15 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Einen sehr harten Spielplan organisierte Coach Steve Fisher für sein Team und wurde mit guten Resultaten in seinem Handeln bestätigt. In den ersten Saisonwochen traf man auf mehrere gute Gegner wie Arizona, Creighton, Marquette, San Diego und Washington. Nur Arizona konnte sich gegen die Aztecs durchsetzen. Die Übermacht aus dem Nachbarstaat hatte einfach zu viele gute Ballhandler mit Routine und genügend Größe im Kader, um das Duell an den Brettern deutlich für sich zu entscheiden. Die anderen aufgezählten Gegner konnte man aber der Reihe nach besiegen und sich dabei auf einen bärenstarken Xavier Thames verlassen, der den Gegner entweder im Alleingang aus der Halle schoss oder in den Schlusssekunden die notwendige Routine an den Tag legte und das Team sicher über die Ziellinie führte. Auch das erste Conference Spiel gegen Colorado State, einen unangenehmen Gegner, wurde gewonnen. Bevor man jedoch richtig in den Conference Alltag einstieg, stand noch ein Charaktertest bei den Kansas Jayhawks an. In einem nervenaufreibenden Spiel konnte sich Fishers Team letztendlich knapp durchsetzen, nachdem man den Großteil des Spiels über einen knappen Vorsprung im Rücken hatte. Anschließend folgte ein allgemein recht souveränes Auftreten in der MWC, das nur von zwei ärgerlichen Niederlagen gegen Wyoming und New Mexico unterbrochen wurde. Im MWC Tournament drang man der Favoritenrolle entsprechend bis ins Finale vor, ehe man sich erneut New Mexico geschlagen geben musste. Trotzdem reichten die erbrachten Leistungen im Saisonverlauf, um als 4 Seed im NCAA Tournament eingestuft zu werden. Dort erwies sich New Mexico State als hartnäckiger Gegner. Gegen die Größe unter dem Korb hatten die Aztecs große Schwierigkeiten und konnten sich erst nach 5 Extraminuten durchsetzen. Wesentlich besser lief es da schon gegen North Dakota State. Dank der druckvollen Defense konnte man gegen Ende des Spiels schon den Schongang einlegen und Kräfte für die nächste Runde sparen. Dort traf man wieder auf Arizona. Dieses Mal konnte man physisch definitiv mithalten. Am Ende war die Offense allerdings zu ausrechenbar, weshalb man sich mit einer knappen 70:64-Niederlage begnügen musste.

Abgänge
Josh Davis (F 6-8), Xavier Thames (G 6-2)
Genau zwei Spieler gab es im letztjährigen Team, die nicht zu lange auf der Bank Platz nehmen durften, wenn die Aztecs erfolgreich sein wollten. Genau diese beiden verlassen nun die Universität altersbedingt. Erster Kandidat ist Josh Davis. Der Wandervogel fand in San Diego, seiner dritten sportlichen Heimat im Laufe seiner College Karriere, endlich ein Domizil. Mit seiner Reboundstärke minimierte er die zweiten Chancen für Gegner und erarbeitete seinem Team auf der anderen Seite eben solche. Einzig seine schwachen Auftritte an der Freiwurflinie wird wohl niemand in der am Pazifik gelegenen Stadt vermissen. Xavier Thames fühlte sich gerade dort sehr gut aufgehoben und war regelmäßig dankbarer Gast an der Linie. Er trug das Team in der Offense. Jede Angriffsaktion lief über ihn. Sein Midrange Game ist herausragend gut und nicht zu verteidigen. Mit seinen Mitteldistanzwürfen schoss er Teams selbst im NCAA Tournament im Alleingang aus der Halle.

Zugänge
Zylan Cheatham (F 6-7, Fr), Angelo Chol (F 6-9, Jr), Trey Kell (G 6-4, Fr), Malik Pope (F 6-8, Fr), Kevin Zabo (G 6-2, Fr) 
Vier talentierte Freshmen und ein erfahrener Transfer Zugang sollen gemeinschaftlich die Verluste von Thames und Davis eindämmen. Ersteren solllen Trey Kell und Kevin Zabo vergessen machen. Kell gilt dabei als ei heißester Anwärter auf Thames' ehemaligen Starterposten. Der Kanadier Zabo wird aber im Training alles geben, um seinem Freshman Kollegen möglichst viele Minuten abzuknöpfen. Angelo Chol darf sich als Nachfolger von Josh Davis versuchen. Auch Chol ist Linkshänder und verbrachte seine ersten beiden Jahre in Arizona. Dort sah er aber nur wenige Spielanteile. Speziell als Sophomore war er hinter dem neuen Freshman Trio Tarczewski, Ashley, Jerrett kaum auf dem Feld zu sehen. Also entschloss er sich im vergangenen Sommer für einen Tapetenwechsel und wählte die Aztecs als neues Team. Nach seinem Jahr Pause, das die NCAA nach Wechseln vorschreibt, ist er nun bereit, auf dem Parkett Akzente zu setzen. Zylan Cheatham und Malik Pope sind zwei Edeljoker für den Flügel. Sie werden sich jedoch vorerst in die Mannschaft einfinden müssen und vermutlich in den ersten Spielen fehlen. Pope laboriert noch an den folgenden ein Beinbruchs aus seiner Highschoolzeit und Zylan Cheatham brach sich im Training den Fuß, womit er voraussichtlich bis Anfang Dezember ausfällt. 


Verbleibender Kader
Dakarai Allen (G 6-5, So), J.J. O'Brien (F 6-7, Sr), Dwayne Polee II (G 6-7, Sr), Aqeel Quinn (G 6-3, Sr), Winston Shephard (G 6-8, Jr), Skylar Spencer (F 6-10, So), Matt Shrigley (F 6-6, So), D'Erryl Williams (G 6-2, So) 



Coach
Steve Fisher
16. Saison 312-176 (San Diego State), 25. Saison 496-258 (Insgesamt), 14 Mal NCAA Tournament, 2 Mal Sweet Sixteen, 1 Mal Elite Eight, 2 Mal Finale, 1 Mal Champion
Es gibt wohl keinen kurioseren Start einer Coaching Karriere in der jüngeren NCAA Geschichte, als den von Steve Fisher. Fisher arbeitete bereits seit sieben Jahren als Assistent für die Universität von Michigan, als Cheftrainer Bill Frieder gegen Ende der regulären Saison 88-89 dem Verantwortlichen der Universität mitteilte, dass er Michigan für ein Angebot der Arizona State verlassen würde. Daraufhin wurde Frieder seiner Aufgaben enthoben und Fisher pünktlich zum Tournament Start als neuer Chef an der Seitenlinie installiert. Sechs Spiele später konnte er sich Meistertrainer nennen. Doch das war nicht die einzige skurrile Situation in Fishers Karriere. So war er auch Coach der legendären Fab Five und wurde im Zuge des Ed Martin Skandals entlassen. Seit 1999 ist er nun Übungsleiter der Aztecs. Diese hat er in seiner Zeit als Trainer zu einem echten Contender und Geheimfavoriten umgebaut. Sowohl sein gutes Recruiting und seine Entwicklung von Spielern, als auch sein taktisches Geschick sind dafür verantwortlich. Die Defense seiner Aztecs ist immer noch sehr unterschätzt. Häufig fällt VCU als Beispiel für außergewöhnliche Defense, doch auch Fishers Zonenpresse ist sehr effektiv und kann ein Spiel entscheiden. Auch wenn die Offense der Aztecs in den letzten Spielzeiten sehr eindimensional war und immer vom Können eines wichtigen Spielers abhing (Kawhi Leonard, Jamaal Franklin, Xavier Thames), hat Fisher dieses Jahr ein Team zusammengestellt, das wesentlich unberechenbarer sein wird und mehr Firepower bietet.

Backcourt
Trey Kell, Winston Shephard, Dwayne Polee II
Sucht man einen potentiellen Kandidaten für den Award als Most Underrated Freshman, kann sich Trey Kell gute Chance ausrechnen, diesen Titel einzuheimsen. Und das schreibe ich nicht, weil Paul Biancardi diesen Namen in seine Liste der unterschätzten Freshman aufnahm. Von den großen Recruiting Portalen wird Kell gemeinschaftlich nicht mal unter den Top50 seines Jahrgangs gesehen. Dabei kann er einer College Mannschaft auf Anhieb helfen. Gerade für San Diego State wird er als ausgezeichneter Schütze eine vitale Verstärkung für einen geschwächten Backcourt. Zudem mag Steve Fisher Aufbauspieler mit gutem Wurf und vertraut ihnen eine Menge Verantwortung an. Kann Kell mit guten ersten Auftritten dieses entgegengebrachte Vertrauen rechtfertigen, sollte man Kell als einen der aufstrebenden Youngster im Auge behalten. 

Shephard ist einen Jumpshot von der NBA entfernt. Es gibt nicht viele 2-Meter-Männer, die trotz ihrer Größe derart wendig, leichtfüßig und koordiniert in ihren Bewegungen sind. Mit seinem schnellen ersten Schritt schlägt er seine Gegenspieler mit hoher Regelmäßigkeit, obwohl diese meistens einen Sicherheitsabstand von über einem Meter halten. Schafft er es, sich einen akzeptablen Wurf anzueignen, werden seine Bemühungen bei Drives noch öfter von Erfolg gekrönt sein, da er wesentlich leichter haben sollte, seinen Gegner abzuhängen. Auch in der Defense weiß der elegante Guard seine körperlichen Voraussetzungen auszunutzen. Meistens agiert er an der Spitze der Zonenpresse und fälscht Pässe ab oder luchst dem Ballführer den Wilson aus der Hand. Auch als Shotblocker hat er gutes Potential und kann im Halbfeld zum Edelverteidiger mutieren.

