20 Februar 2014

Clemens Boisseree | 20. Februar, 2014    @bvboisseree






Die Trade-Deadline ist weniger als zwei Wochen entfernt. Die Gerüchteküche kocht über. Die recht klare Situation in der Liga mit no-brainer Contendern auf der einen und Teams im Tank auf der anderen Seite verspricht ein reges Feilschen und Tauschen in den verbleibenden Tagen bis zum 20. Februar. Grund genug für uns, bis dahin einen genaueren Blick auf die aussichtsreichsten Umzugs-Kandidaten 2014 zu werfen.
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Aufbau: Jrue Holiday, Shooting Guard: Eric Gordon, Small Forward: Tyreke Evans, Power Forward: Ryan Anderson, Center: Anthony Davis. So sah die potentielle Starting-Five der New Orleans Pelicans vor Saisonbeginn aus. Das las sich nach Playoffs, nach Action-Basketball (Evans), nach Dreier-Contests (Gordon/Anderson) und spektakulären Abschlüssen am Ring (Evans, Holiday), nach Block-Paraden (Davis) und Spielfreude (alle zusammen).

Das Problem: Bislang stand diese Fünf ins zwölf Spielen gerade einmal 91 Minuten zusammen auf dem Feld. In dieser Zeit legten die Jungs aus Nˈawlins zwar ihren produktivsten Ball aufs Parkett - keine andere Fünf scort mehr (OffRtg: 123,5) oder erreicht ein höheres +/- Rating (+16). Doch fehlte gerade zwischen dem Duo Gordon/Evans jegliche Form von Harmonie. Seit dieser Saison zieht Eric Gordon so oft wie noch nie bis zum Korb, dafür nimmt er so wenig Dreier wie nie zuvor. Eigentlich ist das ja eher das Spiel des Tyreke Evans, was bei seinem Karriere-Wert von 26% von Downtown auch mehr als angebracht ist.

Aber immer, wenn beide gleichzeitig auf dem Parkett stehen, fehlt es New Orleans an Shooting Power. Stattdessen kann die gegnerische Verteidigung die Zone dicht machen. Als Resultat steht, dass sowohl Evans als auch Gordon keine 50 Prozent ihrer Würfe in Korbnähe treffen - und damit jeweils im roten Bereich ihres ligaweiten Positionsvergleichs liegen. Längst hat Coach Monty Williams das Experiment mit beiden gemeinsam auf dem Feld zu großen Teilen abgebrochen und Evans auf die Bank versetzt - von dort kommend trifft er, wenn nicht gerade verletzt, aber nur 41 Prozent seiner Würfe und erzielt 12,8 Punkte pro Abend - eine schöne Definition des Wortes "Ineffizienz". Dass Ryan Anderson weniger als zwei Dutzend Spiele für die Pelicans absolvierte, ehe er seit Anfang Januar mit einer Rückenverletzung ausfällt, macht die ganze Sache nicht einfacher. Es fehlt an Spacing.

Verletzungspech und Disharmonie sorgen bislang für eine enttäuschende Saisonbilanz, die Hornissen sind auch als Pelikane kein Playoff-Tier. Ihr großes Problem: Aktuell sind sie zu gut (23-27), um bei der Draft ernsthafte Aussichten auf einen Platz unter den ersten Fünf zu haben. Alles darunter geht einher mit dem Verlust des Draftrechts an die Philadelphia 76ers. Jrue Holiday sei dank. Finanziell steht für den Sommer dank der waghalsigen Vertragsverlängerung mit Gordon (man matchte das 14 Millionen-pro-Jahr-Angebot der Suns) und den 11 Mio. $ pro Jahr für Evans auch kein frischer Spielraum parat. Also bleibt General Manager Dell Demps nur zweierlei: Auf stabile Knochen und eine späte Männerfreundschaft zwischen den ballverliebten Gordon und Evans hoffen, oder eben auf dem Markt aktiv werden und versuchen, die Fehler des Sommers - die, zugegebenermaßen, nicht allzu offensichtlich waren - kurz vor Toreschluss auszumerzen.

Dabei geht es weniger darum, Gordon und Evans ins Irgendwo zu schicken, sondern lediglich möglichst viel Gegenwert für einen der beiden zu bekommen, um vom Verbliebenen anschließend Höchstleistungen zu erwarten. Beide zu traden würde bedeuten, ein jährliches Gehaltsvolumen von knapp 26 Millionen Dollar abzustoßen - in der NBA lassen sich aktuell keine zwei Klubs finden, die entsprechenden Bedarf und dann auch noch das passende Tauschmaterial hätten. Zwar sind Multi-Team-Deals immer eine Option, aber nur in den seltensten Fällen eine realistische.

Durchaus im Bereich des Möglichen ist hingegen weiterhin ein Deal, der einen der beiden Unproduktiven gegen einen Big Man (insbesondere nun, da Jason Smith bis Saisonende ausfällt und Anderson auf der Krankenstation Gesellschaft leistet), Shooter oder 1st-Round-Pick eintauscht. Zu einem Parket geschnürt werden könnte das Ganze mit dem in New Orleans ebenfalls fehl geschlagenen Austin Rivers als Beigabe. Schauen wir uns die im Raum stehenden, sinnvollsten Szenarien mal an.

