25 Oktober 2014

25. Oktober, 2014   |  Anno Haak  @kemperboyd


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Gewürge geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los  - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
43-39, Playoff-Runde eins

Plus
Noah Vonleh (Draft), Lance Stephenson, Marvin Williams, Brian Roberts, Jason Maxiell

Minus
Josh McRoberts, Anthony Tolliver, Luke Ridnour, Chris Douglas-Roberts

Was ist Neu?
Der Name, das Courtdesign, die gesamte Optik. Besser hätte man den Aufschwung zur zweitbesten Franchisebilanz aller Zeiten (die alten Hornets-Zeiten mitgerechnet) nicht timen können. The buzz is back und der Wind unter den Flügeln der neu entfachten Aufbruchsstimmung.

Das Glück. Wären die Hornets noch die Bobcats, hätte die asoziale Entlassung von Ben Gordon wohl das Karma versaut und der top-8-geschützte Pick, den man den Pistons für dessen Abnahme aus der Jacke geleiert hatte, wäre nach Motown zurückgewandert. Aber vielleicht war Joe Dumars auch einfach der Bobcat unter den GMs.

Dazu kamen 'Born Ready', der Mann, der schneller gedraftet wurde als Chris Pauls Schatten, der neunte Pick Vonleh, ein solider Backup für Kemba Walker und der letzte Schritt zur Machtübernahme von Rich Cho. Nicht neu in Charlotte kam hingegen restricted free agent Gordon Hayward an, der das Maximal-offer-sheet der Hornets unterzeichnete, bevor die Jazz mit- bzw. vorbeizogen.

Beste Addition
Lance Stephenson... Wer sonst? Dass Charlotte überhaupt einen Stich im Rennen um einen free agent aus dem Regal direkt unter der Premiumware hat, wäre vor zwei Jahren undenkbar gewesen. Dass man den in Indiana aus welchen Gründen auch immer vom Hof gejagten dann auch noch für einen moderaten Preis bei hoher Flexibilität (nur zwei Jahre Laufzeit garantiert) bekommt, schlägt dem Fass geradezu den Boden aus. Ein flexibler, intelligenter Vertrag für einen jungen Spieler mit All-Star-Potential in Charlotte? Was kommt als nächstes? LeBron James in Cleveland? Achso, Moment... Stephenson bringt elitäre Verteidigung mit aus Hoosier State. Die Kombination mit lockdown-MKG dürfte für manchen Flügel die Reise ins Hornissennest zum Horrortrip machen. Zudem kann Stephenson sich den eigenen Wurf kreieren, kommt an fast jedem Verteidiger mit einem Schritt vorbei und schließt hochprozentig ab, wenn er am Ring angekommen ist. Kurz: ein nahezu perfekter Fit für die offensiv minderbegabten Hornets.

Rising Star
Kemba Walker... Alle Daumen sind Finger, aber nicht alle Finger sind Daumen. Chris Paul riefen sie nach, er sei zu klein, aber nicht jeder, dem sie „zu klein“ nachrufen, wird Chris Paul. Es ist dieses Jahr. Contract year. Schon deshalb gäbe es keine bessere Gelegenheit, die lange antizipierte coming out-Party zu feiern. Jahr drei war aber in allen relevanten Kategorien ein Rückschritt, indes auch, weil sich der (offiziell) 1,85 m „große“ Point Guard gegen Spielmacherstiere Marke Westbrook defensiv aufrieb. Stephenson sollte ihn diesbezüglich entlasten und die offensive Effizienz wieder nordwärts wandern. Prognose: Walker, der mit den Hornbobs durch alle finsteren Täler der letzten Jahre gewandelt ist und sich nie beklagt hat, wird sich seinen hart verdienten Großkontrakt erspielen. Es sei denn, es kommt der Feind des Guten, der schon immer das Bessere war. Walkers (gut) Feind (besser) heißt Rajon Rondo.

Falling Fast
Gerald Henderson... Ein Langzeitinvestment ohne Rendite. Der dienstälteste Bobcat/Hornet, der als einziger noch die Zeiten von „play the right way“ selig mitgemacht hat, ist durch Stephensons Verpflichtung und den zuverlässig unspektakulären Gary Neal überzählig geworden. So könnte Henderson auch dank moderaten Vertrages (6 Mio. $ p. a./2J inkl. PO) zum Trade-Kandidaten werden.

