24 Oktober 2014

23. Oktober, 2014   |  Daniel Schlechtriem  @w14pick


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Basketball geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
56-26, Aus in den Conference Finals

Plus
Rodney Stuckey, C.J. Miles, Chris Singleton, Damjan Rudez

Minus
Lance Stephenson, Rasual Butler, Evan Turner

Was ist Neu?
Nicht neu, aber anhaltend: Der offensichtliche Voodoo-Fluch, der über den Pacers hängt, seitdem sie im Februar Danny Granger wegschickten. Damals standen sie bei 41-13 und galten schon als sicherer Sieger der Eastern Conference. Danach: Nur noch Mittelmaß (15-13). Playoffs: Erneutes Aus gegen die Heat. Free Agency: Stephenson folgt dem Ruf des Geldes nach Charlotte. Sommer: Paul George bricht sich das Bein, wird die komplette Saison aussetzen. – Kurzum: Der einstige Titelkandidat ist keiner mehr, zurück bleibt nur ein Häufchen Asche des über lange Strecken besten Teams der vergangenen Saison. Indiana kann in der bevorstehende Saison höchstens Schadensbegrenzung betreiben, die Neuen sind nicht mehr als Kosmetik.

Beste Addition
Rodney Stuckey... Ein Großteil der geringen Hoffnungen beruhen auf dem Neuzugang aus Detroit, der dort als Bankspieler stets solide Zahlen auflegte (Karrierewerte: 13,9 PTS, 2,2 REB, 2,9 AST), mehr aber auch nicht. Der Combo Guard erhält in Indiana die Chance seines Lebens, denn große Teile des Offensivspiels werden auf ihn zugeschnitten sein. Stuckey erhält mehr Würfe denn je, dafür aber auch die besten Wing Defender des anderen Teams gegen sich. Ob er in der Lage ist, das in Indianapolis so dringend benötigte Scoring zu liefern, entscheidet letztlich (mit) die Frage, ob die Pacers eine vorab schon ruinierte Spielzeit noch halbwegs retten, oder ob diese sich zum totalen Desaster entwickelt.

Rising Star
Paul George... Es ist doppelt und dreifach verheerend, dass sich Indianas bester Spieler auf solch niederschmetternde Art und Weist verletzte. Zum einen, weil den Pacers dadurch ein Großteil ihrer offensiven Durchschlagskraft abhanden kommt. George ist nicht Kevin Durant, aber der Satz auf 21,7 Punkte pro Abend und mitten hinein ins MVP-Rennen illustrierte deutlich, wie gut der erst 24-Jährige geworden war. Es wird eine der entscheidenden Fragen für die Zukunft dieses Klubs: wie gesund kehrt ihr Franchise-Spieler im Sommer (oder mit viel Glück noch vor Ende der Saison) auf's Parkett zurück?

Falling Fast
Luis Scola... Es gab mal Zeiten, da war Scola einer der gefürchtetsten Stretch-Bigs der NBA. Körperlich robust und beschlagen am Zonenrand, mit der Fähigkeit, auch aus der Mitteldistanz konstant gut zu treffen. Der Wechsel vom Starter zum Bankspieler tat dem Gaucho aber gar nicht gut. Karrieretiefstwerte bei den Punkten, Rebounds, Assists, Minuten, Feldkörben und Freiwurfversuchen machten deutlich: der bald 34-Jährige hat seine besten Basketballtage hinter sich - auch wenn man eigentlich dachte, dass einer wie er in Würde altern würde. 

Good News
+ Indiana wird weiterhin eine der besten Verteidigungen stellen. Hibbert und West  sind trotz aller Vorbehalte eine Naturgewalt in der Zone. Auf den großen Positionen ist auch die Bank mit Scola, Mahinmi und Allen ordentlich besetzt.
+ Larry Bird im Front Office, Frank Vogel auf der Trainerbank: Die Pacers haben immer noch hohe Qualität in den exekutiven Positionen, der Coach verlängerte kürzlich seinen Vertrag um mehrere Jahre.
+ Paul George kann wieder eigenständig laufen und sogar ein bisschen werfen. Bessere Nachrichten wird es für Indiana nicht geben, zumindest nicht im Verlauf der bevorstehenden Spielzeit.

