30 Mai 2015

30. Mai, 2015  |  Axel Babst  @CoachBabst


Nur noch knapp einen Monat dauert es, bis für eine neue Rookie-Klasse ein Lebenstraum in Erfüllung geht: mit dem Handshake von NBA-Commissioner Adam Silver beginnen am Draft-Abend 60 neue, mit Spannung erwartete Profikarrieren. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.



Delon Wright kam erst vor zwei Jahren nach Utah. Er musste die Hürde über ein Community College in San Francisco nehmen, ehe er in der Division I für ein Team spielen durfte, das zwei Jahre zuvor mickrige 6 Mal als Sieger vom Feld schlurfte. Nun ist Utah ein Sweet Sixteen Teilnehmer und Wright trug daran in seinen zwei Dienstjahren einen gehörigen Anteil. Das wurde auch mit der Auszeichnung zum PAC 12 Spieler des Jahres sowie der Auszeichnung zum besten Point Guard der NCAA honoriert. Nun beginnt für Wright die letzte Etappe auf seiner Reise in die Rotation eines NBA Teams.

Der jüngere Bruder von NBA Spieler Dorell Wright war ein ausgezeichneter High School Spieler und weckte das Interesse einiger College Programme, allerdings fehlte die notwendige akademische Qualifikation, weshalb Wright den Umweg über ein Community College einschlagen musste. Dort konnte er zwar direkt für Erfolgserlebnisse sorgen, allerdings nahm davon kaum jemand Notiz. Nach seinen zwei Jahren in San Francisco lief dem Guard also ein wenig Zeit davon. 

Er erhielt einige Angebote von Universitäten entlang der Westküste und entschied sich ausgerechnet für das Team, das am wenigsten einladend zu sein schien. Utah hatte in der Vorsaison genau 15 Spiele gewinnen können und befand sich gerade mitten im Neuaufbau. Da schien Wright, der auf dem schnellsten Weg in die NBA wollte, irgendwie deplatziert. Doch seine Entscheidung erwies sich als genialer Schachzug. Zusätzlich zu Wright betraten einige talentierte Freshmen den Campus und die Handschrift von Larry Krystkowiak machte sich bemerkbar. 

Das Team spielte deutlich besser, als es die Ergebnisse vermuten ließen. Wright entwickelte sich schnell zu einer dominierenden Persönlichkeit und erspielte sich schnell einen Ruf als talentierter Allrounder. In der PAC 12 Saison legte er noch eine Schippe drauf und wurde auf Anhieb ins erste All Conference Team gewählt. Die Utes wiesen zudem eine positive Siegesbilanz auf und konnten immerhin einen Platz im NIT ergattern. 



Vor seiner Senior Saison wurde Wright dann auch in den landesweiten Medien präsenter. Angestachelt von dem Gedanken sich auf der großen Bühne präsentieren zu können, zeigte Wright als Senior besonders in den großen Spielen gegen Kansas und Wichita State gute Leistungen und führte sein Team souverän durch die Saison. Man lieferte Contender Arizona in der eigenen Conference lange Zeit ein erbitterten Kampf um den Titel der Regular Season. Zwar verpasste man ausgerechnet vor heimischem Publikum ganz knapp die Sensation, allerdings hatten die Utes genug Siege eingefahren, um sich erstmals seit 2009 wieder im NCAA Tournament wiederzufinden. 

Mit dem Einzug ins Sweet Sixteen waren die Utes das erfolgreichste Team seit zehn Jahren (damals spielte Andrew Bogut noch für Utah und wurde anschließend der erste Pick des Drafts). Wright überzeugte erneut mit einer äußerst starken Spielzeit, an deren Ende er den Bob Cousy Award als bester Point Guard der NCAA erhielt.

Mit knapp 1,98m bringt Wright für einen Aufbauspieler eine überdimensionale Größe mit, die ihm sehr viele Vorteile gegenüber seinen Guard Kollegen verschafft. Im Pick & Roll sieht er dadurch offene Mitspieler fast immer und kann diese mit Pässen versorgen, die für kleinere Ballhandler einfach nicht möglich wären, weil sie ihrem Verteidiger damit direkt in die Arme passen würden. 

Ein weiterer Vorteil der zusätzlichen Zentimeter ist Wrights Möglichkeit am Ring zu vollstrecken. Auf College Ebene war es für den filigranen Taktgeber kein Problem über die ausgestreckten Arme eines Big Mans zu finishen. Zwar sind die Helpside Verteidiger in der NBA größer, allerdings sollte Wright hier dennoch positiv auf sich aufmerksam machen. Denn in der NCAA konnte er mehrfach Belege dafür ablegen, was für ein Scorergen in ihm schlummert. Dieses aktiviert sich, sobald es in der Zone eng wird. Eine ganze Reihe von Kunstwürfen brachte Wright im Trikot der Utes schon im Korb unter.

Wright ist generell sehr vielseitig veranlagt und kann einer Mannschaft sehr variabel Unterstützung anbieten. Offensiv kann er den Ballvortrag übernehmen und das Spiel sicher lenken. Braucht das Team Impulse in Form eines erfolgreichen Angriffs, kann der Senior auch kurzerhand selber seinen Wurf kreieren und für schnelle Zähler sorgen. 

