19 Februar 2014

Seb Dumitru | 19. Februar, 2014    @nbachefkoch






Die Sacramento Kings gewinnen zwar keinen Blumentopf in dieser Saison, aber sie bleiben das emsigste Team an der Tradefront. Marcus Thornton wandert ziemlich genau 24 Stunden vor Ablauf der Deadline 2014 im Tausch für Jason Terry und Reggie Evans zu den Brooklyn Nets und ist damit schon der vierte Preseason-Starter nach Greivis Vasquez, Luc Richard Mbah a Moute und Patrick Patterson, der in der Kings-Lineup ersetzt wurde.

Der Deal aus Kings-Sicht dreht sich weniger um die eingekauften Terry und Evans, sondern um einen Youngster, der bereits in den eigenen Reihen weilte: Ben McLemore soll, jetzt wo für Sacramento ohnehin schon wieder Hopfen und Smoothie verloren ist in dieser wieder einmal sportlich erfolglosen Saison, endlich von der Leine gelassen werden und auf der Zwei ausgiebig Raum zum Herumtollen erhalten. Ein Rookie hat es niemals leicht. McLemore aber hatte es in seinen ersten acht NBA-Monaten seit dem Draft doppelt schwer. Zum einen, weil sich die Kings als Organisation erst langsam vom Maloof-Chaos der letzten Dekade erholen und viele Prozesse innerhalb der Franchise genauso neu sind wie die Entscheider im Front Office und an der Seitenlinie. Und zum anderen, weil McLemore einen direkten Konkurrenten auf der Shooting Guard Position vor der Nase hatte, der seinen eigenen Platz im sich ständig verändernden Kosmos NBA ebenfalls noch nicht gefunden hat: Marcus Thornton.

Neu-Coach Mike Malone musste wild herum experimentieren, fand aber nie seine ideale Lineup. Wie problematisch die vielen Veränderungen, neuen Spieler und unterschiedlichen Aufstellungen innerhalb eines so kurzen Zeitrahmens sein können, liegt auf der Hand. McLemore durfte bisher 26 Mal von Beginn an ran und kam 27 Mal von der Bank. Thornton startete 26 Mal und kam 20 Mal von der Bank. Dieses on/off Muster ist nicht zuträglich für einen jungen Profi, der in erster Linie Kontinuität in seine Rolle, seine Routine und seine Leistungen bringen muss. Weder McLemore noch Thornton überzeugten, denn beide hatten sie außerdem mit einem weiteren Problem zu kämpfen: DeMarcus Cousins, Isaiah Thomas und Rudy Gay haben zusammen die höchste Nutzungsrate aller NBA-Trios. Für die übrigen Teamkollegen bleiben oft nur die Krümel nach dem Kuchen. Ein Rookie wie McLemore bekommt da einfach nicht die Wiederholungen, die er benötigt, um sein Spiel ans höhere Niveau in der Association anzupassen. Im neuen Kalenderjahr stand der Rookie nur zwei Mal länger als 26 Minuten auf dem Parkett. Ohne Thornton, so die Hoffnung der Kings, dürften für McLemore nun endlich konstante Einsatzminuten zu finden sein, sei es mit der ersten Fünf oder der ein oder anderen Bank-Einheit.

Der teure Deal für Thornton (31 Mio. $ für 4 Jahre) war ohnehin nie eine Idee des neuen Front Offices um GM Pete D'Alessandro gewesen, sondern ein Panik-Investment des ex-Managers Geoff Petrie direkt nach dem Lockout 2011. Schon damals fasste man sich ob der horrenden Kosten an den Kopf. Aber Thornton hatte nach seinem Trade aus New Orleans zu den Kings bärenstarke 21.3 Punkte pro Spiel aufgelegt. Petrie glaubte, seinen Shooting Guard der Zukunft gefunden zu haben. Thorntons Minuten gingen im Anschluss zwar nach unten, aber seine fortgeschrittenen Werte blieben konstant: 19/20 Punkte pro 36 Minuten, True Shooting Quoten von 54/55%, Offensivrating von knapp 111 und Usage-Raten im 23er Bereich.

In dieser Saison unter Malone kam Thornton dagegen überhaupt nicht in Tritt: fast alle seine Werte sanken, auf den niedrigsten Stand seiner Karriere. Dass Thornton mit 26 Jahren bereits sein Leistungsplateau erreicht hat ist unwahrscheinlicher als die Tatsache, dass er mit seiner neuen Rolle - oder dem Mangel selbiger - und Malones harter Hand nie zurecht kam. Dass er ein fauler Verteidiger ist und sich hinten nicht so reinhängt, wie ein Head Coach das gerne sehen würde, trug sicherlich auch nicht zu mehr Spielzeit oder Vertrauen des Trainers bei.

Aber Thornton kann eines hervorragend: Scoren! Auch in dieser für ihn bisher enttäuschenden Saison erzielte er neun Mal 15 Punkte oder mehr, darunter die Explosion im Januar gegen die beste Defensive der Liga, als er den Indiana Pacers 42 Zähler (16-27 FG, 7-15 Dreier) in den Kofferraum legte. Thornton ist die ideale Bankmikrowelle für ein NBA-Team, das ihn in einen reifen Teamverbund und klar umrissene Hierarchie integriert. Er kann sich seinen eigenen Wurf erarbeiten und nimmt in den meisten Fällen lieber den effizienteren Dreier, als in die Midrange vorzudriften. Er ist kein Vorbereiter, sondern sucht lieber seinen eigenen Abschluss. Aber er weiss, wo der Korb hängt.

Genau diese Fähigkeit ist es, die in Brooklyn gefragt ist und die ihn letztendlich in den Borough brachte: die Nets rangieren bisher ligaweit nur auf Rang 24, was Scoring aus dem Backcourt anbelangt. Während die Flügelpositionen stark besetzt sind, leidet die Produktivität der Guards stark unter Deron Williams' Verletzungsmisere. Shaun Livingston muss vermehrt den Aufbau übernehmen, und Jason Terry war bisher ein absoluter Totalausfall. Seit Terry Dallas verlassen hat, hat der Jet-Motor Kolbenfresser und will einfach nicht mehr anspringen. 4.5 PPG bei katastrophalen 36% FG sind die mit Abstand miesesten Werte in der Karriere des ehemaligen NBA-Champions, der nie weniger als 8.1 PPG und 42% FG (beides in seinem Rookie-Jahr) produziert hat. Die lästige Verletzung aus dem Trainingscamp hat sicherlich etwas mit seiner Seuchensaison zu tun, aber obwohl Terry zuletzt betonte, dass er langsam wieder zu alter Leistungsstärke zurück kehren würde, sprechen die Ergebnisse auf dem Hartholz Bände. Nur einmal erzielte der Veteran in dieser Saison mindestens 15 Zähler - bei der 16-Punkte Blowout-Niederlage vor dem All-Star Break in Detroit.


In der Rotation von Nets-Coach Jason Kidd spielte der ehemalige Mannschaftskollege des Cheftrainers eine fast so marginale Rolle wie der vielleicht beste Rebounder der NBA, Reggie Evans. Der 33-Jährige platziert seit zehn Jahren immer unter den fünf besten Brettputzern relativ zur Einsatzzeit und führte die NBA in der vergangenen Saison mit knapp 21.7 Rebounds pro 48 Minuten souverän an. Unter Kidd durfte er trotzdem fast nie ran, weil er offensiv völlig unbrauchbar ist. Wie oft er unter Malone zum Einsatz kommen wird, ist fraglich. Die Kings sind bereits eines der stärksten Rebounding Teams der Liga und haben auf der Power Forward Position ein Überangebot an jüngeren Spielern, die sicherlich bevorzugt werden. Auch Terry wird außer marginalen Einsatzminuten nicht viel Spielzeit sehen. Vielleicht wird der Jet sogar vorzeitig aus seinem Vertrag heraus gekauft und läuft gar nicht für Sacramento auf, sondern heuert für die Playoffs bei einem Contender an.

Dass die Kings ihren ehemals hochgepriesenen Scorer Thornton für nichts abstoßen, wenn sein Wert am geringsten ist, beweist aber, dass D'Alessandro und vor allem Malone, der seinen Schützling in der ersten Saisonhälfte häufig (zurecht) kritisierte, gewillt waren, mit Verlust zu verkaufen. Die Entwicklung McLemores scheint ihnen so viel wichtiger. Brooklyn hingegen, das auch nach dem Ausfall von Brook Lopez nicht im Traum daran denkt, die Saison herzuschenken, tauscht Thorntons Deal gegen die gleich lange laufenden und zusammen fast genauso teuren Verträge ihrer beiden unproduktivsten Spieler aus. Terry war nie der Bankjoker, als den man ihn geholt hatte. Und Evans kam überhaupt nie zum Einsatz.

Zwar müssen die Nets ein paar Millionen Dollar extra berappen, weil sie schon längst die höchste und sträflichste aller Luxussteuer-Stufen erreicht haben, aber Mikhail Prokhorov und seinem GM Billy King war das offensichtlich weniger wichtig als die Tatsache, endlich einen athletischeren, fähigeren Bankscorer als bisher ihr Eigen zu wissen. Ein Backup Point Guard vom Schlage eines Jarrett Jack wäre natürlich ein dringenderes Anliegen gewesen, aber ein Jack war für Terrys Leiche einfach nicht verfügbar. Brooklyn hofft, dass der 'Bayou Bomber' in professionellerer Umgebung seinen verlorenen Shooting Touch wieder findet und defensiv weniger Schaden anrichtet, als er offensiv wieder wett machen kann. Ich denke, ein Umfeld wie bei den Nets und eine klar umrissene Rolle als Backup kann seine zuletzt kriselnde NBA-Karriere wieder auf Trab bringen. Der Grand Slam, der diese Nets am Ende nach Hause bringt, ist der Trade aber nicht.


nbachef meint: Vorteil Brooklyn