14 November 2014

13. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Feuert man den Trainer wenige Stunden nach dem letzten Saisonspiel Mitte März, muss etwas im Argen liegen. Und genau so war es auch. Die vergangene Saison war die vierte unter Headcoach Tony Barbee. In diesen vier Jahren beendete Auburn keine Saison mit einer positiven Siegbilanz. Die Ausbeute war sogar verheerend: Lediglich 18 SEC Partien konnten die Tigers für sich entscheiden. Gegenüber 50 Niederlagen. Letzte Saison lag man sogar knapp über dem Schnitt und gewann immerhin ein Drittel der 18 Conference Games. Doch das war auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zu unsouverän waren allein schon die Vorstellungen gegen Teams aus anderen Ligen. Fast nur schwache Colleges wurden als Gegner auserkoren. Gegen diese quälte sich das Team dann häufig mit Hängen und Würgen zum Sieg. Aber selbst das misslang teilweise (19-Punkte-Niederlage gegen Northwestern State). Von den Aufeinandertreffen mit renommierten Programmen ganz zu sprechen (29-Punkte-Niederlage gegen Iowa State, 19-Punkte-Niederlage gegen Illinois). Auch der Auftakt in die SEC Saison wurde gründlich verpatzt mit einer Niederlagenserie von sechs Spielen. Zwar fing sich danach das Team wieder ein wenig, aber letztendlich war im SEC Tournament in der ersten Runde gegen South Carolina Schluss. Eine deutliche Schlappe besiegelte die ernüchternde Saison 2013/14.

Abgänge
Chris Denson (G 6-2), Asauhn Dixon-Tatum (C 7-0), Allen Payne (F 6-6), Dion Wade (G 6-6)
Drei Starter verlassen das Team. Wie schwerwiegend die Abgänge sind, ist schwer zu sagen aufgrund des Trainerwechsels. Tendenziell tut aber nur der Abgang des Topscorers Chris Denson weh. Mit seinen 19 Punkten pro Spiel war er die wichtigste Waffe im Angriff der Tigers. Big Man Dixon-Tatum sorgte allein mit seiner Größe und Spannweite für Sorgenfalten beim Gegner und war so etwas wie der Anker der Defense und Turm in der Reboundschlacht, jedoch nur, wenn er nicht gerade von der Bank aus mit hoch belastetem Foulkonto zuschauen musste. Auch Payne war eher als Rebounder wichtig für das Team. Dion Wade kam als Energizer von der Bank, um Defense zu spielen.

Zugänge
Cinmeon Bowers (F 6-7, Jr), T.J. Lang (G 6-7, Fr), Antoine Mason (G 6-3, Sr), Jack Purchase (F 6-8, Fr), Trayvon Reed (C 7-1, Fr), K.C. Ross-Miller (G 6-1, Sr)
Binnen kürzester Zeit musste sich Pearl sein Team basteln und konnte weder auf einen großen Kern etablierter Kräfte, noch auf einen Haufen talentierter Frischlinge bauen. Stattdessen musste er andere Wege finden, brauchbare Spieler nach Auburn zu lotsen. Dickster Fisch im Netz dürfte Antoine Mason sein. Der Scoring Guard war hinter Doug McDermott zweitbester Punktesammler der gesamten NCAA Divison I in der vergangenen Saison. Als sogenannter Graduate Senior ist er direkt spielberechtigt. Ein weiter interessanter Transfer ist K.C. Ross-Miller. Jener Guard löste mit einer unbedachten Aktion den größten Brawl der vergangenen Saison zwischen seinen New Mexico State Aggies und Utah Valley aus. Was den Sport angeht, so ist er ein guter Ballhandler, der den Ball verteilen kann und wenig Fehler macht. Auch er ist als Graduate Senior sofort spielberechtigt. Ein weiterer Transfer Neuzugang ist Cinmeon Bowers, der ein begehrter Junior College Spieler war. Unter den Freshmen ist Trayvon Reed mit Sicherheit der interessanteste Prospect. Der 2,16m-Riese hatte ursprünglich Maryland seine Zusage gegeben, doch nachdem er in Konflikt mit der Polizei geriet, rückten die Terps davon ab, ihn in das Team aufzunehmen. Stattdessen wird er nun ab Dezember, dann erst erfüllt er die akademischen Kriterien, für die Tigers auflaufen. T.J. Lang kommt aus Alabama, wo Auburn liegt, und soll damit den Bezug des Umlands zur Uni wiederherstellen. Abgerundet wird die Recruiting Class vom Australier Jack Purchase, der von den Melbourne Tigers zu den Auburn Tigers wechselt und als exzellenter Schütze gilt.

Verbleibender Kader
Matthew Atewe (C 6-8, So), Malcolm Canada (G 6-3, Sr), Jordon Granger (F 6-8, Jr), K.T. Harrell (G 6-4, Sr), Tahj Shamsid-Deen (G 5-9, So)



Coach
Bruce Pearl
1. Saison 0-0 Record (Auburn); 11. Saison 231-99 (Insgesamt, nur Division I); 8 Mal NCAA Tournament; 3 Mal Sweet Sixteen; 1 Mal Elite Eight 
Nach dreijähriger Pause ist Bruce Pearl zurück auf der Trainerbank. Neben dem Wechsel Buzz Williams' war dies die brisanteste Meldung des Sommers, was Trainerwechsel angeht. Pearl konnte mit Southern Indiana, Milwaukee und Tennessee bereits zwei Programme auf die Siegerstraße führen. Mit den Volunteers sicherte er sich jede Spielzeit eine Teilnahme am Endturnier im März, wurde zum Coach des Jahres auf Conference Ebene (2008) und sogar auf Landesebene (2006) ernannt.  
2011 wurde er dann entlassen, weil er gegenüber der NCAA falsche Angaben zum Recruiting Prozess mit Aaron Craft machte, wobei der konkrete Vorfall schon 2008 geschah, und in Folge dessen für drei Jahre von der NCAA gesperrt wurde. Diese Sperre läuft nun aus.
Als Coach setzt Pearl gerne auf eine lange Bank und gibt vielen Spielern Einsatzmöglichkeiten. Dementsprechend hat er auch sein Team notdürftig zusammengestellt. Pearl muss versuchen die verschiedenen Akteure im Backcourt aufeinander abzustimmen. Mittelfristig hat er sich bereits die Zusagen vielversprechender Talente in den kommenden Jahren zugesichert und damit sein Geschick beim Anwerben von jungen Spielern unter Beweis gestellt. 



Backcourt
Tahj Shamsid-Deen, Antoine Mason, K.T. Harrell
Einer von zwei Startern, die aus dem Vorjahr noch übrig geblieben sind, ist Shamsid-Deen. Er soll das Spiel organisieren und defensiv möglichst viel Druck auf den gegnerischen Aufbauspieler auszuüben. Und das sind zwei Dinge die der kleine, frech aufspielende Linkshänder beherrscht. Mit seinem schnellen ersten Schritt und den darauffolgenden Penetrationen schafft er es sehr geschickt, Löcher in die gegnerische Defense zu reißen. Kann er hierbei noch kontrollierter agieren, wird er unter Bruce Pearl aufblühen. 

Bei Niagara durfte Mason eigentlich machen, was er wollte. Das Team war auf sein Scoring angewiesen. Er ist noch recht eindimensional und lebt dabei von seinem unbändigen Willen und Selbstvertrauen beim Zug zum Korb. Dabei nutzt er viele Wurffakes und Hesitations, um in eine aussichtsreiche Position zu gelangen. Noch lebt er sehr von seiner rechten Hand, über die er meistens dribbelt und mit der er auch fast immer abschließt. Um auch in der SEC ein effektiver Scorer sein zu können, muss er also an seiner linken Hand arbeiten. Auch sein Wurf benötigt noch den nötigen Feinschliff, damit er konstant fällt. Generell sollte er aber daran arbeiten, vielseitiger zu werden. Das hat er aber anscheinend selbst erkannt und ist dazu bereit, an Defense und Ballhandling zu feilen. Das wird auch nötig sein, denn er selbst hat sich als Ziel SEC Championship und NCAA Tournament Teilnahme gesetzt. 

Harrell ist ähnlich wie Mason ein sehr talentierter Scorer. Er versteht es eine Defense zu lesen und dann die richtige Entscheidung zu treffen. Am liebsten setzt er seinen kräftigen Körper beim Zug zum Korb oder bei Postups ein. In beiden Fällen verhält er sich sehr geschickt und ist meistens erfolgreich. Als erfahrenster und "dienstältester" Spieler sollte er des Weiteren auch eine Leaderrolle einnehmen. Dazu passt, dass Pearl in ihm nicht nur den besten Spieler seines Teams sieht, sondern auch den härtesten Arbeiter.