Durchaus im Bereich des Vorstellbaren ist ein weiterer Deal zwischen den Pelicans und den 76ers, die ja bereits im Sommer miteinander gehandelt haben. Letztere wollen ihr Team weiter aufräumen, mit dem anstehenden Debüt von Nerlens Noel wird Spencer Hawes entbehrlich. Hawes könnte bei den Pelicans dafür sorgen, dass Davis auf seine Lieblingsposition Power Forward zurückkehren darf und sich nicht länger mit größeren und vor allem schwereren Center-Kolossen abrackern muss. Außerdem läuft Hawes' Vertrag im Sommer aus - der wohl beste Deal, den die Pelicans tätigen könnten. Für Philly könnte die längere Vertragslaufzeit von Gordon (2 Jahre plus Player Option in Jahr 3) oder Evans (4 Jahre) jedoch ein triftiger Grund gegen jeden Deal sein, zumal beide nicht als Franchise Player herhalten (der soll im Sommer kommen) und dafür einfach immens viel Geld verdienen.

Unter diesen Gesichtspunkten wahrscheinlicher wäre ein Deal für den aktuellen Top-Verdiener der 76ers, Thaddeus Young. Dessen Vertrag läuft noch drei Jahre. Weder 13,4 Punkte noch 5,5 Rebounds im Karriereschnitt sprechen für eine größere Rolle als die eines soliden Starters. Fraglich ist, ob New Orleans - insbesondere angesichts von nur 32 Prozent von Außen als Team - so jemanden tatsächlich als Verstärkung holen möchte. Dafür hätte man mit Young aber einen "echten" Small Forward mit deutlich mehr Länge und fantastischer Athletik im Kader. Ein echtes Lockmittel könnte außerdem die Rückgabe des Draft-Picks nach Phildadelphia sein. Das Philly dazu bereit ist, halte ich aber für äußerst unwahrscheinlich. Auch hier gilt: Gordon/Evans kosten zuviel.

Eine andere Franchise, die aktuell bereit ist, sich von Spielern zu trennen, sind die Milwaukee Bucks. Dort hat der türkische Power Forward Ersan Ilyasova erst unlängst erklärt, er wollen den Verein verlassen. Vom finanziellen Volumen passt der Deal, Ilyasova trifft im Karriere-Schnitt 37 Prozent von der 3er-Linie - ist allerdings natürlich viel mehr Power Forward als sonst irgendetwas. Mit ihm im Kader müsste sich Coach Williams erneut überlegen, wer die Drei am bestens ausfüllen könnte. Zudem könnte sich das Gordon/Evans-Problem nach Andersons Rückkehr zu einem Anderson/Ilyasova-Problem entwickeln. Auch hier ist mein Urteil: sehr unwahrscheinlich.

Neben dem Hawes-Deal am meisten gefallen könnte einem Pelicans-Fans vielleicht ein Geschäft mit den Detroit Pistons. Dort stehen bekanntlich Josh Smith und Greg Monroe auf der Abschussrampe. Während Smith mit seiner vermeintlichen Tweener-Mischung nicht wirklich in den Big Easy passen würde, wäre folgender Trade für Greg Monroe nahezu perfekt:



Die Pistons verlieren durch diesen Deal kein Geld, bekommen dafür aber in Gordon einen talentierten Shooting Guard, der den Dreier trifft - schlichtweg genau das, was den Kolben für einen Playoff-Platz fehlt. Gleichzeitig könnte Smith auf Power Forward zurückkehren und dort mit Drummond ein noch beeindruckenderes Duo bilden als es der Jung-Center als Rookie mit Monroe tat. Für die Pelicans würde sich gleich in zweierlei Hinsicht mehr Flexibilität bieten: Anderson und Monroe sind völlig unterschiedliche Spielertypen und beide können auf ihre Art perfekt mit Chefpelikan Anthony Davis harmonieren. Das Duo Davis-Monroe wäre ein Biest unter den Brettern, beide könnten jedoch auch separat neben Anderson auflaufen. Coach Williams könnte also munter zwischen den drei Großen hin und her rotieren. Will Monroe verlängern, ist Gordons freigewordenes Geld gut investiert. Wird der 23-Jährige Free-Agent, können die Pelikane immer noch auf dem Markt jagen gehen. Charlie Villanueva könnte während Andersons Ausfall-Zeit wenigstens dessen Rolle als Dreier-schießender Forward übernehmen und anschließend seine letzten Wochen mit gutem Verdienst zwischen Tribüne und Bank verbringen. Letztlich ein Deal, der für beide Seiten ein Gewinn sein könnte.

Doch, alles in allem: Bis Donnerstag Abend deutscher Zeit scheinen die Zeichen eher auf einen Verbleib des Duos hin zu deuten. Gordon ließ am Montag verlauten, Team-Officals hätten ihm erklärt, er werde definitiv in New Orleans bleiben. Coach Monty Williams sagte wenig später : "In meinen Augen ist es dumm, einfach so ihre Namen in den Raum zu werfen. Soweit ich weiß, werden die Jungs morgen wieder beim Training sein." Genau das waren sie dann auch...