12 Juli 2014

Roman SchmidtDaniel SchlechtriemChris Schmidt, Philipp Rück | 12. Juli, 2014   






1. Die Cavs gewinnen mit LeBron James schon 2015 die Eastern Conference und erreichen das NBA-Finale! Ja oder Nein?


Seb Dumitru:
 Nein. NBA-Finals erreichst du nicht einfach mal eben so. Frag' nur mal die Pacers. Dieses Cavaliers-Team hat in den vergangenen vier Jahren nicht einmal jedes dritte Spiel gewonnen und ist - bei allem versammelten Talent - eine einzige Baustelle. Es fehlt an Erfahrung, Defense, Basketball-IQ, Shootern... und da kratzen wir nur die Oberfläche an. LeBron merzt zwar vieles davon aus, aber dieses Team sitzt, Stand heute, in der Ost-Hierarchie nicht unter den Top-3. Kommt allerdings dieser Kevin aus der Zwillingsstadt...

sch_rom: Woah woah, nein. LeBron trifft in seinem neuen Team nicht wie 2010 auf zwei der besten Spieler auf ihren Positionen. Was ist in Cleveland oberklassig? - abgesehen von Kyrie Irving (und selbst bei dem gibt es Bedenken). Ich gehe fast soweit zu sagen, dass sie selbst mit Kevin Love keine Finalstickets buchen können. Den Cavs fehlt nach wie vor ein Big Man, der die Zone verteidigen kann, denn für Small-Ball, wie ihn Miami gespielt hat, fehlen ihnen die Shooter (auf allen Positionen bis auf PG, wohlgemerkt). Die Cavs müssen zunächst zeigen, dass sie es zumindest beim zweiten Versuch schaffen, um Lebron einen Contender zu bauen.

Chris Schmidt: Nein. Auch ein LeBron James macht aus den Cavaliers nicht plötzlich einen Contender. Natürlich wird Cleveland sich im Vergleich zur letzten Saison steigern und natürlich werden wir sie in den Playoffs sehen. Trotzdem stehen noch zu viele Fragezeichen im Raum. Wie wird sich Andrew Wiggins in Ohio einfinden? Kann er sein Potenzial neben LeBron James überhaupt ausschöpfen? Und wie passt das alles mit Kyrie Irving zusammen? Zudem sind die Big Man-Positionen noch sehr dünn besetzt. Sollte es zu einem Trade kommen, der Kevin Love nach Cleveland bringt, ändert sich die Situation natürlich. Solange dieser Tausch aber nicht zustande kommt, stellen die Cavs im Osten zwar ein gutes Team, ernsthafter Titelfavorit 2015 sind sie aber noch nicht.

Philipp Rück: Jedes Team, in dem LeBron James spielt, ist ein Favorit auf einen der beiden Plätze im NBA-Finale. So auch diese Cavs. Zweitens spielt der schwächere Osten den Cavaliers ebenfalls in die Karten. Ich halte einen Finaleinzug durchaus für möglich. Müsste ich mich aber entscheiden, würde ich „nein“ rufen! Eine der wichtigsten Regeln in der NBA lautet: Junge Teams gewinnen nicht. Die Cavs sind, wenn auch sehr talentiert, viel zu unerfahren für einen Run in den Playoffs. Das Team krebste seit LeBrons Abgang immer am Tabellenbodensatz herum. Die Umstellung, jetzt in einer Mannschaft zu spielen, die mehr als 30 % ihrer Partien gewinnen will, wird überwältigend genug sein. Darüber hinaus sollte einem die Defensive mehr als zu denken geben. Bis auf LeBron und den völlig unerfahrenen Rookie Wiggins haben die Cavs keine guten Verteidiger im Team. Einen konstanten Rim-Protector schon zweimal nicht. In der heutigen NBA gewinnt man nicht, wenn man innen UND außen so stark verwundbar ist.

Daniel Schlechtriem: Nein. Die Cavs sind zwar wieder relevant, aber sind noch nicht erfahren genug, dass selbst LeBron das in drei Serien nacheinander gegen Indiana, Chicago oder aufstrebende Teams wie Washington und Toronto kaschieren könnte. Abgesehen von Varejao hat keiner der relevanten Akteure auch nur ein Playoff-Spiel absolviert, da helfen auch Veteran Signings wie Mike Miller oder selbst Ray Allen, wenn es denn passieren sollte, im ersten Jahr nicht. Die Conference Finals sind Stand heute drin, spätestens da ist jedoch zumindest 2015 Schluss.