Im letzten Jahr durfte er als Freshman noch Würfe drauflöten, was das Zeug hielt, da er einfach einer der wenigen gefährlichen Scorer des gesamten Teams war. Sein Schuss ist exzellent und kann jetzt schon auf NBA Range ausgedehnt werden. Doch auch als Athlet besticht der Flügelspieler konstant, indem er sich seinen Weg zum Korb bahnt und dort auch trotz Behinderung seitens der Defense abschließen kann. Nun muss er diese Rolle noch öfter und vom Tip-Off an ausfüllen. Auf dem Papier ergänzt sich Polee hervorragend mit Shephard, da er ihm mit seinem guten Wurf Räume für Drives eröffnet. Andersherum kann Shephard genügend Aufmerksamkeit im Angriff erregen, um die Defense Polee sträflich vernachlässigen zu lassen. 

Frontcourt
J.J. O'Brien, Skylar Spencer
O'Brien darf endlich wieder auf seine angestammte Position zurückkehren. Im vergangenen Jahr musste er auf der 4 Reboundmaschine Josh Davis Platz machen und dafür den Starterposten als Small Forward bekleiden. Dafür fehlte ihm offensichtlich der Wurf, sodass seine Gegner bis in die Zone absanken, um jedwede Passoptionen zu blockieren. Zwar ist sein Ballhandling gut genug, um auch mal den Ball nach vorne zu tragen, doch bei Drives nützte ihm das nichts, da er schlicht keinen Platz hatte, erst in der Zone an seinem Gegner vorbeizukommen. Somit war er offensiv sehr ineffizient. Das glich er aber mit seinem cleveren Verhalten in der Defense wieder aus, wo er durch gute Antizipation mehrfach Pässe abfing. Nun sollte O'Brien als Power Forward auch in der Offense häufiger eingebunden werden können und sein überdurchschnittlich gutes Postup Game zeigen.

Als typischer Arbeiter ist die Rolle von Skylar Spencer klar definiert. Er soll in der Defense möglichst viele Würfe blocken und als Absicherung der Zonenpresse glänzen. Zudem ist sein beherztes Engagement an beiden Brettern des Spielfelds sehr gefragt. Gerade nach dem Verlust von Josh Davis sollte Spencer in dieser Hinsicht noch eine Schippe drauflegen. In der Offense ist der Big Man zwar relativ limitiert, kann aber zumindest ordentliche Blöcke stellen, an denen die Verteidiger hängen bleiben. Insbesondere auf das Zusammenspiel mit Winston Shephard darf man sicher gespannt sein. 



Bank
Zumindest zu Saisonbeginn wird auf den Flügelpositionen eher wenig Produktives von Bankspielern kommen. Sobald Malik Pope und Zylan Cheatham jedoch wieder fit sind, könnte diese Position das Prunkstück der Aztecs werden. Pope ist ein guter Athlet mit einem starken Wurf, der auch aus größerer Entfernung schon sicher fällt. Cheatham ist eher ein athletischer Freak, der im Fastbreak und in der Zonenpresse in Erscheinung treten wird. Nach seiner Verletzung muss man allerdings abwarten, ob er genauso explosiv auftreten kann, wie zuvor. Auf den großen Positionen sind Angelo Chol und Matt Shrigley die wichtigsten Optionen. Chol kann mit seiner Erfahrung und seinen Energieschüben einen guten Rückhalt von der Bank bieten. Genau wie Starter Spencer muss er aber seine Fouls drastisch reduzieren, da die beiden die einzigen richtigen Big Men sind. Shrigley ist eine Stretch 4 und bildet damit ein gutes Gegenstück zu Starter O'Brien. Fisher kann also entsprechend der Spielsituation reagieren und entscheiden, ob er eher Spacing oder die Defense/ das Rebounding verbessern sollte. Allerdings fällt der Shooter für den ersten Saisonmonat aus. Im Backcourt wird Aqeel Quinn eine wichtige Rolle einnehmen. Als erfahrenster Guard wird er zunächst in kritischen Situationen die Zügel in die Hand nehmen. Zudem ist sein Distanzwurf mehr als solide. Kevin Zabo, Dakarai Allen und D'Erryl Williams teilen sich die restliche Spielzeit auf. Zabo ist ein junger Guard, der viel Energie ins Spiel bringen wird, dem aber auf Dauer noch die Erfahrung fehlt. Williams und Allen sind eher auf der 2 und 3 beheimatet. Allen hat dabei die besseren Karten aufgrund seiner größeren Erfahrung und seiner körperlichen Vorteile.

Ausblick
Die Aztecs werden von vielen amerikanischen Portalen als mögliches Dark Horse des NCAA Tournaments gehandelt. Und das auch zu recht. Zumindest dann, wenn alle Spieler fit und das Team gut eingespielt ist. Gerade die Defense benötigt viel Feinabstimmung, damit sie ein Spiel zugunsten der Aztecs kippen kann. Sind Rotationen zu langsam, kassiert SDSU zu oft zu leichte Punkte und riskiert aufgrund der Modifizierung der Handchecking Regeln in Foulprobleme zu geraten. Klappt die Defense jedoch wie im letzten Jahr und wird die Offense effektiver und variabler, bilden Coach Fishers Mannen ein Team, das man lieber aus dem Weg gehen sollte. Der MWC Titel ist auf jeden Fall Pflicht und auch das Sweet Sixteen sollte wieder in Reichweite sein.