15 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Traumhaft. Mit diesem Wort lässt sich die Non-Conference Phase der Buckeyes beschreiben. Mit einer makellos weißen Weste beeindruckten die Mannen aus Ohio. Dabei waren unter den dreizehn Gegnern auch durchaus hoch einzuschätzende Teams dabei. Maryland konnte der intensiven Defense allerdings nichts entgegensetzen, Marquette quälte sich noch mühsamer zu mickrigen 35 Punkten und gegen Notre Dame gelang eine kleine Sensation. Bei 58 Sekunden Restspielzeit lagen sie mit 8 Punkten hinten. Sie machten sich allerdings zu Nutze, dass bei den Irish Aufbau Eric Atkins kurz zuvor mit fünf Fouls auf der Bank Platz nehmen musste. Den anderen unerfahrenen Ballhandlern, gelang es nicht, dem Druck der Buckeyes stand zu halten. Binnen kürzester drehten sie angeführt von den Guards die Partie und gewannen am Ende mit drei Punkten. Auch die ersten zwei Pflichtaufgaben gegen Purdue und Nebraska wurden mit Bravour gemeistert. Dann setzte es allerdings eine ernüchternde Niederlage gegen Michigan State nach Verlängerung, die die Jungs von Thad Matta aus dem Tritt brachte. Im Anschluss an diese Begegnung verlor das Team vier der folgenden fünf Partien. Besonders bitter waren in dieser Phase die Niederlagen gegen Underdog Penn State oder Nebraska, die man wenige Wochen vorher noch aus der Halle schoss. Erst nach einem Triumph über Wisconsin legte sich die Anspannung wieder etwas. Mit einer 10-8 Bilanz schloss man letztendlich die Regular Season der Big Ten ab. Im Tournament der Conference mühte man sich über die Hürden Purdue und Nebraska ins Halbfinale. Dort blieb man gegen Michigan lange im Geschäft, ehe die Buckeyes sich dazu entschlossen, den Angriff vier Minuten zu früh abzubrechen. Kein einziger Feldkorb gelang in den letzten Schlussminuten. Ein Problem, das sich durch die gesamte Saison zog. Trotzdem reichte es für das NCAA Tournament, wo man auf die Dayton Flyers traf. Die hatte vorher kaum jemand auf der Rechnung, entwickelten sich aber zu einem schlechten Matchup für Ohio State. Ihre Defense war gut genug, um OSU in der Offense vor Probleme zu stellen. Auf der anderen Seite konnten die Buckeyes ihre Kontrahenten nicht durch die Intensität in ihrem Spiel beeindrucken. Das bewies Vee Samford mit einem furchtlosen Drive, den er knapp vier Sekunden vor dem Ende versenkte. Damit fand die Saison der Rosskastanien ein plötzliches Ende.   

Abgänge
Aaron Craft (G 6-2), Amedeo Della Valle (G 6-5), LaQuinton Ross (F 6-8), Lenzelle Smith Jr (G 6-4) 
Eines der Aushängeschilder der Big Ten und NCAA verlässt die Bühne des College Sports: Aaron Craft. Es gibt einige Spieler, die in den entscheidenden Minuten das Heft in der Offense in die Hand nehmen und ihr Team zum Erfolg nehmen können. Aaron Craft ging den anderen Weg und war damit ein Unikat. Mit seiner Defense entschied er Spiele. Schwer zu glauben, aber wahr. Dabei sind es nicht die reinen Statistiken (Alltime Big Ten Leader in Steals), die diese Tatsache unterstreichen. Viel mehr sind es die emotionalen Szenen eines OSU Spiels, die im Kopf hängen bleiben und keine andere Meinung zulassen. Craft hechtete jedem Ball hinterher, konnte immer noch seine Finger in den Passwegen ausstrecken oder das Leder aus den Händen des Angreifers entreißen. Wie sagte Tom Izzo, Trainerlegende der Michigan State Spartans, so schön nach Crafts letztem Heimspiel: "He represents everything that I think is right about College Basketball." Mehr muss zum College Spieler Craft nicht gesagt werden. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem, verhält es sich mit Lenzelle Smith Jr. Dieser arbeitete Basketball ebenfalls mehr als dass er ihn spielte. In den entscheidenden Momenten konnte er aber auch in der Offense eine Schippe drauflegen und wichtige Würfe versenken. LaQuinton Ross konnte das eigentlich nur, aber dafür sehr konstant. In einem defensivorientierten Team war er der einzige potente Punktesammler. Dafür vernachlässigte er gelegentlich aber seine Aufgaben in der Defense. Amedeo Della Valle entschied sich, nach Italien zurück zu kehren und eine Profikarriere einzuschlagen. Sein guter Wurf fiel leider nicht so, wie es theoretisch hätte sein können.


Zugänge
Keita Bates-Diop (F 6-7, Fr), David Bell (C 6-10, Fr), Anthony Lee (F 6-9, Sr), D'Angelo Russell (G 6-5, Fr), Jae'Sean Tate (F 6-4, Fr), Kam Williams (G 6-2, Fr) 
Sehr viele neue Gesichter werden in der kommenden Saison das Parkett in Columbus betreten. Darunter sind auch eine Transfer Verpflichtung. Anthony Lee war einer der begehrtesten Spieler des Sommers. Als Graduate Senior kann er augenblicklich für sein neues Team auflaufen. Zudem wird er mit seinen Rebound Qualitäten ein großes Loch stopfen, das zuletzt im Kader der Buckeyes klaffte. Lee gesellt sich zu einer der besten Freshman Gruppen der NCAA. D'Angelo Russell ist Highschool All American und könnte eine zweite große Schwäche der Studenten in Ohio beseitigen: Die Ideenlosigkeit der Offense. Auch ein zweiter Linkshänder kommt mit vielen Vorschusslorbeeren von der Highschool. Jae'Sean Tate ist Lenzelle Smith Jr. sehr ähnlich und könnte sich schnell mit denselben Eigenschaften zu einem Publikumsliebling entwickeln. Seine Schulterverletzung scheint ebenfalls auskuriert zu sein, sodass er direkt viele Minuten sehen wird. Dritter Top-20-Recruit ist Keita Bates-Diop. Als athletischer Flügel wird er ebenfalls an einen bekannten Spieler erinnern. Auf den ersten Blick bestehen viele Parallelen zu Sam Thompson. David Bell ist der letzte richtige Freshman. Der Center soll sich an die Big Ten gewöhnen und wird seine erste Saison als Lehrjahr nutzen. Ein solches legte Kam Williams zuletzt zwangsweise ein. Er war zu Beginn der letzten Saison mit dem Drüsenfieber außer Gefecht gesetzt. Nun ist er wieder fit und einsatzbereit.

Verbleibender Kader
Marc Loving (F 6-7, So), Trey McDonald (C 6-8, Sr), Shannon Scott (G 6-4, Sr), Sam Thompson (F 6-7, Sr), Amir Williams (C 6-11, Sr) 



Coach
Thad Matta
11. Saison 275-83 (Ohio State), 15. Saison 377-114 (Insgesamt), 12 Mal NCAA Tournament, 2 Mal Sweet Sixteen, 2 Mal Elite Eight, 1 Mal Final Four, 1 Mal Finale
Matta hat es geschafft, die Football Uni Ohio State für Basketball zu begeistern. Dafür ist insbesondere sein ausgezeichnetes Recruiting verantwortlich, mit dem er jedes Jahr interessante Talente nach Columbus lotst. So trainierte er schon mehrere NBA Spieler wie z.B. Mike Conley, Greg Oden und Jared Sullinger. Zudem übertrug er die Toughness des Footballs in die Basketballabteilung. Gegen kaum ein Team ist es schwieriger zu scoren. Kein Team verteidigt Einwürfe so erfolgreich wie Mattas Buckeyes. Sehr häufig werden Einwurfpässe abgefangen. Regelmäßig müssen die Gegner Notpässe ins Rückfeld feuern (ist im CBB erlaubt). Doch selbst die beste Defense hilft nicht, wenn man in der Offense einfach keine Korbgefahr ausstrahlt. Hin und wieder kann Matta in Auszeiten helfend eingreifen. Seine Spezialität sind dabei Alley-Oops für Sam Thompson, um das Publikum mit ins Boot zu holen. Matta muss Wege finden, solche effektiven und einfachen Plays öfter in die Offense einzubauen. Zudem könnte es hilfreich sein, wenn man dieses Jahr auch wirklich drei Schützen gleichzeitig aufstellen kann, wenn das System schon auf eine 4-Out-Aufstellung ausgelegt ist (lies: OSU spielt nur mit einem richtigen Big Man und vier Außenspielern).

Backcourt
Shannon Scott, D'Angelo Russell
Der Combo Guard wird sich als Nachfolger von Aaron Craft versuchen. Ähnlich wie dieser hat auch Scott seine Vorlieben in der Defense. Mit seinen flinken Händen, seinem kräftigen Oberkörper und seiner guten Antizipation ist er ein ausgezeichneter Perimeter Verteidiger. An diesem Ende des Feldes sollte er dem Team immens helfen können. Auf der anderen Seite sieht es da schon ganz anders aus. Sein Wurf ist maximal durchschnittlich und fällt inkonstant. Auch im 1-1 fehlen ihm die Fähigkeiten, um seinen Gegenspieler dauerhaft zu schlagen. Die größten Kopfschmerzen dürfte Matta allerdings sein Auftritt als Aufbauspieler bereiten. Er ist kein geborener Point Guard und verliert gegen bissige Verteidiger schnell die Geduld. Ähnliches gilt für das Initiieren der Offense. Dort gibt er meist keine klaren Anweisungen und wartet auch nicht, bis alle Mitspieler korrekt positioniert sind, sondern versucht es stattdessen lieber auf eigene Faust. Leider bleibt Matta kaum eine Alternative, zumal seine Defense zur Crème de la Crème zählt. 

Umso mehr Verantwortung wird auf den neuesten Top-Recruit der Buckeyes übertragen. Russell ist gerade in der Offense sehr begabt und könnte Scott in der Spielorganisation entlasten. Sowohl der Wurf des Linkshänders, als auch sein Drive machen ihn zu einem gefährlichen Spieler für jede Verteidigung. Besonders Ersterer hat in der letzten Saison gefehlt. Durch fehlendes Spacing und eingeschränkte Wurffähigkeiten zählte OSU zu einem der schlechtesten Teams in Sachen Distanzwürfe. Russell wird das mit seinem weichen Handgelenk ändern können. Doch auch mit seinen energischen Drives kann er Lücken reißen, die andere Spieler brauchen, um Platz für ihren Wurf zu haben. Der Rookie hat nicht nur den Willen zum Korb durchzubrechen, den bereits viele Mitspieler besitzen, sondern kombiniert ihn auch noch mit hervorragenden Skills, wie z.B. einem guten Ballhandling. Die Frage ist allerdings, wie viel Last er schon schultern kann. 

Frontcourt
Sam Thompson, Marc Loving, Anthony Lee 
Es gibt immer wieder Spieler, die einen schon beim ersten Zusehen faszinieren. Besonders einzelne Aktionen bleiben dann im Kopf haften und jedes Mal, wenn man diesen Spieler erneut sieht, hat man dieses Bild vor dem inneren Auge. Sam Thompson fällt in diese Kategorie. Mit einer exorbitanten Sprungkraft und einer dazu passenden Explosivität bringt er die Arenen der Big Ten regelmäßig ins Raunen. Dann hat er mal wieder einen Rebound aus der Luft gefischt, wobei er am höchsten Punkt mit dem Kopf über Ringhöhe war. Oder er darf nach einer Auszeit ein für ihn aufgezeichnetes Backdoorplay mit spektakulärem Alley-Oop Dunk vollstrecken. Doch ein Basketballspiel besteht aus mehreren Teilen. Ein konstanter Wurf fehlt dem Highflyer noch. Auch sein Ballhandling ist noch nicht ausreichend für dieses Niveau. Oft verlangsamt ihn der Ball beim Dribbling, sodass Thompson noch weit davon entfernt ist, seinen Gegenspieler zuverlässig im 1-1 schlagen zu können. Er ist also abhängig von Anspielen seiner Mitspieler und Plays seines Coaches. Solange sich daran nichts ändert, ist Thompson gerade mal ein halbwegs brauchbarer Rollenspieler. Diesen Status muss er allerdings erst noch bestätigen mit einem ordentlichen Wurf, ehe er die nächste Stufe in Angriff nehmen sollte.

Der Sophomore ist ein gutes Beispiel dafür, warum man nicht zu viel Wert auf Statistiken legen sollte. Seine Dreierquote suggeriert, dass er ein unterdurchschnittlicher Distanzschütze sei, doch in Wahrheit verfügt er über einen astreinen Jumpshot. Die Gründe für die schwache Quote sind vielfältig. Da ist zum einen die Umgewöhnung auf die neue Umgebung zu nennen. Es ist ein Unterschied, ob man vor Tausenden frenetischen Fans einen Wurf nimmt oder in einer kleinen Highschool Gym. Zudem war auch er Leidtragender einer schlecht organisierten Offense, bei der es die Guards in den seltensten Fällen wirklich in die Zone schafften. Gelang dies dann mal, waren sie oft sehr auf ihren Abschluss fixiert und hat kein Auge mehr für den freien Schützen in der Ecke. Um dieses Schattendasein in Zukunft zu unterbinden, muss Loving an seinen 1-1 Skills arbeiten. Sein Bewegungsablauf und sein grundlegendes Ballgefühl sehen sehr vielversprechend aus, sodass er sich durchaus zu einem guten Allrounder in der Offense entwickeln könnte. Dieses Jahr muss aber erst einmal das Ziel lauten, mit der Physis in der Big Ten klarzukommen und die offenen Würfe zu versenken.



Der Linkshänder wird ein sehr wichtiger Bestandteil des diesjährigen Teams sein. Besonders beim Rebounding ist er eine große Hilfe. Dort zeigten sich die allergischen Ross und Williams zuletzt sehr anfällig, was ihrem Team oftmals empfindlich wehtat, da man sich für die zuvor geleistete Defensivleistung nicht mit dem Abpraller und dem damit verbundenen Ballbesitzwechsel belohnte. Indes musste man ein weiteres Mal die Gegner vom Punkten abhalten. Lee wird solche Szenen verhindern. Als erstklassiger Defensivrebounder greift er mit seinen langen Armen viele Rebounds aus der Luft. Doch nicht nur seine Spannweite hilft ihm. Er ist technisch sehr gut ausgebildet und gehört beim Boxout zur absoluten NCAA Elite. Auch sein Timing ist ausgezeichnet. Neben diesen guten Voraussetzungen beim Rebound, soll er auch in der Offense variabel agieren. Ist er als 5er aufgestellt, wird er sich auf Putbacks und Durchstecker beschränken. Im Post sollte man ihn nicht anspielen. Dort fehlt ihm die nötige Fußarbeit, um effektiv zu sein. Der Senior wird aber auch auf der 4 eine Menge Minuten sehen. Dafür muss er aber seinen Dreier- und Mitteldistanzwurf öfter auspacken. Dieser ist im Prinzip schon angelegt, muss aber noch ausgebildet werden.

Bank
Auf den Guard Positionen ist Kam Williams die erste Alternative. Williams ist sehr variabel und kann Scott wertvolle Pausen verschaffen. In der Offense kann er den Ball verteilen und die Systeme einleiten. Auch den offenen Spotup trifft er relativ hochprozentig und ist in diesem Bereich Scott überlegen. In der Defense kann er mit flinken Fingern für viele Ballgewinne sorgen. Jae'Sean Tate wird wie Lenzelle Smith als physischer Guard für toughe Defense sorgen und in der Offense als Finisher glänzen. Wenn er zusätzlich noch Stabilität in den Wurf integrieren kann, wäre er ein wichtiger Energizer von der Bank und würde für Instant Scoring sorgen. Freshman Keita Bates-Diop wird der Backup für beide Forward Position. Entscheidet sich Matta dafür, Sam Thompson, wie letztes Jahr schon, als Sixth Man von der Bank zu bringen, winkt für Bates-Diop sogar der Starterposten. Denn beide sind sich zu ähnlich, um gleichzeitig auf dem Feld zu stehen. Darunter würde das Spacing beispielsweise wesentlich schlechter werden, da beide keine konstanten Schützen sind. Auf der Center Position wird Amir Williams zeigen müssen, dass er sich in den Dienst der Mannschaft stellen kann. Er war oft die Schwachstelle der Defense, da er unaufmerksam und eigensinnig agierte. Das muss er dringend ablegen. Zudem sollten ihm die neuen Mitspieler dabei helfen, mehr Durchstecker verwerten zu können und weniger auf eigene Faust kreieren zu müssen. Trey McDonald ist perfekt für die Rolle als Sicherheit hinter Williams. Verzettelt sich Williams wieder in Foulproblemen oder kegelt sich selbst durch halbherzige Defense aus der Rotation, ist McDonald zur Stelle. Dieser begnügt sich mit der Rolle, ohne aufzubegehren.

Ausblick
Potentiell sind die Buckeyes wesentlich besser aufgestellt als im Vorjahr. Sowohl was Talent, als auch was Tiefe angeht, ist der diesjährige Kader dem letztjährigen überlegen. Doch man sollte niemals den Wert von Erfahrung unterschätzen. Zudem verlassen mit Craft und Smith die Aushängeschilder das Programm. Sie standen für die Mentalität, wie Ohio State Basketball spielen will. Es wird also darauf ankommen, wie schnell die Frischlinge sich an den Spielstil gewöhnen und ihn ihrerseits prägen können. Außerdem müssen die alteingesessenen Kräfte beweisen, dass sie ein Team führen können. Besonders Shannon Scott ist hier gefragt. Greifen alle Teile ineinander, können sie Wisconsin den Big Ten Titel streitig machen. Dauert die Eingewöhnungszeit länger als erhofft, wird daraus wohl nichts. Trotzdem sollte das NCAA Tournament erreicht werden und dort ist sowieso Alles möglich.