17 Dezember 2014

17. Dezember, 2014   |  nbachefsquad @nbachefkoch


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche ergibt es manchmal keinen Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Khris Middleton in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit ein paar extra Häppchen zur NBA-Spielzeit 2014/15.


Königswürste
Seb Dumitru @nbachefkoch ... Haben die überhaupt gelernt? Viele von uns dachten, die Sacramento Kings wären nach dem Maloof-Fiasko und dem Beinahe-Umzug nach Seattle schlauer geworden, hätten die Fehler der Vergangenheit ad acta gelegt. Der Start in die neue Saison war vielversprechend, die Kalifornier rangierten mit 9-5 Siegen auf einem Playoff-Platz im Wilden Westen und spielten Abend für Abend respektablen Basketball, "für den man zur Abwechslung mal game-planen musste", wie ein NBA-Funktionär im November stichelte.

Dann erkrankte DeMarcus Cousins und alles implodierte. Eine Franchise, flach gelegt vom Ego-Virus wie ihr Franchise-Spieler von viraler Meningitis. Als ich Cousins während und nach der Basketball-WM als einen der besten Two-Way Bigs der NBA bezeichnete und für ungleich wertvoller erklärte, als man ihm allgemein zugestehen möchte, meinte ich genau das, was sich im November bewahrheitete. Die Kings gewannen nicht nur zwei Drittel ihrer Partien, sondern traten der Liga mächtig in den Arsch: wenn DMC auf der Platte stand, belegten die Kings offensiv und defensiv einen Top-3 Platz. Kein Contender-Material, klar, aber ungleich besser als die Zumutungen der vergangenen Jahre.

Obwohl Head Coach Mike Malone für den sportlichen Turnaround einer lange peinlichen Mannschaft Tag für Tag beglückwünscht hätte werden sollen - zumindest jedoch für das Kunststück, als erster Kings-Coach eine ehrliche, vertrauensvolle Beziehung zu Franchise-Spieler Cousins aufgebaut zu haben - wurde er statt dessen am Sonntag gefeuert. Die philosophischen Differenzen zu Teambesitzer Vivek Ranadivé und zum Management wurden ihm zum Verhängnis.

Ich habe aus meiner Skepsis gegenüber GM Pete D'Alessandro, "Berater" Chris Mullin und Ranadivé nie einen Hehl gemacht. Nicht, weil ich sie für schlechte Menschen halte, im Gegenteil. Aber weil nichts an ihrer Arbeit in Sacramento jemals Sinn gemacht hat. Dass sie die Dinge anders sehen als ihr Coach, das geht in Ordnung. Dass sie über seinen Kopf hinweg Entscheidungen treffen, ist auch nicht neu in diesem Geschäft. Dass Malone nicht von D'Alessandro eingestellt wurde, sondern schon vorher vom Besitzer selbst, war schlecht gemacht von Ranadivé. Interne Spannungen waren so vorprogrammiert.

All das wäre aber noch entschuldbar gewesen, wenn die Franchise-Verantwortlichen wenigstens Größe gezeigt und den beim Team beliebten Coach im Sommer entlassen hätten, wie sich das gehört. Nicht nach dem besten Kings-Start seit zehn Jahren. Es ist verbrieft, dass Ranadivé und D'Alessandro lieber schnellen, "Fan-tauglichen" Basketball sehen wollen, dass sie spektakuläre Stars nach Sacto locken möchten und für schwer durchschau- und quantifizierbare Faktoren wie Teamchemie, Synergie und Seele einer Mannschaft nicht viel übrig haben - im Gegensatz zu Malone. Dass die Kings mit einem Cousins-Gay Nukleus im Halbfeld besser aufgehoben - und effizienter - sind, ist das komisch-tragische an dieser ganzen Situation.

Egal, ob nun Interimslösung Ty Corbin (der schon in Utah total versagt hat), Trainerneuling Chris Mullin (über dessen Errungenschaften als Exec in Golden State könnt ihr hier Bauklötze staunen) oder George Karl (cool) die Nachfolge von Malone antritt: dieses Kapitel verdeutlicht mal wieder, dass Politik oft wichtiger ist als die Ergebnisse auf dem Platz. Und dass die Kings eine der größten Lachnummern der Liga bleiben. Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie eben gleich...



Hilfe Liebling, ich habe die Knicks gecoacht
Tiago Pereira @24Sekunden ... Goldenes Konfetti regnet vom Himmel. Die Spieler und Fans baden im Freudentaumel des Sieges. Ekstase pur bei allen Beteiligten. Stephen Curry rennt auf seinen Coach zu. Umarmt ihn, bedankt sich und benennt jedes weitere Kind nach ihm. Auch die Verlierer werden abgeklatscht, der wohl unschönste Teil des Tages. Dennoch blickt Derek Fisher grinsend an die Hallendecke der Oracle Arena. Bei seinem nächsten Heimspiel würde dort ein goldener Wandteppich hängen. Er hatte es geschafft, er brachte die Meisterschaft nach Oakland, als Coach bereits in seinem ersten Jahr.

Schluss mit Tagträumen, zurück in die Realität. Fisher muss mit ansehen wie sich sein Youngster Tim Hardaway Jr. mit dem designierten Franchise-Spieler Carmelo Anthony anlegt. Wegen einem Rebound. Mitten im 'Battle of the Boroughs.' Wüsste man nicht, dass die beiden im selben Team spielen, könnte man denken, der Trash Talk wäre wieder geboren. Die Brooklyn Nets Fans packen vor Freude ihre mitgebrachten Honey Nut Cheerios aus. Während Jay-Z sich den zuckersüßen Derbysieg auf der Zunge zergehen lässt, bespucken sich die Knicks gegenseitig mit Galle. New Yorker Siegermentalitäten finden sich an diesem Abend nur im Mütter beleidigen.

Seufzend geht Coach Fisher nach der fünften Niederlage in Folge in die Katakomben. Einmal tief durchatmen, bevor er die Pforten zur Hölle öffnet. Wäre er doch nur in Oklahoma geblieben, dann wäre er jetzt Starting Point Guard, oder hätte er wenigstens schnell den Job bei den Warriors angenommen. Alles zu spät. Während die Dubs ihren fünfzehnten Sieg in Folge feiern, darf sich Fisher vielleicht glücklich schätzen, nach 82 Spielen derartig viele Siege erlebt zu haben. Hoffentlich hat Phil schon den Hanf Kamillentee aufgesetzt...

Miese Verträge Umstände halber abzugeben
Anno Haak @kemperboyd ... Die Jail Blazers des Ostens sind in Abwicklung. Die Verletzungsmisere des vergangenen Jahres war zum in die Hand beißen. Pech ist eben mehr als die Abwesenheit von Glück. Aber das Experiment Brooklyn Netto ist beendet. Kirilenko ist schon für ein Linsengericht verkauft. Deron Williams, Joe Johnson und Brook Lopez stehen auf dem Tradeblock. Zwei der drei schlechtesten Verträge der NBA wie Sauerbier anzubieten, heißt allerdings, den Block zum Gärtner zu machen. Wer Iso Joe aufnehmen will, braucht einen kaputten Kontoauszugsdrucker als Blutdruckstabilisator und Cap Space irgendwo zwischen Prochorows Tageseinnahmen und unendlich. Over/Under für einen Trade: Null. Und ich gehe drunter. Es sei denn, Lance Stephenson hat dem GOAT dermaßen ins Ohr gepustet, dass der Ring aus dem Läppchen gefallen ist.

Für Deron Williams kann es nur ein Ziel geben: Die Dallas Maver…Spaß. Die Sacramento Kings. Es ist der letzte und logische Schritt im Vier-Stufen-Point-Guard-Chaos-Eskalationsplan. Schritt eins: Man draftet einen völlig redundanten Shooter, während Elfrid Payton noch beim Green-Room-Coiffeur sitzt. Zwei: Man ruft Isaiah Thomas Scheine wedelnd „Geh mit Gott, aber geh!“ hinterher. Drei: Man holt Darren Collison (ohne weitere Worte). Vier: Man zahlt 63 Mio. $ für drei Jahre an Deron Michael Williams. Playoff-Basketball wird eh überschätzt.


Zurück in den Borough. In allen Clubs von Brooklyn ist nächsten Freitag „Basketballromantikernacht“. Du kannst für teure Spieler traden, Du kannst eine Luxussteuerquittung lang wie Hardens Bart produzieren. Larry O’Brien ist nicht käuflich. Geld macht Punkte. Geld gewinnt dir 45 Spiele. Geld gewinnt keinen Titel. Nicht in der NBA. Immer noch nicht und seit 2011 erst recht nicht. Punkt.

Und irgendwo auf einem mehrere Hektar großen Anwesen in der Nähe von Dallas, Texas dankt der Erbauer des Teams um 'Tawn und #Toine jeden Morgen nach dem Aufstehen Gott für seine Kinder, seine Milliarden und Deron Williams' 2012er-Entscheidung gegen die Mavs. Und nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Enjoy it while you can
Torben Siemer @lifeoftorben ... 5. November 1996 - der bis dahin jüngste NBA-Debütant namens Kobe Bean Bryant erzielt im Alter von zarten 18 Jahren in seinem zweiten Spiel von der Freiwurflinie aus seinen ersten Punkt in der besten Basketball-Liga dieser Welt.

Etwas mehr als 18 Jahre später steht genau dieser Kobe Bryant auf Platz drei der All-time Scoring List der National Basketball Association. Überholt im Spiel seiner Lakers in Minneapolis - ausgerechnet in Minneapolis möchte man sagen, dem Ort, in dem im Jahre 1947 die Minneapolis Lakers gegründet wurden – sein Kindheitsidol Michael Jordan in eben dieser Rangliste. Kein Backcourt-Akteur hat je mehr Punkte erzielt als der am 23. August 1978 in Philadelphia geborene fünfmalige Champion. 16-mal All-Star, 15-mal All-NBA Team, zweimal Scoring-Champion. Und fast schon selbstverständlich der beste Punktesammler in der langen Geschichte von Purple and Gold.


32.310 Punkte sind es nach jetzt 1269 Spielen, insgesamt 8113-mal traf die Black Mamba für einen, 9586-mal für zwei und 1675-mal für drei Punkte. Durchschnittlich stehen nach jeder Partie 25,46 Punkte in seier Statistik, nur zehn Profis können diesen Karriereschnitt überbieten. Keiner von ihnen hat mehr als 15 Saisons gespielt, bei Kobe steht in dieser Spalte eine 19.

Natürlich können und werden viele jetzt mit Advanced Stats um die Ecke kommen. Bryant nimmt zu viele Würfe, zu viele schlechte weil statistisch ineffektive Würfe, viele der neuen Statistiken kennzeichnen Kobe als Spieler aus einer fast vergangenen Zeit.

Und genau das ist, was die Nummer 24 im Jahr 2014 so besonders macht: Getragen von einem fast unerschütterlichen Selbstvertrauen versetzt er seit 18 Jahren jede Stadt in Aufruhr, die sein Team ansteuert. Kobe Bryant live in der Halle zu sehen, das ist so gut wie immer ein Erlebnis. Weg mit den Statistiken, zurück zum Erlebnis Basketball. Wir sollten den Vino genießen, solange er noch ausgeschenkt wird.

Streaky Warriors
Philipp Landsgesell @Phillyland ... Die Warriors starteten in die Saison wie eine Bestie, die endlich von der Leine gelassen wurde. Angespornt durch die frühe Erstrundenniederlage in den Playoffs gegen die LA Clippers und einem Rookie-Coach in Steve Kerr stampfen die Warriors durch die Saison und schießen die anderen Teams in Grund und Boden - auch wenn die schockierende Siegesserie in Memphis vorerst ihr Ende fand.

War in der vergangenen Saison der offensive Warriors-Basketball noch sehr von Isolationen geprägt, lässt Kerr einen teamorientierteren Ball spielen, von dem alle Jungs profitieren und die Stärken von Curry, Green oder Barnes maximieren. Mit 107,1 Punkten pro 100 Angriffe erzielen die Warriors durchschnittlich zwei Punkte mehr als noch im Vorjahr, die Defensive kassiert auf 100 Angriffe knapp 5 Punkte weniger (95,5). Die Zahlen mögen vielleicht nur eine marginale Verbesserung aufweisen, aber sie machen die Warriors von einem guten zu einem sehr guten Team. Die Warriors haben mit der umstrittenen Entlassung von Jackson und der Verpflichtung von Kerr alles richtig gemacht. Das gilt natürlich auch für Kerr selbst, der die Warriors den Knicks vorzog. Gute Entscheidung, Steve!


Auch auf der Managementebene scheinen die Warriors alles richtig zu machen. Anstatt Kevin Love zu holen, haben sie Klay Thompson behalten und dieser zahlt es mit Leistung zurück. Karriere-Bestwerte bei den Punkten, Rebounds und der Quote aus dem Feld sprechen eine deutliche Sprache. Auch ist eine Entwicklung vom reinen Shooter zu einem Spieler, der auch zum Ring geht, bei Thompson zu erkennen. So wandert er knapp vier Mal pro Spiel an die Freiwurflinie. Den Platz auf der Vier nimmt dafür Draymond Green ein, der bisher mehr Dreier getroffen hat als Love selbst und auch defensiv besser ist als der Cavalier.


21 Siege und nur zwei Niederlagen zu Beginn ist natürlich Franchise-Rekord, die 16 Siege in Folge machten Golden State zur erst siebten Mannschaft im neuen Jahrtausend, die so viele oder mehr Partien in Folge gewinnen konnten. Die Warriors werden ihre absurd hohe Siegesquote natürlich nicht über die volle Saison halten können. Die Niederlagen werden kommen, und auch die Gesundheit von Spielern wie Andrew Bogut wird über den Erfolg der entscheiden. Dass die Warriors aber das heißeste Eisen im Westen sind, daran zweifelt wohl niemand mehr. 


Ready für Born Ready?
Pascal Gietler @PascalCTB ... Steht das nächste "Homecoming" vor der Tür? Die Busenfreunde Lance Stephenson und LeBron James haben sicherlich nicht viel gemeinsam, doch Gerüchten zufolge könnten beide binnen weniger Monate von einer Franchise aus dem Süd-Osten der USA in ihre Heimat gen Norden ziehen. Bei Lance Stephenson ist die Wahrscheinlichkeit, dass Skylar Greys nie enden wollender Nervtöter "Coming Home" bald in der Dauerschleife auf seinem iPod läuft gleich doppelt so hoch.

Lance Stephenson möchte die Charlotte Hornets angeblich nach nicht mal 25 Spielen wieder verlassen. Die Franchise aus North Carolina hat nicht vor, dem enttäuschenden Stephenson Steine in den Weg zu legen. Aktuell stehen für "Born Ready" angeblich nur zwei ernstzunehmende Angebote im Raum. Das erste Angebot kommt aus seiner basketballerischen Heimat Indianapolis, Indiana. Die Pacers wären - Zitat des Besitzers Candace Buckner - "Ok" mit einem Comeback von "Sir Lancelot" obwohl nicht wenige in der Offseason mit dem Finger auf den 24-jährigen Guard zeigten und ihn für die atmosphärischen Störungen in der jüngeren Vergangenheit verantwortlich machten.

Auch der Weg zurück an den Strand von Coney Island scheint nicht gänzlich unrealistisch zu sein. Die Brooklyn Nets würden angeblich gerne einen ihrer Monsterverträge loswerden und im Gegenzug Lances humanen Vertrag (3 Jahre, 27 Mio. $) in ihre Gehaltsbücher schreiben. Auch wenn die Verhandlungen laut Insidern nicht kurz vor dem erfolgreichen Abschluss stehen sollen, wären die Hornets wohl bereit, Risiko zu gehen und Joe Johnson oder Brook Lopez in einer solchen Transaktion zurück zu nehmen. In Charlotte scheint die Verzweiflung wirklich groß zu sein.