26 Oktober 2014

26. Oktober, 2014   |  Jan Wiesinger  @WiesiG


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Gewürge geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los  - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
40-42, Keine Playoffs

Plus
Andrew Wiggins, Anthony Bennett, Thaddeus Young, Mo Williams, Zach LaVine, Glen Robinson III, Brady Heslip, Flip Saunders (Head Coach)

Minus
Kevin Love, Luc Richard Mbah a Moute,, Alexey Shved, Othyus Jeffers, Rick Adelman (Head Coach)

Was ist Neu?
Die Hoffnung. Nach über zehn Jahren ohne Playoffs keimt im Schnee Minnesotas die Hoffnung auf bessere Zeiten. Den Wünschen Kevin Loves, der seinen eigenen Trade zuletzt gefühlt wöchentlich gefordert hatte, wurde entsprochen und der Allstar wurde nach Cleveland verschifft. Dafür erhielten die Timberwolves einen ganzen Pool neuer Spieler, inclusive Andrew Wiggins und Anthony Bennett, der beiden #1-Picks der letzten zwei Jahre.

Dazu gesellen sich die soliden Thaddeus Young und Mo Williams und der frisch gedrafte Musterathlet Zach LaVine. Da die Wolves auch mit Love nie die Playoffs erreicht haben, könnte die neue Tiefe und Breite des Kaders zumindest langfristig eine Perspektive auf die Postseason eröffnen. Neu-Alt-Coach Flip Saunders war immerhin der letzte Trainer in Minnesota, der die Playoffs erreicht hat. 

Beste Addition
Andrew Wiggins... Ein Junge, der in einem der hochgelobtesten Draft-Jahrgänge an erster Stelle gezogen wird, muss einschlagen. Wiggins bekommt in Minnesota nicht nur die Zeit sich zu entwickeln, sondern auch die Wertschätzung, die man ihm in Cleveland aufgrund inflationärer No1-Picks niemals entgegengebracht hätte - Der junge Shooting Guard aus Kanada wird die Fans in Minnesota den dunklen Winter der Post-Love-Ära schnell vergessen machen.

Rising Star
Ricky Rubio... Rubio am Scheideweg. Der junge Spanier, dessen spielgestalterische Fähigkeiten über jeden Zweifel erhaben sind, findet seinen Wurf in der NBA einfach nicht. Nach der Saison geht es für den Point Guard um einen neuen Vertrag, und so wird es an ihm sein, die GM-Gilde der Liga davon zu überzeugen, ihm einen Max-Contract zu verpassen. Hierzu dürfte Rubio mindestens einen konsistenten Dreier auf Durchschnittsniveau benötigen, der ihn dann aber auch schlagartig in die All-Star-Debatte katapultieren dürfte.

Falling Fast
Kevin Martin... Martin bekam in den vergangen Jahren nach seiner Ankunft aus OKC hinter Love stets die meisten Würfe und erwies sich als zuverlässiger Scorer. Mit Wiggins kommt ein Spieler, der Martin zumindest auf lange Sicht auf die Bank verdrängen dürfte, die ohnehin schon mit einer Fülle von Optionen auf den Positionen 2+3 besetzt ist. Martin dürfte auch bei anderem Teams Begehrlichkeiten wecken, sodass ein Trade um Martin als Bank-Mikrowelle zu holen, nicht unwahrscheinlich sein dürfte. 

Good News
+ Minnesota ist für die Zukunft gerüstet. Im Gegensatz zu manch anderem Team stehen sie nach dem Abgang ihres Superstars keinesfalls mit leeren Händen dar, sondern haben den ganzen Kartoffelkeller voll mit Potenzial.
+ Zeit. Zeit ist relativ: Ob jetzt noch ein oder drei Jahre ohne Playoffs in Minnesota vergehen. Bei dieser langen Abstinenz kommt es auf den kurzfristigen Erfolg überhaupt nicht an, sodass Spieler und Coach genug Zeit zur Entfaltung bekommen werden.
+ Alle Positionen sind doppelt und dreifach besetzt. Saunders kann seine jungen Spieler dosiert reinschmeissen und ihnen Spielzeit zur Verfügung stellen.

Bad News
- Alle Positionen sind doppelt und dreifach besetzt. Es gilt, eine abgestimmte Rotation zu entwickeln und dem Team eine Identität einzuimpfen.
- Der Kader ist keinesfalls fertig. Zu unförmig, zu beliebig wirkt die Zusammenstellung. Trades sind notwendig und machen viele Prognosen bis dahin hinfällig.
- NBA-Spiele auf 52 Minuten verlängern? Woher soll Flip Saunders die Spielzeit nehmen, um all seinen jungen Spielern genügend Spielzeit zur Entwicklung zu geben, ohne dabei die etablierten Spieler zu verärgern/ zu verramschen? 

