23 Dezember 2014

22. Dezember, 2014   |  Dusan Veljkovic


Montagmorgen, kurz vor 07.00 Uhr. Der Wecker klingelt, ich schleppe mich aus dem Bett, mache mich bereit und um 07.15 Uhr starte ich mit meinem Auto Richtung Arbeit. Um 07.30 Uhr im Büro. PC starten und dann erstmals Mails checken. Nix im Posteingang, ok dann alle Programme starten und alles bereit machen für die Arbeit. Halb verschlafen bin ich ready loszulegen, aber halt! Erstmal nba.com auf Ergebnisse und News checken.

Dann bin ich plötzlich hellwach und falle gleichzeitig aus allen Wolken. Nein, nicht weil Kobe mein Idol MJ in der Scorerliste überholt hat - das war ja nur eine Frage der Zeit. Oben rechts in der Newsleiste steht es: "Kings fire Malone!"

Ich bin verwirrt, geschockt und kneife mich, da ich mir sicher bin, ich schlafe noch und träume gerade schlecht. Aber nein, ich bin wach und das ist die brutale Realität. Der beste Saisonstart seit fast zehn Jahren. Trotz des mittelmäßigen Kaders ist Sacramento ein unangenehmer Gegner und hatte ernsthafte Hoffnungen auf die Playoffs.

Klar, seit Cousins an Meningitis erkrankt ist, gewann das Team ohne ihn nur zwei von neun Spielen und fiel im Westen von Platz acht auf zehn, aber das kann doch nicht der Grund sein. Trotz des Ausfalls ihres Offensiv- und Defensivankers war Sacramento kein Kanonenfutter und verlor oft nur knapp, was eigentlich für den Coach spricht. Ich schüttle den Kopf und brauche erstmal eine Zigarette.

Später kommen endlich mehr Infos zur Entlassung. Das Management hatte sich mehr erhofft und ihnen missfiel Malones Spielstil. Vivek Ranadivé und Pete D'Alessandro wollen, dass Sacramento schneller spielt. Ok, aber was haben sie erwartet? Das man mit diesem Team die Ligaspitze stürmt? Dass man mit den beiden besten Spielern DeMarcus Cousins und Rudy Gay am besten im Halbfeld agiert und sie dort am effektivsten sind, ignorieren sie einfach. Warum entlässt man Malone nicht in der Offseason und holt einen neuen Coach. Die Verantwortlichen wussten ja schon von letzter Saison, wie er sein Team spielen lässt.


Es kommt noch besser. Die Unstimmigkeiten fingen schon letzte Saison an - mit Royce White. Ja, genau dem Royce „ich hab Angst vor'm Fliegen und alles sind gegen mich“ White. Dem Royce „keine Ahnung was ein Kondom ist“ White. Royce Whites Talent ist unbestritten, aber er war übergewichtig, ausser Form und konnte nicht einmal in der D-League überzeugen. Es war offensichtlich, warum Coach Malone ihn nicht einsetzte.

Im Sommer kam dann noch die Josh Smith Sache hinzu. Ranadivé wollte Smith unbedingt holen und war taub für die Sorgen des Coaches, dass ein Cousins-Smith-Gay Frontcourt nicht gut funktionieren würde. Er hätte vielleicht einfach mal ein Pistons-Spiel schauen sollen.

Obendrein wollte Ranadivé, dass Malone die Version der 4-gegen-5 Defense ausprobiert, mit der Begründung, dass die bei dem von ihm gecoachten Kinderteam seiner Kids super funktionieren würde. Das Tischtuch zwischen Coach und Management war danach endgültig zerschnitten.

Ich stelle mir schon Malones nächstes Jobinterview vor:

GM: "So, ähm Mike, sie wurden bei den Kings gefeuert, weil sie nicht White oder Smith wollten und die 4-On-5 Defense nicht spielen wollten?

Malone: "Jupp."

GM: "Sie sind eingestellt."

Sacramento sucht den Supercoach?
Tyrone Corbin hat als Interimscoach übernommen. Laut einem GM in der NBA könnte Kings-Berater Chris Mullin den Job jederzeit haben. Der will aber „noch“ nicht und plädiert dafür, Corbin eine Chance bis zum Saisonende zu geben. Ranadivé will einen offensiven fokussierten „Jazz-Dirigenten“. Corbin könnte also als ehemaliger Jazz Coach perfekte passen - wenn Ranadivé das gemeint haben sollte. Oder die Kings schauen sich mal am Montreux Jazz Festival um, da sollte sich auch jemand finden lassen.

Drei heisse Kandidaten gibt es inzwischen. Da wäre Ex-Nuggets Coach George Karl, der mit Pete D'Alessandro schon in Denver zusammen gearbeitet hat. Ex-Suns Coach und jetziger Rivers- Assistent bei der Lob City Clippers, Alvin Gentry und Pastor/ex-Warriors-Coach Mark Jackson stehen ebenfalls mit auf der Liste
.
Karl und Gentry würden vom Profil her absolut passen und wären meine persönlichen Favoriten. Mark Jackson soll sich als einziger der Kandidaten bisher mit den Verantwortlichen getroffen haben. Ich hoffe mal das klappt nicht, sonst heisst's bald „Hands down, Pants down“ in Sac-Town.

Und wenn wir schon bei unpassenden Kandidaten sind: Es gibt wohl Gespräche zwischen den Kings und Brooklyn Nets um einen Deal für Deron Williams. Angeblich sieht der Deal bis jetzt so aus: Williams plus Mason Plumlee für Darren Collison, Derrick Williams und Jason Thompson. Die Nets wollen Plumlee unbedingt behalten, die Kings wollen ihn unbedingt im Paket mit drin haben. Ich hoffe, das hat sich erledigt.


Last but not Least
Zum Schluss gibt es doch noch Erfreuliches aus Kings-Sicht zu berichten. Cousins feierte nach knapp drei Wochen Pause gegen die Milwaukee Bucks sein Comeback. Die Kings verloren das Spiel leider knapp mit 107-108, aber Cousins war stark bei seiner Rückkehr. In knapp 33 Minuten legte er 27 Punkte auf (8-12 FG, 11-13 FT), 11 Rebounds, 5 Assist und 1 Steal. Schön, den „Big Fella“ wieder auf dem Parkett zu sehen und sein dominantes Spiel bestaunen zu dürfen.

Außerdem wurde beim Heimspiel am 16. Dezember gegen die Oklahoma City Thunder das Trikot mit der Nummer 16 von Predrag „Peja“ Stojakovic unter das Hallendach gezogen. Er ist damit der vierte Kings-Spieler, dem diese Ehre in der 30-jährigen Geschichte in Sacramento zuteil wird, neben Mitch Richmond, Chris Webber und Vlade Divac. An der Zeremonie nahmen alte Teamkollegen wie Brad Miller, Bobby Jackson, Scott Pollard, Doug Christie und natürlich Landsmann Vlade Divac teil. Schön, die alte Bande mal wieder zusammen zu sehen. "Cestitam, Peja."