27 November 2014

26. November, 2014   |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Die NBA läuft seit einem guten Monat. Bei manchen Teams hingegen läuft's noch gar nicht rund. Daniel Schlechtriem, Anno Haak, Pascal Gietler, Philipp Landsgesell und Onur Alagöz haben ein paar Mannschaften unter die Lupe genommen, die bisher enttäuschten.


1. Charlotte (4-11) hat in 'Sir Lancelot' aufs völlig falsche Pferd gesetzt und steht wieder am Anfang.

Pascal Gietler @PascalCTB: Auf keinen Fall. Man darf bei Charlotte ein paar Dinge nicht vergessen: Michael Kidd-Gilchrist hat bisher nur sechs Spiele absolvieren können, Marvin Williams ist allergisch gegen die Freiwurflinie (in 15 Spielen stand der Forward bockstarke zwei Mal an der Freiwurflinie) und Kemba Walker ballert immer noch wie ein Irrer trotz erneut miesen Quoten - diese drei Argumente kommen mir in letzter Zeit viel zu kurz, wenn es um die struggelnden Hornets und besonders auch Lance Stephenson geht. Was waren denn die Erwartungen an Stephenson? Defense? Check! Ein zweiter Ballhandler im Angriff? Check! Bedrohung von der Dreierlinie? Naja...vergessen wir das, bei der Effizienz hat sich Lance anscheinend zu sehr von seinem Backcourt-Kollegen anstecken lassen, aber das wird nicht von großer Dauer sein. „Born Ready“ übernimmt Playmaking, verteidigt gut und ist einer der besten Guards in puncto Rebounding. Charlotte ist durch die Substitution von Stephenson/Williams für McBob nicht zwingend ein besseres Team, aber Lance Stephenson bringt in seinem noch jungen Alter eine Menge Skills für neun Mille im Jahr. Coach Clifford ist dennoch gefragt, denn irgendwie scheinen „die neuen Hornets“ noch nicht zu funktionieren.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die bisherige Bilanz ist nicht ernüchternd, sondern entsetzlich. Mit diesem Kader und der positiven Stimmung aufgrund des Namenswechsels sollten die Hornissen eigentlich stechen. Vielleicht hat Lance aber doch mehr von Hibbert, West, George & Co. profitiert, als uns allen bewusst geworden ist. Die Hornets brauchen ganz dringend einen echten Shooter – für den entweder Kidd-Gilchrist oder eben besagter Stephenson weichen muss. Sonst droht ein Horrorszenario mit dem Abgang von Big Al spätestens 2016 und MJ muss wieder auf die Lottery setzen. Wir alle wissen, was dabei rauskommt.

Anno Haak @kemperboyd: Nein. Einfach nein. Aber ich bin nicht objektiv. Ich mag den Sir. Ich mag Charlotte. Ich mag Clifford. Davon ab: Auf welches Pferd hätte man sonst setzen sollen? Free Agents von der Güteklasse stehen nicht gerade Schlange vor Jordans Büro und offensive Potenz war dringend erforderlich. Ich bin nicht ganz sicher, ob das „falsche Pferd“ nicht eher auf den Namen „Kemba“ hört. Ich dachte, mit neuem Vertrag und Vertrauen ausgestattet würde er den nächsten Schritt machen. Aber meh! Nur mal als Schlaglicht: unter 75 FT% ist für einen Guard schon am Rande von frech. Aber am Anfang? 7-59-Anfang? Nah, so schlimm ist es noch nicht.

Philipp Landsgesell @Phillyland: Stephenson ist bis jetzt völlig ungefährlich von jenseits der Dreierlinie und ähnelt seiner Spielweise extrem Kemba Walker. Beide brauchen den Ball in der Hand um effektiv zu sein. Die Hornissen müssen sich defensiv wie offensiv extrem steigern, wenn sie die Playoffs noch erreichen wollen. Doch ist der schlechte Start nicht allein an Lance festzumachen. Die defensive Effektivität ist mittlerweile nur noch die siebtschlechteste der Liga, letztes Jahr waren sie noch auf Platz sechs.

Onur Alagöz @LakersParadigm: Die explosive Qualität, dieses Maß an produktiver Exzentrik, die ein Lance Stephenson bei den Pacers Spiel um Spiel aufs Parkett brachte, geht ihm fast vollkommen ab. Sollte er die Entlastung für Al Jefferson darstellen, steht Lance absolut auf dem Schlauch. Keiner aus dem Team trifft schlechter aus dem Feld (36,9%), außerhalb der Zone ist „Born Ready“ nahezu komplett unbrauchbar. Lance braucht den Ball, der wandert aber hauptsächlich aus den Händen Kemba Walkers in die fähigen Pranken von Al Jefferson. Lance neben Kemba schmeckt irgendwie nicht. Zwei Spieler, die am liebsten für sich selbst kreieren. Stephenson reboundet zwar immens stark, aber wenn der nötige offensive Punch fehlt, fehlt auch das Überraschungsmoment im Kader.



2. Trotz der kürzlichen Erfolge: Die Nuggets (7-7) haben keine Chance auf die Postseason, müssen an die Zukunft denken und den überfüllten Kader komplett entrümpeln

Pascal Gietler: Kurz und knapp: Ja! Ich will nicht behaupten, dass die Playoffs für die Truppe aus der Mile High City utopisch sind, aber spätestens Ende Januar sollte man sich in Denver für eine Richtung entschieden haben. Sowohl personell als auch sportlich. Was ist die „Identität“ der Nuggets? Will man weiterhin dieses Gebilde vom „superstarlosen und tiefen Kollektiv“ aufrechterhalten? Meiner Meinung nach ist dieses Projekt, welches unter George Karl sehr vielversprechend ausgesehen hat, gescheitert. Die Frage bei einer solchen Kaderentrümpelung wäre jedoch: Was bekommen wir aktuell für einen Gallinari, einen Robinson oder einen McGee? Lohnt es sich diese Spieler aufgrund ihres vermeintlich niedrigen Marktwertes abzustoßen? Ich finde die Situation der Nuggets äußerst kniffelig.

Daniel Schlechtriem: Die Klumpen liefern das beste Beispiel, warum eine Mannschaft einen legitimen All-Star braucht, um Erfolg zu haben. Sie sind auf jeder Position gut besetzt, aber eben nicht sehr gut – und das schreit nach „mediocrity treadmill“. Auf einem Kern aus Lawson und Faried lässt sich aufbauen, den Rest sollten sie zur Verfügung stellen – im Zweifelsfall für Draft Picks.

Anno Haak: Ich bin ehrlich. Ich konnte mit diesem 15-strong-Gebilde nie viel anfangen. Ich erlaube mir, daran zu erinnern, dass die Nuggets bei allen schicken Bilanzen in den letzten 20 Jahren – auch unter den grandiosen Karl und Ujiri – genau einmal Runde zwei auf dem Platz erlebt haben. Mit einem Handwerker wie Shaw, der mit den ganzen Tools anscheinend nichts anzufangen weiß, wird das nicht besser. Was ich gegen die Lakers gesehen habe, war einfach erschütternd gesichtslos. Das Entrümpeln sollte eher auf der Bank beginnen. Aber eher wird Dennis Schröder MIP, als dass diese Klumpen in die Playoffs kommen.

Philipp Landsgesell: Definitiv. Ich kann bei den Nuggets keine klare Strategie erkennen. Mit diesem Kader wirst du nicht in die Playoffs kommen. Dafür gibst du dann 73 Millionen Dollar aus, plus Luxussteuer? Es riecht nach Rebuild.

Onur Alagöz: Karma! George Karl, einen der feinsten Übungsleiter der Liga, so zu feuern, hat dem Universum nicht gefallen. Shaw hat kein bisschen Synergie mit der Mannschaft, wird weder respektiert, noch konnte er eine Verbindung zu seiner Truppe aufbauen. Hinter den Kulissen ist die Kacke am Dampfen, auch der Weggang Masai Ujiris schmerzt die Organisation. Ehemalige Leistungsträger wie Danilo Gallinari und Nate Robinson haben noch keinen Fuß in die Tür bekommen. Läuft nicht. Unter Shaw lief die Offense, das Steckenpferd der Mannschaft mit Karl, nie so, wie es ursprünglich geplant war. Keine anständigen Ballbewegungen, keine Defense, die in schnelle Fastbreaks umgemünzt werden. Ich würde erstmal austüfteln, wer in die Starting Five gehört, dann die Bank umkrempeln, dieses Jahr ist nix zu holen.

3. Nicht einmal Stan Van Gundy kriegt das Chaos geregelt, Detroit (3-11) ist ein hoffnungsloser Fall.

Pascal Gietler: Die Pistons sind eine der größten Baustellen in der NBA, doch noch plädiere ich für Geduld. „Stan the Man“ braucht einfach noch ein wenig Zeit um den Kader vernünftig auszumisten. Mir kommt es so vor, als würde Van Gundy Spieler á la Brandon Jennings oder Josh Smith noch ein weiteres Mal Gelegenheiten geben, um sich zu beweisen. Ob ein Brandon Jennings jedoch die Zukunft auf der Eins ist, lasse ich mal unkommentiert, doch Van Gundy traue ich es im Ernstfall auch zu, solche Personalien schnell mal aus der Starting Five zu verbannen. Die Pistons müssen einfach warten, was mit Monroe und/oder Smith im Frontcourt geschieht. Fakt ist, dass Andre Drummond die Franchise-Säule ist, um die Van Gundy herum aufbauen möchte, doch solange Monroe und Smith unter Vertrag stehen sind Van Gundy auch ein wenig die Hände gebunden. Ich glaube allerdings, dass keiner der beiden in der kommenden Saison neben Drummond stehen wird und Van Gundys Arbeit langfristig Früchte trägt.