Man on the Spot
Flip Saunders... Wer wäre besser dafür geeignet, diesem hoffnungsvollen, aber unförmigen Kader Struktur zu verleihen, als der mit den Kompetenzen eines Sonnenkönigs ausgestattete Flip Saunders? Saunders weiß, wie Playoffs in Minnesota gehen und er kann sein Team mit diesem Ziel langfristig ausrichten und formen. Dabei wird es nicht nur darauf hinauslaufen, eine passende Rotation zu finden, sondern auch eventuelle Tradechips wie Martin, Budinger, Brewer, Young oder Pekovic mit Gegenwert zu veräußern. Zudem muss der Coach darauf achten, nicht zu sehr in alte Muster zu verfallen und die ein oder andere Niederlage mehr zwecks einer langfristigen Entwicklung in Kauf nehmen.

KGDCG
Anthony Bennett... Noch ist nicht rum. Aber bei mehr als fünf Mille im Jahr wird's höchste Zeit für den Neu-Wolf. Die Geier kreisen schon längst. Wenn der erste Eindruck dermaßen Scheisse ist, hast du's halt doppelt schwer. Schwer wie ein zu groß geratener... ihr versteht schon...

Stat-Salat
Mit 3,1 Punkten über dem Ligadurchschnitt (9. Platz) lagen die Wolves im Simple Rating System, welches die durchschnittliche Punktedifferenz und die Stärke des Gegners miteinbezieht, klar auf Playoffskurs. Die falsche Conference und das Unvermögen, enge Spiele zu gewinnen, standen ihnen im Weg.

Was fehlt?
Klare Ansagen und Druck. Strukturell gleicht der Kader der Timberwolves einer Marmelade ohne Fruchtfleisch. Bis auf Rubio dürfte kein Spieler in der Starting Five bis zum Saisonende gesetzt sein. Mit frischen Rookies wie Wiggins, LaVine und Robinson, aber auch talentierten Sophomores wie Dieng, Muhammad und Bennett, drängen zudem einige Spieler auf die Positionen der letztjährigen Starter Martin, Brewer und Pekovic. 

Check 1,2
Bilanzmäßig wird die neue Saison sicherlich ein Rückschritt gegenüber der letztjährigen werden, als man die Playoffs nur knapp verpasste. Der Schwelbrand namens Kevin Love konnte gelöscht werden und in Minnesota steht jetzt ein junger, athletischer Kern bereit, welchen es nun zu formen gilt. Für einen Platz in den Top-8 des Westens in den nächsten Jahren benötigt der Kader noch einige Modifikationen durch Trades oder neue Draft-Picks. 

Mit Bennett, Wiggins, LaVine, Dieng, Muhammad und auch Rubio stecken noch sechs Spieler in ihren Rookie-Verträgen. Man wird dem Team mindestens noch die nächste Saison als Entwicklungsmöglichkeit zur Verfügung stellen und Coach Saunders wird eine Möglichkeit finden, seinen jungen Spielern ausreichend Zeit auf dem Parkett zu verschaffen.

Dieses Team braucht in erster Linie Zeit, um die vielen noch offenen Fragen zu klären: Kann Andrew Wiggins auch offensiv ein Superstar in der NBA werden oder wird er lediglich zu einem Edel-Verteidiger heranreifen? Kann Anthony Bennett ein passabler NBA-Spieler sein oder wird er sich in eine Linie mit den Kwame Browns und Michael Olowokandis dieser Welt einreihen? Ist Ricky Rubio ein Anführer und wird er der Superstar dieses Teams werden? Kann Flip Saunders Zach LaVine gar womöglich doch noch von den Vorzügen Minnesota überzeugen? 

Minnesota befindet sich in einem Übergangsjahr und die Auswirkungen des Love-Trades wird man erst nach der Saison richtig bewerten können. Bis die Probleme hinsichtlich der Kaderzusammenstellung gelöst sind, dürfte man bei Spielen der Timberwolves auf jeden Fall eine Vielzahl hungriger Talente und eine interessante Rotation geliefert bekommen. Wer hier allerdings mit einer Playoffteilnahme kokettiert, wird maßlos enttäuscht werden.

Chef-Orakel
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Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch