15 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Eine Saison mit vielen Ups und Downs erlebten die treuen Anhänger der Tar Heels. Besonders in einem Aspekt des Spiels stellten die Tar Heels ihre Fans vor eine harte Geduldsprobe: Freiwürfe. In manchen Partien entwickelte sich diese scheinbar leichte Aufgabe zu einer Farce. Die erste vermeidbare Niederlage setzte es gegen Belmont. Sagenhafte 48 Freiwürfe bekam man zugesprochen. In manchen Conferences würde das schon zum Sieg genügen. Doch die Youngster zeigten sich alles andere als nervlich belastbar. Nur 22 Versuche fanden ihr Ziel. Doch nur wenige Tage später gelang im Spiel gegen Titelverteidiger Louisville die Wiedergutmachung. In einem sehr schnellen Spiel agierte UNC noch einen Tick schneller in den eigenen Aktionen und konnte mehr Fastbreakpunkte verbuchen. Dieses Mal war auch die Freiwurfquote fast schon annehmbar. Bereits im nächsten Spiel machte sich wieder Ernüchterung breit. Gegen UAB, das zweitbeste Team der NCAA was Rebounding anbelangt, bekam Roy Williams mit seiner Mannschaft keinen Zugriff auf die Begegnung. Es boten sich zu wenige Gelegenheiten, das Spiel in hoher Geschwindigkeit zu gestalten. Die Antwort darauf folgte jedoch wieder prompt mit einem souveränen Erfolg über Titelkandidat Michigan State. Als man dann auch noch die Shooting Stars der Kentucky Wildcats bezwingen konnte, dachten viele der Patient sei über den Berg. Zumal man trotz Unterlegenheit beim Rebound und weiterhin miserabler Freiwurfquote gewann. Doch wieder enttäuschten die Tar Heels im folgenden Spiel und verloren gegen Texas. Auch gegen Davidson konnte man nur nach Verlängerung gewinnen. Ebenso misslang der Start in die Conference Saison. Lediglich eines der ersten fünf Spiele konnte man erfolgreich gestalten. Gerade als man geneigt dazu war, die Truppe aus North Carolina von der Liste potentieller Sleeper auf den Titelgewinn zu streichen, starteten sie eine Serie von 12 gewonnen Matches. Pünktlich zum März schien das Team also endlich auf Kurs zu sein. Die Auftaktniederlage im ACC Tournament wurde als Ausrutscher abgetan. Im "großen" Turnier konnte man gegen Providence das erste Spiel nach hartem Fight für sich entscheiden. Gegen Iowa State in der nächsten Runde entwickelte sich auch eine spannende Schlussphase. Dieses Mal behielt allerdings der Kontrahent die Oberhand. DeAndre Kanes Korbleger zwei Sekunden vor dem Buzzer beendete die Saison der Heels.

Abgänge
James Michael McAdoo (F 6-8), Leslie McDonald (G 6-7)
James Michael McAdoo
konnte einem in manchen Spielen schon leidtun. Mitleid ist eines der Gefühle, die man einem Profitsportler niemals entgegenbringen sollte. Das hat immer etwas mit Scheitern trotz höchstem Engagement oder einer Verletzung zu tun. Beides sind schwierige Situationen für einen Sportler. Als gefeierter Recruit betrat er den Campus. Seine zunächst verhaltenen Auftritte wurde auf seine Backup-Rolle hinter dem heutigen NBA Spieler John Henson zurückgeführt. Als dieser kurzzeitig ausfiel, sprang McAdoo in die Bresche und lieferte erstklassige Vorstellungen. Vor seinem Sophomore Jahr fand um ihn herum ein großer Umbruch statt und plötzlich war der Forward das Gesicht des Teams und wurde als Go-to-Guy eines Meisterschaftsanwärters gesehen. Aber dem konnte er nicht gerecht werden. Seine Leistungen gestalteten sich genauso durchwachsen, wie die Saison der Tar Heels. Auch im letzten Jahr zeigte sich keine deutliche Verbesserung. Stattdessen zeigten sich die gleichen Schwächen, wie zuvor. Nun entschied er sich zur Überraschung vieler, seinen Namen auf Liste zum NBA Draft 2014 zu setzen. Leslie McDonald war lange Zeit nicht spielberechtigt und die Hoffnungen auf eine Einsatzchance schwanden mit jedem Tag. Erst Mitte Dezember erfolgte die Freigabe. Fortan war er neben Marcus Paige der einzige Schütze des Teams. Diese Rolle nahm er dafür aber auch sehr ernst und ließ keine Gelegenheit aus, einen Wurf abzufeuern. Das machte ihn zu einem sehr eindimensionalen Spieler.

Zugänge
Joel Berry II (G 6-0, Fr), Justin Jackson (G 6-8, Fr), Theo Pinson (G 6-6, Fr) 
Gleich drei vielversprechende Youngster schrieben sich zur Spielzeit 2014-15 an der Universität in North Carolina ein. Die einschlägig bekannten Scouting Seiten ranken alle drei Rookies unter den obersten 20 ihres Jahrgangs. Joel Berry wird die Point Guard Position massiv verstärken und gleich eine bedeutende Rolle einnehmen. Justin Jackson und Theo Pinson sind ähnliche Spielertypen, die der Rotation auf dem Flügel mehr Tiefe verleihen sollen. Jackson ist vielleicht etwas weiter in seiner Entwicklung und bringt interessantere physische Anlagen mit, jedoch ist Pinson ihm dicht auf den Fersen.

Verbleibender Kader
Nate Britt (G 6-1, So), Isaiah Hicks (F 6-8, So), Desmond Hubert (F 6-10, Jr), Joel James (F 6-10, Jr), Brice Johnson (F 6-9, Jr), Kennedy Meeks (C 6-9, So), Marcus Paige (G 6-1, Jr), Jackson Simmons (F 6-7, Sr), J.P. Tokoto (F 6-6, Jr) 



Coach
Roy Williams 
12. Saison 306-89 (North Carolina), 27. Saison 724-190 (Insgesamt), 24 Mal NCAA Tournament , 4 Mal Sweet Sixteen, 4 Mal Elite Eight, 3 Mal Final Four, 2 Mal Finale, 2 Mal Champion
Roy Williams ist ähnlich wie die Tar Heel Legenden Dean Smith und Michael Jordan eine unmittelbare Assoziation, die den meisten College Fans in den Sinn kommt, wenn sie North Carolina hören. Mit den Tar Heels gewann Williams bereits zwei Mannschaften und baute sehr talentierte Formationen zusammen. Besonders auf Ausgeglichenheit und Teamplay legt Williams Wert. Dazu kommt ein attraktiver und zielstrebiger Spielstil, der Athletik voraussetzt und Fastbreak Highlights ermöglicht. Williams arbeitet zu dem gerne mit High-Low-Systemen, um talentierte Big Man in Szene zu setzen. In der Defense packt er gerne mal eine 3-2-Zone aus, bei der er sich die Länge und Schnelligkeit seiner Spieler zu Nutze macht. Dadurch generieren die Youngster aus Chapell Hill jede Menge Steals, die wiederum in Fastbreak Punkten münden.



Backcourt
Joel Berry II, Marcus Paige, Justin Jackson
Auf dem Papier könnte Joel Berry ein kongeniales Duo mit Shooting Star Marcus Paige bilden. Berry ergänzt sich gut mit dem Junior. Als Aufbau würde er diesem den lästigen Ballvortrag abnehmen, wodurch der Combo Guard wesentlich effektiver agieren könnte. Neben der Spielorganisation bringt Berry weitere Qualitäten mit, die in den letzten Jahren auf dieser Position etwas abhandenkamen. Da wäre zum Beispiel die Wurfqualität zu nennen. Der Sprungwurf ist zwar keine ausgewiesene Stärke, doch Berry trifft ihn, wenn notwendig, was ihn zum Beispiel von Nate Britt unterscheidet. Am liebsten spielt Berry aber seine Physis aus. Er zieht geschickt zum Korb und findet dabei immer einen freien Durchweg. Auch in der Defense macht er sich seine Geschwindigkeit und Körperkraft zu Nutze und gilt als sehr nervenaufreibende Klette am Ballführer.

Paige ist ein geborener Scorer und Cruchtime Killer. In einem halben Dutzend Spiele der letzten Saison hielt er sein Team entweder im Alleingang im Spiel oder drehte pünktlich zur spannenden Schlussphase auf. Dabei weiß mittlerweile eigentlich jeder Trainer der ACC, dass der Linkshänder besonders zwei große Spezialitäten hat. Nummer eins ist ein sicherer Distanzwurf und Nummer zwei der Floater mit seiner starken linken Hand. Doch obwohl jeder Gegner um diese Stärken wissen sollte, ist Paige ein Meister darin, sich den nötigen Platz für die Anwendung einer der beiden Waffen zu schaffen. Auch in der Defense ist Paige ein erstklassiger College Spieler. Mit langen Armen, wahnsinniger Schnelligkeit und flinken Fingern stibitzt er seinen Kontrahenten sehr oft den Ball. Will Paige sein Spiel auf die nächste Ebene, die dann wahrscheinlich für die NBA von Nöten sein wird, katapultieren will, muss er an seinen Qualitäten als Playmaker arbeiten. Als Aufbau ist er bei Weitem nicht so effektiv. Dafür fehlt ihm noch die Gelassenheit und Übersicht eines klassischen Point Guards. Dank Freshman Berry und Sophomore Britt muss Paige aber auch nur selten diesen Part diese Saison ausfüllen. 

Als vielseitiger Spieler ist der Freshman genau die Art Spielertyp, die Roy Williams auf dem Flügel gerne sieht. Er bringt ein ordentliches Gardemaß mit. Dazu gesellt sich eine überdurchschnittlich gute Athletik. Seine Spezialität ist allerdings das Midrange Game. Er kann den Jumper sicher einnetzen. Aufgrund seiner Größe auch dann, wenn ein Verteidiger auf seinen Füßen steht. Ist der Verteidiger aber zu nah an Jackson dran, lässt der Flügelspieler diesen stehen. Den Dreipunktewurf könnte er sicher noch ausbessern, trifft ihn aber freistehend schon einigermaßen sicher. Im Fastbreak wird er für einige Highlights sorgen und damit J.P. Tokoto, dem vorherigen Starter auf der 3, in Nichts nachstehen. Allerdings wäre es seiner Trefferquote und auch seiner Defense mit Sicherheit zuträglich, wenn der Top-Recruit an Muskeln zulegen würde. 

Frontcourt
Brice Johnson, Kennedy Meeks
Der sprunggewaltige Forward war bereits in der letzten Saison der beste Akteur seiner Zunft. Rein leistungsmäßig hätte Roy Williams ihn phasenweise James Michael McAdoo vorziehen müssen. Doch nun ist McAdoo nicht mehr im Kader und während er die Entscheidung schon bereut, freut sich Johnson über merklich mehr Minuten und Aufmerksamkeit. Johnson profitiert von der schnellen Spielweise und kann als Trailer in der zweiten Welle des Fastbreaks oft Missmatches und orientierungslose Verteidiger ausnutzen. Auch beim Rebound springt der Athlet zumeist am höchsten und kann dann per Tip-Dunk direkt abschließen, ohne vorher wieder auf dem Boden aufzukommen. Zudem entwickelte er in den letzten Monaten einen brauchbaren Jumphook, womit er auch eine gute Anspielstation im Post darstellt. Überarbeitungsbedarf bietet weiterhin sein Wurf. Nicht nur der Jumpshot aus der Mitteldistanz wäre eine wichtige Erweiterung des Repertoires, der Freiwurf ist ein weiterer wichtiger Punkt auf der To-do-list. Kaum jemand wird so oft gefoult wie Johnson. Daher geht er oft an die Linie. In der Vergangenheit ließ er dort viele Punkte liegen. Zuletzt muss er noch an Muskelmasse zulegen, um das Postspiel richtigen angehen zu können.

