28 Oktober 2014

28. Oktober, 2014   |  Daniel Schlechtriem  @w14pick


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Gewürge geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
54-28, Playoff-Runde eins

Plus
Trevor Ariza, Jason Terry, Kostas Papanikolaou, Clint Capela, Nick Johnson, Joey Dorsey, Jeff Adrien, Ish Smith

Minus
Chandler Parsons, Ömer Asik, Jeremy Lin, Jordan Hamilton, Omri Casspi

Was ist Neu?
Die Off-Season verlief ähnlich frustrierend wie der Playoff-Run. Dass Asik und der über zwei Jahre durchweg enttäuschende Lin kein Teil des Teams mehr sein werden, war absehbar. Der Verlust von Chandler Parsons hingegen stand so nicht im Langzeitplan. Im Kader der Rockets wird also weiter fleißig 'Bäumchen wechsel dich' gespielt, wobei Rockets GM Morey dieses Mal auf bereits bekanntes Spielermaterial zurückgreift: Ariza (s.u.), Dorsey, Adrien und Smith waren allesamt bereits einmal im Aufgebot. Frischer Wind kommt außerdem über den Atlantik. In Papanikolaou und Capela sind zwei der talentiertesten Europäer neu in Südosttexas. Vor allem letzterer wird aber noch einige Zeit benötigen und mindestens bis zum Frühjahr in der D-League verweilen. 

Beste Addition
Trevor Ariza... Einer der besten Wing Defender der Liga kehrt zurück und nimmt den Platz von Chandler Parsons ein, weil der Erzfeind aus Dallas jenen völlig unverhältnismäßig überbezahlte. Während seines ersten Anlaufs in Rot musste Ariza aufgrund der Ausfälle von Yao und McGrady Teile des Offensivspiels übernehmen, sogar entscheidende Würfe nehmen. Diese Last ist ihm im gegenwärtigen Team genommen, sodass er sich auf seine eigentlichen Qualitäten fokussieren kann: Ariza ist im Vergleich zu seinem Vorgänger ein deutlich besserer Verteidiger, auch als Schütze von Downtown legt er wesentlich freundlichere Zahlen auf. Mit seiner Athletik passt der 30-jährige außerdem ebenso gut ins schnelle, oftmals direkte Spiel der Rockets. Der zweite Anlauf steht also unter einem besseren Stern, zumal Ariza und Harden einander noch aus Zeiten des High School Basketballs der Region Los Angeles kennen und der Neuzugang seit dem letzten Stelldichein als Spieler und Mensch gewachsen ist.

Rising Star
Terrence Jones... Infolge des gescheiterten Experiments, Dwight Howard und Ömer Asik zusammen in die Zone zu stellen, erhielt T-Jones letzten November die Beförderung in die Startformation. Dass er LaMarcus Aldridge in den Playoffs nicht zu stoppen vermochte und folgerichtig im Verlauf der Serie wieder zurück auf die Bank beordert wurde, vernebelt das eigentlich glänzende Sophomore-Jahr des 22-jährigen (12,1 PPG, 6,9 RPG, 1,3 BPG) – vor allem da Jones noch in seiner Rookie-Saison selten bis nie aufs Feld durfte. Sofern es ihm gelingt, seine offensive Vielseitigkeit nachdrücklicher einzusetzen sowie insbesondere den Distanzwurf zu verbessern (letzte Saison: 30,7% 3P), hat Houston womöglich einen Geheimfavoriten auf den Award des Most Improved Players in seinen Reihen.

Falling Fast
Jason Terry... Der inzwischen 37-jährige Ex-Maverick legte eine desaströse letzte Spielzeit in Brooklyn hin, weswegen er nach Sacramento getradet wurde, für die Kings aber verletzungsbedingt nicht ein Spiel absolvierte und diese sogar zwei Second Rounder springen ließen, um den JET wieder loszuwerden. Coach McHale erhofft sich von seinem neuen Combo Guard in erster Linie Führung für die vielen jungen Guards. Ob Terry selbst je wieder auf dem Parkett relevant respektive überhaupt lange im Trikot der Rockets vertreten sein wird, darf derweil bezweifelt werden.

Good News
+ Parsons' Abgang wurde aufgefangen und in Ariza, Beverley und Howard haben die Rockets nun drei sehr gute Verteidiger im Startaufgebot. Vielleicht ist Ariza sogar ein passenderes Komplement zu Harden.
+ Morey hat einige Puzzlestücke beisammen, um einen größeren Trade einzufädeln. Aufgrund der Flexibilität der Verträge wird er auch im nächsten Sommer einen Versuch wagen, den ersehnten dritten Star an die Seite von Howard und Harden zu stellen.
+ Neben Jones darf von den weiteren Youngstern (Motiejunas, Beverley, Canaan) Fortschritte  erwartet werden, auch das rohe Talent scheint vielversprechend: Troy Daniels versenkt Dreier am Fließband, Papanikolaou wird dem direkten Sprung in die NBA gewachsen sein, Nick Johnson hinterließ in der Summer League einen starken Eindruck. Auf das Auge für Talente ist in Houston Verlass.

