20 Juni 2015

19. Juni, 2015  |  Axel Babst  @CoachBabst


Nur noch knapp einen Monat dauert es, bis für eine neue Rookie-Klasse ein Lebenstraum in Erfüllung geht: mit dem Handshake von NBA-Commissioner Adam Silver beginnen am Draft-Abend 60 neue, mit Spannung erwartete Profikarrieren. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.



Devin Booker ist einer von sieben Kentucky Spielern, die im diesjährigen Draft zur Auswahl stehen. Als Shooter lieferte er Instant Scoring von der Bank und konnte trotz limitierter Spielzeit und keines einzigen Starts oft als spielentscheidender Faktor in Erscheinung treten. 

Mit seinen Instinkten in der Offensive und seinem natürlichen Talent bei der Wurfbewegung weckte er schnell Begehrlichkeiten bei einigen NBA Teams. Daher könnte für den mit großem Abstand jüngsten Spieler des Drafts ein Platz in der Lottery winken.

Booker wuchs bei seiner Mutter in Michigan auf, während sein Vater als professioneller Basketballer sein Geld verdiente. Nach dessen Karriereende entschloss sich der Filius ab seinem Sophomore Highschool Jahr zu seinem Vater nach Arkansas zu ziehen. 

Fortan widmete sich Vater Melvin der spielerischen Ausbildung seines Sohnes. Dieser war zwar talentiert und hatte viele gute Anlagen von ihm geerbt, allerdings musste Devin Booker noch vermittelt werden, wie wichtig beständiges Training ist. Während seiner drei Jahre in Arkansas entwickelte sich der Shooting Guard zu einem großartigen Highschool Spieler. 

Speziell als Senior war er kaum zu stoppen und schenkte den Gegnern reihenweise schwierige Würfe ein. In nur drei Jahren erzielte er über 2.500 Punkte und sicherte sich damit den Spitzenplatz auf der Scoring Liste der Highschool. Diese Entwicklung blieb auch den eifrigen Talentsuchern nicht verborgen. Für Booker hagelte es Stipendien Angebote von den großen Colleges und er wurde zu den typischen Events aller talentierten Highschool Spieler eingeladen. 

Booker gab schließlich bekannt, für Kentucky auf Korbjagd zu gehen. Als Edelscorer von der Bank erspielte er sich von einer Saisonwoche zur nächsten mehr Minuten und wurde in einigen Spielen sogar zu einer tragenden Säule des Offensivspiels, da er mit seinen Distanzwürfen sehr viele Freiräume für seine Mitspieler schuf. Erst im Halbfinale fand der Durchmarsch der Wildcats ein jähes Ende, als man gegen Wisconsin verlor. 

Speziell Booker agierte in einigen Szenen des Spiels sehr unglücklich und musste sich viele Fehler ankreiden lassen. Diese sollten aber nicht glanzvolle Saison des Freshman überschatten, der aus seinen Minuten das Optimum rausholen konnte und sich damit in den Dunstkreis der NBA Lottery Teams spielte.



Die größte Waffe im Arsenal des Außenspielers ist sein Distanzwurf. Die vielen zusätzlichen Stunden harter Arbeit, die Booker unter Anleitung seines Vaters in der Halle verrichtete machen sich hier extrem bezahlt. 

Der Wurf ist butterweich und technisch auf einem sehr guten Niveau. Sobald Booker auch nur einen Zentimeter Platz hat, drückt er bedenkenlos von Downtown ab und kann sich seiner Sache in der Regel recht sicher sein.

Sein hoher Releasepunkt und der schnelle Ablauf des Abwerfens erlauben es Booker blitzschnell die Verteidigung zu überrumpeln und fast ansatzlos einen sehr ordentlichen Wurf auf die Reise zu schicken. Als netter Bonus obendrauf kann Booker jetzt schon ohne Bedenken an der NBA Dreierlinie postiert werden, da er selbst am College regelmäßig Würfe aus 7 oder 8 Metern einnetzte. 

Bei Kentucky wurde Booker jedoch nicht nur als reiner Spotup Shooter benutzt. Viel mehr versuchte Coach Cal ihn aktiv in die Offensive mit ein zu beziehen. Typische Shooter Plays wie Floppy oder Diamond Sets wurden extra für den Freshman gelaufen, damit dieser seinen Bewacher an den Blöcken abseits des Balls abschütteln konnte und einen freien Dreier aus der Bewegung zu gestattet bekam. 

In solchen Situationen zeichnet sich Booker durch gute Fußarbeit aus. Selbst wenn er mit Höchstgeschwindigkeit aus den Blöcken kommt, sind seine Füße bei Ballerhalt auf den Korb gerichtet und er ist beim Wurf direkt ausbalanciert. Des Weiteren liest Booker die Defense sehr gut und trifft schnell die richtige Entscheidung. Sind die Blöcke schlecht gestellt und heftet sich sein Gegenspieler Booker an die Fersen, schlägt er beim Ballerhalt sofort den Weg zum Korb ein und curlt um den Block. 


Hier kann Booker den kleinen Vorsprung mit ein bis zwei schnellen Dribblings halten, um dann einen Floater oder Pullup Jumper zu verwandeln. Schleicht sich der Verteidiger hingegen unter dem Block durch, nutzt Booker den Screen als Flare-Option für den offenen Dreier. Dass Booker bereits derart weit im Lesen von Blöcken ist, ist ein Anzeichen für eine glorreiche Zukunft in den Offensivsystemen der NBA Teams. 

Eine weitere Qualität von Devin Booker ist, dass er bei jeder Transition Situation mit von der Partie ist. Das mag im ersten Moment selbstverständlich erscheinen, ist es jedoch keinesfalls. Booker sprintet nicht einfach nach vorne und macht sich dabei athletische Vorteile zu Nutze. Stattdessen besetzt er gut die Außenspuren und zwingt die Verteidigung dadurch, sich in die Breite zu ziehen. Das öffnet Räume für die Mitspieler und erhöht die Chancen auf einen erfolgreichen Ausgang des Schnellangriffs. 

Zuguterletzt muss man sich nochmals vor Augen führen, dass Booker mit großem Abstand der jüngste Spieler des Draftjahrgangs ist. Erst gegen Anfang der NBA Saison wird Booker 19. Folglich sollte es möglich sein, Booker noch mit jeder Menge hilfreicher Tipps zu überhäufen und ihn somit in rasantem Tempo zu einem besseren Spieler zu entwickeln. 

Dieser Eindruck, den man pauschal auf jedes junge Talent beziehen kann, bestätigt sich, wenn man Bookers gute Arbeitsmoral und seine körperlichen Anlagen miteinbezieht. Für einen Shooting Guard weist Booker eine ordentliche Größe auf und seine Grundlagenausbildung ist ein guter Grundstein für fortschreitende Elemente.





Den größten Nachholbedarf gibt es derzeit noch in Sachen Athletik. Seine Sprungkraft an sich ist akzeptabel, allerdings lässt der Youngster noch jedwede Explosivität in seinen Aktionen vermissen. Bei Reboundsituationen oder Drives scheint Booker immer einen Moment zu langsam zu sein, wenn er vom Boden abhebt. 

Gerade der erste Schritt ist für die Defense noch keine Bedrohung, sodass Booker immer darauf angewiesen ist, einen Vorsprung im Rücken zu haben, um es überhaupt bis zum Korb zu schaffen. Höchstens bei übereifrigen Verteidigern, die auf eine Wurffinte reingefallen sind, kann Booker mit seinem ersten Schritt die Verteidigung passieren.

Umso wichtiger ist es daher auch, dass Booker sich einige Skills mit dem Ball in der Hand aneignet. Sein Ballhandling ist noch nicht auf das direkte Duell mit einem bissigen Verteidiger ausgelegt. Speziell mit seiner linken Hand scheint Booker noch einige Schwierigkeiten zu haben. Dass aus ihm jemals ein Ballkünstler wird, der eine Klette nach der anderen vernascht, darf bezweifelt werden, aber ihm würde schon vieles einfacher fallen, wenn er einen widerspenstigen Verteidiger mit einem guten Crossover aussteigen lassen würde und sich ein wenig Platz verschaffen könnte.

Auch in der Defensive muss Booker sich noch verbessern, wenn er auf den Courts der NBA Arenen stehen will. Auch hier machen sich seine athletischen Defizite bemerkbar, die verhindern, dass er im 1-1 vor seinem Gegenspieler verweilen kann. Zwar ist seine laterale Geschwindigkeit an sich annehmbar, allerdings fehlt auch bei diesen Bewegungen die nötige Explosivität in der Bewegungsinitiierung, sodass er seine gute Fußarbeit gar nicht demonstrieren kann, weil der Angreifer schon an ihm vorbei gezogen ist. 

Gegen körperlich stärkere Gegenspieler wirkt Booker zudem noch ziemlich hilf- und ratlos. Das wurde offensichtlich, als er beispielsweise gegen Wisconsin zwei Mal zum Switchen gezwungen war und sich von Sam Dekker im Lowpost verprügeln ließ. Hier muss Booker noch stärker werden und mit mehr Entschlossenheit zu Werke gehen.

Von seinem Bewegungsablauf und den Offensivaktionen her erinnert Devin Booker sehr stark an Klay Thompson. Wie der Warrior ist Booker mit einem weichen Handgelenk ausgestattet, rennt gerne um zahlreiche Offball-Screens und kann daraus die eine oder andere Anschlussbewegung anbringen. 

Booker ist jedoch noch sehr weit von der defensiven Qualität Thompsons entfernt, auch wenn hier durchaus das Potential zu radikalen Verbesserungen aufgrund der guten Fußarbeit vorhanden ist. Sollte Booker seine Athletik verbessern können und noch sicherer im Umgang mit dem Ball werden, kann sich dessen Spiel weiter an Thompsons Spielweise angleichen.

Booker bietet als ein einladendes Angebot aus Potential und vorhandenen Grundlagen an. In der Theorie könnte er bereits einem Team durch seinen guten Wurf helfend zur Seite stehen. Hier sollte man aber noch nicht zu viel erwarten, da man einfach die Jugend und Unerfahrenheit Bookers bedenken muss. Bereits bei Kentucky unterlag er gewissen Leistungsschwankungen, die in diesem Alter noch normal sind und die man akzeptieren muss. 

Perspektivisch ist Booker jedoch alle mal interessant, da er das Zeug dazu hat, auf jeden Fall ein guter Starter zu werden. Unter optimalen Bedingungen kann sich Booker eventuell sogar noch in einen Two-Way-Player verwandeln, die unter NBA Teams bekanntlich heiß begehrt sind.