17 Februar 2014

Sebastian Hansen | 16. Februar, 2014    @sebh1995





Die Trade-Deadline ist weniger als eine Woche entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Mit diesen beiden Tweets sprach der Journalist Jared Zwerling aus, was in NBA-Insiderkreisen schon seit längerem vermutet wurde: Thabo Sefolosha steht auf dem Trading-Block des umtriebigen Thunder-Managers Sam Presti.

Sefolosha ist auf dem Flügel einer der besten, vielleicht der beste, eins gegen eins Verteidiger der NBA. Laut mysynergysports.com lässt er in der Isolation nur eine Wurfquote von 26,3% zu. Er profitiert enorm von seinen guten körperlichen Voraussetzungen, besonders von seinen langen Armen. Sefolosha kann von Point Guard bis Small Forward alles verteidigen – deswegen setzt ihn Thunder-Coach Scott Brooks fast immer gegen den besten Perimeter-Offensivspieler des Gegners ein. Sefolosha macht dabei durchgehend eine gute Figur. Zudem ist er einer der Besten in der NBA, wenn es um „Weakside-Recovering“ geht. Das ist das Verteidigen eines Spielers, der auf der Weakside den Ball bekommt, frei steht und im Begriff ist, zu werfen oder zum Korb zu gehen. Gerade auch diese Fähigkeit macht den Schweizer für die Thunder so wertvoll.

Doch wenn Sefolosha solche Vorzüge hat und für einen Championship-Run sehr nützlich sein kann, warum denkt Presti dann über einen Trade auch nur eine Sekunde lang nach? Das liegt größtenteils an zwei Faktoren: Sefoloshas Vertrag und seine nicht vorhandene Offensiv-Präsenz. Das Arbeitspapier des Edel-Verteidigers ist mit 3,9 Millionen $ dotiert und läuft am Saisonende aus. Natürlich sind die Thunder an einer Verlängerung interessiert, aber Sefolosha wird im Sommer 30 Jahre alt und sein nächster Vertrag wird der letzte mit guten Konditionen sein. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein Tony Allen letzten Sommer einen 4-Jahres-Vertrag über 20 Millionen Dollar unterschrieben hat und Sefolosha aufgrund seiner doch etwas höheren Offensiv-Qualitäten deutlich mehr verlangen wird, könnte das schon zu viel Geld sein für OKCs Langzeitpläne. Zudem soll Thunder-Youngster Andre Roberson in die Rolle als Lockdown-Defender hinein wachsen, was Spielzeit erfordert. Spielzeit, die momentan einfach nicht vorhanden ist. Alles in allem kann man sagen, dass Sefolosha im Sommer wohl bei einer anderen Franchise unterschreiben wird, wodurch die Thunder ihn für lau verlieren würden, wenn sie ihn über die Trade Deadline hinaus behalten.

Dazu ist Sefoloshas Dreierquote deutlich gesunken: von respektablen 41% bei 3,2 Versuchen in der vergangenen Saison 2012/13 auf nur noch 33% bei 2,5 Versuchen in diesem Jahr. Die Folge: Gegner nehmen seinen Schuss nicht mehr richtig ernst und können mehr Fokus darauf legen, die Wege für Durant und co. zu blockieren. Sefolosha ist in dieser Saison im Angriff eher ein Minus als ein Plus. Seine defensive Präsenz wiegt das größtenteils wieder auf und macht in zum wichtigen Rotationsspieler. Aber das reicht in der NBA nicht, um als untradebar zu gelten, zumal sein Vertrag auch der einzige ist, mit dem man in OKC realistischerweise noch einen etwas höher bepreisten Impact-Spieler aufnehmen könnte.

Wie wahrscheinlich ist ein Trade? 
Ob tatsächlich etwas passiert, wird von den Angeboten abhängen. Dadurch, dass die Luxury-Tax vermieden werden soll, kann Presti zusätzliche Gehälter von 2,3 Millionen $ aufnehmen. Kombiniert der GM sogar Sefolosha mit Hasheem Thabeet oder Perry Jones, könnte er einen oder mehrere Spieler mit einem Gehalt von ca. 7,3 Millionen Dollar aufnehmen. Wenn ein gutes Angebot kommt (Arron Afflalo wäre hier als zugegebenermaßen etwas unrealistisches Beispiel zu nennen) ist das Kapitel Sefolosha Geschichte.

Wahrscheinlicher erscheint es jedoch, dass Presti versuchen wird, mithilfe einer seiner Traded Player Exceptions und seinen verschiedenen Draftpicks einen Flügelspieler nach Oklahoma zu lotsen, der es versteht, den Dreier hochprozentig zu treffen, um so die einzige Schwäche des Teams zu beheben. Kandidaten ohne großen Namen gibt es zuhauf: Mike Dunleavy, Gary Neal, Jodie Meeks oder Jimmer Fredette. Nicht nur Presti will in diesem Jahr die Meisterschaft. Die Chancen stehen gut, aber man hat den Eindruck, als bräuchte das führende Team in der Western Conference noch ein allerletztes Puzzleteil. Falls Sefolosha dieses einbringt, wird Presti den Abzug ziehen. Falls sich ein Trade ohne ihn realisieren lässt, wird Presti diesen bevorzugen. Nur passieren wird definitiv etwas. Stay Tuned.