16 Juni 2015

16. Juni, 2015  |  Chris Schmidt & Sebastian Seidel  @ChrisSchmidt27 @Sebastianctcb


Nach einem 1-2 Rückstand führen die Warriors mittlerweile wieder in der Serie gegen die Cleveland Cavaliers mit 3-2 und haben die Chance, am Dienstag in Cleveland alles klar zu machen.
 Wir werfen einen Blick auf die Schlüsselfaktoren der letzten beiden Partien.



Warriors gehen klein
Die Smallball-Lineup der Golden State Warriors mit Harrison Barnes auf der Vier und Draymond Green auf der Fünf ist zumindest laut Net-Ratings die erfolgreichste Lineup der kompletten Liga. Nach Spiel 3 zog Steve Kerr aus den bis dahin enttäuschenden Leistungen von Andrew Bogut Konsequenzen und degradierte den Australier auf die Bank. Nur 3 Minuten absolvierte er in den beiden letzten Partien.


Vor allem Draymond Green profitiert enorm von der 5-Out-Lineup. 
Hier kann er die Aufmerksamkeit, die Curry im Pick & Roll zieht, besser nutzen und beim Abrollen zum Korb entweder selbst abschließen oder den freien Mitspieler finden. Greens Wiederauferstehung als aggressiver, gefährlicher Alleskönner, der auch punktet, hat die Serie zugunsten der Warriors gekippt



Mehr Curry bitte
In den ersten drei Spielen hatten Curry und die Warriors enorme Probleme mit dem extremen Hedgen in der Pick & Roll Defense der Cavaliers. Oft machte Curry zwar die richtigen Pässe aus dem Doppeln, doch die übrigen Warriors konnten die Aufmerksamkeit, welche die Defensive Curry schenkte, so gut wie gar nicht nutzen.

Obwohl alle Dreierversuche von Barnes und Green in den ersten drei Partien als offen oder weit offen geführt waren, konnten die beiden zusammen nur vier ihrer 18 Dreier treffen.
 Um das extreme Hedgen von Curry im Pick & Roll zu verhindern, wurde Curry in den letzten beiden Spielen deutlich öfter isoliert, um seinen Gegenspieler im 1-gegen-1 zu schlagen - sowohl gegen seinen direkten Gegenspieler Matthew Dellavedova, aber vor allem wenn die Cavaliers in der Pick & Roll-Defense switchten.




Ebenfalls gelingt es Stephen Curry öfter dem Druck der Defense zu entkommen, in dem er das Pick&Roll splittet. Also zwischen den beiden Verteidigern hindurch geht.






Die Rolle des Timofey Mozgov
Obwohl Mozgov in Spiel vier mit 28 Punkten und 10 Rebounds das beste Playoffspiel seiner Karriere ablieferte, sah sich David Blatt in Spiel fünf gezwungen ebenfalls klein zu gehen. Nur noch neun Minuten bekam der Russe im sechsten Spiel der Finals.


David Blatt opferte damit seinen besten Ringbeschützer um ebenfalls klein zu spielen und besseres Spacing in der Offensive zu haben.
Gerade in den ersten drei Spielen waren Mozgov Ringbeschützerqualitäten enorm wichtig für die Cavaliers. Von Bogut konnte er immer wieder gefahrlos aushelfen und die Abschlüsse der Warriors am Korb deutlich erschweren.


Natürlich ist es schwieriger für einen Center in einer 5-Out-Lineup den Ring zu beschützen. Allerdings darf Green (26% Dreierquote in den Playoffs) durchaus auch offen am Perimeter stehen gelassen werden. Statt mit Mozgov versucht es Blatt überwiegend mit Tristan Thompson.


Thompson ist deutlich agiler in der Pick&Roll Defense, kann aber den Ring nicht annährend so gut beschützen wie Mozgov
. Außerdem ist er offensiv deutlich limitierter als Mozgov und kann die Größe der Warriors lediglich durch Offensivrebounds bestrafen.


Die 28 Punkte von Mozgov in Spiel vier zeigen, wie große Probleme die kleinen Warriors mit der Länge von Mozgov unter dem Korb hatten. Oft war er nur durch ein Foul (12 FTA) zu stoppen.
 Auf dem Foto sieht man noch einmal eindrucksvoll wie Mozgov seine Längenvorteile in Spiel vier gegen Green ausspielen konnte.



The X-Factor
Doch bei all den Lobeshymnen auf die kleinen Lineups in diesen Finals, darf man einen Mann nicht vergessen. Der, der es für die Warriors möglich gemacht hat: Andre Igoudala, 31, startet in keinem der 82 regulären Partien, steht dann aber plötzlich in Spiel Vier der NBA Finals in der ersten Fünf.

Mit 22 Punkten und acht Rebounds rechtfertigte er diese Nominierung absolut. In Spiel Fünf stand er dann fast 43 Minuten auf dem Court und verhalf den Warriors mit Triple-Double-ähnlichen Werten zum Sieg (14 Punkte, 8 Rebounds, 7 Assists).

Besonders Mozgov, der Center der Cavs, hatte defensiv große Probleme mit dem wendigen Igoudala. So bekam dieser offene Mitteldistanzwürfe wie diesen, nur weil Mozgov zu viel Respekt vor dem Drive hatte:



Genauso hatten die Warriors mit „Iggy“ auf dem Court viel mehr Möglichkeiten in Transition. Aus dem Einwurf (!) heraus, gestalteten sie ein Fastbreak, weil sich kein Cavs-Defender für Igoudala zuständig fühlte und die Big Men der Cavs logischerweise viel zu langsam sind:



Zusätzlich hat er auch noch seinen Distanzwurf in diesen Finals wiedergefunden. Ganze elf Dreier hat Igoudala den Cavs mittlerweile schon eingeschenkt, sechs davon in den letzten beiden Partien. Da die Cavs-Verteidiger diesen Wurf aber weiterhin nicht respektieren und ihm diesen somit gerne geben, bekommt er solche Looks:



Doch selbst all diese guten Werte zeigen immer noch nicht seinen kompletten Impact: Mit „Iggy“ als Verteidiger trifft LeBron James in dieser Serie nur 35,2 Prozent aus dem Feld.  Zum Vergleich: Gegen Kawhi Leonard traf er in den Finals 2014 ganze 57,6 Prozent.

Nur 29% der Würfe, bei denen Igoudala die Hand in LeBrons Gesicht hat, fallen durch die Reuse. Gegen alle anderen Warriors-Defender trifft James 43 Prozent aus dem Feld. Somit sollte man auch Andre Igoudala unbedingt im Hinterkopf behalten, wenn es um die Wahl des Finals-MVPs 2015 geht. Nach fünf Partien ist Iguodala ein realistischer Kandidat.



Stats via nba.com/stats und basketball-reference.com