15 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Auch noch viele Monate nach der Saison beschäftigte viele College Fans eine Frage: Wie gut waren die Wichita State Shockers in der Saison 2013-14 wirklich? Waren sie eines der historisch besten Teams der NCAA Geschichte, das im entscheidenden Moment Pech hatte? Oder profitierten sie bei ihrer Lauf von einem geschickt gelegten Spielplan mit meist nicht mal mittelmäßigen Gegnern und ist daher der Rekord gar nichts wert? Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte. Fakt ist, dass die Shockers als erstes Division I Team überhaupt den 30.Sieg errangen, ohne vorher eine einzige Niederlagen eingesteckt zu haben. Am der Saison konnten sie den Rekord auf 35 Auftaktsiege in Folge ausweiten, ehe Kentucky im zweiten Tournament Spiel den Spaßverderber mimte. Getrübt wird diese Zahl von der Tatsache, dass die Conference der Shockers kaum ernste Prüfungen beinhaltete. Zumindest im Non-Conference Teil der Saison traf man aber auf spätere Tournament Teilnehmer wie BYU, Saint Louis und Tennessee. Gerade Saint Louis war zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon ein eingespielter Gegner mit harter Defense und gutem Talentlevel. Zudem muss ein Team auch erst mal mit dem medialen Druck umgehen können, der plötzlich auf die Shockers ein preschte. Mit jedem Sieg, den sie einfuhren und sich damit dem Rekord näherten, wurde der Druck auf das Team größer, diese historische Marke von 30+ Siegen zu erreichen. Ende Februar war es dann endlich soweit. Mit einem gewohnt dominanten Auftritt bei der Bradley University gewann die WSU das 30.Spiel in Folge und sicherte sich damit einen Platz in den Chroniken der NCAA. Nach einer 34:0 Bilanz schien der 1 Seed im Tournament trotz vereinzelt auftauchender Kritik nur logisch zu sein. Die Pflichtaufgabe gegen Cal Poly wurde im ersten Spiel souverän gemeistert. Doch es folgte das besagte Spiel gegen Kentucky. Die Wildcats waren auf Rang 9 der Midwest Region platziert worden, was der mäßigen Saisonleistung geschuldet war. Doch gemessen am Talent, begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe. So entwickelte sich eines der hochklassigsten Tournament Spiele des Jahres, in dem sich die Teams einen offenen Schlagabtausch lieferten. Bis zur letzten Sekunde hatten die Shockers die Siegchance in der eigenen Hand. Doch VanVleets letzter Dreier verfehlte sein Ziel, sodass die erste Saisonniederlage gleichzeitig das frühe Aus im Tournament bedeutete.

Abgänge
Kadeem Coleby (C 6-9), Cleanthony Early (F 6-8), Chadrack Lufile (F 6-9), Nick Wiggins (G 6-6)
Mit Cleanthony Early verlässt der beste Scorer die Mannschaft, um künftig für die New York Knicks zu spielen. Der athletische Forward zeichnete sich besonders in den wichtigen Spielen durch eine hohe Treffsicherheit aus der Distanz aus. Aber auch im Fastbreak oder im 1-1 konnte Early sein Potential aufblitzen lassen und einen Gegner im Alleingang abschießen. Kadeem Coleby war der beste Verteidiger der drei Centerspieler. Als Anker der Defense konnte er viele Würfe wieder an den Absender zurück schicken. Chadrack Lufile spezialisierte sich hingegen eher auf den Rebound und griff sich dementsprechend viele Abpraller. Nick Wiggins sollte eigentlich für Scoring und Shooting von der Bank sorgen, wirkte aber den Großteil der Saison über wie ein Fremdkörper im Team. Seine schlechte Wurfauswahl und sein sinkendes Selbstvertrauen führten zu miserablen Quoten und nur geringer Spielzeit.

Zugänge
Zach Brown (F 6-6, Fr), Tevin Glass (F 6-9, Jr), Corey Henderson (G 6-2, Fr), Rashard Kelly (F 6-7, Fr), Tom Wamukota (C 6-11, Jr)
Auch in diesem Jahr versucht Gregg Marshall die größten Lücken im Kader mit ambitionierten Junior College Abgängern zu füllen. Tevin Glass gilt als Nachfolger von Early und legte am Northwest Florida State College solide Werte auf und zeigte sich in seiner zweiten Saison dort stark verbessert gegenüber seiner Debütsaison. Tom Wamukota spielt erst seinem Senior Jahr in der Highschool organisiert Basketball, da er nach einem Wachstumsschub deutlich größer als seine Mitschüler war. Die zwei Jahre am Junior College konnte er nutzen, sich weiter mit der Sportart vertraut zu machen und an Masse zuzulegen. Freshman Zach Brown könnte sich als Steal herausstellen, da der Wing zu Beginn seiner Highschool Zeit vermehrt als Aufbauspieler eingesetzt wurde und dadurch ein hohe Spielintelligenz mitbringt. Als Point Forward könnte er eine wichtige Rolle einnehmen, da der Backcourt nach Wiggins' Abgang etwas dünn besetzt ist. Doch auch für Corey Henderson besteht darin eine Chance auf sofortige Einsatzzeiten. Rashard Kelly wird auf den Forward Spots um Minuten kämpfen müssen trotz der zu erwartenden Findungsphase im Frontcourt.

