15 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Bereits früh in der Saison präsentierten sich die Badgers in prächtiger Form. Im zweiten Spiel der Saison rang man die Florida Gators nieder, auch wenn diese Leistung nicht unbedingt als Maßstab gelten durfte, da bei den Gästen gleich mehrere Schlüsselspieler fehlten. Es folgten weitere Erfolge über Colleges mit langer Tradition oder erfolgreichen Spielzeiten in der jüngsten Vergangenheit, doch keines der letztjährigen Teams konnte diesem Ruf gerecht werden, sodass die Badgers auf dem Papier zwar reihenweise harte Brocken bezwangen, in Wirklichkeit aber nur gegen mittelmäßige Kontrahenten spielten. Namentlich waren dies Saint Louis (63:57), West Virginia (70:63), Virginia (48:38) und Marquette (70:64). Immerhin konnten die Badgers aber alle Duelle bis zum Start der Big Ten Saison für sich verbuchen. Auch die ersten Partien der Conference Saison verliefen ansprechend und man konnte drei Mal siegen. Es folgte allerdings die schlechteste Saisonphase, während der man fünf von sechs Begegnungen abschenkte. Besonders ärgerlich war dabei, dass man mit Ausnahme von Ohio State und Michigan gegen kein ambitioniertes Team spielte. Erst gegen Illinois fand man wieder in die Erfolgsspur und verließ diese nicht mehr bis zum letzten Spiel der regulären Saison in Nebraska. Beim anschließenden Conference Tournament schied man im Halbfinale gegen den späteren Champ Michigan State aus. Als 2 Seed startete Wisconsin in die verrückten Monate des März. Dort fegte man zuerst die American University vom Parkett und hielt diese bei lediglich 35 Punkten. Oregon erwies sich da schon als wesentlich härtere Nuss. Ein Kraftakt in der zweiten Halbzeit war von Nöten, um das Sweet Sixteen zu erreichen. Dort traf man auf die Baylor Bears, denen die Woche Pause offensichtlich nicht gut getan hatte und deren Zone Wisconsins Schützen in die Karten spielte. Im Elite Eight kam es dann zum Showdown gegen 1 Seed Arizona. In einem hochdramatischen Spiel, das von der ersten bis zur letzten Minute ausgeglichen verlief, verpasste Traevon Jackson den möglichen Gamewinner vor dem Ende der regulären Spielzeit, sodass das Spiel in die Verlängerung ging. Mit einer knappen Führung ging es in die finale Minute der Overtime. In dieser ließ man keinen Korb mehr zu und durfte den Einzug ins Final Four feiern. Zu einer ähnlichen Situation kam es im Halbfinale gegen Kentucky. Dort führte man gegen Ende der Begegnung ebenfalls und war nur eine gute Verteidigungssequenz vom Finale entfernt, ehe Aaron Harrison die Titelhoffnungen der Badgers mit einem Dreier zerstörte.

Abgänge
Ben Brust (G 6-1)
Auch wenn er nur ein einzelner Spieler ist und gerade bei den Badgers das Wort Teamwork groß geschrieben wird, ist sein altersbedingtes Ausscheiden ein großer Verlust. Besonders als Anführer war der Guard unverzichtbar. Mit großem Kämpferherz stoppte er in der Defense jeden gegnerischen Backcourt Spieler und sicherte sich Rebounds gegen wesentlich größere Gegenspieler. Außerdem hechtete er jedem Ball hinterher und stürzte sich in jedes Getümmel, wodurch er eine Vorbildfunktion einnahm. Zusätzlich zu dieser hervorragenden Arbeitseinstellung stellte er mit 235 verwandelten "Threes" einen Schulrekord auf und war in der Crunchtime eine wichtige Option im Angriff.

Zugänge
Ethan Happ (F 6-9, Fr), T.J. Schlundt (G 6-5, Fr), Zak Showalter (G 6-2, So)
Bo Ryan setzt nicht auf ein großes Brimborium, wenn sich potentielle Freshmen die Uni angucken. Entgegen dem Hype um junge Talente zu buhlen, bevorzugt Ryan lieber auf Spieler aus der Region, die eine gute Grundausbildung genossen und für mehr als nur ein Übergangsjahr für die Badgers auflaufen wollen. Ethan Happ ist dieses Jahr der vielleicht namhafteste Neuzugang. Mit einer U18 Auswahl durfte er im Frühjahr die USA beim Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim vertreten. Dabei entwickelte er sich zu einem der dominantesten Spieler des Turniers. T.J. Schlundt ist einer dieser typischen Ryan Rekruten. Als exzellenter Schütze mit solider College Karriere hatte er mehrere Stipendien Angebote vorliegen, entschied sich aber gegen diese, um als Walk-On für Wisconsin zu spielen. Zak Showalter legte im letzten Jahr ein Redshirt Jahr ein, um an seinen Schwächen zu arbeiten und das System von Bo Ryan noch weiter zu verinnerlichen. 


Verbleibender Kader
Vitto Brown (F 6-8, So), Sam Dekker (F 6-9, Jr), Duje Dukan (F 6-10, Sr), Josh Gasser (G 6-4, Sr), Nigel Hayes (F 6-8, So), Jordan Hill (G 6-3, So), Traevon Jackson (G 6-3, Sr), Frank Kaminsky (C 7-0, Sr), Bronson Koenig (G 6-4, So) 



Coach
Bo Ryan
14.Saison 321-121 (Wisconsin), 16.Saison 351-148 (Insgesamt), 13 Mal NCAA Tournament, 4 Mal Sweet Sixteen, 1 Mal Elite Eight, 1 Mal Final Four
Schon die kleinste Ungenauigkeit kann Bo Ryan zur Explosion bringen. Der Basketballlehrer ist ein Perfektionist und will, dass seine Spieler die Dinge auf dem Feld exakt so umsetzen, wie er es sich vorstellt. Unterläuft einem Spieler, egal ab blutjunger Freshman oder alteingesessener Senior, ein Fehler, der vermeidbar gewesen wäre, wird dieser Spieler sofort ausgewechselt und erhält eine lautstarke Erklärung. Diese Methode ist ungemein effektiv und führt dazu, dass Wisconsin immer unter den besten Teams in den Kategorien Ballverluste pro Spiel und Fouls pro Spiel rangiert. In der Offense wird eine uneigennützige Swing Offense gelaufen, bei der das Spacing und die Präzision in den Aktionen die wichtigsten Rollen spielen. Auf der anderen Seite des Feldes lassen die Badgers nur sehr wenig zu und verteidigen sehr intensiv, allerdings auch sehr sauber, sodass der Gegner kaum an die Linie geschickt wird. 

Backcourt
Traevon Jackson, Josh Gasser
Der Linkshänder hat sich in der letzten Saison zum vielleicht besten Aufbauspieler der Big Ten entwickelt. Er hat die Zügel in der Hand und organisiert sein Team in der Offense. Dabei unterlaufen ihm zwar noch öfter Fehler, als Bo Ryan lieb ist, allerdings ist sein Spiel schon wesentlich effektiver geworden. Zudem ist er einer der wenigen Spieler im Kader, der zum Ende der Angriffszeit hin, seinen eigenen Wurf kreieren kann, der dann auch meist eine realistische Chance hat, sein Ziel zu finden. Besonders der Mitteldistanzwurf aus dem Dribbling ist für ihn ein hochprozentiger Wurf. In der Defense versteht er es mittlerweile, dass nicht der Steal ein Indikator für gute oder schlechte Defense ist, sondern die Tatsache, dass er es schafft, seinen Gegenspieler vor sich zu halten. 

Gasser kam nach seinem Kreuzbandriss so ins Team zurück, als wäre nie etwas passiert. Vom ersten Tag an war er im Team erstklassig integriert. Außerdem spielte er vollkommen unbeeindruckt seinen alten körperbetonten und einsatzwilligen Stil. Die meisten Spieler würden das nach so einer schweren Verletzung nicht hinkriegen. Doch für Gasser ist das so normal, wie das Swish Geräusch bei seinen Dreiern. Sein Wurf gehört technisch zum Besten, was die NCAA zu bieten hat und die Offense Wisconsin ermöglicht ihm viele offene Würfe. Er kann aber gleichzeitig auch den Ballvortrag übernehmen, da sein Balhandling und seine Übersicht für einen Flügelspieler sehr ausgeprägt sind. Das merkt man auch bei seinen Drives, da er sich nur selten in eine Klemme manövriert. 

Frontcourt
Sam Dekker, Nigel Hayes, Frank Kaminsky
Forward Sam Dekker bringt beste Voraussetzungen mit, um ein dominanter Spieler auf NCAA Ebene zu sein. Mit seiner Länge, Athletik und seinen basketballerischen Möglichkeiten ist er eine Ausnahmeerscheinung im College Basketball. Allerdings konnte er dieses Potential in seinen ersten beiden Jahren noch nicht vollends ausschöpfen. So wirkt es zumindest von außen betrachtet. Dass er dennoch drittbester Scorer und zweitbester Rebounder eines Final Four Teilnehmers war, deutet an, wie viel Talent in dem Jungen steckt. Zwei Aspekte in der Offense sind auf jeden Fall ausbaufähig. Das ist zum einen seine Freiwurfquote. Diese lag zuletzt bei unter 70 Prozent, obwohl der Wurf technisch gut aussieht. Sollte er diese Quote anheben können, wäre Punkt zwei umso wirkungsvoller: Dekker sollte öfter den Weg zum Korb suchen, anstatt sich auf den Dreier zu verlassen.   