2. Warum verlängert Chris Bosh lieber in Miami, anstatt mit den Houston Rockets auf Titeljagd zu gehen?


Seb Dumitru: Weil er nach vier Jahren als dritte Banane und zwei Titeln endlich einmal säen kann, was er geerntet hat. Bosh hatte 2010 viel geopfert und heuerte weit unter Marktwert an, erreichte so aber all seine sportlichen Ziele. Ziele, denen andere NBA-Spieler meistens ein Leben lang vergeblich hinterher laufen. Obwohl es sicherlich spannender gewesen wäre, ihn bei den Rockets zu sehen, muss man seine Entscheidung zugunsten langweiligerer Dinge wie Familie, Loyalität und Kontinuität respektieren. Achja: ein 5-Jahres-Max-Deal im Steuerparadies Florida und die Chance, endlich wieder der Top-Dino zu sein, ziehen selbst bei einem Altruisten wie Bosh offensichtlich auch noch ganz gut.

sch_rom: Bosh hat oft genug gesagt, dass er sich in Miami wohlfühlt. Außerdem soll er dort eins der teuersten Häuser/Villen/Wolkenkratzer besitzen. Nach so einer Bude sieht selbst die King Suite im Venetian (Las Vegas) wie eine billige Absteige aus. Darüber hinaus kann er zum Ende seiner Karriere noch ein mal zeigen, was er als Gesicht eines Teams ausrichten kann, nachdem er seit vier Jahren nur den Floorspacer spielen durfte. Und die Rockets sind blöd. So, es ist raus.

Chris Schmidt: Die Antwort auf diese Frage kennt wahrscheinlich nur er selbst. Für vier Jahre hätte er in Houston um den Titel mitspielen können. Nebenbei wären noch etwa 90 Millionen Dollar auf sein Konto geflossen. Was spricht da noch für Miami? 1. Das liebe Geld. In South Beach bekommt er 118 Millionen, verteilt auf fünf Jahre. 2. Nach vier Jahren als dritte Geige in Miami, kann er jetzt das Team selbst übernehmen. Bosh wird der neue Franchise-Player der Heat sein. Die Knie von Wade ermöglichen es Bosh, zudem als erste Offensivoption zu agieren. Da Miami jetzt wohl höchstens noch Luol Deng aus dem Hut zaubern wird, wird das auch so bleiben. Ganz anders wäre die Situation in Hosuton gewesen. Harden, Howard oder Parsons: Bosh wäre nicht die erste Option gewesen. Dass er mit den Heat aber nächste Saison nur noch ein Mittelklasseteam im Osten stellt, scheint dem Foward aber egal zu sein…

Philipp Rück: Rein sportlich verstehe ich es auch nicht. Aber anscheinend fahren in diesem Sommer alle Jungs eine andere Schiene. Bei Bosh überwiegen der sentimentale und der wirtschaftliche Aspekt. Eventuell wollte er nach der rein sportlichen Entscheidung 2010, einschließlich Gehaltsverlust, nun einen anderen Weg einschlagen. Er erhält in Miami mehr Geld als in Houston, im Schnitt 23,6 Mio Dollar, wenn er 35 ist. Es ist nach wie vor in der NBA eher Ausnahme als Regel, dass die Jungs auf Geld verzichten. 2010 war dahingehend eine Anomalie. Außerdem erwähnte Bosh bereits während der regulären Saison, dass er gerne in Miami bleiben möchte. Er fühlt sich dort sehr, sehr wohl, liebt die Stadt und Franchise. Durch die beiden Meisterschaften hängt sein Herz mittlerweile sehr an Riley, Spoelstra, Wade und Co.

Daniel Schlechtriem: Er bekommt 118 Millionen Gründe aufs Konto überwiesen. Bosh hat sich fürs Geld und die Bequemlichkeiten in South Beach entschieden. Vielleicht geht es ihm aber auch darum, nun wieder im Mittelpunkt zu stehen und nicht die zweite oder gar dritte Geige zu sein, wie es in Miami die letzten vier Jahre der Fall war und an der Seite von Dwight Howard und James Harden auch nicht anders gelaufen wäre. Oder bildet er sich ernsthaft ein, mit einem halbkaputten Wade und den Restposten der Free Agency noch mal was reißen zu können?


