20 Februar 2014

Onur Alagöz | 20. Februar, 2014    @LakersParadigm





Die Trade-Deadline ist weniger als zwei Wochen entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Jahr für Jahr ist die Hierarchie in der Theorie gleich: Ganz oben stehen die Schwergewichte, die Titelfavoriten, im Allgemeinen „Contender“ genannt. Dahinter sind die semi-Anwärter, die auf ein glückliches Matchup hoffen und eine gewisse Außenseiterchance besitzen.

Dahinter die restlichen Playoff-Teams, meist Kanonenfutter für die OKCs und Miamis der Liga. Und wiederum dahinter kommt dann der Bodensatz der Liga, die Lotteryteams, welche sich entweder im Neuaufbau befinden und das auch ganz offen zeigen (Orlando, Philadelphia) oder einfach nur schlecht sind (Sacramento, Cleveland, Milwaukee).

Die Lakers stehen da irgendwo zwischen den Welten. Tanken war da bis zu dieser Horrorsaison eigentlich nie ein Thema, man nahm ja schließlich auch letztes Jahr trotz der größten Seifenopfervorführung der Geschichte an den Playoffs teil. Man mag sich irgendwie nicht so recht entscheiden: Rebuild und somit die Saison abschenken oder versuchen, zu gewinnen und somit die Höhe des eigenen Draftpicks gefährden.

Was hat das alles mit unserer Trade Ammo zu tun? Alles. Alles steht und fällt in Tinseltown mit dem weiteren Verfahren von Pau Gasol. 
Der lange Spanier wird seit gefühlten 100 Jahren jedem Konkurrenz-GM angeboten und wurde de facto im annullierten Chris Paul Trade schon veräußert, bevor hinter den Kulissen schwarze Aktenkoffer mit unmarkierten Geldscheinen die Besitzer wechselten und der Trade annulliert wurde. #IlluminatiMode wieder Aus.
 Wird Pau, der nicht nur auf Grund seiner spielerischen Fähigkeiten, sondern auch ob seines Vertrages für andere Teams interessant sein dürfte, nun endlich/doch weggegeben?

In der laufenden Spielzeit ist Gasol mit 19,28 Millionen $ einer der teuersten Spieler der Liga und mit 33 Jahren und etlichen Verletzungen nur noch ein Schatten der Championship-Säule vergangener Tage. Nach einem durchwachsenen Start in die Saison brachte das neue Jahr aber doch tatsächlich neues Glück, denn im Januar legte Pau formidable 20,8 Pts, 11,9 Reb, 3,9 Asts und 1,7 Blks bei 51% aus dem Feld auf. Er war Dreh- und Angelpunkt der Lakers-Offensive. Abend für Abend gab Gasol den Alleinunterhalter bei den Los Angeles Lazarettbetten und steigerte so seinen Wert als Tradeasset zumindest wieder zurück auf nicht mehr ganz so peinliches Niveau.

Sollte Pau weggegeben werden, so könnte er als Backup-Big Man für 25-30 Minuten pro Spiel Dynamik und Vielseitigkeit in die Lineup des geneigten Interessenten bringen: Er ist noch immer der basketballerisch kompletteste Mann jenseits der 2,10m. Er kann passen, dribbeln, rebounden, werfen und mit Abstrichen auch verteidigen. Lange nicht mehr gut genug, um die zweite, geschweige denn erste Option bei einem guten Team zu sein, aber die Grundqualität ist auf jeden Fall noch da.

Ehrenhafte, aber hinderliche Loyalität von Kupchak, Kobe und Jim Buss ließen Gasols Tradewert ursprünglich so weit sinken, dass man ihn zwischenzeitlich schon für einen Apfel und ein Ei hätte bekommen können. Die Lakers würden zu diesem Zeitpunkt theoretisch alles nehmen, was irgendwie für die Zukunft brauchbar sein kann. Der Idealfall wäre natürlich nach wie vor eine „Kevin Love to L.A.“ News-Schlagzeile. Das Einsparen der Luxussteuer war beim Buss-Clan noch nie ein Thema, weshalb es relativ egal ist, wie lang die zurück kommenden Verträge sind. Einzig den diesjährigen Erstrundenpick können die Lakers – ZUM GLÜCK! – nicht abgeben, da die Regularien der NBA das Weggeben von Erstrundenpicks in konsekutiven Jahren nicht gestatten. Der Neuaufbau muss nun konsequent eingeleitet werden. Dies passiert in L.A. in der Regel nicht durch den Draft. Die diesjährige Situation, in der man zum ersten Mal seit Langem wieder einen echten Starspieler ziehen könnte, ist hier die krasse Ausnahme.

Free Agency lautet aber normalerweise das Zauberwort, indem man die Attraktivität einer der letzten verbliebenen Traditionsfranchises (und natürlich des Glitz-Glamour-Paradieses Los Angeles) nutzt. 
Kommende Saison hat man nur Kobes Mammutvertrag am Bein, wenn Steve Nash, wie anzunehmen, in Rente geht. Bei eins, zwei Winzverträgen wie Robert Sacre (0.9 Mio. $) ist mehr als genug Platz, um noch zusätzliche Hilfe einzukaufen. Aber, und hier kommt der Kicker: es gibt keine Garantien mehr, dass fähige Free Agents wie früher Schlange stehen, um zu den Lakers zu wechseln. Erst recht nicht mit Lila-Gold in dieser Verfassung. Hat man einen Spieler aber erst mal ertradet, ist es wesentlich leichter, ihn zum Bleiben zu bewegen.
 Ken Berger berichtete erst kürzlich wieder davon, dass die Lakers versuchen, den Vertrag ihres Spaniers in bare Münze umzutauschen und irgendwie Kevin Love aus Minnesota los zu eisen.

Was brauchen die Lakers denn genau, um voranzukommen? Alles. Keiner der Akteure außer Kobe besitzt die Klasse, integraler Bestanteil eines Championship-Teams zu sein. So überraschend die Leistung beim 13-13 Start auch war, die Vergangenheit holte die Lakers schnell ein, als klar wurde, dass Bryant in dieser Spielzeit nicht helfen kann. In dieser Saison und angesichts der Umstände sollte, ja muss das Ziel heißen: Top 3-Pick abgreifen, Gasols Vertrag für brauchbares Material traden, Kobe im Zaum halten und ab nächster Saison die Ära Kobe zu Ende bringen. Wenn auch ein wenig unrealistisch, wäre zum Beispiel ein Szenario mit Love und Kevin Martin für Gasol und Steve Blake eine Wunschoption - vermutlich müssten hier die Lakers jedoch ihre Erstrundenpicks bis 2095 abgeben. Auch der fast schon abgewickelte Trade mit den Phoenix Suns für deren Tradechip Emeka Okafor und ein künftiges Anlagegut steht sicherlich noch irgendwo im Raum.

Was bleibt abschließend zu sagen zur Gasol-Trade-Sage Vol. XXIV? Der Pessimist unter den Lakersfans wird annehmen, dass wieder groß getönt und doch nichts passieren wird, bis man Gasol im Sommer ein absolut unterirdisches Angebot unterbreitet und seinen eigenen Free Agent somit ein für alle Mal vergrault hat. Wünschenswert wäre es für beide Seiten, dem medialen Spießrutenlauf endlich ein Ende zu bereiten und Gasol ein für alle Mal vom Trading Block zu nehmen.
 Gasol hätte es verdient, das wäre konsequent und integer. Ein letztes muchas gracias für einen großen, der sich um die Franchise mehr als verdient gemacht hat, ohne ständige Gerüchte aufrecht zu halten, ein letztes Adios.