06 Juni 2015

6. Juni, 2015  |  Chris Schmidt  @ChrisSchmidt27


Seit Donnerstag wird auf dem Parkett entschieden, wer sich in diesem Jahr die NBA-Krone aufsetzt. Ist es Stephen Curry, der MVP, mit seinen Golden State Warriors, die in der Saison 2014/15 das beste Team der Liga stellten und an beiden Enden des Feldes neue Maßstäbe setzten? Oder ist es LeBron James, der King, mit seinen Cleveland Cavaliers, die nach einem schwachen Saisonstart erst durch wichtige Trades von GM David Griffin in Schwung kamen? Die Thronfolger aus Game 1 in der Analyse…

Beide Head Coaches starteten mit Big Ball in die Partie. Heißt bei den Cavaliers, dass Timofey Mozgov und Tristan Thompson auf dem Parkett stehen. Die Warriors blieben bei ihrer üblichen Starting Five, mit Andrew Bogut und dem variablen Draymond Green unter den Körben. 

Es kristallisierte sich allerdings sehr früh heraus, dass die Männer von Steve Kerr so in große Rebounding-Probleme kommen könnten. So begannen beide Team sehr nervös und verfielen in eine schwache Wurfauswahl, woraus viele Rebounding-Möglichkeiten entstanden. Thompson war es da auf der Seite der Cavs, der immer wieder aggressiv zum Brett ging und Offensivrebounds einsammelte. 

Dies war ein Faktor, warum Cleveland relativ schnell mit 13 Zählern führte (26-13). Stephen Curry & co. dagegen versteiften zunächst in der Offensive und erarbeiteten sich kaum offene Würfe. Natürlich ist es auch Teil der Warriors-Strategie, dass Curry und Klay Thomspon in Transition gerne mal einen schweren Dreipunktwurf aus dem Lauf nehmen, um auch die Fans ins Spiel zu bringen. Allerdings ging dies in den Anfangsminuten komplett schief, was dazu führte, dass die Schwächen in der Cavs-Defense nur äußerst selten offenbart wurden. 

Solch schwere Würfe von Curry, mit noch mehr als 15 Sekunden auf der Schussuhr, waren keine gute Wahl, um gut in die erste Finals-Partie zu starten..



Viel lieber hätte Steve Kerr wohl solche Aktionen des MVPs gesehen: Hier postet Bogut gegen Mozgov auf, allerdings nicht, um den Wurf zu nehmen, da die Entfernung für den Australier unpassend ist. So sollte sich die Cavs-Defense doch bereits darauf einstellen, dass gleich ein Pass aus dem Post kommt. Kyrie Irving ist allerdings kurz unaufmerksam, wahrscheinlich weil er einen Block von Green antizipiert, und Curry kann für einfache zwei Punkte unter dem Korb entwischen.






Da solch gute Ballbewegung aber in den ersten Minuten eine Rarität war, konnten sich die Cleveland Cavaliers dank eines gut aufgelegten LeBron James absetzen. Golden State nutze in diesem Zusammenhang eine sehr interessante Verteidigungsvariante. James wurde immer wieder im Low-Post von seinen Teamkollegen bedient, da er dort gegen den körperlich unterlegenen Harrison Barnes einen großen Schaden anrichten kann. 

Die Warriors hüteten sich allerdings davor, James sofort zu doppeln, weil ihnen auch bewusst war, dass er jederzeit einen offenen Wurf für einen Teamkameraden kreieren kann. So stellten sie lediglich zu Barnes einen zweiten Verteidiger als Schatten („shadowing“), um im Falle eines Wurfes diesen noch besser verteidigen zu können.



Cleveland versuchte dem entgegen zu wirken, in dem sie ihren Center an der Dreierlinie platzieren und diesen dann einfach zum Korb cutten ließen. So sollte Mozgov im Rücken von Bogut, der hier als Schatten-Verteidiger fungiert, nach einem Pass von LeBron einen einfachen Wurf generieren.

Dies klappte allerdings nur mit mäßigem Erfolg, weil Bogut mit seiner unglaublichen Übersicht und Spannweite auch immer seinen Gegenspieler im Blick hatte und so sogar noch einfacher zu Steals und Blocks kam.



Um auch offensiv wieder ins Spiel zu gelangen, vertrauten die Warriors in der Folge mehr und mehr auf einen ihrer Lieblingsspielzüge: das Pick & Roll. Insbesondere mit der Einwechslung von Marreese Speights schienen sich da die Möglichkeiten zu vervielfältigen. 

Eine wichtige Komponente des Warriors Pick & Rolls ist, dass sie immer einen starken Shooter auf der Ballseite platziert haben. Bei diesem Blocken und Abrollen von Curry und Green (bei dem Iriving zudem noch einen schlechten Job macht) hat der Vierer der Warriors nun mehrere Optionen: Die offensichtlichste ist sicherlich zum Korb zu ziehen. 

Sollte nun Iman Shumpert von seinem Gegenspieler abrücken, reicht ein einfacher Pass und Thompson hat einen offenen Dreier. Da die Wahrscheinlichkeit aber gering ist, dass Shumpert seinen Mann offen stehen lässt, muss ein anderer Cavs-Defender rotieren. In diesem Fall ist es James und Barnes bekommt auf der Weakside den offenen Dreier. Good Offense!



Mit Speights als Roll-Man änderte sich die Intention etwas. Speights ist eher ein Midrange-Shooter, weshalb der Zug zum Korb eher seltener von ihm zu sehen ist. Umso unverständlicher ist es dann, dass die Cavaliers Speights beim Pick & Roll so viel Platz lassen. 

Thompson sinkt hier zwar zuerst ab, allerdings ist er so auf den Ballhandler, in dem Fall Curry, fokussiert, sodass der Roll-Man gar nicht mehr verteidigt wird. Wieder will niemand von dem Corner-Schützen abrücken, sodass es für Speights fast so wie ein Korbleger wird. Vielleicht wäre hier das Switchen eine schlauere Variante gewesen, um solch offene Würfe nicht weiterhin zuzulassen.



Mit den Treffern von Speights (4-8 FGs) gewannen auch die anderen Warriors-Akteure an Selbstvertrauen. Curry, der schwach ins Spiel startete, traf einen Dreier aus seiner bevorzugten linken Ecke und legte in Transition dann gleich noch einen drauf.



Sobald dem Most Valuable Player der laufenden Saison solche Würfe gelingen, ist ein Timeout meist nicht weit. So kann gesagt werden, dass die Cavs es den Warriors hier viel zu leicht gemacht haben, wieder ins Spiel zu kommen. Denn mit weiteren schweren Würfen wäre Curry & Co. vielleicht auch das Vertrauen in den Wurf verloren gegangen und die Fans hätten keine so große Rolle mehr gespielt.

Auf Seiten der Warriors muss definitiv auch noch ein besonderes Lob an Andre Igoudala ausgesprochen werden. Der Sixth Man kam mit unglaublich viel Energie von der Bank und brachte ungewöhnlich viel aufs Scoreboard. Insbesondere seine Dreier halfen Golden State immer wieder in wichtigen Momenten. Zudem spielte er extrem starke Defense gegen LeBron und hielt den besten Spieler der Welt bei unter 30% Feldwurfquote (4-14 FGs vs. Igoudala).


Andre Iguodala war es auch, der LeBron im letzten Play der regulären Spielzeit verteidigte. James ging in eine Isolation gegen Iguodala, verfehlte dann aber deutlich. Hier muss auch das schwache Spacing der Cavaliers kritisiert werden, die in der rechten Ecke mit drei Spielern stehen, sodass Golden State sogar noch einen Help-Defender zu LeBron hätte bringen können. 



Ähnlich einfallslos verlief auch die Overtime der Männer von David Blatt. Immer wieder verfielen sie in Isolationen oder nahmen schlechte Würfe von jenseits der Dreierlinie. Insbesondere James muss sich hier den Vorwurf gefallen lassen, dass er nicht mehr für seine Mitspieler kreiert hat. 

Natürlich hatte er schon ordentlich Minuten auf dem Buckel. Andererseits sind es die Finals und ein enges Spiel, sodass zwei hart verteidigte Dreipunktwürfe sicher nicht die Abschlüsse sind, die ein LeBron James nehmen sollte.

Als LeBron in den Anfangssekunden der Overtime dann mal im Low-Post bedient wurde, machten seine eigenen Mitspieler es ihm dann umso schwerer. Nachdem LBJ gut isoliert wurde, schneiden Mozgov und Thompson plötzlich zum Korb. Als James selbst auch noch penetriert, sind schon drei Warriors-Defender im bemalten Bereich. Da hat auch ein LeBron James keine Chance mehr auf einfache Punkte.



Die Warriors kamen dagegen mit Freiwürfen gut in diese Verlängerung rein. Zudem spielte ihnen auch noch die Verletzung von Kyrie Irving in die Karten. Genau die Possession, in der sich der Point Guard der Cavs verletzt, nutzten sie gnadenlos aus. Erst verpennt LeBron komplett, dass Igoudala in seinem Rücken davonläuft, dann rotiert gleich zwei Spieler zu Curry und niemand macht Anstalten, „Iggy“ zu verteidigen. Durch weitere Rotationen taucht plötzlich Harrison Barnes komplett frei in der linken Ecke auf und trifft den „Dagger“. Irving hat aufgrund seiner Verletzung keine Chance den Wurf auch noch irgendwie zu verhindern. Bitter!




Auch wenn der King den Warriors insgesamt 44 Punkte (18-38 FGs) einschenkte, machten diese den ersten Schritt Richtung NBA-Thron. Nach einem nervösen Beginn der ersten Fünf waren es vor allem die Rollenspieler wie Andre Igoudala, Harrison Barnes und Marreese Speights, die Steve Kerr und seine Krieger wieder ins Spiel befördern. In der Folge entstand eine ausgeglichene Partie, die aufzeigt, dass beide Teams auf einem ähnlich hohen Niveau agieren können. 

Den großen Schatten wirft aber die Verletzung von Kyrie Irving auf diese Serie. Irving, Mozgov und eben James haben ganze 83 Prozent (!) der Cavs-Punkte in Spiel eins erzielt. Den Ausfall seines Aufbauspielers wird Cleveland nur schwer kompensieren können. 

Sicher ist, dass Iman Shumpert und insbesondere J.R. Smith einen viel größeren offensiven Impact auf diese Serie haben müssen, damit die Cavs noch eine Chance haben. Denn: ohne Irving reichen selbst 50 Punkte von LeBron nicht aus, um den Warriors und noch die Krone vom Haupt zu stoßen..