Bad News
-  Coach McHale gilt weiterhin als einer der schlechtesten Coaches der Liga, der vor allem nicht oder zu spät auf taktische Kniffe des Gegenübers reagiert. Wenigstens erhält er Unterstützung von keinem geringeren als Hakeem Olajuwon, um die Talente voran zu bringen, außerdem einen neuen Defensivkoordinator in T.R. Dunn (eh. Minnesota, war unter Rick Adelman bereits in dieser Funktion in Houston tätig).
- Offensichtliche Schwächen wie die Rebound-Rate der Gegner (11,9 OPP OREB; drittschlechtester Ligawert) und die Turnover-Rate (15,9% per Posession; zweitschlechtester Ligawert / 8,5 OPP SPG; drittschlechtester Ligawert) werden trotz (oder wegen) der vielen personellen Wechsel kaum behoben werden.
- Die Kadertiefe ist ähnlich überschaubar wie im Vorjahr (Bank Efficiency Rating 29,4, fünftschlechtester Ligawert). Besonders auf den großen Positionen und im Spielaufbau klaffen enorme Lücken, Verletzungen sind kaum aufzufangen. 

Men on the Spot
James Harden/Dwight Howard... Houston wollte einen dritten Star. Parsons sah sich als diesen, sah sich darin aber ebenso getäuscht und zog beleidigt in die Arme von Mark Cuban ab. Doch macht das vorhandene Duo seine Sache bisher nicht so schlecht: Howard zeigte in den Playoffs (26,0 PKT, 13,9 REB, 2,8 BLK) sein Gesicht aus besseren Tagen und war in der Serie gegen Portland mit Abstand der beste Spieler in Rot. Harden hingegen spielte eine für seine Verhältnisse schwache Postseason, startet die neue Saison aber mit dem Erfolgserlebnis der WM in Spanien, in der er das siegreiche US-Team als Kapitän anführte.

KGDCG
Kevin McHale: Nicht wenige glauben, dass es nach den Abgängen von Parsons, Lin und Asik für die Raketen eng werden könnte mit den Playoffs. Für die Spekulationen des Rockets Front Office' kann McHale reichlich wenig. Reichlich viel kann er allerdings dafür, dass sein Team kein defensives Konzept whatsover hat und auch offensiv nichts als bärtige Isolationen, Drive-and-Kicks und gelegentliche, schwierig mit anzusehende Dwight Howard Post Ups läuft. Und dennoch hat er sich nach dem Ausscheiden in der 1. Runde der Playoffs auf irgendeine Weise am Trainerposten festgeklammert. Ein solcher Einsatz wird hier bei uns nicht ignoriert. Genieße es solange es noch anhält, Kevin.

Stat-Salat
Nur 5,7% ihrer Punkte erzielten die Rockets aus der Mitteldistanz. Damit wurde der eigene Rekordwert aus der Saison 2012-13 (8.3%) nochmals deutlich unterboten.

Was fehlt?
Kontinuität. Die Schwächen ließen sich in den Griff kriegen, stünde ein Team auf dem Parkett, dem die Gelegenheit gegeben würde, über Jahre zusammenzuwachsen und Automatismen zu entwickeln. Nachbessern wird Morey auf der Spielmacherposition. Beverley ist zwar sehr geschätzt, hat jedoch Mängel in den klassischen Point Guard Fähigkeiten (Pass, Court Vision). Zudem führt sein giftiger Spielstil immer wieder zu kleineren oder größeren Verletzungen. Dass die Rockets auf der Eins lediglich mit ihm, den unerprobten Canaan und Johnson sowie Haudegen Terry ins Frühjahr gehen, erscheint unwahrscheinlich, wenn nicht sogar undenkbar.

Check 1,2
Das Spiel der Rockets wird sich nicht maßgeblich ändern: Viel Tempo, Athletik und Energie, viele Dreier, wenig Mid-Range, viel Iso über Harden und Howard, spätestens in der Crunch Time Small Ball mit Howard und vier Shootern, womöglich Ariza als verkapptem Power Forward.

Auf den ersten Blick mögen die Rockets aufgrund der namhaften Abgänge einen Rückschritt gemacht haben. Jedoch: Lin ist sportlich mehr als ersetzbar, Asik stand in der Regular Season gerade mal in 48 Spielen auf dem Parkett, Ariza ist, wie erwähnt, womöglich ein passenderes Pendant als Parsons, die Bank war schon vergangenes Jahr eher bescheiden – und dennoch erreichten die Rockets im schwierigen Westen 54 Siege, schafften sogar einen astreinen 4-0 Sweep gegen den späteren Champion aus San Antonio. Mit Houston wird im Kampf um Heimvorteil im Westen also wieder zu rechnen sein.

Chef-Orakel
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Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch