen-Singler-Monroe-Drummond harmonischer zusammen gestellt. Smith wäre mit seiner guten Defense in Memphis auf jeden Fall besser aufgehoben als der softe Monroe, der hinter Gasol und Randolph ohnehin kaum zum Einsatz kommen würde.



Das plus-X in den obig skizzierten Tradeszenarien kann eigentlich immer als Rodney Stuckey, Will Bynum oder Charlie Villanueva interpretiert werden. Stuckey spielt bisher zwar eine überzeugende Sixth Man Saison, kassiert aber mit 8,5 Mio. $ ab wie ein Starter (der er ja lange Zeit auch war). Sein Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Vielleicht lässt sich der auslaufende Vertrag als kleiner Zusatz in einem möglichen Deal nutzen. Stuckey ist jedenfalls produktiv genug, um Playoff-Teams als Kombo-Guard zu helfen. Charlie Villanueva darf getrost unter MEGAFLOP katalogisiert werden. Das einzig Positive an ihm dürfte sein auslaufender Vertrag sein. Wie Stuckey kassiert auch er nur noch diese Saison 8,5 Mio. $ und ist danach Free Agent. Will Bynum steht zwar noch zwei Jahre unter Vertrag, ist aber mit seinen 2,8 Mio. $ pro Saison kein Großverdiener und als Backup-Point Guard für nahezu jedes Team zu gebrauchen.

Mein Fazit: Sinnvoll wäre es, Josh Smith abzugeben und Greg Monroe zu halten - falls möglich. Es gibt sicherlich mehr Teams, die Monroe wollen. Die haben aber alle nicht den Gegenwert, der Detroit jetzt und in Zukunft weiterhilft (mit Ausnahme von Philadelphia vielleicht). Smith ist ein schwieriger Charakter, hat einen dicken Vertrag und ein ineffizentes Spiel. Das macht es nicht gerade leicht, ihn loszuwerden. Im Sommer noch als Heilsbringer angepriesen, muss sich Dumars diesen Fehler einfach eingestehen und ihn schnellstmöglich beheben, bevor Detroit nach einem kleinen Aufflackern in der letzten Saison endgültig in der Bedeutungslosigkeit der Liga verschwindet und man in drei Jahren im allerschlimmsten Fall auch noch von einem frustrierten Drummond Abschied nehmen muss. Trade Smoove!