Frontcourt
Cinmeon Bowers, Trayvon Reed
Der kräftige Forward Bowers wird eine wichtige Rolle einnehmen. Als Gegenpart zu den Guards soll er in der Offense stark miteinbezogen werden und für Insidepräsenz sorgen. Damit sollte Bowers klarkommen. Er ist sehr durchsetzungsstark unter dem Korb, verfügt über einen guten Touch und kann auch aus dem Faceup Punkte erzielen. Auch beim Rebound sollte Bowers eine Stütze des Teams werden.  

Bis Reed im Dezember seine Spielberechtigung erhält, müssen sich Jordon Granger und Matthew Atewe diesen Starterposten und seine Minuten aufteilen. Danach sollte Reed als Anker in der Zone ordentlich aufräumen und für klare Verhältnisse sorgen. Mit seiner Mobilität, Länge und seinem Timing beim Blocken ermöglicht er es Pearl zudem, seine beliebte Presse aufzustellen, da Reed alles abräumt, was durchbrechen sollte. Offensiv ist Reed noch auf Durchstecker und Putbacks angewiesen, wird sich aber in den nächsten Jahren noch entwickeln.

Bank
Als Ballverteiler kann Neuzugang K.C. Ross-Miller direkt eine zentrale Rolle einnehmen. Im Backcourt tummeln sich mehrere potente Scorer, die nur darauf warten, im richtigen Moment in Szene gesetzt zu werden. Genau das kann Ross-Miller liefern. Sein guter Wurf erlaubt es Pearl, sowohl ihn als auch Starter Shamsid-Deen gleichzeitig auf das Parkett zu schicken. Weiterhin steht Malcolm Canada dem neuen Tigers Coach zur Verfügung. Letztes Jahr war er noch der Backup Point Guard von Shamsid-Deen. Unter Pearl wird er vermutlich gezielter als Energizer von der Bank eingesetzt, um die Intensität in der Defense hochzuhalten. Offensiv wird er wieder versuchen, so konsequent wie im Vorjahr Fouls zu ziehen und an die Linie zu gehen. Neu ist Wing T.J. Lang. Der Freshman bringt Länge und Tiefe auf dem Flügel. Seine Anlagen sind gut und schon recht weit entwickelt, allerdings fehlt ihm zwangsläufig noch etwas Erfahrung. 
Im Frontcourt werden die bereits angesprochenen Jordon Granger und Matthew Atewe die wichtigsten Backup Minuten übernehmen. Atewe wird wohl zunächst den Starterposten ausfüllen und sich beweisen dürfen. Sorgen könnte aber sein Gesundheitszustand bereiten. Bereits die komplette letzte Saison trug er eine Art Schiene am linken Bein und verpasste wegen Problemen in diesem Bereich seine ersten Partien als Freshman. Nach der vergangenen Saison wurde er am Schienbein operiert. Nun heißt es von allen Seiten, dass Atewe fitter denn je ist. Das wäre erfreulich, denn als Hustler wird er viele Rebounds für sein Team holen und dadurch fast schon kaum wegzudenken sein. Auch Jordon Granger favorisiert eine physische Spielart und kann seinem Team mit solider Defense und ein paar Rebounds pro Spiel unterstützen. Freshman Purchase bringt etwas Firepower in den Frontcourt, wird aber vermutlich nicht über unregelmäßige Kurzeinsätze hinauskommen.

Ausblick
Der von Antoine Mason angestrebte SEC Titel wird zwar nicht zu erreichen sein, dennoch sollte man die Tigers zumindest für eine Teilnahme am NCAA Tournament auf dem Zettel haben. Bruce Pearl hat es binnen kürzester Zeit geschafft, ein auf dem Papier schlagkräftiges Team zusammenzustellen. Allen Spielern attestiert Pearl eine vorbildliche Einstellung, sodass die Einzelkönner ziemlich bald merken sollten, wie sie als Team erfolgreich sein können. Diese Saison sollte jedoch nur als Übergangssaison betrachtet werden. Die ganze Tragweite der Verpflichtung des neuen Trainers wird sich erst in frühestens in zwei bis drei Jahren entpuppen. Bis dahin sollten sie eine Top5 Platzierung in der SEC, sowie einen Platz in der March Madness anstreben.