3. Die Sacramento Kings sind nach der Isaiah Thomas Episode die mit Abstand größten Deppen dieses Sommers! Richtig oder falsch?


Seb Dumitru: RRRRRRRRRichtig! Sehen wir mal davon ab, dass Darren Collison für 5.3 Mio. $ pro Jahr verpflichtet wurde, obwohl er offensichtlich nicht aus NBA-Startermaterial gemacht ist. Sehen wir mal davon ab, dass Carl Landry in Sacramento 6.5 Mio. $ pro Saison bekommt, Derrick Williams 6.3 Mio. und Jason Thompson 6 Mio., der Klub aber keine 6.7 Mio. $ pro Jahr für seinen zweitbesten Spieler locker machen wollte. Und sehen wir mal davon ab, dass die Kings vielleicht schon immer daran gezweifelt haben, dass sich Thomas langfristig in der NBA behaupten kann (er kann!).... ein junges, begehrtes Anlagegut ohne einen einzigen sportlichen Gegenwert (TPEs sind kein Gegenwert, die Rechte an einem D-League-Spieler ebenfalls nicht) zu einem Division-Rivalen abziehen zu lassen, steht ganz weit oben auf der David Kahn Liste für dämliches Management.

sch_rom: Hätten die Kings Isaiah gehalten, hätten sie Collison höchstwahrscheinlich dennoch starten lassen. Versteht mich nicht falsch, in dieser Point Guard Liga ist IT kein Star, doch die Zahlen, die er auflegt, reichen locker für die dritte Geige eines guten Teams. Er wird die Suns, die ihn sehr günstig bekommen haben, sehr glücklich machen. Aber die Kings gehören schon vor dem Ziehenlassen Thomas' nicht zu den hellsten Leuchten der Liga.

Chris Schmidt: Da man ja nie weiß, was die Pistons noch auf Lager haben, bin ich bei der Bezeichnung „mit Abstand die größten Deppen des Sommer“ noch vorsichtig. Spaß beiseite, die Fakten: Die Kings lassen Isaiah Thomas in einem Sign&Trade-Deal ziehen. In Phoenix verdient der PG jetzt 28 Millionen Dollar in vier Jahren. Dieses Salär scheint den Kings zuviel zu sein. Dabei sind es doch genau dieselben Kings, die letzte Woche Darren Collinson 16 Millionen (in 3 Jahren) in den Rachen geworfen haben. Und es sind die Kings, die Rudy Gay in der kommenden Spielzeit 19 Millionen Dollar zahlen. Man tauscht einen jungen Slasher mit vorhandenem Potenzial gegen einen 26-jährigen Playmaker aus, der die letzten zwei Saisons als Backup agiert hat. Verstehe einer das Front Office in Sacramento..

Philipp Rück: Allerdings. Da haben die Kings nach jahrelangem Fiasko endlich einen Typen im Team, der all das verkörpert, mit dem sich die Fans identifizieren können, und dann lassen sie ihn gehen? Was zum Teufel? Da erarbeitet sich ein (Körpergrößentechnischer) Winzling nach all den Abgesängen vor dem Draft vom 60. Pick hinauf in die Herzen der Fans. Ein kleiner Terrier, der hart spielt und noch härter arbeitet. Der Namensvetter der Knicks-Legende hätte so etwas wie der emotionale und mentale Leader dieser Truppe sein können, jemand, der den Freigeistern wie Boogie Cousins und Co in den Arsch tritt und mit seiner Einstellung vorangeht. Aber sie lassen ihn gehen, weil sie den Ersatz schon vorher verpflichtet haben: Darren Collison. Collison hat in seiner Karriere bislang eins gezeigt: Er ist ein hervorragender Back-Up-Playmaker, der auch zusammen mit den Startern (in guten Teams) spielen kann. Aber er ist verdammt noch mal kein Starting-PG für ein ambitioniertes Team. Was ist da los in Sacramento? Warum eine wichtige Identifikationsfigur gehen lassen, obwohl der Vertrag noch relativ moderat war und dafür einen schwächeren Spieler verpflichten?

Daniel Schlechtriem: Mit dem Draften eines weiteren Shooters in Nik Stauskas hatten sie ohnehin schon Ambitionen in dieser Kategorie angemeldet. Ihren Starting Point Guard, der zusammen mit Cousins und Gay funktioniert, für praktisch nichts ziehen zu lassen, wirft das Team aus der kalifornischen Hauptstadt gefühlt in finsterste Maloof-Zeiten zurück. Dabei gäbe es soviele Gegenleistungen, die sie von den Suns hätten fordern können: Einen der Morris-Zwillinge? Einen Youngster wie Ennis, Warren, Plumlee oder Len? Einen ordentlichen Draft Pick? Die Rechte an Bogdanovic? Irgendwas, das nicht als totale Dreingabe anmutet? Fehlanzeige.


4Wen sollten die Dallas Mavericks verpflichten, wenn Houston das offer sheet an Chandler Parsons abgleichen wird?


Seb Dumitru: Einen Flügelspieler, der defensiv stoppen kann und den mittlerweile 36-Jährigen Shawn Marion zum Bankspieler macht. Gordon Hayward ist vom Markt, Parsons wird es vielleicht bald sein... in dem Fall blieben also die nächsten Wings auf der Liste, um die sich aber derzeit die halbe Liga zankt. Luol Deng spielt an beiden Enden, ist erfahren, solide und ein echter Pro. Das macht ihn zu meiner ersten Wahl für ein erwachsenes Team mit einem Coach wie Rick Carlisle.

sch_rom: Einige Mavsfans schreien nach Born Ready, doch passt der nicht so wirklich nach Dallas, denn mal ehrlich, er ist zum jetzigen Zeitpunkt ein dicker Monta Ellis (die verrückte Warriors/Bucks-Ausgabe, nicht die starke Mavs-Version). Da die Mavs einen Small Forward brauchen, müssen sie mit den restlichen FAs vorlieb nehmen. Von Ariza ist abzuraten (explodiert zufällig jedes Contract Year, danach Durchschnitt) und daher bleibt als echte Alternative möglicherweise nur Luol Deng. Leider ist auch diese FA-Phase nicht rosig verlaufen für die Texaner.

Chris Schmidt: Die Mavs müssen sich weiterhin darauf konzentrieren, noch einen fähigen Small Foward nach Dallas zu locken. Nachdem Vince Carter in Memphis angeheuert hat, könnte nun die Weiterverpflichtung von Shawn Marion eine gute Wahl sein. Genauso sollte man aber nochmal bei Luol Deng und Trevor Ariza nachfragen. Ersterer wird wohl zu den Miami Heat wechseln, weshalb der Fokus auf Ariza liegen sollte. Und dann gibt es da noch so einen erfahrenen Wing, der letzte Saison für Brooklyn gespielt hat. Genau, Paul Pierce könnte ebenfalls die Lücke auf der Drei bei den Mavs schließen. Die Auswahl ist groß, Dallas sollte die Chance in diesem Sommer nutzen…

Philipp Rück: Ich sähe am liebsten auch hier entweder Ariza oder Stephenson. Den Mavs fehlt nach den Abgängen von Carter und Calderon einiges an Spacing und Gefahr von „Downtown“, wodurch wohl auf den ersten Blick der Free Agent der Wizards die logischste Wahl zu sein scheint. Aber im Vergleich zu den Bulls sitzt bei den Mavs ein offensives Mastermind am Taktikbrett. Rick Carlisle kitzelt aus jedem noch so seltsam zusammengestellten Roster eine effiziente Offensive heraus. Ich traue es ihm zu, dass er das mangelnde Spacing trotz einer möglichen Akquisition von „Born Ready“ qua System nicht zum Problem werden lässt. Deshalb wäre ich hier für eine Verpflichtung von Lance Stephenson, weil dessen anderen Stärken diese eine von Ariza nivellieren.

Daniel Schlechtriem: Werden die Rockets das? Um Parsons überzubezahlen, würde sich Daryl Morey auf Jahre handlungsfähig machen – und das ist für einen GM seines Kalibers unerträglich. Parsons wird nur bei der Rockets bleiben, wenn sie bis Sonntag Abend so etwas wie eine halbwegs brauchbare Alternative zu Chris Bosh finden. Sollte Houston mitgehen, müssen Dirk & Co. hoffen, dass Ariza oder Deng noch verfügbar sind und demjenigen dann bezahlen, was immer er verlangt. Carter ist schon weg, Marion wird auch nicht mehr lange warten und die Bank sollte auch noch besetzt werden.


