05 Juli 2014

Niklas Dahl | 4. Juli, 2014   





(Noch-)Lakers Center Chris Kaman und die Portland Trail Blazers haben sich offenbar in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag auf einen Vertrag über 9.8 Mio. $ über zwei Jahre geeinigt. Grund genug, das Magazin aufzustocken, in den Lauf einzuführen,  durchzuladen, abzufeuern und einige lose Gesichtspunkte anzugehen, welche Auswirkung die Neuverpflichtung auf die Blazers haben könnte. Weitere NRA-Anspielungen haben sich mit dieser Einleitung übrigens erledigt.

Patrone 1 
Wenn du in der NBA in deine zwölfte Saison gehst, dann hast du drei Möglichkeiten:
a) Du bist ein Superstar, der es begriffen hat, sich anzupassen und sein Spiel umzustellen
b) Du bist ein Superstar, der nicht begriffen hat, dass er sich anpassen muss. Allerdings hast du noch einen Eigentümer gefunden, der dir einen Max-Vertrag angeboten hat
c) Du bist ein solider Starter bis Rollenspieler, von dem jeder weiß, was er kann und was er wahrscheinlich liefern wird

Nun ist Kaman leider kein Mitglied in Club A, Gott sei Dank kein Mitglied in Club B, sondern die Verkörperung schlechthin von Club C. Du weiß, dass du mit Chris Kaman einen Spieler bekommst, der eine vernünftige Offensive spielt, in der Defensive jedoch wenig mehr zu bieten hat als seinen Körper. Und über Jahre konstant sein Level an Output halten konnte. STATISTIKEN BELEGEN DAS SOGAR!

2012 Stats: 10.5 PPG / 0.8 AST / 5.6 RPG / 50.7% FG / 20.7 MPG / 16.5 PER
2013 Stats: 10.4 PPG / 1.5 AST / 5.9 RPG / 50.9% FG / 18.9 MPG / 17.0 PER

Gott bin ich froh, dass es Statistiken gibt. Die Zahlen lesen sich jetzt nicht so wahnsinnig vielversprechend, waren 2013/14 aber denen der übrigen Blazers-Backup-Big Men auf 36 Minuten hochgerechnet überlegen. Ihr schreit nach einem Beweis? Nach unwiderlegbarem Zahlenmaterial? Nun gut:

Kaman: 19.8 PPG / 2.8 AST / 11.2 RPG / 50.9% FG / 17.0 PER
T-Rob: 14.0 PPG / 1.4 AST / 12.7 RPG / 48.1% FG / 14.1 PER
Freeland: 8.6 PPG / 1.8 AST / 10.3 RPG / 47.5% FG / 11.3 PER
Leonard: 9.9 PPG / 1.8 AST / 11.3 RPG / 45.1% FG / 9.4 PER
Claver: 9.2 PPG / 2.3 AST / 7.6 RPG / 40.5% FG / 8.8 PER

Irgendwie ein trauriger Anblick, gell? Schaut doch mal, wie die Zahlen immer weniger werden. Jedenfalls…

…ist Kaman ein Spieler der die Blazers kurzfristig weiterbringt? Ja. Ist Kaman jemand, dessen Output dem der anderen Bigs überlegen sein sollte? Zum Teil bestimmt. Sollte man froh sein, wenn Kaman 60% seiner Spiele bestreiten kann? Auf jeden Fall, hat Caveman doch in den letzten vier Spielzeiten lediglich 59% aller Spiele bestreiten können (auch wenn sicherlich einige „Hä?“ DNPs dabei waren). Ist Kaman also jemand, dem man die volle MLE offerieren sollte? Nein. Gut also, dass die Blazers lediglich das erste Jahr voll garantiert haben. Puh.

Patrone 2
Viele von euch werden sicherlich die „Heiß/Irre“ Skala aus 'How I Met Your Mother' kennen. Die 'Vicky Mendoza Diagonale' wird euch daher bestimmt auch ein Begriff sein. Und wusstet ihr, dass die NBA eine ähnliche Diagonale hat? Jip, SportVU nennt sie liebevoll die Gilbert Arenas Diagonale - kurz GAD-, wobei ich nicht verstehe gänzliche verstehen kann, warum. GILBERT ARENAS WAR SUPER, JA! Wie auch immer. 

Meiner Meinung nach sollte ja jede Verpflichtung zuallererst einmal beleuchten, ob der Spieler über oder unter der Gilbert Arenas Diagonale liegt. Ich meine, ist es nicht etwas entscheidender, ob dein künftiger Allstar Knarren mit in die Umkleidekabine bringt*, oder ob seine TRB% um zwei Prozentpunkte gesunken ist? Eben. Oh, apropos Knarren: Ich überlasse einfach euch, ob Chris Kaman nun ein plus oder minus GAD-Spieler ist.
*ups, jetzt ist es doch passiert. Sorry NRA!


Patrone 3
Das Merkwürdige an der Verpflichtung von Chris Kaman ist ja, dass man davon vorher ÜBERHAUPT NICHTS GELESEN HAT! Kurze Einordnung: Dank Social Media wissen wir, dass Jeremy Lin mit dem (?) Photoshop einverstan … Moment … nicht einverstanden war. Aber nicht, dass Kaman und Neil Olshey miteinander telefoniert haben? Ich bin enttäuscht.

Stattdessen wurden immer wieder Channing Frye, Spencer Hawes und Josh McRoberts als potenzielle MLE-Kandidaten der Blazers in den Ring geworfen. Und jeden von ihnen hätte ich mit Kusshand genommen, auch wenn die Aussicht nie sonderlich groß war, verdienten Frye und Hawes doch schon 2013/14 (weit) über $5M/Jahr. Niemand kommt nach Portland und verzichtet dabei auf Geld. Nicht, wenn 2014 nach Christus DAS JAHR für Stretch-Vierer ist. Nicht, solange wir in Portland nicht LeBron James haben. Was eigentlich nicht mehr so lange dauern sollte.

Patrone 4
Die Liga ist so profitabel wie nie. Der am Horizont auftauchende neue TV-Vertrag lässt die Cap-Prognosen deutlich nach oben korrigieren. Selbst leere Franchise-Hüllen wie die der Bucks gehen für Rekordbeträge über den Tisch, der Inbegriff des '00er Verliererteams soll angeblich sogar 2 Milliarden $ wert sein. Und die Agenten wissen um diesen Umstand, setzen den General Managern die sprichwörtliche Pistole auf die Brust*. Verträge wie die von CJ Miles, Thabo Sefolosha, Kyle Lowry, Avery Bradley oder Marcin Gortat wären vor 3-4 Jahren noch geschlossen ausgelacht worden - ganz fiese Personen sprechen von sogenannten Kaaaaaahn-Verträgen -, sind Anno 2014 aber vollkommen in Ordnung. Vielleicht also auch die 5M/Jahr für Chris Kaman?
*und wer weiß: Vielleicht bringt Chris Kaman ja tatsächlich Waffen mit zu … ach,  lassen wir das


(Interlude)
Das Erstaunliche an der Post-Prüfungszeit ist ja, dass der Körper unwahrscheinlich schnell herunterschaltet. Mag sein, dass das auch an fehlenden Ballaststoffen liegt (tatsächlich habe ich mich streckenweise nur von Weißbrot mit Erdnussbutter, Mikadostäbchen und Wasser ernährt; war aber auch irgendwie geil), aber phasenweise bist du so ohne Elan, dass nicht einmal mehr der Griff zu Fernbedienung gelingen will. Und so kam es, dass ich diese Woche zum ersten Mal freiwillig (!; viele von uns müss … dürfen in der Bundesliga-freien Zeit ja zwangsw … glücklicherweise mit der Freundin zusammen gucken) „Shopping Queen“ geschaut habe (Vox, Mo-Fr 15 Uhr, Samstags von Mittags bis Abends am Stück; ich bin jetzt voll im Bilde). Jedenfalls, diese Woche ging es nach Hamburg - jede Woche findet Shopping Queen in einer anderen Stadt statt - und das Motto war irgendwas mit Sneaker. Warum das alles? Nun, Montagsfrau und Freitagsfrau waren super süß. Auf Vox-Now kann man sich die Wiederholung anschauen. Ich mein ja nur.
(Interlude Ende)

Patrone 5
Was für Auswirkungen Kaman auf Thomas Robinson haben könnte, macht mir große Sorgen. Und nicht, weil Kaman es auf den kleinen neuen Mausfreund von Robinson abgesehen haben könnte*. Wir erinnern uns: Grund für Robinsons mehrfachen Wechsel in dessen Rookie-Saison war ja unter anderem, dass er selten mit seinem Center-Partner harmonierte. Damit Robinson effektiv agieren und sein Potenzial weiter entfalten kann (teilweise konnte man eben jenes in der zweiten Saisonhälfte und in den Playoffs beobachten; long story short: Meiner Meinung nach könnte Robinson immer noch ein 20-10 Spieler werden), braucht es einen Spieler, der die Zone auseinanderziehen kann. Hawes und Frye wären solche Spieler gewesen, und mit Meyers Leonard hätte man sogar schon einen Stretch-Big im Kader (das Experiment Robinson/Leonard scheiterte wohl aufgrund der defensiven Unzulänglichkeiten von Meyers). Chris Kaman ist sicherlich vieles, aber dass er plötzlich anfängt, Dreier zu nehmen und zu verwandeln, halte ich für durchaus ausgeschlossen. Da man Stand jetzt davon ausgehen kann, dass Robinson und Kaman die meiste Zeit zusammen auf dem Court verbringen werden, bleibt zu hoffen, dass sie insofern miteinander harmonieren, als dass mehr Spielzeit für Robinson, und somit mehr Zeit für seine Entwicklung, herausspringt. Und nicht das Gegenteil. Womit wir bei … 
*schaut doch mal wie süüüüüüß. Hoffentlich hat er den Kleinen Feivel genannt:



Patrone 6
… wären. Die Causa Meyers Leonard. Offensiv dürfte sein Potenzial in etwa bei Spencer Hawes mit mehr Athletik liegen, defensiv wird er aber wohl nie überdurchschnittlich sein (etwas, was sich schon in der ersten Summer League Auftritten angedeutet hat), auch wenn er noch nicht lange die Big Man Rolle ausfüllt (googelt ruhig mal nach seinem College Werdegang; kurz: Viele waren der Meinung, ihm hätte eine längere Ausbildung gut getan). Jetzt steht Meyers vor dem verflixten dritten Jahr; dem Jahr, in dem Big Men zeigen, ob sie NBA-fähig sind, und wenn ja, wo sie vom Talent her landen könnten. Damit Meyers beweisen kann, dass man die erste Frage auf jeden Fall mit „ja“ beantworten sollte, braucht es Spielzeit, ähnlich wie bei Thomas Robinson (wie lautet übrigens die Franchise, die dieses Modell seit Jahren/Jahrzehnten lebt? Naa? Genau, die Spurs. Verflucht, immer landet man bei den Spurs). Zeit, die Leonard letzte Saison schon nicht bekam. Zeit, die er diese Saison eigentlich hätte bekommen sollen, haben sich die Positionen von Olshey, Terry Stotts und Aldridge doch gefestigt, was Experimente erlauben würde. Zeit, die ich ihm für Hawes oder Frye ohne zu zögern genommen hätte, schließlich hätten jene Thomas Robinson helfen können. Aber so? Mit Chris Kaman? Ich bin seit heute Morgen die Frage, ob ich denn nun Meyers oder Kaman für 20 Minuten spielen lassen würde, immer wieder durchgegangen. Und immer wieder lautet meine Antwort: Lieber Meyers.

Patrone 7
Zählen wir einmal die Blazers Big Men durch: Gesetzt sind LaMarcus Aldridge und Robin Lopez, dazu Thomas Robinson und Chris Kaman als Backups, sowie Joel Freeland (PF), Meyers Leonard (C) und Victor Claver (SF/PF). Sieben Big Men sind mindestens einer zu viel. Wer ist also Odd Man Out in Portland? Wohl ziemlich sicher der Spanier Claver. Der hatte schon 2013/14 die drittwenigsten Minuten auf dem Konto (ganze 184), nur Earl Watson und Allen Crabbe hatten weniger. Dazu spielt der Spanier diesen Sommer lieber Basketball-WM, als mit seinem Team in der Summer League anzutreten. Eine sicherlich nachvollziehbare Entscheidung. Nur: Wenn deine direkten Konkurrenten zusammen auflaufen, während du selbst andernorts bist, spielt dir das nicht in die Karten. Victor Claver will sich weiter in der NBA durchsetzen und noch nicht den Gang zurück nach Europa antreten müssen. Doch das wird immer wahrscheinlicher.

Patrone 8
Schnell machte heute Morgen auf Twitter die Meinung die Runde, mit der Verpflichtung von Chris Kaman würden sich die Blazers ihren Capspace 2015 unnötig zubauen. Natürlich ist das Quatsch, und das aus mehreren Gründen:

a) Der Vertrag von Kaman ist 2015-16 nur partiell garantiert

b) Die Blazers dürften bei mindestens 2/3 Spielern aus dem Triumvirat Robinson, Leonard und Damian Lillard lediglich die Teamoption ziehen, ohne dass man 2016-17 ins große Wettbieten mit anderen Teams gerät (Leistungsexplosionen mal außen vor; aber selbst wenn, erinnert ihr euch noch an den Eigentümer der Blazers?). Der geneigte Portland-Beobachter dürfte auch schnell darauf kommen, wer von den Dreien seine Verlängerung angeboten bekommen wird.

c) Angenommen, man würde im Sommer 2015 auf die Rechte von Freeland, Claver & Barton verzichten (in letzterem Fall eher unwahrscheinlich), hätte man lediglich die Verträge von Lillard, T-Rob, CJ McCollum, Meyers Leonard und Nic Batum auf dem Konto. Was in etwa einem Wert von $26.7 Millionen entsprechen würde (vor Vertragsverlängerung). Bei einem prognostizierten Cap Space von $66.5 Millionen und einer Luxussteuer-Grenze von $81 Millionen genug Platz, um mit Aldridge, Matthews und Lopez zu verlängern UND um auf die Jagd nach mindestens einem weiteren Allstar zu gehen (oder eben einer richtig guten Bank). Chris Kaman beraubt die Blazers jedenfalls nicht dieser Flexibilität.

Patrone 9
„Was ist denn jetzt mit Greg Monroe?“ Schluss, ich mag nichts mehr von dem Schmarrn hören.