15 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Vor etwas mehr als einem Jahr hätten wahrscheinlich nur die eingefleischtesten College Basketball Fans außerhalb von Utah mehr als zwei Namen des Kaders benennen können. Und diese zwei Namen erlangten auch nicht unbedingt Bekanntheit aufgrund ihrer in Utah ansässigen Träger, sondern eher wegen deren Brüdern. Gemeint sind Wright und Bachynski. Delon Wright stand bis zur letzten Saison im Schatten seines älteren Bruders Dorell, der schon mehrere Jahre NBA Erfahrung aufweisen kann. Bei Dallin Bachynski war es Bruder Jordan, der die NCAA in der Kategorie "Blocks per Game" als Sun Devil anführte. Doch binnen der letzten zwölf Monate änderte sich dieses Bild schlagartig. Zumindest alle PAC 12 Konkurrenten sollten nun gewarnt sein und die Utes auf keinen Fall unterschätzen.
Die Saison startete relativ unspektakulär, da die meisten Gegner eher unbedeutende Universitäten für den Leistungsbasketball darstellten. Im Dezember sorgten die Utes dann für erste kleine Ausrufezeichen mit Erfolgen über Fresno State und BYU. Der Start in die Conference Saison verlief zwar nicht sonderlich verheißungsvoll, da man unter anderem gegen Washington State verlor, doch das Team steigerte sich im Laufe der Wochen und konnte Überraschungserfolge gegen UCLA, California und Arizona State einfahren. Letztendlich stand man dann mit einer durchaus positiv zu wertenden 9-9-Bilanz im Mittelfeld der starken PAC 12. Im Conference eigenen Turnier warf man zunächst das Team aus Washington aus dem Rennen. Doch am nächsten Tag setzte es eine deftige Klatsche gegen einen der Titelfavoriten der NCAA, Arizona. Mit der Intensität der Wildcats konnten die Utes einfach nicht mithalten und so lief man bereits in der ersten Halbzeit einem hohen Rückstand hinterher. Allerdings reichten die couragierten Leistungen, um eine NIT Teilnahme zu erwirken. Dort unterlag man jedoch Saint Mary's mit 70:58. Allein die Einladung war jedoch schon eine große Auszeichnung für die erbrachten Leistungen der Saison.

Abgänge
Ahmad Fields (G 6-5) Marko Kovacevic (F 6-11), Renan Lenz (F 6-9), Princeton Onwas (G 6-6), Parker van Dyke (G 6-3)
Während Ahmad Fields, Marko Kovacevic und Parker van Dyke nie über Kurzeinsätze hinaus kamen und daher auch zu verschmerzende Abgänge darstellen, sieht das bei den anderen beiden Spielern etwas anders aus. Der Brasilianer Renan Lenz hat ein weiches Handgelenk auch aus der Halbdistanz und ergab mit Bachynski oft ein gutes Gespann in der Offense, da einer dem anderen den nötigen Raum verschaffte. Zudem konnte Lenz unter den Körben resolut zupacken. Princeton Onwas brachte eine ordentliche Portion Athletik ins Spiel und war jederzeit für spektakuläre Aktionen gut. Dennoch ließ er immer wieder Zweifel aufkommen, ob er zur Spielweise des Trainers passt. 

Zugänge
Brekkott Chapman (F 6-8, Fr), Kyle Kuzma (F 6-9, Fr), Chris Reyes (F 6-7, Jr), Jakob Pöltl (C 7-0, Fr), Isaiah Wright (G 6-2, Fr)  

Wichtigster Akteur in der obigen Aufzählung ist Power Forward Brekkott Chapman. Dieser bringt viel Talent mit, verbindet dieses aber auch mit einer gesunden Arbeitseinstellung. Chris Reyes ist der erfahrenste Neuzugang und wird der Flügelrotation Tiefe verleihen. In die Riege der vielversprechenden Forwards fügt sich als letzter Name Kyle Kuzma ein, der aber vorwiegend in Korbnähe agieren wird. Jakob Pöltl machte sich mit soliden Auftritten als wichtigster Spieler verschiedener österreichischer Jugendnationalmannschaften einen Namen. Den Eindrücken in den ersten Trainingseinheit nach zu urteilen, konnte er viele Beteiligte positiv überraschen. Abgerundet wird die neue Freshman Gruppe von Isaiah Wright, der die Guard Rotation beleben soll. 