Dan Dakich, seines Zeichens Big Ten Experte und TV Kommentator bei ESPN, hat gefühlt jede Woche einen neuen Lieblingsspieler, bei dem er aus dem Schwärmen nicht mehr herauskommt. Doch Nigel Hayes bekam mit Abstand die meisten Komplimente zugesprochen. Kein Wunder, denn vor der Saison hatten ihn die Wenigsten auf dem Zettel. Für einen Innenspieler ist er eigentlich etwas zu klein, doch dies macht er mit sehr viel Geschick, guter Fußarbeit und seinem robusten Körperbau wett. Im Post ist er für etwa gleich konstituierte Gegenspieler nicht zu bremsen. Damit gab er den Badgers in der vergangenen Saison eine verlässliche Option in Zonennähe, sodass Dekker und Kaminsky problemlos vom Perimeter attackieren konnten. In diesem Jahr ist die Maßgabe für ihn, den Starterposten zu rechtfertigen. Speziell beim Rebound gilt es, noch eine Schippe drauf zu legen.



Binnen eines Jahres sorgte Kaminsky mit seinen überragenden Leistungen dafür, dass er vom Reservisten zu einem Kandidaten für den "Player of the Year" Award aufstieg. In der Offense ist Kaminsky vermutlich der vielseitigste 7-Footer der vergangenen Jahre. In der Zone kann er dank guter Fußarbeit und gutem Touch seine Gegenspieler mit verschiedenen Post Moves austanzen. Auch sein Jumphook fällt sehr regelmäßig. Auch bei anderen centertypischen Aufgaben, wie dem Stellen von Blöcken, zeigt Kaminsky sein Können. Zusätzlich dazu verfügt er aber auch noch über einen absolut tödlichen Distanzwurf. Macht sein Verteidiger den Fehler und steht ihm zu sehr auf den Füßen, kann der frühere Guard Kaminsky aber auch mit einem schnellen Dribbling vorbei ziehen und kontrolliert abschließen. Zusätzlich zu seinen Talenten in der Offense fungiert er in der Verteidigung als Anker der Badgers Defense und bügelt die wenigen Fehler seiner Vorderleute glänzend aus. 

Bank
Aus der letztjährigen Rotation sind Bronson Koenig und Duje Dukan erhalten geblieben. Koenig konnte sich als Freshman durch seine geringe Fehlerzahl einen Stammplatz erarbeiten und konnte in einigen Tournament Spielen sogar spielentscheidende Aktionen setzen. Dieses Jahr wird der Backup Point Guard noch mehr als Schütze und Vorbereiter im Angriff glänzen müssen, da Ben Brust nicht länger im Kader steht. Duje Dukan überraschte viele mit seiner unauffälligen, aber teamdienlichen Spielweise, die er unabhängig von der Qualität des Gegners abrufen konnte. Auch dieses Jahr wird er wieder dafür zuständig sein, den Big Men Verschnaufpausen zu verschaffen und auf dem Feld so viele Rebounds, wie möglich einzusammeln. Allerdings wird er die ersten beiden Spiele fehlen, da er von der NCAA suspendiert wurde. Diese Strafe ist mal wieder einer kruden Regelung seitens der NCAA geschuldet, nach der Upperclassmen, die ein Redshirt Jahr einlegen, in jenem an keinerlei Spielen teilnehmen dürfen. Dukan hatte dies aber getan, bevor er feststellen musste, dass er nach seinem Drüsenfieber noch mehr Zeit brauchen würde.
Da Bo Ryan normalerweise eine Acht-Mann-Rotation bevorzugt und die ersten sieben Spieler sehr variabel einsetzbar sind, wird das Rennen um den letzten Platz in der Rotation sehr knapp werden. Will Ryan einen weiteren Guard auf dem Feld haben, ist Zak Showalter die wahrscheinlichste Wahl. Dieser stand als Freshman bereits einigermaßen regelmäßig auf dem Feld und kann als Schütze für gute Spacing sorgen. Aber auch die Forwards Vitto Brown und Ethan Happ können als zusätzliche Innenspieler auf Minuten hoffen, wenn auch in begrenzter Zahl hinter Spielern wie Dekker und Kaminsky.

Ausblick
Das Team ist talentiert, eingespielt, tough, erfahren und gut gecoacht. All dies sind Grundvoraussetzungen für einen NCAA Titel. Gerade die letzten beiden Punkte sind im College Basketball unerlässlich für jeden Titelaspiranten. Der Big Ten Titel sollte der erste Schritt in Richtung der Meisterschaft sein. Da der Big Ten auch das Talent der vergangenen Saison fehlt, geht Wisconsin als klarer Favorit ins Rennen. Im Tournament sollte sich dann die geringe Fehlerquote bezahlt machen und sie erneut ins Final Four führen. Gegen Gegner wie Kentucky, Duke oder Arizona wird es wichtig sein, die fehlende Tiefe im Vergleich zu den Kontrahenten durch die größere Routine zu kaschieren. Das ist der große Trumpf, den die Badgers zur Verfügung haben.