27 Oktober 2014

27. Oktober, 2014   |  Philipp Rück  @76ersDrJ


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Gewürge geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los  - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
19-63, keine Playoffs

Plus
Joel Embiid, KJ McDaniels, Jerami Grant, Alexey Shved, Luc Richard Mbah a Moute, Nerlens Noel, Chris Johnson

Minus
Thaddeus Young, James Anderson, Byron Mullens

Was ist Neu?
Ein Jahr nach den massiven Umwälzungen sowohl im Front Office als auch auf der Trainerbank und dem Parkett passierte heuer nicht viel. Nerlens Noel wird sein heiß ersehntes Debut geben, ebenso darf man einiges von den potentiellen Draft-Steals KJ McDaniels und Jerami Grant erwarten. Darüber hinaus wurde Rookie des Jahres 2014 Michael Carter-Williams im Mai an der Schulter operiert und könnte sogar bis Februar ausfallen. Zudem wurde im Zuge des Kevin Love-Deals der einzige gestandene Profi Thaddeus Young für Mbah a Moute, Shved und einen First Rounder an Minnesota abgegeben. Aufgefüllt wurde das Roster mit einem Haufen JAGs (Just Another Guy), die um ihr Dasein im Profibasketball Nordamerikas spielen werden.

Beste Addition
KJ McDaniels... Da man per Free Agency nicht einen einzigen Spieler verpflichtete, rückt hier ein Draftee in den Fokus. McDaniels war im vergangenen Jahr trotz seiner Position als Wing Verteidiger des Jahres der ACC mit über 2 Blks/Game. Er ist schnell, athletisch und hat einen mehr soliden Wurf von außen. Ursprünglich sahen ihn die meisten Experten als Top 15-Talent an. Da er das zudem selbst so sah, war er über seine 32. Draftposition sehr enttäuscht und unterschrieb einen riskanten, ungarantierten Einjahresvertrag. Deshalb ist davon auszugehen, dass er direkt viel spielen wird und viel zeigen wird müssen, damit er nicht alsbald unter der Brücke schlafen muss. Seine Verteidigung, die vermutlich sogar besser als die von Top-Pick Andrew Wiggins sein wird, wird ihm dabei helfen.

Rising Star
Tony Wroten Jr. ... Aufgrund des massiven Qualitätsmangels im Kader muss auch hier geschummelt werden. Wroten ist ein interessanter Spieler. Er ist pfeilschnell und mit einem fantastischen ersten Schritt ausgestattet und bewegt sich sehr geschmeidig auf dem Weg zum Korb. Dabei ist er unheimlich kreativ und erzielte im vergangenen Jahr die neuntmeisten Punkte nach Drives, obwohl er weniger Minuten spielte als die vor ihm positionierten. Gerüchten zufolge soll er seit dem letzten Saisonspiel bis zum Beginn des Trainings Camps unheimlich hart gearbeitet haben. Man darf auch hier gespannt sein, wie sich sein Spiel verbessert hat.

Falling Fast
Michael Carter-Williams... Ja, er ist der amtierende Rookie des Jahres und im letzten Jahr fast der einzige Spieler gewesen, bei dem man sich als Sixers-Fan beim Zuschauen nicht hätte die Augen auskratzen wollen. Aber er ist bereits als Sophomore schon 23 Jahre alt und sein Wurf bedarf massiver Verbesserungsarbeit. Zweitens: gerade die erste Offseason als Profi ist immens wichtig und führt oftmals in der Saison zu einem großen Sprung. Aber „MCW“ konnte diese Zeit aufgrund der Schulter-OP überhaupt nicht nutzen. Sein Upside scheint aktuell sehr begrenzt.

Good News
+ Joel Embiids Twitter Feed ist jetzt schon einer der besten aller NBA-Spieler, obwohl er erst seit Juli offiziell ein Profi ist. 
+ Die erneut extrem hohe Pace wird vielen Gegnern, insbesondere bei Back-2-Backs, schwer zu schaffen machen und so zu ein paar Siegen führen, sofern man nicht bereits vor dem 4. Viertel total abgeschossen wurde.
+ Nerlens Noels Flat Top.