Auch das Auge für den Mitspieler ist bei Wright inklusive. Das bringt die hohen Passqualitäten Wrights besonders gut zur Geltung. Der Guard hat ein gutes Gespür für den richtigen Pass im richtigen Moment und kann seinen Mitspielern auf verschiedenste Weisen einen Korberfolg ermöglichen. Besonders sein Verständnis für Pick & Roll Szenarien ist sehr ausgereift und direkt auf das Geschehen in der NBA übertragbar. Wright findet normalerweise immer eine gute Lösung und garantiert seinem Coach einen guten Wurf. 


Sein Ballhandling ist gut genug, um an jedem Gegner vorbei zu ziehen. Gegen aggressives Hedgen oder gar Doppeln hat er immer einen Plan B in der Hinterhand. Zudem ist er es gewohnt, dass seine Gegenspieler traditionell unter seinem Block hergehen, wovon er sich allerdings nicht stören lässt, sondern diese Gelegenheit nutzt, um Tempo aufzunehmen. Dringt er in die Zone vor, kann er mit seinem guten Überblick schnell realisieren, ob auf der Weakside Schützen frei sind, die er anspielen sollte. Seine Kickouts sind hart und präzise, so wie Werfer es mögen.

Zu diesen Fertigkeiten in der Offensive gesellen sich noch ein überdurchschnittliches Verhalten beim Rebound und flinke Hände in der Verteidigung. Wright geht aktiv ans Brett, um seinem Team den nächsten Angriff zu sichern und wartet nicht einfach darauf, dass die Innenspieler die Reboundsituation schon irgendwie lösen werden. Obendrein hat der 23-Jährige einen guten Riecher dafür, wann ein Pass auf seinen Gegenspieler zu schlapp gespielt wird und er sich in den Passwegen werfen kann, um den Ball zu klauen.  Am Ball ist Wright ebenfalls ein sehr unangenehmer Verteidiger, weil er seinen Gegnern mit seiner Länge viele Optionen automatisch nimmt. Seine schnellen Reflexe erhöhen den Schwierigkeitsgrad eines Drives nochmals.



Doch bei all seiner Begabungen ist Wright in gewisser Hinsicht arg limitiert. Da wäre zum einen der Wurf. Zwar konnte Wright seine Ausbeute als Senior verbessern, allerdings sieht die Bewegung immer noch nicht rund aus. Er braucht viel Zeit und Platz für den Abwurf, hat selten einen guten Rhythmus und schafft es daher selten die einzelnen Facetten eines guten Wurfes zu erfüllen, geschweige denn zusammen zu setzen. 

Der Senior wirkte dementsprechend auch alles andere als selbstbewusst bei seinen Jumpshots. Für ihn ist es immer sehr wichtig, den ersten Jumper zu versenken, denn sonst klappt sein Handgelenk noch zittriger ab. Mit seinen 23 Lenzen steht die Frage im Raum, ob Wright noch zu dermaßen signifikanten Steigerungen fähig ist, um als wenigstens durchschnittlicher Schütze von den Opponenten ernst genommen zu werden. 

Auch beim Zug zum Korb ergeben sich noch zwei Hindernisse für den Point Guard. Erstens ist Wright sehr schmächtig und es besteht die Gefahr, dass er mit der physischeren und unsauberen Verteidigung im NBA Alltag Probleme haben könnte. Das betrifft sowohl die Meter bis zum Korb als auch den Abschluss gegen einen kolossalen Center. 


Hier ist es zweitens auch hinderlich, dass Wright seiner linken Hand beim Abschluss noch nicht vollends vertraut. So schließt er oft mit rechts ab, wenn er es eigentlich mit der linken Hand probieren sollte. Das werden die Shotblocker der NBA als Geschenk ansehen und ihn gehörig für seinen törichten Versuch abstrafen. Hier muss Wright als Präventivmaßnahme dringend seine linke Hand und seine Explosivität beim Absprung verbessern.

Nicht nur aufgrund der körperlichen Ausnahmeerscheinung erinnert Delon Wright stark an Shaun Livingston. Auch in Sachen Bewegungsablauf und offensiver Vielseitigkeit sind sich die beiden ungemein ähnlich. Beide lesen das Pick & Roll gut, nutzen ihre Größe beim Abschluss und verfügen nicht über einen nennenswerten Sprungwurf. Letzteres kaschieren sie mit hohem Spielverständnis und cleveren Entscheidungen. In der Defense wissen sie ebenfalls ihre Länge gewinnbringend einzusetzen.

Zu den spielerischen und körperlichen Ähnlichkeiten kommt noch hinzu, dass sich Wright eine ähnliche Zukunft wie Livingston bieten könnte, was dessen Nische in der NBA betrifft. Wright kann bei einem ambitionierten Playoff Team sicherlich eine gute Rolle von der Bank spielen. Seine Vielseitigkeit kann ihn in bestimmten Spielphasen zu einem guten Trumpf machen. Allerdings wird es noch dauern bis Wright in der NBA wirklich auf höchstem Niveau effektiv sein kann. Vorher muss er entweder sein Wurf-Handicap verringern oder aber noch besser lernen damit umzugehen.