26 Oktober 2014

26. Oktober, 2014   |  Cliff Schmit


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Gewürge geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los  - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
25-57, Keine Playoffs

Plus
Trevor Booker, Jack Cooley, Dante Exum, Carrick Felix, Rodney Hood, Dahntay Jones, Brock Motum, Toure’ Murry, Steve Novak, Head Coach Quin Snyder

Minus
Andris Biedrins, Diante Garrett, Richard Jefferson, John Lucas, Erik Murphy, Brandon Rush, Jamaal Tinsley, Malcolm Thomas, Marvin Williams, Head Coach Ty Corbin

Was ist Neu?
In der Hauptstadt der Mormonen hat sich in der Offseason wieder so einiges getan. Die wichtigste Personalie ist wohl abseits des Courts zu finden, wo der ambitionierte Quin Snyder den häufig überforderten Ty Corbin ersetzt. Doch auch auf dem Court gibt es in Salt Lake City einige neue Gesichter, die große Erwartungen schüren. Gemeint sind damit natürlich in erster Linie die beiden Rookies Dante Exum und Rodney Hood, wobei vor allem der 19-jährige Australier die Wundertüte schlechthin dieses Draftjahrgangs ist. Mit dem Ackergaul Trevor Booker und dem Scharfschützen Steve Novak holte Dennis Lindsey zudem etwas Erfahrung an den Salzsee. Dass die auslaufenden Verträge der Altlasten Biedrins, Jefferson und Rush nicht verlängert wurden war keine wirkliche Überraschung

Beste Addition
Quin Snyder... Quin Snyder als Upgrade zum geschassten und mehr als unglücklich agierenden Ty Corbin zu bezeichnen wäre wohl noch eine maßlose Untertreibung. Der smarte 47-Jährige weist eine beeindruckende Trainer-Vita auf und hat sein Handwerk u.a. bei Mike Krzyzewski und Ettore Messina erlernt. Die Jazz haben einen Head Coach gesucht, der die wahnsinnig junge Mannschaft signifikant besser machen kann. Snyder sollte diese Aufgabe zuzutrauen sein. 

Rising Star
Trey Burke... Utah hat Trey Burke als Dirigenten seines jungen Orchesters auserkoren und obwohl der 21-Jährige in seiner Debütsaison nur schwer in die Gänge kam und schwache Wurfquoten aufwies, überwiegen die positiven Eindrücke. Burke hat vor allem durch starke Partien im März und April bewiesen, dass das in ihn gesetzte Vertrauen auf lange Sicht hin gerechtfertigt ist. Seine mehr als soliden Preseason-Auftritte mit verbesserter Ballkontrolle und Wurfauswahl zeichnen ein ähnliches Bild. Kann Burke dieses Niveau dauerhaft halten steht seinem endgültigen Durchbruch nichts mehr im Weg. Zumal er bei den Jazz auf seiner Position konkurrenzlos ist und Exum zunächst eher auf der Zwei eingeplant ist.

Falling Fast
Gordon Hayward... spielte beileibe keine Katastrophensaison und war an vielen Abenden trotz wenig Unterstützung produktivster Jazz-Man. Nichtsdestotrotz muss der designierte Franchise-Player seine zuletzt Jahr für Jahr sinkenden Wurfquoten schleunigst wieder in den Griff bekommen. 41% aus dem Feld sowie knapp 30% von der Dreierlinie sind eines Spielers seines Formats eigentlich unwürdig. Dass Hayward in den kommenden vier Jahren mit 63 Millionen Dollar überbezahlt sein wird, dafür kann der 24-jährige Forward angesichts des aggressiven Hornets-Angebots nur bedingt. Es liegt jedoch nun an ihm zu beweisen, dass er diesen Vertrag annähernd verdient.

Good News
+ Die Jazz haben weiterhin unglaublich viel Talent. Ob Hayward, Favors, Kanter, Burks oder Burke, die gesamte Starting Five hat Entwicklungspotenzial ohne Ende und mit Snyder soll dieses nun auch endlich gefördert werden.   
+ Rudy Gobert war bei der EM kaum wiederzuerkennen. Muskulöser, fokussierter und mit verbessertem Post-Game hat der 22-jährige Franzose im Sommer einen gewaltigen Sprung gemacht. Die starke Preseason scheint diesen Eindruck zu bestätigen.  
+ Den Jazz könnte mit ihren beiden Picks ein echter Fang gelungen sein. Während Hood auf Anhieb produktiv sein sollte, wird bei Exum jedoch ein wenig Geduld gefragt sein. 

Bad News
- Utah wies letzte Saison die schlechteste Defensive Efficiency der gesamten Liga auf. Da auch die Neuzugänge nicht unbedingt als Verteidigungsspezialisten bekannt sind, besteht wenig Hoffnung auf Verbesserung. 
- Die Jazz wollen angeblich Enes Kanter – ganz im Stile von Mehmet Okur – zum Dreipunktschützen umschulen. Eine Vorstellung, bei der sich die Nackenhaare der Utah-Fans aufrichten müssen.
- Wie gut ist Dante Exum wirklich? Der Australier hat sich bisher kaum gegen ernsthafte Konkurrenz durchsetzen müssen. Stellt sich der 19-Jährige als Bust heraus, wäre das in einem der tiefsten Drafts aller Zeiten besonders bitter.

Man on the Spot
Alec Burks... An dieser Stelle könnten auch ohne weiteres Derrick Favors oder Enes Kanter erwähnt werden, die gefühlt zum dritten Mal vor einer make-or-break Saison stehen. Im Schatten der beiden Big Men sowie der Vertragsverlängerung von Hayward hat sich der variable Alec Burks jedoch zu einem elementar wichtigen Puzzlestück der Jazz-Rotation entwickelt. Der Shooting Guard blickt nicht nur auf eine äußerst produktive Saison (Punkteschnitt von 7 auf 14 verdoppelt) zurück, sondern hat sich zudem als zweite Scoringoption fest etabliert. Schreitet Burks’ Entwicklung – in erster Linie sein Distanzwurf - in dieser Spielzeit ähnlich voran, winkt dem 23-Jährigen wohl noch in diesem Jahr eine ordentliche Gehaltsaufstockung.  

KGDCG
Steve Novak... Einer dieser Fälle, in dem ein Spieler nach LA oder NY kommt, dort irgendeine Sache gut macht und sei es auch wirklich nur wortwörtlich eine Sache, dann als Free Agent auf den Markt kommt und MÄCHTIG überbezahlt wird. Und nun verstopfen diese Großstadtemissionen mit 3,4 Mio. pro Jahr die kleinen, unschuldigen Städte wie die Salt Lake City. Nieder mit den Big Markets!

Stat-Salat
Defensiv-Rating 109.1 - Nicht Philly oder die Bucks sondern Utah hatte letzte Saison die schlechteste Defensive der Liga. In Favors' Spielzeit ist der Wert noch schlechter (110.1). Hilft ihm der Wechsel des Coaches dabei, zu einem All-Defensive Spieler zu werden?

Was fehlt?
Erfahrung. Angesichts des blutjungen Kaders (24,6 Jahre im Schnitt) wahrlich keine allzu große Überraschung. Der dienstälteste Profi, Steve Novak, dürfte zudem nur wenige Minuten sehen. Neben der Abgezocktheit fehlt jedoch vor allem noch ein echter Kettenhund wie Tony Allen oder Jimmy Butler. Da die Team-Verteidigung der Jazz ohnehin nicht unbedingt sattelfest ist, würde Utah wenigstens ein individueller Stopper gut zu Gesichte stehen. Die Jazz hatten in der jüngeren Vergangenheit vor allem auf den kleineren Positionen massive Probleme die gegnerischen Scorer in Schach zu halten.   

Check 1,2
Same procedure as last year liebe Jazz-Fans. Viel kann, nichts muss. Eines ist allerdings klar: es wird erneut jede Menge Niederlagen hageln. Die Mannschaft befindet sich immer noch im Anfangsstadium des Rebuild, wird diese Saison jedoch bereits einige aufschlussreiche Erkenntnisse erlangen. Verfügen Hayward und Favors nachhaltig über das Potenzial die Franchise in den nächsten Jahren zu tragen? Ist Burke wirklich der geeignete Dirigent für das junge Jazz-Orchester und ist Kanter ernsthaft ein Stretch-Big? 

Hinzu kommen die vielen Fragezeichen bezüglich Dante Exum. Man kann den Jazz eigentlich keinen Vorwurf machen, dass sie sich auf das Experiment mit dem jungen Australier eingelassen haben. Zu verlockend scheint das enorme Talent, das in dem pfeilschnellen Guard aufblitzt. Auf der anderen Seite birgt wohl kaum ein anderer Lottery-Pick größeres Bustpotenzial. 

Ein weiterer Nebenschauplatz, den Utah besser im Auge behalten sollte ist die Vertragsverlängerung von Alec Burks. Ein zweites finanzielles Fiasko à la Hayward würde auch unter einem stark ansteigenden Salary Cap schmerzen.

Die Jazz werden also weiter verlieren, dank des attraktiveren, schnelleren und auf Dreier ausgelgten Spielstils von Snyder wird dies allerdings schöner anzuschauen sein. Ein Husarenritt wie ihn die Phoenix Suns vergangene Saison auf das Parkett gelegt haben, sollte Utah trotz allem nicht zuzutrauen sein. 30 Siege werden bereits das Höchste der Gefühle für die Jazz-Fans sein.  

Chef-Orakel
25-57



Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch