25 Juni 2015

25. Juni, 2015  |  nbachefsquad
 @nbachefkoch


Draft Day. Am wichtigsten Abend abseits des Parketts bekommen 60 junge Basketballspieler eine sportliche Heimat, gleichzeitig werden die Weichen für die neue Saison gestellt. Daniel Schlechtriem, Onur Alagöz, Sebastian Seidel, Torben Siemer und Philipp Landsgesell besprechen fünf der unzähligen pressierenden Themen des Abends.


1. Mit dem ersten Pick im 2015 NBA Draft wählen die Minnesota Timberwolves...


Daniel Schlechtriem @W14Pick: Karl-Anthony Towns. Das können nicht mal die Wölfe mit ihrer abenteuerlichen Draft-Historie vergeigen. Okafor wäre zwar auch ein geeigneter Kandidat, aber Towns hat ihm deutlich den Rang abgelaufen.

Onur Alagöz @LakersParadigm: Intelligente Draftentscheidungen gehören in Minnesota nicht zum traditionellen Volkstum. Der ewig spukende Geist von Kahn sucht die Timberwolves zwar noch heim, aber dennoch werden sie die für sie einzig richtige Entscheidung treffen: Karl-Anthony Towns ist für Saunders die einzig richtige Entscheidung. Okafor könnte genauso gut an 1 gehen, passt aber nicht ganz so perfekt ins junge Wolves-Team mit Wiggins, Rubio und Bennett.

Sebastian Seidel @Sebastianctcb: Karl-Anthony Towns. Towns bringt das beste Gesamtpaket aller Prospects mit. Er ist offensiv unglaublich vielseitig und hat sein Potential dort noch lange nicht ausgereizt. Defensiv bringt er ebenfalls großartiges Spielverständnis, Ringbeschützerqualitäten und eine gewisse Mobilität mit. Die andere Alternative, Jahlil Okafor, ist ein sehr talentierter Scorer im Low-Post, muss sich aber in vielen anderen Bereichen noch steigern.

Torben Siemer @lifeoftorben: Karl-Anthony Towns. Die Indizien dafür sind inzwischen recht eindeutig, diversen US-Journalisten zufolge soll ja das Frontoffice der Wolves dem Camp von Towns sogar schon eine Zusage gegeben haben. Ich schließe mich den Gerüchten an: Der Freshman von der University of Kentucky geht nach Minneapolis.

Philipp Landsgesell @Phillyland: Karl Anthony Towns. Der ehemalige Wildcat ist das sichere Ding in diesem Draft. Seine Skills und Größe sind bereits auf NBA-Niveau und sein Wurf aus der Mitteldistanz ist lupenrein. An beiden Enden des Feldes dürfte er sofort zeigen, was er drauf hat. Das hebt ihn von Okafor ab. Auch die Timberwolves sehen das und werden Towns an Nummer Eins ziehen.


2. Als Verlierer der Lottery sollten die Knicks den vierten Pick für einen etablierten Spieler traden.


Daniel Schlechtriem: In New York hat man nicht Jahre Zeit für einen Rebuild, vor allem wenn man die Erwartungshaltung von elf Ringen mit an den Big Apple gebracht und in Carmelo Anthony einen ungeduldigen All-Star in den eigenen Reihen hat. Towns, Okafor und wahrscheinlich auch D'Angelo Russell werden weg sein, alle folgenden Spieler sind ein Risiko und werden kaum sofort helfen. Klare Konsequenz: Ab auf den Basar und feilschen!

Onur Alagöz: Kein disrespect gegenüber Mudiay und Porbazinga, aber keiner von beiden ist schon bereit, um jetzt Impact zu zeigen – und den brauchen die Knicks dringend. Beide sind ein Risiko, in langfristigen rebuilds sicherlich zu gebrauchen, aber Phil Jackson ist getrimmt auf die nächsten zwei Jahre – also weg damit.

Sebastian Seidel: Die Knicks sollten ihren ersten Top-5-Pick seit Patrick Ewing sicherlich nicht einfach verschenken, sondern abwarten, wer an vierter Stelle noch auf dem Draftboard ist. Wenn einer der von den meisten prognostizierten Top-3-Picks Towns, Okafor oder Russell durchrutschen sollte, dann sollte NY nicht wieder ein junges Talent weggeben, sondern langfristig um ihn aufbauen. Auch mit einem Spieler wie Porzingis, Mudiay oder Winslow kann man in die Zukunft gehen und entgegen dem Handeln der vergangenen Jahre mit Ruhe wieder aufbauen.

Torben Siemer: Towns, Okafor, Russell. Das sind aller Voraussicht nach die drei Spieler, die nicht mehr zu haben sein werden an vierter Stelle. Die Knicks haben in den letzten Jahren via Trade (Hi, Melo) so ziemlich jedes Talent weggeschickt, das sie hatten. Allerdings haben die Knicks auch nur knapp 32,5 Millionen Dollar in den Büchern, da sind also viele Gedankenspiele möglich. Aber die Rückschau auf den Melo-Trade sagt: Nachwuchs traden war zuletzt wenig erfolgversprechend.

Philipp Landsgesell: Das kommt – wie immer- auf das Angebot an; Melo wird auch nicht jünger. Es wird interessant sein, wie die Knicks ihr Paradoxon lösen: ein Kader, der extrem nach Rebuild riecht und ein Starspieler, der im Win-now Modus ist. Willkommen bei den New York Knicks 2015.


3. Die Demission Mozgovs und Boguts in den NBA Finals senkt den Marktwert der Bigs im Draft.


Daniel Schlechtriem: Die immer stärker werdende Tendenz zum Small Ball lässt sich nicht wegdiskutieren. Nicht ganz zufällig standen die vier Teams in den Conference Finals, die in den Playoffs die meisten Dreier genommen haben. Die Gattung des bulligen, körperbetonten Power Forwards wird langsam aussterben. Das betrifft im Draft nicht die Top-Leute, aber abgesehen von den klassischen jungen Center wie Gobert oder Capela werden es die größeren Spieler zunehmend immer schwieriger haben.

Onur Alagöz: Nein. Gute Bigs sind zeitlos wie Blue Jeans und weiße T-Shirts. Die ganze Liga reißt sich um Typen wie Cousins, Howard, Davis und Co. Es geht nur in den seltensten Fällen nach ganz oben ohne irgendeine Art von Präsenz unter dem Korb. Wer geht an 1 & 2 weg. Big & Big. Also nochmal: Nein.

Sebastian Seidel: Ich würde nicht sagen, dass sich der Marktwert von großen Spielern ändert. Allerdings hat sich das Anforderungsprofil in den letzten Jahren enorm geändert. Big Men müssen nicht mehr nur in der Defensive die Zone kontrollieren und in der Offensive größtenteils als Interior-Scorer agieren. Sie müssen werfen können um Platz zu schaffen, in der Defensive beweglich genug sein um auch kurzfristig mal vor kleineren Spielern zu bleiben, am besten auch über gute Qualitäten als Passer verfügen und in der Transition mitlaufen. Towns und Okafor verkörpern wunderbar den Center der neuen Ära und den Oldschool-Center.

Torben Siemer: Das glaube ich nicht. Die „Degradierung“ Boguts war in meinen Augen Reaktion auf die dominanten großen Lineups (Mozgov plus Thompson) der Cavaliers. Wirklich konsequent ohne klassischen Big Man haben in den letzten Jahren in meinen Augen nur die Big Three Miami Heat erfolgreich agiert. Ein versatiler, großer Spieler ist immer wertvoll. Trotz Smallball zahle ich also für folgenden Satz ins Phrasenschwein: „You can’t teach height!“

Philipp Landsgesell: Dass zwei Bigs an den ersten beiden Stellen in allen Mock Drafts stehen, spricht gegen diese These. Die NBA wird immer gute Big Men brauchen. Dass die Warriors derart klein spielen konnten, lag vor allem an den defensiven Qualitäten eines Andre Iguodala und eines Draymond Green. Andere NBA-Teams sollten auf keinen Fall in Panik verfallen und nur noch klein spielen wollen. Sie könnten es nicht, denn dafür fehlt ihnen das passende Spielermaterial, wie es Golden State hat.

4. In Kristaps Porzingis und Mario Hezonja werden zwei Europäer in die Top 5 rutschen.


Daniel Schlechtriem: Das hängt von den Magic ab. Ich bin mir sicher, dass Porzingis an der vier weggeht, egal wer da pickt. Dann kommt es auf Orlando an: Gambeln sie mit Mudiay? Holen sie in Winslow einen womöglich zu ähnlichen Spielertypen wie Oladipo? Machen sie etwas ganz Unvorhergesehenes? Einige Teams werden Zweifel an Hezonjas Einstellung haben, deshalb sehe ich ihn eher im niedrig einstelligen Bereich.

Onur Alagöz: Ich will ja nicht haten und hab auch nicht enorm viel von Hezonja gesehen, aber keine Ahnung, wieso man ihn vor Winslow oder Cauley-Stein ziehen sollte. Kein Fan, späte Lottery, mehr nicht. Bei Porzingis ist das schwieriger, der ist nämlich interessant. Klar, die Story vom großen Euro mit Shooting Touch hat man schon paar mal gehört, aber bei einem namens Nowitzki hat sich das dementsprechend gelohnt. Gamble, wie immer, aber definitiv alleine vom Potenzial her ein Top-5-Pick.

Sebastian Seidel: Nach Towns, Okafor und Russell gibt es ein breites Feld an Optionen für die folgenden Teams. Neben Hezonja und Porzingis werden vor allem auch Mudiay und Winslow Chancen eingerechnet, in diesem Bereich gezogen zu werden. Einer der beiden Europäer wird in den Top 5 gezogen, aber vermutlich nicht beide.

Torben Siemer: Porzingis darf wohl ganz eindeutig als Gewinner der Pre-Draft-Workouts angesehen werden, kein anderer Prospect konnte in diesem Jahr wohl seinen Marktwert allein aufgrund der 1-gegen-0-Drills so sehr in die Höhe treiben. Ob neben ihm auch Hezonja in die Top 5 fällt? Ich bin nicht sicher, aber zusammen mit Porzingis, Mudiay und Winslow wird er wohl zwischen vier und sieben seinen Namen vom Podium hören.

Philipp Landsgesell: An dieser Stelle ein großes Kompliment an den Agenten von Kristaps Porzingis. Er hat es bravourös geschafft seinen Klienten ins Rampenlicht der NBA zu stellen. Bei beiden stehen aber große Fragezeichen: Porzingis hat nur individuelle Workouts absolviert, ohne jeglichen Körperkontakt. Hezonja kommt erst nach dem Draft in die USA, hat keine Workouts und Interviews geführt. Meine Prognose: Nur einer der beiden geht in den Top 5.

5. Die Kings (#6) und Nuggets (#7) werden ihren Pick nicht behalten.


Daniel Schlechtriem: Was wollen die Kings überhaupt noch mit einem hohen Pick? Fredette, Robinson, McLemore, Stauskas... alles mehr oder weniger vergebene Liebesmüh'. Um Boogie ruhig zu stellen, brauch es jetzt endlich echte Qualität, nicht noch einen Spieler, der vielleicht eventuell irgendwann mal gut sein könnte. Für den sechsten Pick sind gute und zuverlässige Spieler zu haben. Die Nuggets sind im Rebuild, da ist der siebte Pick kein schlechtes Werkzeug, zumal ihre Draft-Historie ordentlich aussieht. Mudiay, Hezonja, Winslow, Payne... für eine Franchise, die den jungen Spielern Zeit geben kann, wären sie alle ein Versuch wert. Noch besser wäre es aber, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und Lawson zusammen mit dem siebten Pick zu verschiffen, um noch früher ans Frischfleisch zu dürfen und einen potentiellen neuen Franchise Player nach Colorado zu holen.

Onur Alagöz: Die Kings scheinen ja gerade in Gesprächen mit der halben Liga zu sein. Cousins zu veräußern für einen Pick außerhalb der Top-3, egal, welche Dreingabe im Paket geschnürt wird, wäre äußerst dämlich. Vielleicht ist Winslow an 6 noch zu haben, dann würde ich zugreifen.
Die Nuggets sind irgendwie im Nirwana verschwunden. Mittlere Position in der Lottery, damit ist nicht viel zu reißen. Entweder nach oben traden oder raus traden. Anständiges Material in die Mountains holen, das Team ist ohnehin im Umbruch und hat keine Zeit für langwierige Projekte und rebuilds.

Sebastian Seidel: Die Kings unter Vivek Ranadive sind absolut unberechenbar. Bei dem ganzen Drama in den letzten Tagen um Karl, Cousins und Gay ist es gut möglich das sie einen Trade einfädeln. Die Nuggets wollen in rebuilden und vermutlich noch Lawson und Faried per Trade abgeben. Es wäre also auch hier kaum verwunderlich wenn sich an ihrer Draftposition noch etwas tut.

Torben Siemer: Ein möglicher Cousins-Trade soll ja offenbar, wenn überhaupt, erst nach der Draft über die Bühne geben. Den Kings traue ich aktuell fast alles zu, ich sehe aber zumindest in diesem Moment keinen Trade des Picks. Aber das muss ja bei Vivek & Friends nichts heißen. Die Nuggets wollen meines Wissens den Kader umbauen und diverse Spieler abgeben, für den richtigen Gegenwert könnte da auch der Pick im Paket sein. Trade-Prognosen sind für mich reine Spekulation.

Philipp Landsgesell: Bei den Nuggets bin ich mir relativ sicher, dass der Pick in Colorado bleibt. Bei den Kings ist alles möglich: die komplette Franchise hat sich in den letzten Tagen - rund um die Causa Cousins - zur absoluten Witzfigur gemacht. Mich würde nichts mehr überraschen.