Verbleibender Kader
Ron Baker (G 6-3, Jr), Zach Bush (F 6-6, So), Darius Carter (F 6-7, Sr), Tekele Cotton (G 6-2, Sr), Fred VanVleet (G 5-11, Jr), Evan Wessel (G 6-5, Jr) 



Coach
Gregg Marshall  
8.Saison 174-71 (Wichita State), 17.Saison 368-154 (Insgesamt), 10 Mal NCAA Tournament, 1 Mal Final Four
Gregg Marshall hat in seinen Jahren bei den Shockers ein anerkanntes Programm aufgebaut, das in der letzten Saison eines der historisch erfolgreichsten College Teams auf die Beine stellte. Zwar kann man anführen, dass auch der Spielplan nicht sonderlich viele Herausforderungen bereithielt, doch wer sich die Spiele der Shockers ansah, weiß, dass mehr dahinter steckt(e), als bloß ein leichter Spielplan. Gregg Marshall legt auf die Grundlagen sehr viel Wert. Seine Spieler müssen harte und engagierte Defense spielen, damit sie leichte Fastbreaks für das Team ermöglichen können. Aus diesen Transition Situationen holt die Shockers fast immer das Optimum heraus. Gibt es keine Möglichkeit zum Schnellangriff, ziehen die Spieler das Feld in die Breite und die Guards, vorwiegend VanVleet, laufen Pick & Roll. Ergibt sich daraus ein Missmatch, wird dieses konsequent ausgenutzt. Daher gibt es bei Wichita State auch mehr Isolationen, als man es vom College Basketball vielleicht gewohnt ist. Doch die Spieler besitzen genug Mittel, um das 1-1 mit ihrem Gegner zu gewinnen. Ist dies nicht der Fall, erkennt Marshall dies relativ früh und setzte stattdessen auf ein weiteres Pick & Roll und den daraus folgenden Anschlussoptionen.   



Backcourt
Fred VanVleet, Ron Baker, Tekele Cotton
Der beste Point Guard der NCAA wird auch im kommenden Jahr die Geschicke in der Offense der Shockers leiten und sein Team erneut möglichst weit im Tournament führen. VanVleet ist ein geborener Anführer und Spielmacher im klassischen Sinne. Er versucht, seine Mitspieler besser zu machen und sie gut aussehen zu lassen. Dabei unterlaufen ihm selten Fehler und er hat alle anderen neun Akteure auf dem Feld genauestens im Auge. Nicht von ungefähr kommen fabelhafte Werte beim Offensiv Rating (134,9) oder bei der Assist-Turnover-Ratio (4,15) zu Stande. Er beherrscht das Pick & Roll perfekt und trifft eigentlich immer die richtige Entscheidung. Komplettiert wird das Paket im Angriff mit einer robusten Herangehensweise bei Korblegern oder anderen Abschlüssen in der Zone, sowie einem sicheren Händchen aus der Distanz. In der Verteidigung kann er am Perimeter gehörigen Druck auf den ballführenden Spieler ausüben und stibitzt dank seiner flinken Finger viele Bälle. Wo ist also der Haken, warum spielt er nicht schon längst in der NBA? Die Antwort ist einfach: Er ist zu klein. Zumindest aus Sicht der meisten Scouts und GMs. Vielleicht ändert eine NCAA Meisterschaft ja diese Sichtweise (Kemba Walker und Shabazz Napier lassen grüßen). 

Auch Ron Baker stieg im Lauf der letzten eineinhalb Jahre in den Dunstkreis möglicher Anwärter für den NBA Draft auf. Gründe dafür sind seine abgeklärte Spielweise und seine Treffsicherheit aus der Distanz. Baker ist ein Combo Guard. An der Seite von VanVleet profitiert er von dessen präzisen Anspielen und bedankt sich mit einer hohen Trefferquote. Doch noch viel wichtiger ist, dass er seinen Backcourt Partner beim Ballvortrag entlasten kann. Bakers Ballhandling und sein Verhalten im Pick & Roll sind gut genug, um die Offense der Shockers im Fluss zu halten. Auch in der Defense kann Baker seinen Teil zum Teamerfolg beitragen und sich zu einem unangenehmen Gegenspieler entwickeln. Zudem geht er sehr entschlossen Loseballs und Rebounds hinterher. 

Auch wenn Cotton sich in erster Linie über seine faszinierende Sprungkraft (hier eine Kostprobe) und generelle Athletik definiert, hat er sich mittlerweile zu einem sehr kompletten Spieler entwickelt. Besonders seinen Dreier konnte der vielseitige Guard stabilisieren und zu einer ernstzunehmenden Waffe umfunktionieren. Offene Würfe finden nun zum Großteil ihr Ziel. Zudem bewegt er sich sehr gut ohne Ball und erkennt schnell, wann sein Verteidiger schläft. Damit ist er der perfekte Mitspieler für VanVleet und Baker, die ihn im richtigen Moment in Szene setzen. Seine größte Stärke ist aber seine Defense. Dort schaltet er jeden Guard oder kleinen Forward aus und sichert seinem Team zusätzlich noch viele Rebounds.

Frontcourt
Tevin Glass, Darius Carter
Glass wird sich voraussichtlich in die Reihe der erfolgreichen Junior College Abgänger vergangener Jahre einreihen. Glass ist ein Arbeiter am Brett, der sich im Getümmel der Zonen durchzusetzen weiß. Auch beim Rebound ist er immer sehr aktiv vertreten, sodass er eine mögliche Schwachstelle des diesjährigen Teams schließen kann, bevor sie richtig entstanden ist. Zudem ist bereit, an seinem Spiel zu arbeiten und sich zu entwickeln. Bereits jetzt kann er offene Würfe aus der Halbdistanz versenken, doch nach eigener Aussage will er seine Reichweite bis zur Dreierlinie ausweiten. Das sind vielversprechende Ansätze für einen guten Einstand bei den Shockers. 

Als einziger der drei Big Men aus der vergangenen Saison ist Darius Carter den Shockers erhalten geblieben. Immerhin war er der beste Center, wenn es um das Pick & Roll ging. Aber auch im Post kann man ihm mal den Ball geben, damit er seinen Jumphook mit der rechten Hand anbringen kann. Seine Hauptaufgaben werden aber im Wesentlichen zwei Dinge sein: Defense und Rebounding. Gerade bei Letzterem könnte er sich noch etwas verbessern. Da fehlt ihm oft noch das Timing. Aber auch als Beschützer des Rings muss der Big Man einen Schritt nach vorne machen, sonst könnte Coach Marshall entscheiden, seine Spielzeit zu kürzen und anderen Spielern zu geben. 


Bank
Corey Henderson darf sich als Backup von VanVleet und Baker für wenige Minuten versuchen. An der Seite der beiden sollte er schnell lernen, wie das Spiel funktioniert und sich Einiges abschauen können. Über Kurzeinsätze wird er aber nicht hinauskommen als Freshman. Evan Wessel ist dank seiner guten Rollenspieler Qualitäten in den kommenden Jahren gesetzt als wichtiger Akteur von der Bank. Von den Positionen 1-4 kann er jede je nach Gegner ausfüllen. Sein Wurf ist gut genug, um für gutes Spacing zu sorgen. Zudem stellt er für einen Flügelspieler ausgezeichnete Blöcke. Auf den beiden Forward Spots werden die Freshmen Zach Brown und Rashard Kellly und Sophomore Zach Bush um Minuten buhlen. Brown ist eher ein Perimeter Spieler, der sich an der Highschool als Allrounder auszeichnete, während Kelly der Inbegriff eines Power Forwards ist und Energie ins Spiel bringen kann. Bush durfte bereits letzte Saison hin und wieder kurz auf das Parkett und kann damit ein wenig Erfahrung aufweisen. Tom Wamukota bringt die nötige Größe mit sich, um dem Team beim Rebound zu helfen und zudem die eigene Zone sauber zu halten. Allerdings wird er sich erst noch ein paar Wochen lang auf das neue Tempo einstellen müssen.

Ausblick
Die sensationellen Rekorde der letzten Saison werden dieses Jahr nicht zu erreichen sein. Dennoch werden die Shockers sich auch dieses Mal wieder unter den besten Teams der NCAA wiederfinden. Allein das Trio aus VanVleet, Baker und Cotton kann mit jedem Backcourt des Landes konkurrieren. Auf den großen Positionen ist man auch wieder solide besetzt, allerdings nicht so tief wie im Vorjahr. Zudem fehlt ein Big Time Scorer wie Cleanthony Early. Dennoch sollte das Team wieder relativ unbeschadet ins Tournament einziehen und dort derselben Problematik der vergangenen Jahre entgegentreten: Der mangelnden Erfahrung auf hohem Niveau.