12 November 2014

12. November, 2014   |  Anno Haak @kemperboyd


Es ist vollbracht. 24.539 mal probiert. 13.418 mal ist nichts passiert. Also nichts außer dem scheppernden Geräusch, das das meist orangefarbene Gerät, das wir in geometrischer Verkürzung "Ring" nennen, bei Ballkontakt von sich gibt. Oder nichts außer dem Luftzug über dem Kopf des Centers bei einem Airball. 13.418 Fehlwürfe seit 1996. Kobe Bryant, ladies and gentlemen. Wer ist nochmal dieser John Havlicek? Ein weiterer Rekord auf der Checkliste des Kobe Bean. Seit seinem Karrierestart hätte Kobe jeden Tag zwei mal werfen können, ohne einen einzigen Punkt zu erzielen. Im Sommer. An Neujahr. An Heiligabend. Jeden Tag. 13.418 vergebene Würfe. Eine unvorstellbare Zahl.

Here comes the hate again...
Der Hass kommt wie bestellt. Kein Wunder. Der vermeintlich größte Egozocker im modernen Basketball und diese Statistik passen wie gold und lila. "There is no 'I' in 'team'" stand bei Kobe ohnehin auf der schwarzen Liste. Kobe ist immer ein Egozentriker gewesen. Kobe hat nie verstanden, worum es im Basketball geht. Und komm mir nicht mit schlechten Mannschaftskameraden. Selbst schuld ist er daran mit seinem Irrsinnsvertrag. Ja, wahrscheinlich hat er nur so viel Geld genommen, um eine Ausrede zu haben, ungehemmt draufloszuballern.


Und so talentbefreit sind Lin und Boozer ja im Übrigen auch nicht. Und spätestens hier verliert mich der Kobe-hate-bandwagon. Na ja, eigentlich war ich erst gar nicht eingestiegen.

Mal vorne angefangen: Bryant ist in seinem 19. Profijahr. Havlicek hat nur 16 gespielt. Jordan sogar nur 14. Bryant hat im Übrigen auch 11.121 mal genetzt. Was irgendwie logisch ist. Denn wer zwei Mal am Tag wirft, ohne zu treffen, kommt gar nicht auf 20 Jahre in der besten Liga der Welt. Was haben wir Don Nelson für 1.335 Siege abgefeiert. Wie sympathisch dieser Lenny Wilkens zu nur drei Siegen weniger coachte. Aber gab es ein ESPN-Video bei der 1.000 Niederlage? Mehr als zwölfeinhalb Saisons haben Wilkens und Nelson im statistischen Durschschnitt hindurch verloren, pausenlos. 12 Saisons lang 0:82. Wo ist da der Hass?

"Shooting Guard. 19. Jahr in der Liga!"
Joa. Catchy phrase. Ganz so einfach wie Bryant selbst sollte man es sich vielleicht nicht machen. Nächster Schritt also: Quote. 45,3 FG% über die Karriere sind vielleicht nicht "Josh Smith", lassen die Effizienzpäpste aber auch nicht gerade die Soutane lüften. Vor allem, wenn der Mensch gewordene Maßstab (Wizards-verzerrte) 49,7 % aufzubieten hat und die Zahl aus Zeiten stammt, als noch nicht jedes Anpusten einen Foulpfiff nach sich zog. Aber schon ORtg (Jordan: 118 / Bryant: 111) und Usage Rate (Jordan: 33,3 % / Bryant 31,8 %) und erst recht TS% (Jordan: 56,9 % / Bryant: 55,5 %) rechtfertigen das Geplärre vom unbelehrbaren Egozentriker nicht. Zumal wir hier vom Vergleich mit dem unbestritten Größten aller Zeiten reden. Der gerade von Bryant eingeholte Havlicek nagelte übrigens 49,2 TS% in die Karrierestatistikbögen.


Dass das klar ist: Bryant ist nicht einmal berechtigt, die Füße von Jordans Thron zu polieren. Aber ich erinnere mich nicht, dass man bei MJs 10.000. Fehlwurf einen solchen Mäusezirkus veranstaltet hätte. Der wäre auch nicht berechtigt gewesen. Er passt bei Bryant aber ins Bild der ewig rollenden Relativierung.

Top 10 all time
Daran, dass jeder, der Minneapolis Lakers unfallfrei aussprechen kann, meint, er sei der Erfinder der nach oben offenen Egoistenskala und könne Bryant darauf ganz oben einordnen, habe ich mich gewöhnt. Dass er aber auch von ernstzunehmenden Leuten über die Maßen kritisch gesehen wird, will mir nicht in den Schädel.

16 mal All Star? Es ist eine Fanwahl. Ja, ist es. Kareems 19 Nominierungen sind von einem Expertenpanel verantwortet worden, nehme ich an. Ein mal MVP? "Ja, eben, nur einmal!", schallt es einem entgegen. "Mit seinem Talent...", schallt es einem entgegen. Dass er in dieser Beziehung acht Jahre neben dem dominantesten Center der modernen NBA und summa summarum sieben Jahre mit Grützeteams "verschenkt" hat, ist aber bekannt, oder?

Und von den fünf Meisterschaften hat er ja "drei nur auf Shaq's Rücken" abgegriffen. Wer das ernsthaft glaubt, ist zu jung oder zu faul, um "NBA Finals 2000 Game 6" zu googlen. Und zwei Finals-MVPs (2009 und 2010) haben sonst im Übrigen nur Magic, Kareem, Jordan, Duncan, James, Bird, Shaq und Hakeem zu bieten, acht der größten zehn aller Zeiten. (ja, ich hörte von Willis Reed, ich hörte auch von Launen der Statistik).

Kobe Bryant ist 36 Jahre alt. Kobe Bryant ist nach fast eineinhalb Jahren Verletzungspause in einer körperlichen Verfassung in die Liga zurückgekehrt, für die der zehn Jahre jüngere MVP von 2011 seine Mutter verkaufen würde. Dass Kobe leicht angerostet ist, ist eine Petitesse, die sich geben wird. Kobe Bryant ist einer der zehn besten Basketballer aller Zeiten. Wer sich dieser Erkenntnis verweigert, indem er Nebelkerzen aus statistischem Brennmaterial wie "meiste vergebene FGs der NBA-Geschichte" zündet, dem ist schlicht nicht zu helfen.