Daniel Schlechtriem: Derartiges war nach dem Off-Season Fiasko um Greg Monroe zu befürchten, wenn nicht sogar abzusehen. Die Situation mit den drei Bigs, die zusammen auf dem Feld nicht koexistieren können, ist nicht geregelt, sondern noch schlimmer geworden und muss spätestens bis Februar geklärt sein. Der Backcourt genügt höheren Ansprüchen auch nicht, von daher ist Van Gundy nicht zu beneiden. Ich traue ihm aber dennoch zu, zwar nicht mehr diese Saison, aber innerhalb der nächsten zwei Jahre mit Drummond als Franchise Player den Getriebeschaden zu beheben und dieses Wrack wieder fahrtüchtig zu machen.

Anno Haak: Puh, Detroit. Erst mal: Ich hätte die nicht unter Enttäuschung subsumiert. Ich habe nicht mehr erwartet. Dann lass ich die Platte springen: Smith, Drummund (hihi), Monroe FUNKTIONIERT NICHT! Jennings ist kein guter Point Guard und das ganze Roster sieht aus wie das von einem Fantasy Manager, der den Wecker für die Draft zu spät gestellt hat. Baustellen aus fünf bis sechs Jahren schließt man nicht in ein paar Wochen. Ob van Gundy das geregelt kriegt, beurteile ich dann 2016.

Philipp Landsgesell: Ich würde die Pistons nicht unter Enttäuschungen einordnen, denn zu den Pistons  ist eigentlich alles gesagt. Van Gundy setzt vermutlich darauf, dass wenn er Josh Smith spielen lässt, sich eventuell ein Trade Partner findet, anders kann ich es mir nicht erklären. Der Kader scheint nicht homogen und Drummond ist offensiv immer noch nicht – außer den offensiven Rebounds und Dunks – zu gebrauchen.

Onur Alagöz: Wer dachte, dass die am meisten heruntergekommene Stadt der USA noch trauriger werden könnte. Jeder von Chile bis Sibirien weiß, dass das Trio Drummond, Monroe, Smith in Motown nicht funktioniert. Es ist und bleibt ein Enigma, wieso auch Van Gundy so verbissen an diesem schon längst fehlgeschlagenen Experiment festhält. Smith und Drummond werfen unter 40%, Jennings ist mit 16 PPG Topscorer. Das Playmaking der Pistons ist nur noch traurig, außer Jennings kann sich auch keiner wirklich zuverlässig eine Scoringmöglichkeit erarbeiten. Auch ein Stan Van Gundy kann nicht aus Senf und Marmelade ein 5-Gänge-Menü zaubern.



4. San Antonio (9-4) sieht nicht gut aus gegen Teams aus der Division (1-2) und der Conference (5-4). Der Champion wird dieses Jahr mit den oberen Rängen nichts zu tun haben und frühestens in der Postseason sein wahres Gesicht zeigen.

Pascal Gietler: Finde ich persönlich verständlich und ich habe diesen „Championship Hangover“ auch prognostiziert (Yay. Ich hatte ausnahmsweise mal recht!). Wenn aber alle Spieler wieder gesund sind und Coach Pop seine Altstars mental wieder voll auf die Höhe bringen kann, bleiben die Spurs das Team, gegen das ich am wenigsten gerne spielen will. Ich lass die Kirche da ganz klar im Dorf und bewege mich nicht mal im Ansatz in Richtung Panic Button.

Daniel Schlechtriem: Der Westen ist so brutal, dass San Antonio mit den geplanten DNPs für Timmy und Manu tatsächlich ein wenig abfallen und bald schon den Kontakt zur Spitze verlieren könnte. Das sagt natürlich über ihre Championshipqualitäten nichts aus, erst recht, weil im Westen unter diesen Umständen in der ersten Runde nicht mehr die Position allein wichtig ist, sondern das reine Matchup. Und hier weiß Pop nur zu genau, wem er aus dem Weg gehen sollte.

Anno Haak: Huch! „9-4“ und „Enttäuschung“ in einem Satz. Das muss dieser Fluch der guten Tat sein, von dem alle immer reden. Man sollte sich von diesem „Jungs, ich habe Marc Cuban die 2007-Mavs-Manie aus der Tasche geklaut. Go, play ball“ Jahr 2013/2014 nicht täuschen lassen. San Antonio ist meistens durch die reguläre Saison gekreuzt. Hat immer zu 50+ x Siegen und Platz 3+ x gereicht. Wird es wieder. Ich bin da wie die Kapitalisten. Ich brauche keine Argumente. Die Geschichte ist auf meiner Seite.

Philipp Landsgesell: Es ist normal, dass Teams nach gewonnen Meisterschaften immer schwer in den Tritt kommen. Jedes Team gibt gegen den Meister 110% und wenn sich die eigene Mannschaft dann nicht hundertprozentig auf den Gegner konzentriert, verliert sie Spiele. Wenn eine Mannschaft den Schalter umschalten kann, dann die Spurs. Um die Spurs muss man sich keine Sorgen machen.

Onur Alagöz: Die Spurs haben jeden Lügen gestraft, der sie irgendwann in den letzten Jahren mal abgeschrieben hat. Es ist allgemein bekannt, dass die Regular Season für die Spurs mehr als für jeden anderen nur Vorgeplänkel ist. Ich geb‘ mir nicht die Blöße, also: San Antonio wird da sein, wenn sie da sein müssen – wie immer.

5. Rookie-Coach, kein ausgewogener Kader, zu wenig spielerische Linie: Die Cavs (6-7) wurden völlig überschätzt und sind dieses Jahr kein Contender.

Pascal Gietler: Contender ist Definitionssache. Sind beziehungsweise waren die Cavaliers Contender auf die Meisterschaft? Mit den offensichtlichen Defensivproblemen? Für mich nicht. Sind beziehungsweise waren sie Contender auf die Eastern Conference Finals? Absolut. Auch jetzt noch. Die Rollen müssen einfach im Laufe der Saison klar verteilt werden. Falls die Offensive ein Mal ins Rollen kommt, werden die Cavaliers ein sehr, sehr harter Gegner werden, selbst falls das defensiv weiterhin so katastrophal bleibt.

Daniel Schlechtriem: Für Aussagen betreffend nächsten April ist es etwas zu früh, aber die Zwischenbilanz kommt angesichts der Erwartungshaltung schon etwas kümmerlich daher. Ich erinnere mich an das erste Jahr der Big Three in Miami, damals war Spoelstra noch ein ähnlich unbeschriebenes Blatt und die Heat um Weihnachten bei einer ausgeglichenen Bilanz. Der Unterschied ist, damals hatte LeBron in Wade und Bosh nicht nur legitime All-Stars, sondern auch gestandene Playoff-Veteranen an der Seite. Das sind Irving und Love nicht und deshalb glaube ich auch nicht an die Cavs. Das kann sich mit dem ein oder anderen Neuzugang (Ray Allen) oder Trade (Dion Waiters) natürlich schnell ändern.

Anno Haak: Der 35-Punkte Turnaround gegen die Drakes war schon nahezu erbärmlich. Aber so ist das. Verteidigt man gut, gewinnt man Spiele, die man eigentlich nicht gewinnen sollte. Das Pacers-Gesetz. Umgekehrt gilt aber auch: mit DefRtg 109 verliert man Spiele, die man gewinnen sollte. Die Mavericks-Regel. Aber kein Contender? Im Osten? Mit fünf Teams über .500? Wegen Ls gegen transformationsprozessfreie Topteams namens Blazers, Wizards, Raptors, Spurs? Kein Contender im Osten. Eieieiei. Die Heat haben acht ihrer ersten 17 Spiele verloren, damals 2010, seitdem haben keine Finals mehr ohne sie stattgefunden. Solange James und Blatt nicht bumpen, bin ich nicht besorgt.

Philipp Landsgesell: Bis jetzt absolut. Vielleicht war es ein wenig naiv, aber ich hatte von Anfang an von einem Offensivfeuerwerk der Cavaliers gerechnet. Doch der isolationslastige Basketball den sie bis jetzt spielen, ist kaum anzuschauen. Jedoch ist, zumindest offensiv, das Talent zu groß um nicht sehr gut zu sein. Defensiv macht der fehlende Ringbeschützer Sorgen, doch der könnte schon sehr bald per Trade kommen.

Onur Alagöz: Jedes Team mit LeBron James ist immer ein Contender, ganz einfach. Meckern kann man immer. Tatsache ist aber, dass LBJ uns mit seinen Leistungen einfach verwöhnt hat. Neue Spieler, neuer Coach, neues Gefühl, 180° Wende – lasst den Cavaliers ein wenig Zeit. Auch die Miami Heat waren zu Beginn der Big Three Ära unausgewogen und enttäuschend. Geduld ist eine Tugend, die Cavs werden ein Wort oben mitzureden haben. Jedoch muss auch gesagt werden, dass die Defense der damals neuen Heat schon zu Beginn Lichtjahre von der jetzigen der Cavs entfernt war. Die Verteidigungsschwachstellen auf PG und PF (lies: Irving und Love) sind schon ein Grund zur Besorgnis.