Good News
+ die Mischung ist gut wie lange nicht. Veteranen mit der richtigen Einstellung (Jefferson, Neal, Williams), junges Talent (Zeller, Kidd-Gilchrist) und Star-Appeal (Stephenson). Der Keller ist in Rekordzeit verlassen worden.
+ …was Aufbruchsstimmung erzeugen sollte. Das ungeliebte Rotluchslabel ist ebenso Vergangenheit wie moronische Draft-Entscheidungen und die GOAT-Alleinherrschaft des Schreckens. Halbleere Hallen sollten im (college-)basketballverrückten North Carolina ebenfalls bald Vergangenheit sein.
+ eine top-5-Defensive ergänzt um Stephenson sieht gruselig aus. Gruselig gut.

Bad News
- die Kehrseite der erstickenden Defense. Das fremde Ende des Feldes ist den Hornets – nunja – fremd. Born ready allein wird die schlechteste Playoffteilnehmeroffensive 2014 südlich von Chicago nicht auf Ost-Top-4-Niveau heben.
- insbesondere Biyombo und Zeller sind immer noch zwei Jahre vom Status als offensiv produktive NBA-Mitglieder entfernt.
- McRoberts‘ Wille zum Hofschranzendasein (meh!) hat eine Lücke gerissen, die der weit über Status gehandelte Williams und der eher rohe Vonleh kaum werden füllen können.

Man on the Spot
Michael Kidd-Gilchrist... Ja, die Defensive ist was für Liebhaber, die Athletik was für Highlightvideogucker. Aber am Ende des Tages sollte ein Basketballer den Ball in den Basket werfen können. Wenn er schon die kaputteste Bewegung seit Matrix nicht repariert bekommt, muss er dafür sorgen (lassen), dass das hässliche Ding durch die Reuse fällt. Bleibt er offensiv vollkommen auf die Athletik angewiesen, ist der Sinkflug seiner Aktien buchstäblich eine Frage der Zeit.

KGDCG
Tyrus Thomas... Die Hornets haben bekanntermaßen eine große Lücke auf der Vier. Dabei steht der ehemalige Ultra-Superathlet-Star Tyrus Thomas noch in ihren Büchern! Haben die Hornets überhaupt gesucht? Tyrus Thomas! Der Typ, der den Bulls LaMarcus Aldridge wert war. Aldridge! Thomas! Ich höre auf, bevor es hässlich wird.

Stat-Salat
Nur 12,9 Ballverluste pro 100 Possessions leisteten sich die ehemaligen Bobcats - der beste Wert der Liga, und das, obwohl das Team die Liga mit 334,3 Pässen pro Spiel anführte.

Was fehlt?
Dreier. Dreier. Dreier. Nr. 23 bei der Quote von downtown im letzten Jahr und mit McRoberts ist der einzige Spieler, der über Teamschnitt schoss, abgewandert. Stephensons Quote wächst zwar beständig, doch auch er trifft nur jeden dritten Versuch. Und er allein wird den Platz für Jeffersons alte-Schule-Moves am Zonenrand nicht schaffen können.

Check 1,2
Was fehlt, bad news, Schwächen…alles Luxusprobleme. Das hier ist die Franchise, die vor gut zwei Jahren 7 von 66 Spielen gewann und Anthony Davis verpasste. Es ist wie eine Wandlung vom manisch-Depressiven zum Gute-Laune-Bär. Nur will das keiner mehr hören. Die Ansprüche wachsen schneller als Joel Embiid. Wachstumsschmerzen sind angesichts der Jugend und der ungewissen Auswirkungen von Lance S. auf die Teamchemie vorprogrammiert und die Qualitätsverbreiterung der Ex-Leastern-Conference kommt für die Hornets zu keinem guten Zeitpunkt. Dennoch: Passt sich Stephenson ein und bleiben alle halbwegs gesund – v. a. Jefferson (Center und Füße, mmmh) – spielt Charlotte mit drei bis vier anderen Teams um den Heimvorteil im Osten. Ja, ich hab‘s gesagt.

Chef-Orakel
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Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch