20 Februar 2014

Wolfgang Stöckl | 20. Februar, 2014    @WStckl





Die Trade-Deadline ist weniger als eine Woche entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Rajon Rondo
Der ehemalige All-Star Point Guard war ein Jahr außer Gefecht und hat erst vor Kurzem sein Comeback gegeben. Bisher liefert er recht ordentliche Leistungen ab. Die Tendenz seiner Leistungen ist durchaus steigend (6.7 PPG und 5.7 APG im Januar, 15.2 PPG und 9.4 APG im Februar) und es sieht fast so aus, als ob er an seinem Dreier gearbeitet hat (35.5%). Ein Rondo mit Dreierrange wäre natürlich eine enorme Weiterentwicklung seines Skillsets. Noch hat er aber nicht genug Spiele absolviert, so dass man hier nur von einem leichten "Trendchen" sprechen kann - wenn überhaupt. In Boston ist man auf jeden Fall mit seinen Leistungen bisher sehr zufrieden. Trotzdem taucht sein Name wieder einmal in etlichen mehr oder weniger ernst zu nehmenden Gerüchten auf - was eindrucksvoll demonstriert, wie hin und her gerissen man bei den Celtics ob der Personalie Rondo ist.

Fähigkeiten und Stärken: gute Spielübersicht, kann Pässe durch ein Nadelöhr punktgenau an den Mann bringen, große strategische Fähigkeiten, sicheres Midrange-Game, guter Rebounder, schnelle Hände, guter Verteidiger

Schwächen: Schuss aus dem Dribbling, kommt viel zu selten an die Freiwurflinie, kein sicherer Freiwerfer, meidet deshalb den Körperkontakt am Ring, zockt in Defensive zu oft

Mögliche Interessenten: Alle Teams, die noch keinen guten bis sehr guten Point Guard langfristig unter Vertrag haben und gleichzeitig etwas brauchbares nach Boston zurückschicken können. Das sind nicht sehr viele Mannschaften, und damit sind z.B die Knicks und die Mavericks im Prinzip auch schon aus dem Rennen.

Woj-Bomb-O-Meter: Eher kühl. Natürlich kann immer alles passieren, aber die Rahmenbedingungen sind nicht so günstig für einen Blockbuster-Deal in diesem Jahr. Rondo ist gerade erst wieder zurück gekehrt. Die Fragezeichen hinter seinem chirurgisch reparierten Knie sind sicherlich noch nicht komplett verschwunden. Dass er immer wieder in Back-to-Back Partien geschont wird, ist ein Zeichen dafür, dass er noch nicht konstant auf hohem Niveau spielen kann.

Dazu wird Rondo 2015 Free Agent und hat schon verlauten lassen, dass er das auf jeden Fall auf sich zukommen lassen will und vorher wohl keine Extension unterschreibt, egal bei welchem Team. Das ist für ihn persönlich nur klug, schreckt mögliche Interessenten aber natürlich ab und lässt die Gebote an Ainge in den Keller sinken.

Beachten sollte man auch noch Rondos Alter. Er hat aktuell seinen 28. Geburtstag vor sich. Sollte man in Boston der Meinung sein, dass der anstehende Rebuild ohnehin drei bis vier Jahre dauern wird, macht es wenig Sinn, Rondo nach der nächsten Saison mit einem Maximalvertrag auszustatten. Dann wäre der All-Star Point Guard sicherlich zu haben, aber auch hier ist die Deadline nicht der optimale Zeitpunkt.

Der Tag des Drafts z.B. wäre weitaus besser für einen Trade geeignet. Hier sind die meisten Unsicherheiten zumindest schon einmal geklärt. Man weiß dann, wer an welcher Stelle picken darf und welche Spieler sich sicher aufstellen lassen. Am Draft-Abend ist auch ein konkreter Tausch der Positionen möglich. Gleichzeitig hat man schon mehr Sicherheit, ob Rondo wirklich wieder der Alte ist oder in seinem Spiel sogar gewachsen ist.

Neben Rondo, Brandon Bass und Kris Humphries werden Celtics und Tradeangebote auch noch betreffs zweier anderer Spieler in einem Satz verwendet: Jeff Green und Avery Bradley. Zwar zählen beide zu den talentiertesten Akteuren im Kader von Danny Ainge. Die generelle Richtungslosigkeit dieser Truppe und der lange Evaluationsprozess des GMs machen aber beide Spieler für den richtigen Preis erhältlich.

Jeff Green
Dank Gerald Wallace gibt es nun niemanden mehr, der Jeff Greens Vertrag als den schlechtesten bei den Celtics bezeichnet. Zu Jeff Green, seinen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen habt ihr hier vor Kurzem alles Wissenswerte erfahren.

Woj-Bomb-O-Meter: Lauwarm. Die Celtics werden nichts über's Knie brechen, aber wenn ein Vorschlag von einem anderen Team kommt, der Picks beinhaltet, könnte Green schnell im nächsten Flieger aus Boston sitzen. Er ist auf jeden Fall nicht unantastbar und der Preis, den ein Team für seine Verpflichtung zahlen muss, liegt im Bereich des Machbaren.

Avery Bradley
Auch zu Bradley gab es schon einen ausführlichen Lagebericht im Herbst. Aktuell ist er am Knöchel verletzt und setzt aus. Das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, was seinem Trade-Wert sicher nicht schmeichelt. Bradley wird am Ende der Saison Restricted Free Agent. Ob er zur Deadline geht, hängt hauptsächlich davon ab, wie man in Boston seine Zukunft sieht. Er hat ein Angebot der Celtics abgelehnt, bei dem er 24 Mio. $ in den nächsten 4 Jahren bekommen hätte. Seine Defensivleistungen haben seit dem Herbst eher nachgelassen, dafür hat er sich offensiv etwas gesteigert, die Wurfquoten sind nun besser. Richtig effektiv ist sein Offensivspiel allerdings weiterhin nicht. Hinzu kommt seine Verletzungsvorgeschichte und seine aktuelle Verletzung. Es ist fraglich ob ein Team in einer Zeit, in der alle Klubs peinlich genau auf ihren Capspace achten, mehr als 24 für 4 für Bradley hinlegen würde. Genaus das werden sich mögliche Tradeinteressenten natürlich genauestens überlegen. Was bringt es jetzt, einen Spieler zu verpflichten, wenn man ihn im Sommer nicht bezahlen kann oder überbezahlen muss? Ob Boston mit ihm auf der Shooting Guard Postition langfristig plant ist mindestens genauso fraglich. Sollte Ainge sich intern schon gegen Bradley als Langzeitlösung entschieden haben, könnte ein Spieler mit einem günstigen Rookie-Vertrag plus ein Zweitrundenpick schon ausreichen, um den Defensivspezialisten loszueisen.

Woj-Bomb-O-Meter: Lauwarm. Ähnlich wie bei Jeff Green kann Boston tätig werden, wenn das Angebot überragend ist - muss das aber nicht.

Gesamtfazit: Einen Deal wird Danny Ainge höchstwahrscheinlich schon durchziehen. Gerade auf den großen Positionen wäre es hilfreich, wenn Bass und/oder Humphries den Weg für die Youngster freimachen würden. Es wird aber wohl bei einem einzigen Trade bleiben, und auch dieser wird sicherlich nicht super spektakulär sein.