Die Transformation des Big Mans über den Sommer ist erstaunlich. Man erkennt ihn kaum wieder. Angeblich soll er 50 Pfund abgenommen haben, seit er im vergangenen Sommer erstmals das Trainingscenter der Tar Heels betrat. Optisch sieht man auf jeden Fall einen deutlichen Unterschied. Dieser sollte schon ausreichen, um das effiziente Spiel des Centers noch ertragreicher zu machen. Denn häufig hatte Meeks Probleme mit dem schnellen Stil der Tar Heels und ihm ging dadurch früh die Puste aus. Das zwang Roy Williams zur Auswechslung, auch wenn Meeks gerade das Spiel dominierte. In der Defense ist er ein guter Postverteidiger, der eine gute Kombination aus Masse und Fußarbeit mit sich bringt. Nach einem Fehlwurf des gegnerischen Teams boxt er gut aus, sichert sich den Ball und schaut als erstes, ob einer seiner Flügel schon enteilt ist und auf eine Touchdown-Vorlage wartet. Ist dies der Fall, lässt Meeks einen zielgenauen Pass im Stile eines Quarterbacks vom Stapel. Im Setplay ist er ebenfalls ein begabter Passgeber. Zusätzlich kann er noch mit einem guten Touch beeindrucken. Alles in allem darf man sich auf den länger ausdauernden Meeks mächtig freuen.


Bank
Wie auch in der Vergangenheit wird North Carolina eines der tiefsten Teams der NCAA sein. Jede Position ist mindestens doppelt besetzt und dadurch kann Williams gut auf Verletzungen und Foulprobleme reagieren. Als Backup auf der Point Guard Position wird Nate Britt Verantwortung übernehmen. Auch wenn das auf den ersten Blick wie ein Rückschritt aussieht, da er im letzten Jahr noch Starter war, wird dem Sophomore diese Rolle gut tun. So kann er gezielter an seiner großen Schwäche, dem Distanzwurf, arbeiten. Über den Sommer wechselte er seine Wurfhand von der linken zur rechten Seite. Diese Umstellung wird Zeit brauchen, bis sie greifen kann. Solange ist Britt gut beraten, als Backup für 10 bis 15 Minuten Entlastung zu liefern. Theo Pinson ist der ideale Energizer von der Bank für die Positionen 2 und 3. Mit seiner Athletik wird er im Fastbreak konstant Gefahr ausstrahlen und sehr oft an die Linie gehen. Wie stabil sein Wurf schon ist, muss man sehen. Genau diese fehlende Konstanz im Dreier ist das Hauptproblem von J.P. Tokoto. Nicht mal der Freiwurf fällt sicher. Solange er dieses Problem nicht in den Griff bekommt, wird er die Backup Rolle nicht loswerden und selbst die könnte gefährdet sein. Isaiah Hicks machte nämlich riesige Fortschritte über den Sommer und wird der Team MIP werden. In der Offense geht er kompromisslos zum Korb und verwandelt auch trotz Foul sicher. Zudem ist er für Williams eine interessante Option in der Defense, wenn er an der Spitze der 3-2-Zone dem gegnerischen Aufbau auf die Pelle rückt. Joel James und Desmond Hubert teilen sich die Backup Minuten auf der Centerposition. Die dürften geringer ausfallen, als im Vorjahr, da Meeks durchtrainierter ist und weniger Fouls begehen wird. James ist offensiv talentierter und nennt einen soliden Jumphook mit seiner starken linken Hand sein Eigen. Hubert ist eher defensivorientiert. Doch in der Preseason zeigte er sich in der Offense aktiver. Wenn alle Stricke reißen und die Big Men die nötige Intensität vermissen lassen, kommt Jackson Simmons zum Einsatz. Mit Hustle und Energie feuert er seine Mitspieler an und kann die Stimmung eines Spiels schlagartig verändern. In der Offense ist er leider sehr limitiert, weshalb auch seine Minuten begrenzt sind.

Ausblick
Die wesentlichen Baustellen des letzten Jahres wurden behoben. Die schwächsten Freiwerfer des Teams werden nicht mehr so stark ins Gewicht fallen, da McAdoo sowieso die Mannschaft verließ und Tokoto nicht mehr so viel Spielzeit sehen wird. Durch den Weggang des Junior Forward JMM kann Brice Johnson zudem endlich uneingeschränkt zeigen, was er drauf hat. Der Zugang von Berry wird auch einen großen Unterschied zum Positiven bedeuten. Berry ist einerseits ein besserer Schütze als Vorgänger Britt, wodurch Backcourt Partner Paige mehr Platz haben wird. Andererseits hat man nun neben Paige zwei vollwertige Ballhandler, sodass der Combo Guard sich nur auf das Scoring konzentrieren kann. Sollte Meeks zudem seine Form die Saison über bestätigen können, hat UNC kaum eine ernsthafte Schwachstelle.