Verbleibender Kader
Dallin Bachynski (C 7-0, Sr), Jordan Loveridge (F 6-6, Jr), Kenneth Ogbe (G 6-6, So), Jeremy Olsen (C 6-10, Jr), Brandon Taylor (G 5-10, Jr), Dakarai Tucker (G 6-5, Jr), Delon Wright (G 6-5, Sr) 



Coach
Larry Krystkowiak 
4.Saison 42-55 (Utah), 6.Saison 84-75 (Insgesamt), 2 Mal NCAA Tournament
Nach einem abwechslungsreichen Start in die Trainerkarriere mit Stationen als erfolgreicher College Coach, CBA Coach und sogar NBA Trainer, scheint "Special K" seine sportliche Heimat nun in Utah gefunden zu haben. Innerhalb der ersten drei Jahre als Verantwortlicher der Utes schaffte er es, die Mentalität und Ansprüche der Studenten an sich selbst, komplett zu verändern. Als Resultat nahm die Anzahl der Siege mit jedem Jahr zu. Nun steht Krystkowiak ein Team zur Verfügung, mit dem er die Teilnahme am NCAA Tournament verwirklichen kann. Doch nicht nur spielerisch besitzen die Spieler das Potential dazu. Der Übungsleiter lässt eine unangenehme Verteidigung praktizieren, die durch häufiges Switchen und starkes Absinken nicht deutlich zu erkennen gibt, ob der Gegner es gerade mit einer Mann- oder Zonenverteidigung zu tun hat. Durch die hohe Anzahl an Missmatches geben die Utes jedoch viele Offensivrebounds ab. Auch in der Transition Defense hapert es noch hier und da. In der Offense arbeitet Krystkowiak mit vielen Pick & Roll Situationen, in denen er sich die Künste von Delon Wright zu Nutze macht.



Backcourt
Brandon Taylor, Delon Wright, Dakarai Tucker
Der kleine Guard ergibt in Kombination mit Backcourt Partner Delon Wright ein eingespieltes Tandem, das dem Gegner das Leben in der Verteidigung schwer macht. Auch wenn nominell Taylor aufgrund seiner geringen Körpergröße als der Point Guard geführt wird und auch meistens den Ballvortrag übernimmt, agiert er vorzugsweise abseits des Balls. Dann überlässt er die Spielorganisation Wright und kann sich besser auf seine Qualitäten als Spotup Shooter konzentrieren. Das kommt ihm sehr entgegen. Zumal er als Ballhandler hin und wieder Schwierigkeiten mit druckvoller Verteidigung hat. Besonders im Pick & Roll lässt er manchmal die Souveränität vermissen, die sich ein Coach von seinem Spieler in diesen Situationen wünschen würde. Seine mangelnde Körpergröße macht sich hier negativ bemerkbar. Auch in der Defense muss er diesen körperlichen Nachteil ausgleichen, was ihm nicht immer gelingt. Speziell wenn Utes switchen und er plötzlich Big Men verteidigen muss, gerät er in Schwierigkeiten. 

Nach seiner Breakout Saison werden vom Allrounder fast schon Wunderdinge erwartet. Er soll das Team schultern und in das NCAA Tournament führen. Das ist der Plan in den Köpfen vieler Fans und Experten. Die Basis für diesen Wunsch ist seine effektive Spielweise. Speziell offensiv ist der großgewachsene Guard sehr vielseitig einsetzbar. Seine größte Stärke ist das Lesen von Pick & Roll Situationen. Dank seiner Größe kann er häufig nicht nur über seinen eigenen Gegenspieler, sondern auch noch über den seines Mitspielers hinweg blicken und das Spielfeld im Auge behalten. Dadurch sieht er viele Passoptionen, die den meisten Guards verborgen bleiben und nutzt diese Voraussetzung zu gut gezielten Anspielen, die eine Defense zum Kollabieren bringen. Dazu gerät er nicht in Hektik, wenn er diesen Pass nicht sofort entdeckt. Stattdessen hält er sein Dribbling aufrecht und legt sich die Verteidigung so zurecht, wie er sie gerne haben möchte, um anschließend zu attackieren. Die einzige Schwachstelle im Spiel des Seniors ist sein Distanzwurf. Dadurch hat sein Verteidiger oft die Möglichkeit, unter dem Block hindurch zu huschen und so weiter vor Wright zu bleiben. 

Tucker braucht nicht den Ball in den Händen zu halten, um einen positiven Effekt auf die Defense zu haben. Seine Präsenz als ausgewiesener Schütze reicht aus, um seinen Gegenspieler an sich zu binden und damit Räume für die Mitspieler zu schaffen. Begeht der Verteidiger trotzdem den Fehler, einem Teamkameraden zur Hilfe zu eilen, bestraft Tucker dieses Verhalten nach Erhalt eines Kickouts mit seinem tödlichen Distanzwurf eiskalt. Allerdings tendiert Tucker dazu, an der Dreierlinie zu parken und phasenweise überhaupt nicht den Korb zu attackieren. Kein Wunder also, dass zwei Drittel seiner Würfe aus dem Dreipunktebereich die Reise Richtung Korb antreten. Auch in der Defense muss Tucker noch einen Zahn zulegen. 

Frontcourt
Jordan Loveridge, Dallin Bachynski
Auch wenn er in der abgelaufenen Spielzeit der zweitbeste Punktesammler des Überraschungsteams war, sollte sich der kräftige Forward seiner Sache nicht zu sicher sein. In seinem Rücken lauert mit Brekkott Chapman ein vielversprechender Freshman. Loveridge selber war in seiner Spielweise nicht gerade effektiv. Fast ein Viertel aller Angriffe liefen über den Forward, wenn er auf dem Feld stand, obwohl ihm mit Bachynski und Wright zwei wesentlich stärkere Offensivspieler zur Seite standen. Auch optisch wirkten seine Angriffsbemühungen gezwungen und alles andere als souverän. Oft überdrehte er und versuchte es mit mehreren Verteidigern gleichzeitig aufzunehmen, was in den seltensten Fällen erfolgreich endete. Stellt er diese überstürzten Aktionen nicht ab, könnte sich seine Spielzeit schnell reduzieren. Andersherum könnte sich Loveridge aber auch zum Shooting Star des Teams entwickeln. 

Der Kanadier ist in der Offensive sehr begabt und ein wichtiger Faktor im System der Utes. Er bekommt viele Möglichkeiten, im Lowpost zu operieren und macht das Beste aus diesen. Oftmals nutzt er geschickt Täuschungen und seinen Größenvorteil, um den Verteidiger aussteigen zu lassen und nachfolgend einen einfachen Korbleger zu haben. Als Bonus oben drauf ist der Senior mit guter Spielübersicht ausgestattet und kann produktive Anspiele zu cuttenden Mitspielern abliefern. Auch im Pick & Roll besitzt er seine Qualitäten. Er stellt gute Blöcke und rollt sich zumeist im richtigen Moment ab. Allerdings ist dafür die Defense des Big Man ausbaufähig. Das hängt zum Teil zwar auch mit dem häufigen Switchen der Gegenspieler ab, ist aber dennoch in üblichen Situationen erkennbar. Trotz seiner Größe flößt er den meisten athletischen Guards keine Angst als Shotblocker ein, da er sich nur auf seine Größe verlässt. Sobald ein Gegenspieler auch einigermaßen ebenbürtig in Sachen Körpergröße ist, bekommt der Centerspieler Schwierigkeiten bei der Beherrschung des Defensivrebounds. Gerade davon geben die Utes zu viele an ihre Opponenten ab.   


Bank
Zwei Athleten dürfen sich zu den etablierten Kräften zählen, denen eine Spielzeit Garantie gewiss sein dürfte. Einer von den beiden ist der deutsche Youngster Kenneth Ogbe. Dieser ist mit seinen fast zwei Metern Körpergröße sogar in der Lage, den Ball zu bringen. Bereits als Freshman konnte er des Öfteren mal seine Sprungkraft und Körperkontrolle zum Besten geben. Nun muss das Ziel sein, die Spielminuten kontinuierlich auszubauen und noch präsenter in der Offense zu sein. Des Weiteren ist Jeremy Olsen ein altbekanntes Gesicht im Kader. Der Centerspieler fügte sich letzte Saison gut ein und stach mit seiner guten Defense heraus. Besonders wertvoll macht ihn seine Fähigkeit, trotz seiner Größe auch kleine Guards vor sich halten zu können. Bei der Pick & Roll Verteidigung kann er daher problemlos den Gegenspieler wechseln. Offensiv leistet er sich wenige Fehler, macht aber auch nicht mehr, als nötig. In seinem Fall heißt das, dass er sich auf Durchstecker und Putbacks beschränkt. Brekkott Chapman könnte sehr schnell in die Starting Five rutschen, denn der Forward bringt hervorragend Voraussetzungen mit, um ein solider College Spieler zu werden. Der Linkshänder hat einen guten Touch aus der Distanz, kann aber dank seiner cleveren Spielweise in der Zone oder als Ballverteiler vom Highpost operieren. Allerdings muss er erst noch die richtige Position für sich ausmachen, da er noch zwischen der 3 und 4 gefangen ist. Kyle Kuzma ist schon eher auf der 4 verankert und wird den Kampf um Minuten als Backup antreten. Als Energizer von der Bank sollte er diese auch von Beginn bekommen. Dennoch muss er um jede einzelne hart kämpfen, da Chris Reyes einen Vorteil in Sachen Erfahrung deutlich voraus ist und zudem schon weiß, wie man sich unter dem Korb im Angriff durchsetzen kann. Jakob Pöltl wird als dritter Center wenig Spielzeit sehen und sich erst an das Tempo und die Physis des College Basketballs gewöhnen müssen. Isaiah Wright soll im Backcourt die Defense ankurbeln und sich langsam für eine maßgeblichere Anzahl an Minuten empfehlen.   

Ausblick
Das diesjährige Team ist deutlich tiefer besetzt. Besonders auf den Forward Positionen kann Coach Krystkowiak zwischen mehreren Alternativen auswählen. Die Stammkräfte der letzten Saison blieben zudem erhalten und sind auch schon eingespielt, sodass die Utes das NCAA Tournament anpeilen können. Das Team ist strukturiert, wie der typische Underdog, der im März groß aufspielt. Es wird viel auf go-to guy Delon Wright und dessen Leistungen in der Offensive ankommen. Doch wenn dieser zum richtigen Zeitpunkt heißläuft und die Defense der Studenten aus dem Mormonenstaat für genug Verwirrung sorgen kann, ist eine Menge in der kommenden Saison möglich.