06 Dezember 2014

5. Dezember, 2014   |  Tobi Mannhart  @TobeyTen


Marc Gasol stand bis jetzt immer hauptsächlich für Top-Defense und gutes Big Man Passing. Aber dieses Jahr lernen wir eine ganz neue Seite von „The Big Spain“ kennen. Erst vier Mal gab es in dieser Saison eine einstellige Punktzahl für den Center. Gegen Minnesota und Boston gab es sogar zwei Career Highs mit 32 Punkten. Im zweiten Jahr unter Head Coach Dave Joerger ist Gasol nun klar die Nummer Eins im Team. Er nimmt fast 14 Field Goal Versuche pro Spiel (das ist ein Plus von fast zwei Würfen im Vergleich zur letzten Saison) und trifft sie mit einer 50,8% Quote. Es ist das erste Jahr für ihn, in dem er mehr als zehn Würfe pro Abend nimmt und mehr als die Hälfte davon versenkt.

Marc Gasol ist nun nicht nur der beste Defensivspieler, sondern auch der beste Angreifer beim zweibesten Team der NBA (zumindest bilanzmäßig)! Kann man also übermütig werden und ihn in die MVP-Diskussion werfen? Ich glaube: Ja! Im Endeffekt gibt es zwei Gegenkandidaten nach dem bisherigen Saisonverlauf: Anthony Davis und Stephen Curry.

Dass ein Team wie die New Orleans Pelicans, das vermutlich nicht einmal in die Playoffs einziehen wird, den MVP stellt, halte ich für unwahrscheinlich, auch wenn Davis Videospielzahlen auflegt. Bleibt also Curry als Gegenkandidat. Die Saison 2014-15 könnte, durch die Anpassungsschwierigkeiten von LeBron James in Cleveland und die lange Verletzungspause von Kevin Durant, einen ungewöhnlichen MVP sehen. Es ist natürlich schwierig, den Schützen und Point Guard Curry mit Gasol zu vergleichen, aber auch ohne echte Vergleichswerte lohnt sich ein Blick auf die Argumente pro Marc.

Hier muss ich, wie immer in Memphis, mit den Team-Statistiken beginnen. Erinnern wir uns an vergangene Jahre, so denken wir bei Memphis immer an dieselbe Aussage: „Memphis' Defense ist überragend, aber die Offense passt einfach nicht.“ Tja, das Offensiv-Rating von 108.9 belegt derzeit den 8. Platz in der NBA. Dazu kommt ein wie immer fantastisches Defensiv-Rating von 100.4 (Rang 4). Ziemlich eindrucksvolle Werte, die man mit Fug und Recht zwar auch der verbesserten Bank und einem tollen Mike Conley zuschreiben muss... allerdings sehe ich den Ringbeschützer, Defensivkoordinator und nun auch besten Offensivspieler im Team als Hauptfaktor. Bester Offensivspieler stimmt nicht, sagt ihr? Ich sage doch!

Schauen wir uns Gasols Season Highs an: Für einen Big Man astronomische 9 Assists gegen die Trail Blazers, die bereits gennannten 32 Punkte gegen Boston und die Wolves, 11 von 12 Freiwürfen gegen die Pistons, 13 von 18 aus dem Feld gegen das Duo Infernale Griffin und Jordan stechen hier heraus. Allerdings können einzelne Spiele wenig aussagen, also nehmen wir uns die Per Game Stats vor: 20/8/3,5 in 35 Minuten bei 50% aus dem Feld und 85% von der Linie. Aber die heutige NBA greift doch auf Advanced Stats zurück, die genannten Stats sind doch veraltet, sagt ihr?

Na gut! In einem defensivorientierten Team schafft es Marc Gasol bei einer Usage Rate von 25,6% (plus 4% zum Vorjahr, plus 7% zum Karriereschnitt) einen True Shooting Wert von 59% zu generieren und eine sagenhafte Assist-Quote von 17,5%. Der nächste Big Man in dieser Statistik mit über 500 Minuten Spielzeit in dieser Saison ist Chris Bosh, der aber nur einen Assist-Wert von 13.6% generiert. Nur Andrew Bogut und Boris Diaw haben unter den Großen in der Liga einen höheren Ast%-Wert, allerdings sind diese beiden Spieler auch weit davon entfernt, als offensive Nummer Eins gegen Doppelteams zu spielen und oder so hohe Minutenzahlen abzureissen wie der Spanier.

Bringt man alles auf einen Nenner, so lässt sich sagen: Marc Gasol koordiniert die meist gefürchtete Defensive der Liga und schafft es als Option Nummer Eins eines nicht wirklich offensiv orientierten Teams nicht nur, extrem gut abzuschließen und zu scoren, sondern auch seine Mitspieler perfekt in Szene zu setzen. Die Grizzlies stehen völlig zurecht ganz weit oben in der Tabelle, darum heisst es für mich bis jetzt auch zurecht: Marc Gasol, u da real MVP!

P.S.: Schade, dass Marc in einem Career Year steckt. Wir wissen alle, dass Memphis nicht der attraktivste Markt der National Basketball Association ist und Teams wie die Knicks und Spurs richtig heiß darauf sind, Gasol in der nächsten Offseason als Free Agent unter Vertrag zu nehmen. Daher betet und hofft mit mir, liebe Memphis-Sympathisanten! Möge diese Saison so erfolgreich und Robert Pera so spendierfreudig sein (Maximalvertrag ohne Wenn und Aber!), dass dem Spanier nichts Anderes übrig bleibt, als der Franchise treu zu bleiben, die sein Bruder schon vor einigen Jahren zugunsten eines größeren, attraktiveren Marktes verlassen hat.