15 Dezember 2014

14. Dezember, 2014   |  Daniel Schlechtriem  @W14Pick


Mit dem kleinen Trade um Andrei Kirilenko am vergangenen Donnerstag hat die Trading Season 2015 begonnen. Richtig los geht es am Montag: Ab dem 15.12. dürfen im Sommer verpflichtete Free Agents getradet werden, dies gilt als Startschuss für größere Deals. Doch welche namhaften Spieler könnten bis zur Deadline am am 19. Februar über die Ladentheke gehen? Im ersten Teil wurden die offensichtlichen Kandidaten beleuchtet, nun folgt ein Blick auf die geheimen Kandidaten, die nicht jeder auf dem Radar hat sowie ihren denkbaren Abnehmern.


Goran Dragic 
(Phoenix Suns)
Dragic ist der derzeit beste Spieler im Aufgebot der Suns, warum also sollten sie ihn traden? Player Option lautet die Antwort. Eine solche kann (und wird) der Slowene im Sommer nicht ziehen und sein Team damit vor erhebliche Schwierigkeiten stellen. Denn Phoenix hat im Oktober erst den zweitbesten Spieler im Kader, Eric Bledsoe, für fünf Jahre und 70 Millionen Dollar verlängert und dadurch entsprechend die Maßstäbe hoch gesetzt. Für weniger wird sich Dragic nicht einmal an den Verhandlungstisch setzen, Bruder Zoran hin oder her. Suns-Besitzer Robert Sarver ist nicht für seine Spendierfreudigkeit bekannt, folglich muss sich das Management im Wüstenstaat fragen: Können wir uns einen Backcourt um Bledsoe (14 Millionen), Thomas (knapp 7 Millionen) sowie Rookie Tyler Ennis (1,6 Millionen) plus Dragic (mindestens 14 Millionen, wahrscheinlich mehr) leisten – erst recht angesichts der Tatsache, dass die Lineup mit zwei oder gar drei Point Guards immer schlechter klappt und die Gegner immer besser darauf reagieren? Für die kommende Saison stehen bereits über 50 Millionen in den Büchern – ohne Dragic und ohne den ebenfalls Free Agent werdenden Gerald Green. Bei einem anzunehmenden Cap von ungefähr 66 Millionen Dollar erscheint es mehr als schwierig, Dragic halten zu können – zumal der Kader bereits jetzt unausgewogen ist und vor allem bei den Centern und Small Forwards nachdrücklich Verstärkung bräuchte. Infolge der kostspieligen Verlängerungen Bledsoes und der Morris-Zwillinge hat das Management in Phoenix eigentlich gar keine andere Wahl, als Gebote für den 'Dragon' zu prüfen.
Mögliche Interessenten: Lakers, Pistons, Rockets

Reggie Jackson 
(Oklahoma City Thunder)
Die gleiche Geschichte, nur nicht mit einer Player Option, sondern der spätestens seit vergangenen Sommer besonders berüchtigten Restricted Free Agency. Eben diesen Status wird der Guard der Thunder erreichen. Vergleiche mit James Hardens Situation vor zwei Jahren wurden bereits in der Off-Season gezogen. Und je näher der nächste Sommer rückt, desto nervöser werden die Zeigefinger, auch in Oklahoma City. Gordon Hayward und Chandler Parsons haben einen gewaltigen Preis für RFAs vorgelegt, in diesen Größenordnungen wird nun auch Jackson denken, insbesondere nach seinen sehenswerten Auftritten während Westbrooks verletzungsbedingter Abwesenheit. Genau das setzt GM Presti unter Druck: „Luxussteuer“ darf man in Oklahoma City nicht einmal erwähnen. Zwar werden aufgrund von Kendrick Perkins' auslaufendem Vertrag finanzielle Mittel frei – doch was, wenn auch Jackson deutlich überbezahlt werden wird, noch deutlicher als Hayward und Parsons? Presti schloss einen Trade wie im Falle Hardens zwar kategorisch aus, doch weder kann er riskieren, einen qualitativen Spieler ohne Gegenwert gehen zu lassen, noch kann er es sich leisten, einen sechsten Mann wie einen Superstars zu bezahlen – gerade hinsichtlich des bevorstehenden Dramas um Kevin Durant in der Free Agency 2016.
Mögliche Interessenten: Pistons, Kings, Lakers

Al Horford 
(Atlanta Hawks)
Wenn man Gerüchten Glauben schenkt, versuchten die Hawks schon am Draft-Abend, ihren einstigen Franchise Player abzustoßen. Horford hat eine längere Krankengeschichte, musste mehrfach wegen Schulterproblemen aussetzen, vergangene Saison war sogar eine Operation notwendig, die die Saison des Dominikaners beendete und somit auch sämtliche Hoffnungen seines Teams auf einen Playoff-Run. Zwar ist Horford inzwischen gesund zurück und legt anständige Zahlen aufs Parkett, doch bleibt neben den Verletzungssorgen die ungeklärte Frage um seine Position. Er ist kein Center, muss diese Rolle aber schon seit Jahren in Atlantas Zone bekleiden. Auf der Power Forward Position, wo der 28-jährige eigentlich zuhause ist, liefert Paul Millsap bessere und konstantere Leistungen ab, so dass es nicht überraschen wird, dass in der Hauptstadt Georgias zukünftig auf diesen gesetzt werden soll. Millsaps Vertrag läuft im Sommer aus und das Front Office wird alle Hebel in Bewegung setzen, um ihn in der Philips Arena zu halten. Das wiederum ruft einen Trade Horfords auf den Plan, denn dadurch könnten die Hawks im Idealfall nicht nur einen echten Center an die Seite von Millsap stellen, der die offensichtlichen Probleme (27. im Rebounding!) behebt: Indem sie Horford traden, werfen sie außerdem einen der Konkurrenten im Rennen um Millsap im nächsten Sommer aus dem eben jenem. 
Mögliche Interessenten: Heat, Nuggets, Rockets


Tyreke Evans 
(New Orleans Pelicans)
Die Pelikane brauchen dringend einen Small Forward. Tyreke Evans, John Salmons, Luke Babbitt – sie alle sind nicht die Lösung der schon länger anhaltenden Rätsels auf der Drei, zuletzt wurde sogar Darius Miller entlassen, der ebenfalls als Notnagel auf dieser Position herhalten musste. Die Leistungen der letzten Wochen pochen auf Handlungsbedarf – doch welchen Gegenwert kann New Orleans bieten? Für Eric Gordon bekommt man nicht mal einen Second Round Pick, Ömer Asik und Jrue Holiday stehen nicht zur Disposition, Anthony Davis schon gleich gar nicht. Bleibt noch erwähnter Evans, der nicht den besten Ruf in der Liga hat und dessen Leistungen andere GMs nicht aus dem Ledersessel reißen. Um einen qualitativen Small Forward zu akquirieren, werden die Wasservögel daher eventuell sogar den ehemaligen Most Improved Player Ryan Anderson in den Topf werfen müssen. Auch wenn Eigentümer Tom Benson nicht so knausrig ist wie andere Besitzer eines eher kleinen Marktes, kann sich sein Team einen sechsten Mann mit einem derart hochdotierten Vertrag (8,5 Millionen p.a.) ohnehin eher nicht erlauben.
Mögliche Interessenten: Cavaliers, Hornets

Taj Gibson 
(Chicago Bulls)
Die Verpflichtung Pau Gasols war eine deutliche Absage in Richtung Gibson. Dieser will nicht erst seit kurzem in der Startformation stehen, das ist kein Geheimnis, war er doch einer derjenigen, die in Abwesenheit von Ex-MVP Rose die Knochen hinhielten, um die sportliche Relevanz der Bulls aufrechtzuerhalten. Obwohl Taj angesichts seines Kampfgeistes auf dem Parkett perfekt ins System von Headcoach Tom Thibodeau passt, scheint nicht mehr so richtig Platz für den 29-jährigen zu sein. Denn Chicago muss eine Weichenstellung in Richtung Sommer vornehmen: Dann wird Jimmy Butler Restricted Free Agent werden und aus Konsequenz seiner bisherigen Leistungen nicht weniger als einen Maximalvertrag vorgelegt bekommen. Den wiederum können die Bulls mit den aktuellen Personalkosten nicht ausgleichen, ohne richtig deftig in die Luxury Tax zu fallen. Jerry Reinsdorf gefällt das nicht. Folglich müssen sie Kosten senken und hier kommt Gibson ins Spiel. Noah und Gasol sind gesetzt, Coach und Management halten bekanntlich sehr viel von Rookie Nikola Mirotić, der wie Taj die Power Forward Position bekleidet, in Cameron Bairstow haben sie auf dieser Baustelle zusätzlich ein Entwicklungsprojekt, Gibson selbst ist mit seiner Rolle im Team unzufrieden. Das sind alles Gründe, die für eine (für die Bulls kostengünstige) Trennung sprechen. Allzu günstig, wie noch beim Deal um Luol Deng, wird die Gegenseite aber nicht davon kommen.
Mögliche Interessenten: Heat, Hornets, Kings, Magic, Nuggets, 


Weitere Kandidaten:

Jamal Crawford 
(Los Angeles Clippers)
Warum sollten  die Clippers den zweifachen Sixth Man of the Year, ihren zuverlässigen Scorer von der Bank abgeben? Ganz einfach, Steve Ballmers Team hat erhebliche Schwierigkeiten in der Flügelverteidigung – respektive sie haben gar keine. Matt Barnes konnte das mal, doch die Zeiten sind vorbei. J.J. Redick wird es nie können. Turkoglu? Lassen wir das. Womöglich ist ein starker Wing Defender das fehlende Puzzlestück für den Griff nach der Krone. Gerüchte um J-Crossover als Gegenwert existieren schon länger, er wäre auch der einzig sinnvolle Kandidat aus dem Aufgebot der Nummer eins in L.A. Für einen Spieler seiner Klasse müsste dann aber schon eine Elite-Verteidiger her. Vielleicht sogar Lance Stephenson.

David West 
(Indiana Pacers)
Wie bereits im Preview spekuliert ist bei den Pacers ein Einschnitt mehr als nur denkbar. Altstar West könnte im Sommer Free Agent werden (Player Option) und unter Umständen versuchen, noch einmal bei einem Contender anzuheuern – was die Pacers selbst mit einem heilen Fuß von Paul George nicht wären. Der einstige Titelfavorit ist erwartungsgemäß im Niemandsland der Tabelle angekommen, dies ist der Zeitpunkt, in dem Front Office und Spieler wie West nicht mehr an einem Strang ziehen. Haudegen West ist zu stolz, um die Saison herzuschenken, das Front Office wird schon in Richtung Draft Lottery schielen und den ein oder anderen Ping-Pong-Ball mehr gewinnen (d. h. verlieren) wollen. Sonderlich hoch wird der Preis für den Veteranen folglich nicht sein.

Enes Kanter 
(Utah Jazz)
Die Mormonen versprachen sich viel von ihrem #3 Pick des 2011er Drafts, davon ist jedoch wenig übrig geblieben. Der türkische Center hat sich in seiner Zeit am Salzsee so gut wie gar nicht weiterentwickelt, sieht auf dem Parkett immer noch sehr, sehr roh aus, geradezu chancenlos gegen die qualitativen Bigs des Westens. Im Vergleich zu Kanter wirkt sogar der Sophomore Rudy Gobert wie ein fertiger Spieler, folglich planen die Jazz eher mit dem Franzosen. Ein Neuanfang würde für beide Seiten sehr viel Sinn ergeben.


Jordan Hill 
(Los Angeles Lakers)
Auch wenn Kobe stets beteuert, seine Lakers seien besser als es die miserable Bilanz nahelege: Diese Saison ist für die Fans in lila-gold eine einzige Zumutung und daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Die Stichworte Ronnie Price und Starter genügen als Beschreibung des Dilemmas. Auch wenn der TV-Deal die Kassen der Buss-Familie vollspült, müssen sie wirtschaftlich denken und Personalkosten senken, gleichzeitig bestenfalls mit Blick auf die Zukunft den ein oder anderen jungen, hoffnungsvollen Spieler in die Stadt der Engel holen. Allzu gut dürfen die Lakers diese Saison ohnehin nicht beenden, landen sie in der Lottery nicht in den Top Five, geht ihr Pick nach Phoenix. Daher wäre es sportlich sogar ratsam, in Jordan Hill einen der wenigen Lichtblicke abzugeben.

Thomas Robinson, Joel Freeland & Meyers Leonard 
(Portland TrailBlazers)
Portland steht hervorragend da, ein größerer Trade ist nicht notwendig. Ein kleiner hingegen um einen oder mehrerer dieser Bigs könnte es aber werden. Die Hoffnungen auf Meyers Leonard sind wohl begraben, bei Freeland waren sie nie sonderlich hoch, T-Rob wird vermutlich nie seiner Draft-Position (#5 im 2012er Draft) gerecht werden. Für ihn wäre es die vierte Station im dritten NBA-Jahr und vermutlich so etwas wie eine letzte Chance. Dass er die nicht in Portland bekommen wird, legen die letzten Spiele nahe, in denen keine Zahlen, sondern nur ein „DNP“ hinter seinem Namen steht. Bei der Niederlage am Freitag gegen die Bulls erzielten Aldridge und Lillard zusammen 70 der 106 Punkte ihres Teams. Ein wenig Verstärkung könnten sie schon noch gebrauchen.