Bad News
- Das Team ist jünger und schlechter als im vergangenen Jahr, als man bereits das schlechteste Team war. Es wird also noch mehr Blowouts geben.
- MCW: verletzt, Noel: gerade erst den Kreuzbandriss auskuriert, Embiid: verletzt. Die drei größten Talente haben bereits jetzt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, wodurch die projizierte „rosige“ Zukunft vielleicht doch eher auf Krankenhausliegen gebettet ist.

Man on the Spot
Nerlens Noel... Eigentlich passt in diese Kategorie niemand aus der Franchise. Da man keinen Leistungsdruck verspürt, kann nahezu jeder Trainer/Spieler ruhig und ohne große Anspannung arbeiten. Am wenigsten trifft dies noch auf Nerlens Noel zu. Der defensiv höchst talentierte Big Man kam vor einem Jahr für einen recht teuren Preis in die Stadt der brüderlichen Liebe. Er durfte seinen Kreuzbandriss in aller Seelenruhe auskurieren und nebenbei noch in Privatsessions an seinem Wurf arbeiten. Die Verantwortlichen wollen jetzt aber zumindest in seinem Rookie-Jahr sehen, dass sich die Investition gelohnt hat und sich die hohen Erwartungen andeuten.

KGDCG
Jason Richardson... Ja, ich kann auch kaum glauben, dass in Philadelphia irgend jemand 6 Mio. Dollar für’s Basketball spielen bekommt. Ob das nun normaler Lohn oder Schmerzensgeld ist, darf jeder selbst beurteilen.

Stat-Salat
30497 Regular Season Minuten haben alle Sixers-Spieler ohne Jason Richardson (28852 Minuten) zusammengenommen in ihrer Karriere auf dem NBA-Parkett gestanden. Zum Vergleich: Ein NBA-Roster kommt pro Saison in etwa auf 19840 Minuten. Ein Kader mit im Durchschnitt 1,5 Jahren Erfahrung...

Was fehlt?
Fast alles. Qualität, Talent, richtige NBA-Spieler. Zumindest fehlt all dies, wenn man die Ambition hätte, Siege in der Association einzufahren. Aber in der Stadt der Freiheitsglocke soll der Rebuild weiter durchgezogen werden. Gedanken an elementare Kaderergänzungen wird Hinkie erst in 2, 3 Jahren verschwenden, wenn der Anspruch ein anderer ist.

Check 1,2
Die zwei wichtigsten Schlagwörter, die die Situation und den Prozess der Sixers am besten beschreiben, sind Geduld und Entwicklung. Nicht das Verlieren ist das primäre Ziel von Sam Hinkie, sondern vielmehr strebt er an, dass man junge Spieler integriert, testet und entwickelt. So hat man aus der letzten Saison beispielsweise Wing Hollis Thompson (undrafted Rookie) eine Chance gegeben, der nun in Philly eine langfristige Zukunft als 3-and-D-Spieler (2014: beste 3er-% aller Rookies) haben kann. Außerdem gibt man den eigenen Frischlingen viel Spielzeit, um sie Fehler machen zu lassen, aus denen sie schnell lernen. Es gibt für Talente wohl aktuell keinen besseren Ort, um sich zu entwickeln als in diesem Team unter diesem Coaching Staff.

Darüber hinaus geht es in Philly darum, eine Kultur zu etablieren, die sich nicht nur auf dem Basketballcourt manifestiert. Seit Brown und Hinkie am Steuer sitzen, finden so zum Beispiel regelmäßig Aktivitäten statt, die nichts mit dem Spalding zu tun haben. Ganz nach dem Vorbild in San Antonio ist Basketball viel mehr, als nur das Leder im Korb zu versenken.

Sportlich ist es natürlich schwierig, bei dieser Qualität bestimmte Systeme zu implementieren. Aber Browns Ankündigung, vom veralteten Collins-Basketball weg zu kommen, wurde Folge geleistet. Die eingekehrte Modernität im Spiel erkennt man u.a. daran, dass man letztes Jahr nach Houston die wenigsten langen 2er nahm. Unter Collins gehörte man immer zu den Top 5! Ferner attackierte kein Team öfter den Korb als Philly (29,3 Drives/game). Daran und an dem Wachstum der Kultur und der Entwicklung der Spieler wird weiterhin festgehalten.

Chef-Orakel
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Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch