27 Oktober 2014

27. Oktober, 2014   |  Pascal Gietler  @PascalCTB


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Gewürge geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
44-38, Conference Semi-Finals

Plus
Jarrett Jack, Bojan Bogdanovic, Sergey Karasev, Markel Brown, Cory Jefferson, Head Coach Lionel Hollins

Minus
Shaun Livingston, Marcus Thornton, Paul Pierce, Andray Blatche, Head Coach Jason Kidd

Was ist Neu?
Man wird das Gefühl nicht los, dass sich eine ganze Menge hinter den Kulissen bei den Brooklyn Nets getan hat. Vorbei scheinen die Zeiten zu sein, in denen man auf Teufel komm raus die ganz großen Namen, zu viel zu guten Bezügen halten beziehungsweise verpflichten möchte. Das Front Office und eventuell auch Owner Mikhail Prokhorov haben sich bewusst gegen eine Weiterverpflichtungen des Altstars Paul Pierce entschieden und setzen auf jüngere und günstigere Kräfte auf dem Flügel. Neben dem vermeintlichen Umdenken hinter den Kulissen gibt es auch ein neues Gesicht auf der Trainerbank: Lionel Hollins ist ab sofort der neue Hoffnungsträger im Borough, der mit dem vorhanden Spielermaterial ein ähnlich gutes System implementieren soll, wie er es zuvor schon in Memphis getan hat.

Beste Addition
Lionel Hollins... So lahm das jetzt auch klingen mag, aber die beste Addition war womöglich die Verpflichtung von Hollins. Die Nets haben nun einen neuen Head Coach, der in der Vergangenheit bewiesen hat, dass er gut mit talentierten Big Men umgehen kann und einfach routinierter ist, als sein Vorgänger Jason Kidd. 

Rising Star
Brook Lopez... Brooklyns Center wurde in den vergangenen vier Jahren häufig durch Verletzungen aus der Bahn geworfen, doch Lopez lebt im Gegensatz zu anderen Spielern nicht von seiner Athletik oder Agilität, die durch zwei Fußbrüche nachhaltig beeinträchtigt werden könnten. Solange Lopez fit bleibt wird er seinen Ruf als einer der besten Offensivcenter der Liga weiterhin verteidigen und den Nets dank seiner Ringbeschützerqualitäten auch am defensiven Ende weiterhelfen. Bleibt Lopez frei von weiteren gesundheitlichen Rückschlagen ist er der Spieler, der konstant gut in der Offensive agiert und das ist genau das, was die Nets dringend brauchen.

Falling Fast
Deron Williams... Das "D-Will-Gebashe" ist übertrieben, denn guckt man sich Williams Statistiken an stellt man fest, dass der einstige Top-Point Guard durchaus noch auf hohem Niveau agiert - solide Quoten (45% FG), keine wirkliche Verschlechterung bei der Assists-to-Turnover-Ratio und teilweise hochklassige Defense. Deron Williams spielte in der vergangenen Jahren jedoch enorm unkonstant und das Negativ-Highlight war sicherlich sein 0-Punkte-Spiel in den letztjährigen Playoffs gegen die Miami Heat - das darf einem "Franchise Player" einfach nicht passieren. Williams Karriere geht aktuell steil bergab und dem einstigen "Franchise Player" bleibt nur zu wünschen, dass er noch mal die Kurve bekommt.

Good News
+ Man kann sich das Duo "Garnett-Lopez" unter Coach Hollins definitiv schön reden - wer nach diesem Satz nicht an das effiziente High-Low-Spiel der Grizzlies unter Hollins denkt, sollte mal schnell Google um Hilfe bitten.
+ Die Brooklyn Nets haben tatsächlich eine Menge Talente von denen zumindest einer positiv überraschen könnte - Plumlee, Karasev, Brown, Jefferson, Bogdanovic, Guttierez? Zumindest einer dieser sechs könnte mal frischen Wind ins Barclays Center wehen, Plumlee ist aktuell natürlich der verheißungsvollste Kandidat.
+ Brook Lopez und Deron Williams gehen verhältnismäßig fit in die Saison. Zwar schleppt Lopez aktuell noch ein kleines Weh-Wehchen mit sich rum, welches im eventuell "Game 1" kosten könnte, doch verglichen mit der letztjährigen Verletztenmisere der Nets ist das eher harmlos.

Bad News
- "Small Ball" vs. "Big Ball" - gerade erstere Grundaufstellung stand in der vergangenen Saison für Erfolg, wohingegen man mit einer großen Line-Up bis Weihnachten nur zehn Spiele gewann. Was ist wirklich die wahre Stärke der Nets?
- Paul Pierce ist weg. Gerade in den Playoffs erwies sich "The Truth" als wichtiger Faktor, doch genauso schwer wiegt der Verlust von Shaun Livivingston, der besonders in der Defensive viele Dinge für die letztjährigen Nets gemacht hat.
- Das Lazarett wird womöglich auch in diesem Jahr wieder gut besucht sein. Wer glaubt wirklich dran, dass Williams Knöchel 82 Spiele halten und "KG" nicht wieder "Rücken hat"? Verletzungen könnten die Nets erneut völlig aus der Bahn werfen.

Man on the Spot
Bojan Bogdanovic... Bei den Nets herrscht noch immer keine Klarheit, wer Paul Pierce in der Starting Five ersetzen soll. Ist es Alan Anderson? Ist es Bojan Bogdanovic? Vielleicht sogar Mirza Teletovic? Viel deutet darauf hin, dass Hollins zu Bogdanovic tendiert, der als Rookie dann direkt mal gefordert wäre. Die Situation könnte für Bogdanovic durchaus schlechter sein, von ihm wird in erster Linie solides Scoring verlangt und dass er dazu in der Lage ist, hat er bei der diesjährigen FIBA-WM in Spanien angedeutet.

KGDCG
Kevin Garnett... "NOTHING IS IMPOSSIBLE!" Hätte mir damals jemand gesagt, dass KG so enden wird, hätte ich es definitiv für impossible gehalten. The Big Ticket sollte aber recht behalten. Immerhin wird er gut bezahlt.

Stat-Salat
90.570.781 Dollar Luxussteuer zahlten die Nets letzte Saison, ein historischer Rekordwert.

Was fehlt?
Den Nets fehlt neben dem schon öfters erwähnten fehlendenden Glück bei Verletzungen noch eine ganze Menge Konstanz der vermeintlichen "Star-Spieler"! Die Nets haben auch in diesem Jahr wohl einen der schlechtesten schlechtesten Kader, wenn man diesen einer Preis-Leistungs-Analyse unterzieht. Alleine der Backcourt aus Deron Williams und Joe Johnson verdient in dieser Saison rund 43 Mio. $ und schaffen es vielleicht mit Hängen und Würgen gemeinsam mehr als 30 Punkte pro Spiel aufzulegen. Es würde schon reichen, wenn sich einer der beiden zu einer zuverlässigen zweiten Scoringoption hinter Brook Lopez entwickeln würde - 20 Punkte pro Nacht sind für beide machbar. Nachweislich!

Check 1,2
Gefühlt sind die Brooklyn Nets in der allgemeinen Meinung der Experten erneut nur das zweitbeste Team aus dem "Big Apple" und als Gründe werden immer wieder die Verluste von Shaun Livingston und Paul Pierce hervorgebracht. Doch ist der Verlust eines weiteren verletzungsanfälligen Spielers und eines alternden balldominanten Stars wirklich der Grund, wieso die Nets es bestenfalls mit Hängen und Würgen überhaupt in die Playoffs kommen? Der Kern aus Deron Williams, Joe Johnson und Brook Lopez ist geblieben, defensiv könnten die Nets sicherlich überzeugen und auch bei den Rollenspielern liegt tendenziell ein Upgrade im Vergleich zur 2012-2013er Saison vor, in der man so ganz nebenbei noch 49 Spiele gewinnen konnte.

Der Teufel wird ein wenig zu schwarz an die Katakomben des Barclays Centers gemalt - man kann nicht davon ausgehen, dass alles schief gehen wird, was schief gehen kann. Es kommt jetzt auf das Trio an, für das man sich nach dem Umzug aus New Jersey bewusst entschieden hat und besonders Deron Williams könnte gerade durch den Weggang von Paul Pierce und Shaun Livingston noch mal die Kurve kriegen, denn der einstige Elite-Point Guard wird den Ball viel öfter in den Händen haben, im Playmaking gefordert sein und als Scorer in Erscheinung treten. Nichtsdestoweniger haben die Nets aufgrund der fehlenden Draftpicks und alternden Stars natürlich langfristig keine rosigen Aussichten - viel wird bei den Nets über die Free Agency laufen und ob sich Mikhail Prokhorov zumindest in zehn Jahren den Traum von einer Meisterschaft erfüllen kann, darf ohne echten konstanten Franchise-Spieler stark bezweifelt werden. 

Chef-Orakel
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Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch