03 Juli 2014

Sebastian Seidel | 3. Juli, 2014   






Die Boston Celtics verlängern mit Avery Bradley über vier Jahre und 32 Millionen US-Dollar. Was auf den ersten Blick wie ein überteuerter Vertrag aussieht, ist auf dem zweiten Blick vielleicht ein extrem cleverer Move von General Manager Danny Ainge. Mit Bradley (23 Jahre) und Marcus Smart (20) könnten die Boston Celtics in Zukunft einen der besten Backcourts der Liga stellen. Sind die 8 Millionen Dollar pro Jahr für Bradley gerechtfertigt?

Saison '13/14
Bradley zeigte in dieser Saison, dass er nicht nur einer der besten On-Ball-Defender der Liga ist, sondern auch offensiv über exzellente Qualitäten verfügt. Mit 14.9 Punkten pro Partie war er hinter Jeff Green die zweitbeste Scoring-Option der Celtics. Seine Quoten litten allerdings nicht unter der gestiegenen Verantwortung, sondern waren im Vergleich zum Vorjahr sogar auf einem höheren Niveau. Seine Feldwurfquote stieg nach einer von Verletzungen geprägten Vorsaison wieder von 40.2% auf 43.8%, und seinen Dreipunktwurf verbesserte er in dieser Saison enorm. In den ersten drei Jahren seiner Karriere nahm Bradley im Schnitt 1.3 Dreierversuche pro Spiel und traf dabei nur rund 33.5%. In dieser Saison nahm er im Schnitt 3.3 Versuche pro Partie und traf davon starke 39.5%.

Der größte Kritikpunkt an Bradleys Spiel ist nach wie vor, dass er zu selten den Abschluss in der Zone sucht. Zu 49% nimmt er den Abschluss aus der Mitteldistanz, von wo er mit 43.5% auch nur mäßig trifft. Gerade einmal jeder vierte seiner Abschlüsse findet in der Zone statt, was auch ein Grund dafür ist, dass Bradley nur 1.9 Freiwürfe pro Spiel zieht. Seine True Shooting Percentage ist deswegen mit 51% auch auf einem niedrigen Niveau.

Offensiv wird Bradley nie ein Spieler werden, der das Ballhandling übernimmt und so auch für andere gute Abschlüsse schaffen kann. Doch als Shooter und Scorer hat er in dieser Saison gezeigt, dass er in für die Kelten effektiv sein kann.

Defensiv gilt Bradley schon seit längeren als absolute Zecke und wurde sogar schon ins All-Defensive-2nd-Team gewählt. Egal ob er sich über Screens kämpfen muss, im Post verteidigen soll oder isoliert wird, Bradley bleibt hartnäckig und versucht jeden Abschluss des Gegners mit einer Hand im Gesicht zu durchkreuzen. Dabei ist Bradley niemand, der überhöhtes Risiko eingeht und viel auf Steals spekuliert, sondern immer darauf bedacht, den Wurf für den Gegner so schwer wie nur möglich zu machen.

Bradley und Smart
Dass die Tage von ex-All-Star Rajon Rondo im Celtics-Jersey gezählt sind, dürfte spätestens nach der Verpflichtung von Marcus Smart im Draft und dieser Extension für Bradley klar geworden sein. Die Celtics sollten im Backcourt auf das Duo Smart/Bradley setzen und dringend versuchen, in einem Trade für Rondo noch den höchstmöglichen Gegenwert zu bekommen. Dabei ist die Entwicklung von Bradley in dieser Saison zu einem verlässlichen Dreipunkteschützen besonders wichtig, denn Smart verfügt momentan noch über keinen sicheren Distanzwurf und traf sogar den kürzeren College-Dreier nur zu 29.9%.

Geht man davon aus, dass Bradley weiterhin an seinem Wurf feilt, sorgt er auch in Zukunft für die nötige Gefahr von der Dreierlinie (Spot-Up-Dreier 43.7%) und kann somit Platz für den Drive von Smart schaffen. Im Gegensatz zu Bradley ist Smart deutlich athletischer und physischer und kann deswegen auch gut mit Kontakt am Ring abschließen. Smart ist dementsprechend genau das passende Gegenstück zu Bradley. Er attackiert pausenlos den Korb, wodurch er viele Fouls zieht und gute Abschlussmöglichkeiten für sich selbst und andere heraus spielt. Einige seiner Aktionen sind sicherlich noch überhastet und enden oft in einem Turnover, aber langfristig gesehen dürften die beiden offensiv sehr gut zusammen passen.

Defensiv können die beiden ein Horrorszenario für jede gegnerische Offensive werden. Smart ist ebenfalls in der Lage, gegnerische Aufbauspieler enorm unter Druck zu setzen und hat sehr flinke Hände (2.9 Steals pro Spiel am College). Seine defensiven Anlagen sind herausragend: er ist athletisch, enorm kräftig, spielt physisch und hat mit 1,93m auch eine exzellente Größe für einen Point Guard. Es wird in der NBA kaum ein weiteres Backcourt-Duo geben, welches gegnerische Guards so enorm unter Druck setzen kann. Wenn Smart und Bradley die gegnerische Penetration oft schon im Keim ersticken können, dürften Smart und Bradley die Grundlage für eine sehr gute Celtics-Defensive sein, so wie man sie schon vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit von den Kobolden gewohnt war.

Erkenntnis
Durch den Vertrag für Bradley sind die Celtics nun deutlich eingeschränkter in ihren Möglichkeiten in diesem Sommer und haben nur noch knapp 7 Mio. $ an Capspace zur Verfügung. Aber sind wir mal ehrlich: die Wahrscheinlichkeit, dass diese Celtics einen der ganz großen Fische aus dem Free-Agency-Teich geangelt hätten, war ohnehin verschwindend gering. Der Weg der Celtics führt also nur über einen kompletten Rebuild, in dem man vermutlich auch in der nächsten Saison erneut auf einen hohen Pick hofft.

Darüber, ob Ainge Bradley leicht überbezahlt hat, lässt sich natürlich streiten. Man sollte dabei allerdings die üblichen Marktwerte für Starting Guards, Bradleys Jugend und die Situation in Boston nicht außer Acht lassen. Dieser Vertrag dürfte den Celtics langfristig überhaupt nichts verbaut haben. Der Backcourt aus Smart und Bradley ist nun langfristig gebunden, womit ein erster richtiger und wichtiger Schritt zurück zu alter Stärke gemacht scheint. Ainge hat zwar noch Arbeit vor sich, aber ein Teil des Fundaments steht endlich.