09 Juli 2014

Chris Schmidt | 8. Juli, 2014   





Während Miami trauert und San Antonio feiert, laufen in den anderen 28 Stätten der Liga die Planungen für die nächste Saison bereits auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschiedenen, analysiert ihre Saison und prognostiziert ihren Sommer.

Saison '13/14
So nah dran aber doch so weit weg. Mit diesen Worten lässt sich die abgelaufenen Spielzeit der New York Knicks am besten beschrieben. Nach einer für blau-orangene Verhältnisse unterirdischen Saison mit nur 37 Siegen und 45 Niederlagen reichte es nämlich trotzdem fast noch für die Playoffs. Dies lag weniger am Schlussspurt der Knicks als vielmehr an der schwach besetzten Eastern Conference, in der sich gleich sechs Teams in einer Übergangssaison befanden.

Schon Ende November hatten die Knickerbockers ihren ersten Tiefpunkt in einer katastrophalen Saison erreicht. Nach neun Niederlagen in Serie wurde klar, dass es selbst im Osten schwer werden würde. Nur Carmelo Anthony lieferte Abend für Abend seine Leistung ab. Neuverpflichtung Andrea Bargnani blieb weit hinter den Erwartungen zurück.

Einige wirklich desaströse Auftritte im heimischen MSG (gegen die Celtics, Spurs) und die anhaltenden Verletzungsprobleme von Defensivanker Tyson Chandler machten den Rest der Saison zu einer Herkules-Aufgabe für die Knicks. Die 16 Siege aus den letzten 21 Spielen ließen zwar die Playoff-Herzen der Fans nochmals höher schlagen, doch die mittlerweile eigentlich „tankenden“ Hawks retteten sich über Platz Acht in die Post-Season. 

Off-Season Agenda/Roster
Die Zielsetzung des neuen Präsidenten Phil Jackson ist klar: Man will alles dafür tun, um Carmelo Anthony auch noch in den nächsten Jahren Abend für Abend im blau-orangenen Jersey zu sehen. Den Kader, den Jackson dem Superstar anbieten kann, ist sicherlich kein Argument, um ihn an den Big Apple zu binden. Egal ob überbezahlte Alt-Stars wie Amar'e Stoudemire oder  Bargnani, schwächelnde Jungspunde wie Iman Shumpert oder wurfwütige Zweier wie J.R. Smith: der Kader eines Contenders sieht anders aus.

Melo weiß das genauso wie wir, aber er sieht einen anderen entscheidenden Faktor pro New York: das Geld. Denn New York ist der einzige Klub, der dem ehemaligen Orangeman einen Maximal-Vertrag anbieten kann. Das heißt: Fünf Jahre und 129 Millionen Dollar wäre die Unterschrift von Anthony bei den Knickerbockers wert. Da können die L.A. Lakers oder Chicago Bulls nicht mithalten, sodass das Re-Signing von Melo in New York als sehr wahrscheinlich angesehen werden kann. Nur die Bulls könnten ihm eine aus sportlicher Sicht bessere Perspektive bieten. Die letzten Berichte ließen verlauten, dass Melo eine Vertragsverlängerung bei den Knicks anstrebt.

Um Anthony in der Zukunft ein titelreifes Team an die Seite stellen zu können, wurde der erste Schritt schon fünf Tage vor Beginn der Free Agency getätigt, als Tyson Chandler zusammen mit Raymond Felton zurück nach Dallas verschifft wurde. Im Gegenzug erhielten die Knicks Aufbauspieler Jose Calderon, sowie Samuel Dalembert, Wayne Ellington, Shane Larkin und zwei Zweitrundenpicks. Somit konnten sie sich zwar von dem dicken Chandler-Kontrakt und ihrem ungeliebten, vorbestraften Playmaker lösen, müssen aber nun dem Spanier Calderon sieben Millionen jährlich auf sein Konto überweisen. 


Im Roster der Knicks lässt sich keine Position ausmachen, die als wirkliche Baustelle bezeichnet werden kann. Überall hat New York eine mehrfache Besetzung, allerdings ist dieser Kader einfach nicht titelreif. Big Men wie Stoudemire, Bargnani, Dalembert oder Kenyon Martin haben ihren Zenit schon längst überschritten. „Dann soll der Zen Master sie halt traden“, möchte der geneigte Knicks-Fan sagen. Doch so einfach ist das nicht. Stoudemire und Bargnani bekommen in der nächsten Spielzeit zusammen 35 Millionen Dollar überwiesen. Kein Team nimmt freiwillig solche Verträge auf.

Meistens sollen die Trade-Pakete, über die man spricht, dann auch noch mit Bonbons wie Shumpert oder Tim Hardaway Jr. gespickt sein. Doch ob Jackson seine (einzigen) Youngster im Team abgibt, ist unwahrscheinlich. So muss man wohl befürchten, dass die Knicks ein weiteres Jahr mit einem sehr identischen Kader antreten. Ändern kann das nur Carmelo Anthony – sollte er sich nämlich nach Chicago oder LA absetzen...

Personal
Coach
Nach der schwachen Saison ließ die Entlassung von Headcoach Mike Woodson nicht lange auf sich warten. Früh wurde klar, dass Phil Jackson einen Coach sucht, zu dem er eine gute Beziehung pflegt und der auch mit der Triangle Offense umgehen kann. Da Steve Kerr seine sieben Sachen packte und in das warme Kalifornien zog, wurde Derek Fisher verpflichtet, der letzte Saison noch für die OKC Thunder auf dem Parkett stand.

„D-Fish“ spielte insgesamt neun Jahre unter Jackson bei den LA Lakers und gewann in dieser Zeit fünf Championships. Dies spricht zwar für eine mögliche, gute Harmonie im neuen Front Office, allerdings sollte man nicht vergessen, dass dies Fishers erste Station als Headcoach im Profibasketball sein wird.

Somit sollte man ähnlich wie bei Jason Kidd die Erwartungen erst einmal runterschrauben und den Trainer-Rookie nicht überfordern. Dass Fisher direkt von Anfang an unter Druck steht, weiß er wohl am besten. Immerhin will man nicht noch mehr Saisons mit einem solchen Resultat beenden wie die letzte. Da würden sich die 129 Millionen für Melo nicht wirklich lohnen..

Draft
Erst einen Abend vor dem Draft konnten sich die New York Knicks Draftpicks sichern. Im 6-Spieler-Trade um Chandler wurden auch zwei 2014er Zweitrundenpicks von Dallas nach New York transferiert. An der 34. Stelle pickten die Knickerbockers Small Foward Cleanthony Early. Vom Namen her klingt das schon ganz nach dem Mann, der wohl vor ihm in der Rotation stehen wird. Auch die Veranlagungen sind ähnlich. Early ist ein guter Scorer (16.3 PPG auf dem College), der beide Foward-Positionen spielen kann. Besonders seine Athletik sticht heraus. Die Knicks erhoffen sich sicherlich, dass Cleanthony Early Carmelo Anthony in Zukunft Pausen geben kann und seine Scoring-Qualitäten zeigt. 

An der 51. Stelle zogen die Knicks dann noch den älteren Bruder von Giannis, Thanasis Antetokounmpo, der auf der Zwei oder Drei zuhause ist. Ähnlich wie sein Bruder hat der Grieche eine unfassbare Spannweite und bringt diese besonders am defensiven Ende zum Einsatz. Antetokounmpo gilt als überdurchschnittlicher Wing-Defender á la Tony Allen und überzeugt zudem durch seine Athletik. Besonders in der Defensive kann der 21-Jährige helfen. Offensiv hat sein Spiel wohl noch zu große Lücken, um es als NBA-reif zu bezeichnen.


Kohle
Das Fremdwort für jeden Knicks-Anhänger ist, na klar, Geld. 23 Millionen für Stoudemire, zwölf Millionen für Bargnani, sieben Millionen für Calderon und fünf Millionen für Smith sprechen eine eindeutige Sprache. Dazu kommen eventuell noch etwa 25 Millionen Dollar für Anthony. Dass da kein Platz mehr ist, um große Moves zu machen, sollte klar sein. Jackson muss versuchen, fähige Rollenspieler zu finden, die mit Melo harmonieren können. Shooter, die Freiräume nutzen und Defensivspezialisten, die das große Problem am defensiven Ende beheben können.

Dies könnte der kurzfristige Plan für Jackson sein, der ebenfalls weiß, dass man in diesem Sommer keinen Contender aus den blau-orangenen formen kann. Mit viel mehr Spannung erwartet man im Big Apple den nächsten Sommer. Dann laufen die Verträge von Stoudemire und Bargnani aus und J.R. Smith ist "nur" noch mit einer Player-Option ausgestattet. Genug Cap Space also, der um Melo frei werden könnte, um eventuell einen weiteren, echten Star nach New York zu locken. 

Zukunft
Um die Zukunft der Knicks besser voraussagen zu können, müsste ich diesen Artikel wohl drei Tage später schreiben - aber das regeln wir anders. Das große Fragezeichen bleibt weiterhin Carmelo Anthony, der mit seiner Entscheidung alles in New York verändern kann. Da im Moment alle Zeichen auf Verbleib stehen, lässt sich die nächste Saison wohl als eine Übergangssaison bezeichnen. Melo wird natürlich alles geben, um seiner Stadt wieder Playoff-Basketball zu ermöglichen. Solange sich die Kräfteverhältnisse in der Eastern Conference in diesem Sommer nicht noch bahnbrechend verschieben, könnte es zu schaffen sein. Es wird wieder genug Teams im Osten geben, die sich auf’s „Tanking“ konzentrieren. 

Allerdings sollte die nächste Saison nicht als richtungsweisend erachtet werden. Der Kader ist noch nicht reif für einen tiefen Playoff-Run und auch Rookie-Coach Derek Fisher muss sich erst noch einleben. Bleibt Melo, wird erst der Sommer 2015 wieder so richtig interessant in New York. Dann könnte NY bald gar nicht mehr so weit weg sein – vom Titel…