5. Wenn Chicago im Rennen um Carmelo Anthony leer ausgeht, müssen die Bulls ihren gesamten Fokus auf _________ richten…


Seb Dumitru: Kevin Love. Dass die Timberwolves ihren All-NBA Big zwischen heute und Februar traden müssen, um in zwölf Monaten nicht mit komplett leeren Händen da zu stehen, hat mittlerweile jeder begriffen. Die Bulls sollten Flips Nummer also auf automatische Wahlwiederholung stellen und Minnesota mehrmals täglich irgendeine Variation des 'Boozer/Gibson/Snell/McDermott/Mirotic/multiple First Rounder' Pakets offerieren, bis Saunders schließlich genervt einwilligt.

sch_rom: Carlos Boozer. TÖTET CARLOS BOOZER MIT FEUER. Ok nein, aber werdet ihn los, bitte.

Chris Schmidt: Derrick Rose. Natürlich hätte jetzt hier jeder einen anderen Namen aus dem Free-Agency-Pool erwartet, aber Rose ist der Spieler, auf dem danach der Fokus liegt. Nach fast zwei Saisons Pause, soll er die Bulls wieder anführen – am besten bis in die Finals. Dass das ohne einen Melo schwerer wird, als mit, ist klar. In der Free Agency-Phase sollten sie dann versuchen, das Loch, das durch Luol Deng entstanden ist, zu stopfen. Ein Trevor Ariza könnte das erledigen. Der Small Foward ist auf der Suche nach einem neuen Vertrag und könnte auf jeden Fall die Shooting-Probleme der Bulls lösen. Mit Derrick Rose, Joakim Noah, Taj Gibson und Jimmy Butler ist in Chicago ja schon ein sehr guter Kern vorhanden. Zudem könnte man Carlos Boozer amnestieren und ihn beispielsweise mit Pau Gasol ersetzten. Und schon werden die Bulls zu einem der besten Teams im Osten – ganz ohne Melo.

Philipp Rück: Unter Thibodeau wird die Defensive immer zu den besten der Liga zählen. Was sie ganz dringend benötigen, neben einer vollständigen Gesundung Derrick Roses, ist Offensive. In welcher Form auch immer. Am besten wäre ein Spieler, der nicht inselbegabt ist und dem Team in mehreren Facetten helfen kann. Eine Rückkehr von Luol Deng wäre zwar romantisch, er ist aber angesichts seiner Fähigkeiten zu eindimensional. Ich würde an der Stelle des GMs mit Ariza oder Lance Stephenson probieren. Okay, Ariza ist jetzt auch nicht unbedingt ein guter Ballhandler oder –verteiler, aber er verteidigt stark und trifft den Dreier exzellent. Im Spiel mit John Wall hat er hervorragend zusammen funktioniert, etwas, das mit dem ähnlichen Spielertyp Derrick Rose auch klappen könnte. Die Alternative wäre Lance Stephenson, der aufgrund seines facettenreichen Skillsets die Offensive der Bullen auf ein ganz neues Niveau hieven könnte. Natürlich nur sofern das Trainerteam Lance vernünftig in ihr System integriert und das System auch ein wenig auf dessen Stärken zuschneidet. Ich bezweifle aber, dass die das in Chicago können.

Daniel Schlechtriem: Es wird Pau Gasol werden, das steht ja schon ziemlich sicher fest und mit ihm bekommen die Bulls offensiv wieder mehr Zugkraft. Der Unterschied ist: Mit Melo wären sie im schwachen Osten selbst ohne Derrick Rose gefährlich, Gasol alleine wird offensiv nicht genügen, zumal er kommenden Monat eine lange Weltmeisterschaft spielen wird und seine Knie langsam aber sicher zu Brei werden. Sollte es wider Erwarten auch bei Gasol nicht klappen, müssen die Bulls Lance Stephenson überbezahlen oder aber ein weiteres Jahr verschwenden und den Tag herbeisehnen, an dem Carlos Boozer nicht mehr auf der Gehaltsliste steht.