Bad News
- Der Teamname wird zur Farce, denn er drückt genau das aus, was Indiana in der anstehenden Spielzeit nicht haben wird: Geschwindigkeit, Aufregung, Spektakel. Viele Spiele der Pacers werden aufgrund des Schneckentempos und der wenigen Punkte kaum zu ertragen sein.
- Die Spielmacherposition war vergangene Saison der größten Makel der Pacers: Ligaweit der drittschlechteste Wert in Team Assists, o.g.  Hill holte als Starter auf der Eins mehr Rebounds als Assists. Ein echter Aufbau, der für Überraschungsmomente sorgt und die Mitspieler in Szene setzen kann, ist auch Stuckey nicht. Variable Offensive, überraschende Spielzüge? Nicht in Indianapolis!
- Die Bank gehörte schon letzte Saison zu den unproduktivsten und hat sich tendenziell sogar verschlechtert.

Man on the Spot
Roy Hibbert... Stephenson weg, George rekonvaleszent, West alt. Die Pacers sind Hibberts Team und dieser Umstand bringt das Dilemma schon auf den Punkt. Der 2,18m große Center legte eine desaströse Postseason hin, verschlechterte sich nicht nur im Vergleich zur Regular Season in allen relevanten Werten, sondern wirkte auf dem Parkett gehemmt, deplatziert, verloren, als hätte er sein Talent wie im Oscar-verdächtigen Michael Jordan-Klassiker Space Jam verloren – oder noch schlimmer, mit Hasheem Thabeet getauscht. Hibbert, nun mit 27 Jahren im besten Basketballalter, muss diese Phase komplett hinter sich lassen und zurück zu alter Stärke finden. Offensive Vielseitigkeit darf man dabei zwar nicht erwarten, dazu wird es nie kommen. Gibt er aber seinen Teamkollegen allein dadurch Sicherheit, dass er wieder zum Defensivanker wird, der er letztes Jahr lange Zeit war (2,2 BPG), bildet er zumindest das wichtige Fundament, um die Pacers in der Spielzeit 2015-16 wieder relevant werden zu lassen.

KGDCG
Luis Scola... Siehe oben. Früher war es noch in Ordnung, wenn Luis Alberto Scola Valboa seine ungewaschene Buenos Aires'sche Matte dem Gegner beim Aufposten ins Gesicht drosch. Er hatte Game, räumte in Europa alles ab und stürmte auch in der NBA ins All-Rookie Teeam. Heute wirken solche Szenen angesichts seines verfaulenden Skillsets bei konstant hohen Bezügen nur noch wie blanker Slapstick. Wenn du einen Trade verlierst, obwohl du Gerald Green abgegeben hast...

Stat-Salat
Nur 45,9% FG des Gegners bei Versuchen in Ringnähe ließen die Pacers zu, ligaweit mit Abstand der beste Wert. Hibbert und Mahinmi glänzen beide bei der Rim Protection. Die Probleme liegen woanders.

Was fehlt?
Schlichtweg spielerische Qualität. Abgänge bzw. Verletzungen vom Kaliber George/Stephenson lassen sich nicht einfach ersetzen und mit den Namen, die Larry Bird gerade noch so an Land zog, sowieso nicht. Die Pacers werden eines der offensiv impotentesten Teams der Liga stellen, während sich in der Wing Defense aufgrund besagter Personalien Lücken auftun. Der Bestwert bezüglich der gegnerischen Trefferquote wird nicht zu halten sein, ebenso wie die sehr gute Quote an gegnerischen Dreiern (vergangene Saison nur 34,5% zugelassen).

Check 1,2
From Hero to Zero. Das Championship-Fenster war weit offen, hat sich aber schlagartig geschlossen. Erwarten darf der Basketball-Staat Indiana kaum etwas, insbesondere angesichts des erstarkten Ostens. Kritiker zweifeln sogar an der Playoff-Tauglichkeit der Pacers und tatsächlich scheinen die ersten fünf bis sechs Plätze im Osten ohne ihre Beteiligung fest vergeben zu sein. Dennoch sind die Veteranen, allen voran David West, viel zu stolz, um nicht für einen der letzten Plätze die Knochen hinzuhalten und mit der zerberstenden Interior Defense ein schlagkräftiger Herausforderer an die Top Teams zu sein, dem diese in der ersten Runde nur zu gerne aus dem Weg gehen möchten. 

Sollte Bird allerdings den totalen Reset-Knopf drücken und West oder sogar Hibbert wegschicken, um auf eine anständige Chance im Draft 2015 zu schielen, darf man die Pacers getrost aus dem prognostizierten Rennen um die besten Acht im Osten entfernen. In Gedanken sind sie ohnehin schon im Sommer 2015.

Chef-Orakel
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Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch